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Interview: Andreas Schneider, Superbooth

25 Jahre Superbooth: Ein Blick zurück und alle Kraft voraus!

26. April 2026
Andreas Schneider Superbooth

Andreas Schneider (links) will alten Leidenschaften wieder mehr Zeit widmen und plant doch so einiges für die Zukunft

HerrSchneider – oder aber auch Andreas Schneider – und die Synthesizer sind seit jeher eine untrennbare Kombination und jeder, der etwas mit elektronischen Musikinstrumenten am Hut hat, dürfte schon einmal von diesem Mann gehört haben.

Kurz & knapp

Worum geht es? Interview mit Andreas Schneider über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von SchneidersLaden und der Superbooth.

  • Abschied: Andreas Schneider zieht sich aus der Geschäftsleitung von SchneidersLaden und der Superbooth zurück.
  • Rückblick: Die Superbooth entwickelte sich von einem kleinen Messe-Event zu Europas wichtigstem Synthesizer-Treffen.
  • Persönliches: Andreas Schneider teilt prägende, skurrile und emotionale Erlebnisse aus 25 Jahren Szene-Geschichte.
  • Zukunft: 2027 steht der Synthesizer als Instrument des Jahres im Fokus, verbunden mit Bildungs- und Kulturzielen.
  • Ausblick: Auch nach dem Rückzug bleibt Andreas Schneider kreativ aktiv und offen für neue Projekte.

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Aus diesem Grund haben wir von AMAZONA Andreas auch schon mehrere Male zum Interview gebeten. Kritiker könnten daher fragen: „Ach, was soll der guten Mann denn jetzt noch zu erzählen haben?“ Und dann antworte ich gerne: Eine ganze Menge!

Ja, ich bekenne mich als Fan. Ich könnte den Anekdoten des zauberhaften Herren aus SchneidersLaden stundenlang zuhören und darüber hinaus ist die von ihm ins Leben gerufene Superbooth für mich in jedem Jahr eines meiner persönlichen Highlights. Und das, obwohl ich, als ich dieses besondere Festival – ja, die SuperBooth ist keine Messe, sie ist ein Festival! – zum ersten Mal besuchte, mit elektronischer Musik noch herzlich wenig zu tun hatte.

SuperBooth Andreas Schneider Interview

Andreas Schneider nimmt das Team DelayDude auf eine Reise durch seine Apotheke

Mein erster Besuch auf der Superbooth ist jetzt acht Jahre her. Unglaublich, wie die Zeit vergeht. Noch unglaublicher finde ich aber, dass die Superbooth nun schon seit 25 Jahren stattfindet. 10 Jahre davon in Berlin. Doch jetzt möchte HerrSchneider sich anderen Dingen widmen. Grund genug, mit ihm einmal zurückzuschauen und natürlich auch nach vorne. Das Team DelayDude besuchte Andreas in der „Apotheke“ in Berlin-Neukölln.

Adieu, SchneidersLaden und SuperBooth

Sonja:
Lieber Andreas, du weißt ja, dass ich unheimlich gerne zu euch in den Laden komme und noch lieber besuche ich die Superbooth. Du hast in meinen Augen sowohl mit deinen „Lädchen“ als auch mit dem Festival der Synth-Freaks etwas wirklich Einzigartiges geschaffen. Und so sehr ich es dir gönne, dass du dir deine Wünsche erfüllen kannst, muss ich doch gestehen, dass ich schon überrascht war, als ich hörte, dass du deinen Fokus künftig gerne auf neue und alte Leidenschaften richten möchtest.

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Die Geschichte von SchneidersBuero und SchneidersLaden hast du uns ja schon einmal erzählt. Doch mit SchneidersLaden endete die Geschichte ja nicht. Seit unserem letzten Interview, bei dem wir unter anderem eure Baustelle in der Karl-Marx-Straße bewundern durfte, ist schon wieder einiges passiert. Bringst du uns mal auf den neusten Stand?

