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Test: Ibanez AZS2200F-STB Prestige, E-Gitarre

Sounds von A bis Z

28. November 2021
 Ibanez AZS2200F-STB Prestige

Ibanez AZS2200F-STB Prestige im Amazona Test

Seit ihrem Erscheinen im Jahr 2018 ergänzt die AZ-Baureihe von Ibanez die altbewährten Serien der RG- und S-Modelle zu einem dritten Standbein in der Instrumentenproduktion des japanischen Herstellers. Auch hier wieder unterteilt in die kostengünstigere indonesische Variante „Premium“ und die Instrumente aus japanischer Fertigung, die in der sogenannten „Prestige“ Baureihe erscheinen und damit die Speerspitze der in Serie gefertigten Instrumente von Ibanez darstellen. Aus der japanischen Oberklasse erreicht uns nun zum Test eine Single-Cut im T-Style, die in ihrem Sunset-Burst-Finish wohl vor allem die traditionelle Kundschaft anlocken möchte. Die sollte man aber genügend Kleingeld parat haben, denn ganz billig ist die Ibanez AZS2200F-STB Prestige leider nicht. Dafür kann sie aber eine Menge, wie wir im folgenden Review erfahren werden.

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Ibanez AZS2200F-STB Prestige – Facts & Features

Das Shaping des Korpus entspricht einem Mix aus klassischem T-Style und den Flachbrettern aus der S-Serie, aus dessen Quell die Ibanez AZS2200F-STB Prestige ganz offensichtlich entspringt. Verwendet wurden als Basis zwei Stück Erle, die zusammen mit einer dezent geflammten Riegelahorndecke im traditionell anmutenden Sunset-Burst-Finish verleimt und mit einem Hochglanzlack versiegelt wurden. Der „Burst-Effekt“, also der Verlauf der fast schwarzen Ränder zur Innenseite der glutfarbenen Lackierung, setzt sich auch auf der Rückseite fort. Dort hinten gilt es neben den Abdeckungen für die Zugänge zur Elektronik, dem Vibrato und der Klinkenbuchse die Fräsungen rund um den Hals-Korpus-Übergang zu erwähnen. Ein recht großer Radius wurde hier bis zum Cutaway aus dem Holz geschnitzt, um es der Greifhand beim Bespielen der oberen Lagen so einfach wie nur möglich zu gestalten.

Und das ist sehr gut gelungen, denn zusammen mit dem ohnehin schon sehr kleinen und ergonomisch gestalteten Übergang ergibt sich auch beim Solieren jenseits des 15. Bundes eine vorzügliche Erreichbarkeit bis zum äußersten Ende des Halses. Warum man jedoch vergessen hat, die Abdeckung für das Vibrato so wie die beiden anderen Deckel in den Korpus einzulassen, bleibt bei der ansonsten so ergonomischen Bauweise fraglich. Es könnte also hier und da mal etwas klemmen. Für weitere Bequemlichkeiten sorgt eine große Fräsung im oberen Teil der Rückseite, man bezeichnet dieses Shaping, wir wissen es alle, als „Bierbauchfräsung“ und auch in unserem Fall lässt diese Aussparung das Instrument bequem am Körper des Spielers anliegen.

Ibanez AZS2200F-STB Prestige

Die Rückseite der Ibanez AZS2200F-STB Prestige – Ergonomisch gestaltet wie eh und je

Roasted Maple Neck

Was einst bei der Serienproduktion von Music Man begann, setzt seinen Siegeszug in der Branche unvermindert fort: das Rösten von Ahornhälsen. Diese Wärmebehandlung soll dem verwendeten Holz neben einer höheren Steifigkeit auch ein besseres Schwingungsverhalten ermöglichen und somit den Sound des Instruments dezent aufpeppen. Ob dem so ist, darüber streiten sich die Geister an den Musikerstammtischen dieser Welt. Tatsache ist jedoch, dass diese kaffeebraune Färbung unsere Ibanez AZS2200F-STB Prestige schon irgendwie sexy ausschauen lässt und zudem eine Art von gewissem Vintage-Flair versprüht. Der hier verwendete Hals besitzt zusätzlich noch ein ebenfalls wärmebehandeltes Griffbrett aus demselben Material mit kleinen, aber feinen Pearloid Dots an den bekannten Stellen besetzt.

