Interview: Andreas Kaufmann, tonkeule.de

AMAZONA:
Gab es denn im Zuge der Wiedervereinigung Veränderungen bei der DEFA? Speziell für Euch Mitarbeiter?

Andreas:
Mit dem Einzug der Marktwirtschaft konnte auch die DEFA es sich nicht mehr leisten, fast 3.000 feste Mitarbeiter zu beschäftigen. Wir wurden bis auf wenige Ausnahmen entlassen und mussten uns nun auf dem Markt behaupten. Ich kann hier nur für meine Kollegen vom Ton sprechen, aber wir hatten durch unsere solide Ausbildung und die jahrelange Erfahrung fast alle keine Schwierigkeiten, Fuß zu fassen.

AMAZONA:
Neben Deiner Tätigkeit als Tonmeister reparierst und baust Du selbst Lautsprecher, allesamt aus dem Fundus des ehemaligen DDR-Herstellers RFT bzw. VEB Musicelectronic Geithain. Gehörten die Lautsprecher früher zum Inventar der DEFA oder wie kamst Du darauf? Einige Leser werden RFT/Geithain vielleicht nicht kennen, erzähl uns kurz etwas dazu.

Andreas:
Die Nummer mit den Lautsprechern hat eigentlich erst nach dem Film angefangen. In den letzten Jahren bin ich nicht mehr von einem Film in den nächsten gefallen, wollte und konnte aber nicht untätig zu Hause rumsitzen und meiner Familie auf die Nerven fallen.

Links die alten RFT BR50, rechts die von Andreas neu designten

Links die alten RFT BR50, rechts die von Andreas neu designten

Ein Freund von mir hat mir ein Paar BR50 Lautsprecherboxen von RFT (Rundfunk- und Fernmeldetechnik) geschenkt, natürlich kaputt. Ich kannte die Qualität der BR50, da diese auch bei der DEFA in kleineren Filmvorführateliers eingesetzt waren. In Regieräumen allerdings haben wir mit RL900 von Geithain gearbeitet, die ja heute schon Kultstatus unter einschlägigen Fachleuten besitzen. Eben jene Firma, Musikelectronic Geithain, unter dem Gründer Joachim Kiesler, hat für den Hi-Fi Bereich in der DDR eine Reihe Bassreflex-Lautsprecher entwickelt und anfänglich auch selbst gebaut. Später wurde die Produktion in andere Betriebe des Verbundes RFT ausgelagert. Dazu gehören die BR25, BR26 sowie auch die BR50.

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Ein Kriterium das unter anderem zu der hervorragenden Qualität dieser Lautsprecher beigetragen hat, war der Einsatz von Schaumgummisicken.Das Hauptproblem bei Lautsprecherchassis, bei denen die Membran mit einer Schaumgummisicke aufgehängt ist, ist der Schaumgummi, der trocknet mit den Jahren aus, bekommt Risse und zerbröselt, und das nicht nur bei DDR-Sicken. Ich, als gestandener Ossi, habe mich sofort drangesetzt, mir passende Sicken besorgt, in einschlägigen Foren mir Anleitungen angesehen und meine ersten Chassis repariert.

Die Gehäuse waren noch recht gut, so habe ich die auch so gelassen. Dann habe ich im A/B-Vergleich die Stereohauptlautsprecher meiner nicht gerade billigen 5.1 Anlage eines namhaften Berliner Unternehmens mit den BR50 getestet. Von da an sind in meinem Arbeitszimmer nur noch RFT-Lautsprecher zu finden, die alte Anlage habe ich verkauft.

Forum
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    wolftarkin  

    Ich verstehe die Einleitung nicht? Waren die Namen RFT und vor allem Geithain dem Autor bekannt oder nicht?
    Wie kann man dann beim Thema „DDR-Lautsprecher“ abschalten? Wer sich mit der Materie befasst, müsste zumindest den Namen Geithain kennen.

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      Felix Thoma  RED

      Hallo wolftarkin,
      sowohl Geithain als auch RFT waren mir vor dem Interview bekannt, ich hatte sie beide allerdings nicht als potentielle Kandidaten für mein Studio angesehen. Ich wollte das Ganze nur etwas überspitzt formulieren :-)

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    j.rauner  RED

    Hallo Felix,
    da hast du wirklich eine interessante Story und einen interessanten Menschen „ausgegraben“. Hat Spaß gemacht zu lesen! Was ich noch nicht so recht verstanden habe, die RFT Lautsprecher sind alle HIFI-Boxen und keine Studiomonitore. Oder habe ich da etwas missverstanden?

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      Felix Thoma  RED

      Hallo,
      danke, freut mich dass das Interview Dir gefallen hat. Die RFT Lautsprecher wurden ursprünglich für den Hifi Markt entwickelt, aber wie Andreas im Interview bereits angemerkt hat, stand bei der Entwicklung vor allem die Qualität im Vordergrund und das macht sie durchaus für den Studio Bereich interessant. Klanglich sind sie wirklich interessant und selbst beim Vergleich mit höherpreisigen Monitore konnten die BR50 von Andreas sehr gut mithalten.

