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Interview: Andreas Frenkel-Piesch, En Voice (Teil 1)

20 Jahre En Voice: Ein großer Rückblick

3. Januar 2026

En VoiceZwanzig Jahre En Voice sind ein guter Anlass, genauer hinzuhören, denn im ersten Teil des Interviews spricht Andreas Frenkel-Piesch über seine Anfänge in der Frankfurter Elektronikszene, über frühe Studioarbeit mit klassischer Hardware und über die ersten Veröffentlichungen von En Voice Mitte der 2000er-Jahre.

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Nach langer Pause ist En Voice mit der EP „Route du Soleil“ und der Single „Golden Hour“ zurück und knüpft bewusst an frühere Zeiten an, ohne stehen zu bleiben.

Musikalische Anfänge von En Voice und Werdegang

Gereon:
Du hast das Projekt En Voice 2002 in Frankfurt gegründet. Wie bist du damals zur elektronischen Musik gekommen und wer oder was hat dich in dieser Zeit besonders geprägt?

Andreas:
Zur elektronischen Musik bin ich in der zweiten Hälfte der 1990er gekommen. Es war die Zeit des Techno und in Frankfurt war die Szene sehr aktiv. Es war vor allem der Trance, der mich angesprochen hatte. Die Energie, die von dieser Musik ausging, faszinierte mich. Um 1997 begann ich, angetrieben durch Techno, mein erstes kleines Setup zusammenzustellen und tüftelte an den ersten Tracks.

Anfang der 2000er interessierte mich zunehmend auch für die ruhigere Variante der elektronischen Musik. Und so kam es, dass ich inspiriert durch Downbeat und Chillout, angefangen habe, langsamere Stücke zu machen. Ich genoss eine gewisse Gelassenheit, die davon ausging. Es zog mich tiefer in diese Musik, ich konnte stundenlang im Dauerloop an den Details eines Tracks arbeiten.

Andreas in seinem Studio. En Voice

En Voice-Gründer Andreas in seinem Studio, das im zweiten Teil des Interviews näher beleuchtet wird

Ich erinnere mich noch gut an „Summer Rain“, für den ich nach einen Sound-Effekt suchte, den ich im Kopf hatte, aber nichts Passendes finden konnte. Nach erfolglosen Versuchen mit Synthesizern oder Sampling-CDs das Passende zu finden, platzierte ich ein Mikrofon vor einem alten Röhrenradio von 1958, nahm die „manuelle“ Sendersuche auf und mischte es unter die Flächen-Sounds für das Intro. Das war das gewisse Etwas, was mir noch für den Track fehlte. Das alte Radio habe ich heute immer noch (lacht).

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Ich mochte es, im Detail an Samples, Percussion oder Sounds zu tüfteln und oft vergaß ich alles um mich herum. Die sphärischen Flächen und melodischen Leadsounds, kombiniert mit groovigen Drums und Percussions, waren genau das, was mich begeisterte. Musikalisch geprägt hat mich neben Techno die Musik von beispielsweise Mike Oldfield, Dire Straits, Jean-Michel Jarre und insbesondere Vangelis mit seinen Werken wie Voices, Oceanic oder den Soundtracks zu Bladerunner und 1492 – Conquest of Paradise. Er hat der Welt musikalisch viel gegeben und viele seiner Stücke sind für mich bis heute einzigartig.

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Ein Blick zurück: Das Setup von damals

Gereon:
In deinen Anfängen war das technische Umfeld noch ein ganz anderes als heute. Mit welchen Instrumenten oder Software hast du damals gearbeitet und wie sehr haben diese Setups deinen frühen Sound bestimmt?

Andreas:
Es dauerte damals alles einfach ein bisschen länger, bis die Sounds eingestellt, aufgenommen und die Samples geladen waren. Das Arbeiten mit der Hardware war manchmal schon etwas umständlich und bedeutete, sich inmitten einer kreativen Phase mit einer etwas fummeligen Menüführung eines Synthesizers auseinandersetzen zu müssen. Das führte, was den Flow betraf, nicht immer zum gewünschten Erfolg.

Mein Setup bestand damals aus einem Access Virus B, Alesis QS6, Yamaha CS1X, Yamaha DX7, einem Oberheim Matrix 6R, dem Waldorf MicroQ sowie einem Roland M-DC 1. Als Computer hatte ich 2004 einen Apple Mac G4 und als DAW Logic 6 von Emagic.

