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Interview: Andreas Rieke alias And.Ypsilon, Teil 1

Andis selbsprogrammierter Sequenzer: Ein Grid-Sequenzer mit maximal 24 Schritten zur direkten Ansteuerung des Dr. Rhythm (Boss), S-10 (Roland) sowie des Drum-Sample Players Marke Eigenbau. Zur Programmierung von Sequenzen bedient man den Cursor über die Pfeiltasten und setzt mit Enter die Noten Events. Der vertikale Balken über dem Netz gibt die Länge der Sequenz an. Gespeicherte Pattern können als Listen zu Songs kombiniert werden.

Andis selbstprogrammierter Sequencer:
Ein Grid-Sequencer mit maximal 24 Schritten zur direkten Ansteuerung des Dr. Rhythm (Boss), S-10 (Roland) sowie des Drum-Sample Players Marke Eigenbau.
Zur Programmierung von Sequenzen bedient man den Cursor über die Pfeiltasten und setzt mit Enter die Noten Events. Der vertikale Balken über dem Netz gibt die Länge der Sequenz an. Gespeicherte Pattern können als Listen zu Songs kombiniert werden.

Amazona.de:
Dann hast Du also mit dem VC64 und der B-Box einen Beat programmiert und aufs Tapedeck aufgenommen.

And.Ypsilon:
Genau. Und dann hab ich bei einigen Songs mit dem MS-20 einen Bass gespielt. Dann hatte ich einen Casio Sampler, mit dem ich Loop Samples machen konnte. Zwar in schlechter Qualität, aber immerhin. Ich hab ihn auf die gleiche Art umgebaut wie den Dr. Rhythm, so dass er auch vom VC64 getriggert werden kann und damit auch zum programmierten Instrument wurde. Später kam noch ein Roland S-10 Sampler dazu, für den ich ein eigenes MIDI-Interface baute, um ihn auch mit dem VC 64 anzusprechen. Wie der Casio auch hat er vier Soundbänke und kann vier Samples gleichzeitig spielen. Ich habe dann das Programm weiterentwickelt, dass MIDI Note On Events auf vier festgelegten Noten an den S-10 gesendet wurden. Jeder Event im Programm konnte eine Zahl zwischen 0 und 9 enthalten, was zehn Velocity Stufen entsprach. Das reicht, um die Vorteile von Velocity ins Programming zu integrieren, wenn natürlich auch nicht die perfekte Definition damit möglich ist. Aber es war um einiges besser als der damals übliche Snare Accent, der bloß zwei Stufen hatte. Dank der Tastatursteuerung konnte ich im graphischen Editor sehr schnell einen Beat programmieren. Das ging so schnell wie denken. Anschließend dauerte es etwa eine Minute, um aus den Beats, einen Song zusammenzustellen.
Manchmal musste ich Beats zu Songs programmieren, die es noch gar nicht richtig gab und nur im Kopf als grobe Struktur vorhanden waren. Und trotzdem war dann ein solcher Song in zwei Minuten geschrieben, so dass die anderen gleich drüber rappen konnten. Wir waren sehr produktiv und machten bis zu drei Songs am Tag.

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Amazona.de:
Standest Du zu Beginn auch mit diesem System auf der Bühne?

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And.Ypsilon:
Nein. Auf der Bühne ging das nicht, weil die Songs ja oft aus mehreren Layers bestanden, die wir mit den Kassettengeräten übereinanderlegten. Für die Konzerte fertigte ich Instrumentalversionen von unseren Stücken an, die ich von Kassette abspielte. Und Michi hat dazu gescratcht. Bei den ersten Konzerten hatte ich auch einen Drumcomputer, z.B. den Dr. Rhythm dabei und habe manchmal spontan einen Beat programmiert für Free-Style Raps. Technisch gab es keine Alternative zu den Kassetten. Erst später hatte ich dann einen Sampler auf der Bühne, mit dem ich Sachen dazuspielen konnte zu Playbacks, die damals schon vom DAT-Zuspieler kamen. 1991 und 92 war das unser Verfahren.

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Forum
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    AMAZONA Archiv

    Geschichten die das Leben schreibt…Sehr interessante Story. Danke.

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    Joghurt  AHU

    Ach, das waren noch Zeiten. Ich erinnere mich an ein RUN DMC-Konzert in Berlin, ganz zu Beginn der 90er-Jahre. Da waren die Jungs deren Vorband – ich fand sie deutlich besser als den Hauptakt.