Andreas:
Im Herbst 2025 bin ich 60 geworden und ich glaube, es wird langsam unglaubwürdig, wenn ich zu erklären versuche, wie und womit man denn populäre Musik macht? Glücklicherweise hatten wir in unserem sympathischen Personalstamm Möglichkeiten, neue Geschäftsführer zu finden und zu benennen, die mir zum Jahresbeginn die Verantwortung für SchneidersLaden abnehmen konnten.

So sind es jetzt also Tom Körting und Tammy Eberhard, die gemeinsam den Laden übernommen haben, gern stellst du die mal vor, sobald sich die Gelegenheit ergibt. Bei der Superbooth bin ich sowieso schon länger nur noch Sprachrohr und Motivator, also hinter André Kaufmann zurückgetreten, der als alleiniger Geschäftsführer die eigentliche Verantwortung trägt.

Hier findest du während der Superbooth alle AMAZONA-News.

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DelayDude:
Jetzt aber zur Superbooth. Die wichtigste Frage vorab: Es wird doch nicht die letzte SuperBooth sein, oder?

Andreas:
Das weiß man natürlich nie, wenn man nur mal an die Corona-Katastrophe zurückdenkt. Wir leben in wilden und quasi unberechenbaren Zeiten und sollten immer gut vorbereitet sein und unsere besondere Gabe zur Improvisation pflegen und weiter schulen, also …

SuperBooth Andreas Schneider

Nicht nur im Keller der „Apotheke“ gibt es einiges zu entdecken: Andreas gibt auch exklusive Einblicke in die Planung seiner Zukunft

Dieses Jahr verabschiede ich mich öffentlich aus der Geschäftsleitung beider Unternehmungen, aber ich habe noch einiges vor und mein tatsächliches Leben ist aktuell deutlich stressiger denn je.

Von einem kleinen Stand zu DEM Synth-Event in Europa:

Die Wurzeln der Superbooth

Sonja:
Die Superbooth startete ja als kleines „Event“ im Rahmen der Musikmesse in Frankfurt. Wenn ich mich an deine Ausführungen in dem Interview im Jahr 2022 erinnere, war das in deinen Augen alles nicht so dolle. Nörgeln kann ja jeder, aber es besser machen, das können nur wenige. Nimmst du uns mit auf eine Reise von initialen Idee, eine eigene Veranstaltung zu machen, bis zur ersten Superbooth?

Andreas:
Die Erfahrungen mit den Gemeinschaftsständen im Rahmen der Frankfurter Musikmesse haben mir und uns sehr deutlich gezeigt, dass wir dort als „kleine Krauter“ eigentlich nicht willkommen waren. Die Messe war ein Flächenvermieter und wollte Business, nicht Kultur. Es ging auch nicht um Atmosphäre oder eine Willkommenskultur, sondern um Quadratmeterpreise, Besucherzahlen und störungsfreie Abläufe, also Lärmschutz und Parkgebühren, der Rest war das Problem der Aussteller.

Superbooth

25 Jahre Superbooth: DIE Messe für elektronische Musik geht in eine neue Runde

Die Vielzahl der wachsenden alternativen Treffen von kleineren „Nerd-Meetings“ wie beispielsweise Fischbach und die Besucher, die drei Tage viel Geld in Frankfurt gelassen haben, um NUR an unserem Stand zu sein, hat uns motiviert, „das Ding“ auf eigene Beine zu stellen.

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Im Funkhaus hatte ich schon in den Jahren 2013 oder 2014 angefragt, aber leider keine Antwort bekommen. Dann wurde das Funkhaus verkauft. Knapp vor der Musikmesse 2015 sprach ich beim neuen Eigentümer mit meiner Idee vor, der besuchte uns spontan in Frankfurt und wollte sofort, dass ich „das alles“ nach Berlin hole.