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        BRHeini

        Hallo Herr Thoma,
        der Bericht ist schön. Ich habe Ihnen einen Bericht zu den letzten Aktionen für die Vorstellung der originalen BR50- Boxen bei Profihändlern in 1990 gesendet. Diese Boxen haben Studioqualität. Einfach mal vergleichshören. Jeder, der diese heute noch hat, ist ein wahrer Glückspilz.
        Viele Grüße
        BRHeini

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    vssmnn  

    Danke, sehr interessanter Beitrag.
    Ich fand viele der alten RFT DDR Boxen schon immer recht gut… bzw. sogar sehr gut!
    Ebenso die Verstärker aus den Transistor-Radios der Tocatta Serie, bekommt man in der Bucht für unter 50€, finde ich extrem geil und ziehe ich aktuellen Modellen mit Marketing-Schnickschnack vor.

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      Marienberg

      Hallo Conrad,
      BR50 eine tolle Box, die ich seit 1986 selber habe und neben den „Standarts“ gerne höhre. Was Rema Tocata und Andante betrifft, soundmäßig sehr angenehm aber das waren auch noch Germaniumendstufentransistoren.

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          TobyB  RED

          Mahlzeit,

          Germanium Transistoren haben andere Kennlinien als Silizium Transistoren. Die Durchbruchspannung liegt bei Germanium bei ca 0,2V. Das war auch schon mal Thema im Sequencer Forum http://www.....p?p=242370

          Allerdings sind die Dinger auch empfindlich gegen Hitze und so weiter.

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        BRHeini

        Hllo Marienberg, BR50 aus 1986? Sind da noch die Sicken ganz? Oder haben Sie diese schon erneuern lassen? In welcher Farbe sind diese vermutlich ersten Muster?
        Viele Grüße
        BRHeini

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            BRHeini

            Guten Abend,
            Nusbaum schwarz. Das ist interessant. Wer hat diese BR50 1986 gebaut bzw. hergestellt? Ich kenne die naturgebeizten Furniere, die waren leider alle heller wie z.B.Esche natur auch mit naturfarbener Front, oder Ahorn Natur mit schwarzer Front. Es soll wohl auch Nusbaum in braun gemacht worden sein(?) Ich würde mich über ein Bild sehr freuen. Viele Grüße BRHeini

  4. Profilbild
    BlackSun

    Ich finde den Artikel sehr spannend, da ich von diesen Boxen so noch nichts gehört habe. Als 89er Baujahr ist die DDR auch an mir (fast) spurlos vorbeigezogen.

    Wie viel kostet denn ein neues gefertigtes Paar BR50? Da Weihnachten vor der Tür steht und mein Studio noch eine Zweitabhöre benötigt… geht da vielleicht was?! ^^

    Des Weiteren gefragt: Diese Boxen sind passiv, oder? Wenn ja, Gibt es eine konkrete Empfehlung für einen Verstärker o.ä. zusätzliche Infos?

    • Profilbild
      Felix Thoma  RED

      Hallo BlackSun,
      ja, die BR50 sind passiv. Alles Weitere am Besten direkt mit Andreas besprechen. Den Link zu seiner Webseite findest Du am Ende des Interviews.

  5. Profilbild
    TobyB  RED

    Gudde Felix,

    Super Job und klasse Interview mit einem echten Original. Ich erinnere mich noch an meine Lehre bei Zeiss in Jena, da hingen die BR immer von der Decke im Filmclub oder Dienstags und Donnerstags als Mitten und Hochtöner von der Decke. Die Subwoofer waren ein paar umgebaute Vermona Boxen. Angesteuert mit Verstärkern und Frequenzweichen der Marke FDJ forscht. Hat funktioniert. Super Sache!

  6. Profilbild
    Vati  

    Das ist doch eine echte Rarität im Audioeinheitsbrei. Ich benutze die BR25 seit etlichen Jahren. Habe sie aber nicht mehr an exponierter Stelle im Studio zu stehen. Warum?
    Weil Kunden eine andere Hardware erwarten und sehen !! wollen. Das trifft auch für andere Geräte zu. Handverdrahtet- und verlötet im Retro Design oder Alu gebürstet sieht amtlicher aus und klingt in derern „Augen“ auch besser. Wird ja hier bei Amazona auch mal so gesehen. Vielleicht stellt mal einer kostengünstige Dummys von diesen „amtlichen “ Geräten her.
    Grüße von Vati

  7. Profilbild
    Stump

    Benutze die BR50 auch schon seit knapp 10 Jahren als PC/Studiomonitore. Bin sehr zufrieden und das Abhören wird nie anstrengend. Den Umbau finde ich auch sehr interessant, allerdings sehen meine LS wie neu aus, daher kein Bedarf an einem neuen Gehäuse bzw. einer Überholung ;-)

  8. Profilbild
    paul601

    Ein klasse Beitrag und ich finde es super,wenn es Leute gibt ,welche sich um diese Schätzchen sich kümmern.
    Leider ist es aber so,man ist 89 hängen geblieben.Was ist aus den Protptypen und Mustern geworden,welche nie den Markt erreicht haben? Bzw.dann unter anderen Namen,von 90-97 irgendwo verrammscht worden sind.
    Ein Beispiel: die B9461 Akzent von FWK oder die Newline160 aus Leipzig.
    Gern würde ich meine Erkenntnisse zur Verfügung stellen,nur leider stehe ich warscheinlich damit allein da.
    Die Akzent habe ich bereits erfolgreich neu erstehen lassen und an der NewLine160 arbeite ich bereits.
    Ich betreibe dies als Hobby um zu zeigen was doch möglich war und etwas zu nutzen was wirklich sehr selten bzw. einmalig ist.
    mfg paul601

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