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Auch der Workflow am Rechner war seinerzeit noch etwas anders als heute. Die Computer waren noch nicht so leistungsstark und RAM war teuer. Die fehlende Performance wurde durch das Bouncen der Software-Instrumente als Audio-File oder durch das Freezen von Spuren in der DAW ausgeglichen, was ab Version 6 möglich wurde und das klappte ganz gut.

Die ersten Software-Instrumente, die ich mir gekauft hatte, waren der Atmosphere, Trilogy sowie Stylus von Spectrasonics. In Sachen Handling war der Umstieg von Hard- auf Software-Synthesizer für mich schon ein großer Vorteil. Mit diesem Setup sind die Tracks auf den beiden Alben entstanden, die ich in meinem Studio produziert habe und natürlich mit dem Setup, das Roland in seinem Studio in Frankfurt hatte, an das ich mich leider nicht mehr so genau erinnere. Ein Roland JV-1080 war glaube ich dabei.

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Die ersten Tracks auf einer Compilation

Gereon:
Das Debüt „Inclination for Composure“ liegt nun 20 Jahre zurück. Was geht dir durch den Kopf, wenn du heute auf diese Zeit zurückschaust?

Andreas:
20 Jahre – kaum zu glauben – ich hätte nicht gedacht, dass die Zeit so schnell vergeht. Es war 2002, als ich an ersten Chillout Tracks bastelte, als ich Roland, der auch als Gitarrist in einer Rockband spielte, durch einen Bekannten kennenlernte. Roland tüftelte ebenfalls an Downbeat-Stücken, so dass ein Nenner schnell gefunden war. Wir trafen uns abwechselnd mal in seinem Studio in Frankfurt und mal in meinem.

Ein Preamp darf im Studio nicht fehlen. Bei Andreas ist es der SPL Goldmike MK2. En Voice

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Anfang 2003 bekam ich von einem A&R Scout das Angebot, Musik von uns auf eine Compilation zu nehmen. Die ersten Tracks die von En Voice veröffentlicht wurden, waren „Coming Down“ und „Playground“ auf der Compilation „Chillum Dreams III“. Im selben Jahr konnten wir noch drei Titel auf der Compilation „Electronic:Lounge“ platzieren, darüber haben wir uns riesig gefreut.

Anfang 2005 erhielt ich dann das Angebot von einem Label, ein Album zu veröffentlichen. Wir machten uns in den folgenden Monaten ans Werk. Es gab eine Deadline, in der wir liefern wollten, und im November 2005 wurde das Debütalbum „Inclination for Composure“ als CD auf dem Londoner Label Millennium Records veröffentlicht. Das war für uns einfach großartig.

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Im Folgejahr erhielt ich tatsächlich erneut eine Anfrage vom Label, ob wir Lust auf ein weiteres Album hätten. Das hatte ich nicht erwartet. Wow! Ich arbeitete in jeder freien Minute an neuen Tracks, teils bis tief in die Nacht hinein. Ein Jahr nach dem Debüt erschien das Album „Hall of Dreams“ ebenfalls auf CD. Roland hatte sich inzwischen wieder seinen Musikprojekten zugewandt und beteiligte sich für das zweite Album nur noch mit einem Track.

Die Verkaufszahlen waren insgesamt sicher nicht mit kommerziellen Erfolgen größerer Bands oder Solo-Künstler vergleichbar, dennoch hatte En Voice für das eine oder andere gute Feedback gesorgt. Anfragen für Kopplungen gingen ein und DJs schrieben mir Feedbacks zu den Releases, das war super. Das Mushroom Magazine beschrieb damals das Debütalbum als „Musikalisch und soundtechnisch schönen Film, der wahrlich beachtlich ist.“ Ich freute mich unglaublich, dass die Musik diese Reaktion erhielt. Es ist eine Zeit, an die ich mich sehr gerne erinnere.

En Voice

Im zweiten Teil des Interviews verrät Andreas uns, wie sein Workflow, seine Entwicklungen und sein neues Studio aussehen.

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Über den Autor
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Gereon Gwosdek RED

Leidenschaft für Tasten und Technik, Musikschulinhaber und Bandleader im Bereich von christlicher Musik.