Mit einem Radius von 12″ geht es beim Griffbrett im Vergleich zu den Flachbrettern der Wizard-Necks deutlich traditioneller zu, mit denen der Hersteller ein Großteil seiner RG- und S-Serie ja überwiegend ausrüstet. Das Gleiche gilt für das Halsprofil, das deutlich mehr Fleisch zum Greifen bietet und mit einem dezenten Compound-Radius versehen wurde: Der ändert die Dicke des Profils gleichmäßig von 20,5 mm am ersten bis hin zu 22,5 mm am zwölften Bund. Über die Qualität der Bundierung muss man kaum ein Wort verlieren, dermaßen hochwertig wurden die 22 Edelstahlbünde eingelassen und mit dem „Prestige Fret Edge Treatment“ behandelt, was die Kanten der Bundstäbchen auf beiden Seiten so glatt wie eine Kugel macht und für eine perfekte Politur ihrer Oberseiten sorgt.

Hardware von Gotoh

Für das Vintage-Style-Vibrato und die Klemmmechaniken an der Kopfplatte werden Parts des japanischen Herstellers Gotoh verwendet. An sich eine sichere Sache, nur funktioniert das System nicht immer zuverlässig und hinterlässt nach dem Betätigen mit dem Hebel dann und wann Verstimmungen auftreten. Mal mehr oder mal weniger stark, je nachdem wie stark man die Stimmung nach unten treibt. Nach oben geht leider nicht, denn das System liegt fest auf der Decke und wird mit enormer Federkraft dort angepresst. Das scheint von Ibanez so gewollt, denn während ein großer Teil der AZ-Baureihe dort eine entsprechende Fräsung für den Vibratoblock in der Decke besitzt, muss die AZS2200F-STB Prestige darauf verzichten. Ibanez erörtert diesen Umstand mit einem besseren Resonanzverhalten und einem dynamischeren Klang – ich hingegen finde, dass ein Vibrato-System in beide Richtungen arbeiten sollte und man so in diesem Zustand bzw. Set-up auf mindestens 50 % Performance verzichtet.

Gut möglich, dass man durch leichtes Anheben der zwei Bolzen und der Korrektur der Saitenreiter im wahrsten Sinne des Wortes „noch etwas bewegen“ kann. Ähnlich habe ich das übrigens bei meiner Music Man Silhouette Special gemacht, denn auch bei der existiert keine Fräsung unter dem Vibratoblock. Wunder sind natürlich keine zu erwarten, aber ein Halbton nach oben ist durchaus möglich und würde die Lage doch schon deutlich entspannen bzw. die Performance mit dem Hebel ein gutes Stück erweitern.

Ibanez AZS2200F-STB Prestige Gotoh Hardware

Gotoh T1802 Vintage Vibrato auf zwei Bolzen

Seymour Duncan Pickups

Obwohl Ibanez ja eine ganze Reihe von Tonabnehmern selbst produziert, setzt man bei der AZS2200F-STB Prestige auf Tonabnehmer aus dem Hause Seymour Duncan. So wurde in die Chromplatte am Steg Tele-typisch ein Singlecoil mit der Bezeichnung AlNiCo II Pro Custom eingesetzt, während am Hals ein Mini-Humbucker mit dem Namen „Magic Touch“ die Tonabnahme übernimmt. Wäre der kleine unscheinbare Mini-Schalter zwischen den beiden Potis für Volume und Tone nicht, dann könnte man von einer klassischen Dreiwegeschaltung sprechen, die vom Pickup-Wahlschalter und seinen drei Stufen gesteuert wird. Dieser kleine Schalter aber versetzt die Elektrik in ein zweites, alternatives Klangbild, weshalb er sinngemäß als „Alter-Switch“ bezeichnet wird und die Klangvielfalt um einige interessante Aspekte erweitert. Dazu ein Bild der möglichen Kombinationen der Pickups mit und ohne aktivierten Alter-Switch:

Ibanez AZS2200F-STB Schaltung Electrics

Die verschiedenen Kombinationen der Pickups MIT und OHNE aktiviertem Alter-Switch

Hinsichtlich der Qualität der verwendeten Bauteile gibt es nur wenig Kritik, die beiden Schalter rasten knackig in ihren Positionen ein und auch die Potis laufen frei von Spiel auf ihren Achsen. Durch die Metallknöpfe sind sie auch bei feuchten Händen gut zu greifen und das sollten sie auch, denn sie laufen doch recht zäh, was mich insbesondere beim Volume-Regler doch etwas stört. Aber das ist ja letztlich Geschmackssache.