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    TobyB  RED

    Klasse Interview :-) Ich finds interessant und inspirierend zu sehen, wie viel man aus wenig machen kann :-) Klasse (Y)

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    AMAZONA Archiv

    Ich höre Fanta 4 seit „Jetzt gehts ab“ und halte diese Scheibe nach wie vor für eine der besten Fanta-Alben neben „Die vierte Dimension“ und „Lauschgift“. Ich hatte mich immer gewundert wer sowas produziert weil es sehr eigen war aber immer einen etablierten Mastermind im Hintergrund vermutet. Falsch gelegen! So kann es gehen wenn alles passt und ich nehme mal bewusst das Wort Schicksal in den Mund. Da ich nun selber Papa bin, sehe ich mal wieder wie (teils nerdige) Interessen zu echten Pionierleistungen führen können. Wie standen denn deine Eltern zu deinen Interessen? ;) Diese Programmierleistung selber zu entwickeln war selbst mit der damaligen Standardlektüre „Happy Computer“ schon eine echte Leistung. Die Hard/Software/Musiker als ein Instrument zu verstehen die Gedanken in Minuten zu Klängen und Beats formen können, das ist worum es geht. Schade das du nicht bei Logic/Steinberg angeheuert hast. Musiksoftware sähe heute anders aus, jede Wette! Die Musik/Welt vom Kern als ganzes verstehen und nicht auf der Oberfläche schwimmen und konsumieren. Danke das es das noch gibt. Ich ziehe jetzt eine schneise durch die Scheisse und verweis im Kreis auf die Beweise!

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    Filterspiel  AHU

    Im Andreas einen der (sicherlich) wenigen Kollegen zu finde, die den C64 in Assembler programmiert haben, war auf jeden Fall eine Überraschung. Ich habe das immer sehr gezielt eingesetzt, also nur die zeitkritischen Teile in Assember und so Sachen wie Laufwerk öffnen und Daten dumpen in Basic gelassen, das war schnell genug und in ein paar Sekunden geschrieben. Coole Info auf jeden Fall!

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    AMAZONA Archiv

    Über den Produzenten der F4, und seine Kompetenzen, zu lesen ist sehr interessant! GI´s prägten selbst erlebt das musikalische Bild des damaligen Undergrounds. Funk & Soul, Hip Hop , Rap und folgend Elektro, teilweise extrem von Kraftwerk inspiriert, waren u.a. auch der Soundtrack meiner Jugend. Der erste erworbene Atari mit Cubase die Offenbarung! Der damalige Durchbruchtrack mit „Die Da“, war persönlichen Geschmack folgend eher eine Lachnummer.

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    AMAZONA Archiv

    Richtig fettes Interview, mit sehr interessantem Einblick in die Anfangstage! Für mich sind solche Interviews meist viel interessanter, als die wo es nur um das aktuell verwendete Equipment geht. Denn in den Anfangstagen, haben ja die allerwenigsten meist alles was sie brauchen. Dann zu lesen, wie solche Leute improvisiert haben, oder welche Lösungsmöglichkeiten sie gefunden haben (die eventuell später sogar zu einem Markenzeichen geworden sind), ist oft auch ziemlich inspirierend! Auf den Fotos kann man übrigens sehr gut sehen: Andy hat’n dicken Pulli an, mann ;)

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    AMAZONA Archiv

    Super interessanter Betrag. Ich freue mich schon auf den nächsten Teil.

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    Stephan Merk  RED

    Mir wird beim Lesen wieder mal bewusst, wie überladen die heutige Technik ist. So ein Sequenzer, der einfach und für mich übersichtlich ist, sah ich im Voyetra Sequencer Plus. Das bietet mir aktuell keines meiner Software an. Und das geht bei mir zumindest deutlich zu Lasten der Kreativität. Wenn ich schon eine halbe Stunde ein Sample aus der 5 GB und größeren Library der MPC suche, habe ich schon keine Lust mehr und mache was anderes. Als ich Mitte der 80er meinen DDM-110 von Korg hatte, konnte ich mich mit dem Teil ganze Wochen am Stück beschäftigen.

  10. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Genau! Alles überladener Kommerzscheiss der alles macht nur keinen Spass. Aus dem Beitrag inspiriert habe ich gestern Cubase SX3.1 wieder installiert und seitdem richtig Spass. Seit Cubase 4 habe ich irgendwie die Lust verloren und alleine der Waldorf A1 mit seinen FM-Leads machen so richtig Laune. Mein Profire2626 mit Windows 10 läuft übrigens super unter SX3.1.
    Wenn es so weiter läuft tausche ich gerne mein 8.0 Dongle gegen eine SX3.1-Lizenz! Alleine das kontrastreiche Raster im Midi-Editor habe ich trotz allerlei Spielereien nie mehr so hingekriegt. Wäre jetzt noch die Toolbar aus Cubase VST da….. Und es bootet wie sau innerhalb von Sekunden. Bei 8.5 kann ich dabei Kaffee trinken. :)

  11. Profilbild
    micromoog  AHU

    Super! Da kann man so richtig mitfühlen.

    Wie von einem anderen Stern muss unsere Combo (Keys/Dr/Git/Voc) rübergekommen sein als wir 1988 mit Atari St und Creator mangels 2. Keyboarder und Bassist die Bühnen „stürmten“.
    Die Zeit war außerhalb der EM noch nicht reif für Computer in der Live-Performance.

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