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  1. Profilbild
    Filterpad AHU

    Das ich und die Mukke von Andi Freunde werden, gestaltet sich zugegeben etwas schwierig. 🤐 Nicht wegen dem Genre Ambient, nö-nö. Soundtechnisch ist das wirklich gut gemacht, keine Frage! Aber zum Beispiel im Track Summer Rain, als bei 1.25 die Percussion hinzukommen, knallen diese ziemlich laut rein und brechen sofort nach einem Takt wieder ab! Kurze Zeit später das selbige Spiel. Arrangementtechnisch wäre es meiner persönlichen Ansicht nach klüger gewesen, diese ganz soft einzufaden und dezent im Backround wirken zu lassen, und zwar so lange, bis die BD kommt. Falls jemand fragt, was das für eine Rolle spielt? – Wirkung von Musik! – Das ist der springende Punkt. Aber man hört die Vorbilder wie Vangelis, Brian Eno oder Tangerine D. heraus. Wer von uns hat keine Vorbilder und Inspirationen. Bis dahin alles Gute.

    • Profilbild
      herw RED

      @Filterpad stimmt
      Ohne Zweifel sind die klanglichen Eindrücke und die Qualität der Klänge räumlich umwerfend und sicherlich, soliert betrachtet, perfekt in Szene gesetzt.

      Ich habe zu Ambient ein unklares Verhältnis.
      Einerseits mag ich lange Stücke, andererseits gibt es nur zwei, drei Akkorde, die eine Wohlfühldecke bilden; allerdings besteht die Gefahr, dass die Melodieführung und die Melodieideen in derselben Dreitönigkeit versinken:
      „Wer zuerst den nächsten Ton spielt, hat verloren.”
      Die Versuchung ist groß, dem Zuhörer zu zeigen: „Siehst du, da kommt der nächste Klang, das nächste Geräusch oder der umwerfende Effekt.” – eine endlos lange Aneinanderreihung von unfertigen Ideen?

      Oft habe ich den Eindruck, dass bei jedem Ambientstück nur eine filmische Szene und die Weite des Weltalls im Kopf abläuft.

      Aber auch Ambient braucht meiner Meinung nach Abwechslung und Entwicklung.

      • Profilbild
        Filterpad AHU

        @herw Danke, weil so gut wie immer stehe ich mit solchen Ansichten alleine da. Mir geht es auch ausschließlich um die Wirkung (durch ein Arrangement) der Musik bei solchen Themen, nicht um Personen oder deren Gerätschaften oder Ähnliches. Soundtechnisch ist das sehr gut gemacht und jede Musik hat ihre Daseinsberechtigung, Hörer und Fans. Ich bekomme solch einen Sound definitiv nicht hin. Technik ist das eine, Musik (Wirkung durch Arrangement) das andere.

      • Profilbild
        fitzgeraldo AHU

        @herw Da magst du mit deiner Sicht auf dieses Genre nicht ganz unrecht haben.
        Nur: ich habe im ganzen Artikel kein einziges mal das Wort „Ambient“ gelesen.
        Und ich glaube, diesem sympathischen Interview zufolge, sieht Andreas Frenkel-Piesch seine Musik auch nicht in dieser Schublade. Nach dem Durchhören einiger seiner Tracks auf Apple Music ist mir viel dazu eingefallen. „Ambient“ war sicher nicht dabei. Kann aber auch gut sein, dass ich da was falsch verstehe …

  2. Profilbild
    CDRowell AHU

    Danke! Danke, für die Einblicke und Klänge in diesem Artikel. Es freut mich, dass ich am Produktionsgebaren anderer dank AMAZONA teilhaben kann.

    Ob ich das vorgestellte gut finde? Das ist aus meiner Sicht nicht relevant. Es ist klasse, wenn Produzenten den Mut aufbringen sich mit den Produkten zu präsentieren. Das allein empfinde ich als lobenswert! Meine Meinungen habe. da wenig gewicht, da mich die breiten möglichkeiten des Tuns wirklich als Erweiterung meiner Base verstehe…

    Danke für die Möglichkeit, mich erweitern zu können und neues lernen zu dürfen.

    Moin!

  3. Profilbild
    EleKKtro

    Schöne Einblicke in das Produktionsumfeld anderer musizierender Menschen! Die Musik klingt heute zwar eher altmodisch aber instrumental-elektronisches hat ja auch was Zeitloses. Gerne mehr solche Storys 👍

    • Profilbild
      Mixit

      @EleKKtro Da stimme ich dir zu, etwas zeitloses hat sie.

      Die Musik aus dem Artikel wurde vor 20 Jahren veröffentlicht, denke da darf es aus heutiger Sicht auch etwas altbacken sein. 🙂

  4. Mehr anzeigen
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