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Ibanez AZS2200F-STB Prestige – Wie klingt sie?

Die Kombination von Erle als Korpus und Ahorn für den Hals hat sich seit Dekaden bewährt und davon profitiert auch die Ibanez AZS2200F-STB Prestige spürbar. Ihr akustischer (unverstärkter) Klang macht bereits klar, wohin die Reise gehen soll. Der Sound ist von einem soliden Bassfundament und einem glasigen Mitten-Höhenbereich geprägt, was zusammen mit dem überraschend kräftigen Sustain schon im Trockenbetrieb für fette Akkorde/Voicings und lang ausklingende Single-Notes sorgt. Die beiden Duncan-Pickups ergänzen dieses wunderbar warme wie potente Klangbild mit einem Schuss Vintage-Prägung und jeder Menge Dynamik und einem hohen Headroom. Sie passen zum Grundcharakter des Instruments schlicht wie die Faust aufs Auge und bieten zusammen mit dem alternativen Setting der Elektronik ein enorm breites Klangpotenzial für alles, was auch nur im Entferntesten mit Rock ’n‘ Roll zu tun hat. Insbesondere der „Magic Touch“ Mini-Humbucker in der Halsposition sticht durch seinen singenden Charakter und seine extrem sauberer Artikulation hervor.

Getrübt wird das überzeugende Bild lediglich durch die zähe und eingeschränkte Bedienung des Vibrato-Systems, das zudem noch nach Benutzung die Saiten nicht in ihre ursprüngliche Position zurückführt und daher für Verstimmungen sorgen kann. Schuld an der Misere dürfte vermutlich der Knochensattel sein, denn die sechs Gotoh Klemmmechaniken sind schon von der besseren Sorte. Ebenso vermutlich ist es dann, dass sich die Sache nach einer Weile der Benutzung verbessert, wenn die Saiten die Kerben in ihre gewünschte Größe gefeilt haben. Schade bleibt es trotzdem – und hinterlässt einen schalen Beigeschmack bei einem sonst rundum gelungenen Auftritt der AZS2200F-STB Prestige.

Ibanez AZS2200F-STB Prestige – Klangbeispiele

Für die folgenden Klangbeispiele habe ich die Ibanez AZS2200F-STB Prestige zusammen mit einem Orange Micro Dark Amp betrieben. Am Verstärker angeschlossen hören wir das Signal aus einer 1×12″ Celestion Vintage 30 Box, abgenommen mit einem AKG C3000 Mikrofon in Logic Audio.

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Fazit

Wären die Unstimmigkeiten mit dem Vibrato nicht, dann wäre ich durchaus geneigt, der Ibanez AZS2200F-STB Prestige unsere Bestbewertung zu verleihen. Das Instrument bietet eine hohe Qualität in allen wichtigen Disziplinen wie in der Verarbeitung, dem Klangcharakter, der variablen elektrischen Schaltung und verwöhnt zudem mit einer äußerst angenehmen Bespielbarkeit und nicht zuletzt auch mit einer sehr ansprechenden Optik für Freunde des traditionellen Looks. So aber reicht es nur zu einem „Sehr gut“ mit der Hoffnung, dass sich die Stimmprobleme mit der Zeit von selbst lösen mögen.

Plus

  • vielseitiger Klang durch erweiterte Schaltung
  • kräftiges Sustain
  • sehr gut bespielbar
  • hochwertige Verarbeitung
  • Optik
  • robustes Form-Case im Lieferumfang

Minus

  • Regler sehr schwergängig
  • Vibratosystem (Konstruktion und Stimmstabilität)

Preis

  • 2.499,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    kinsast

    „….Kopfplatte werden Teile des US-Herstellers Gotoh verwendet“ > Gotoh ist eine Japanische Firma.

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