Am gleichen Nachmittag kam mein ehemaliger Mitmusiker und Kaufmann Thomas Brandes auf den Stand und sagte, wir sollten mal wieder zusammen Musik machen. Ich erwiderte, dafür hätte ich leider keine Zeit, aber wir sollten zusammen eine Firma aufmachen, in der wir dann zusammen was mit Musik machen. Gesagt – getan.

2027 – Das Jahr des Synthesizers

Sonja:
Die Superbooth hat sich immer wieder neu erfunden. Hast du schon eine Glaskugel, die einen Blick in die Zukunft offenbart?

Andreas:
Das Jahr 2027 wird eine echte Herausforderung: Der Synthesizer ist dann das offizielle bundesweite Instrument des Jahres, was eine Institution der Landesmusikräte ist, die seit 2008 vornehmlich klassische Instrumente in den Mittelpunkt einer eher konservativen Öffentlichkeit gestellt hat. Nun stellen wir erstmalig ein Instrument für populäre Musik mit auch technischem Hintergrund in diesen Mittelpunkt. Es ist eine gute Brücke in die Physik und die Mathematik, finde ich.

Mein Bestreben ist es, die politische Verantwortung vor diesem Hintergrund daran zu erinnern, dass Musik und Kunst – also eine gemeinsame Kultur – in den Schulen keine Nebensache bleiben sollte. Es ist bekannt, dass mit und nach guter frühkindlicher musikalischer Bildung auch die als „MINT-Fächer“ präferierten naturwissenschaftlichen Disziplinen ganzheitlicher und leichter verstanden werden. Darüber reden wir bitte spätestens auf der Messe 2027, dafür werde ich bei meinem „Abgang“ in diesem Jahr werben.

AMAZONA-Guide: Superbooth für Anfänger

Gleichermaßen war ich eingeladen auf einem Panel, in dem über eine weltweit strahlende Konferenzveranstaltung in Berlin gesprochen wurde, die beispielsweise der ADE in Amsterdam Paroli bieten könnte. Berlin brauche etwas Derartiges. Das ist sicher nicht die Zukunft der Superbooth, aber wir könnten uns als eine relevante Komponente einer solchen Event-„Komposition“ anbieten und einbinden.

Ich denke, die ADE ist eher ein Dance-Event, wirbt natürlich schon im Titel für Amsterdam, eine Konferenz ist es angeblich eher nicht. Die Superbooth ist eine Fachmesse, diverse weitere Veranstaltungen mit ähnlich hoher Kompetenz und deutlich mehr Konferenz gibt es in Berlin. Das könnten wir vielleicht alles besser bündeln, um eine weltweite Strahlkraft für unseren Standort zu erzielen, darüber denke ich bei 2028 nach. Aber wie gesagt, müssen wir immer damit rechnen, dass auch alles mal anders laufen kann.

Skurril, lustig, nervig – Andreas Schneider lässt tief blicken

Sonja:
Jetzt hast du nach 25 Jahren genug und gibst den Staffelstab weiter. Nun wollen wir aber mal richtig tolle Storys hören! Wir geben die Stichworte und auf los geht es los.

Die skurrilste Situation …

Andreas:
Mit Florian Schneider im großen Saal vom Funkhaus 2016.

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Sonja:
Der bewegendste Moment …

Andreas:
Danksagungen der Besucher beim Ende der teuersten Party meines Lebens: Messe 2021 im September, die erste Version noch zu Corona-Zeiten mit Messeständen unter Bäumen und in Zelten.

DelayDude:
Der lustigste Moment …

Andreas:
Bob Moog und seine etwas fülligere Sekretärin auf der Messeparty 2002 bei ihrem sympathischen Ansatz von Tanz. Ich glaube, es fühlte sich gut an.

Sonja:
Das hat am meisten genervt …

Andreas:
Die männlichen Besucher, die sich beschwert haben, dass sie nicht am Flinta-Workshop teilnehmen sollen und im Ergebnis sinnvollerweise ausgeladen wurden.

Jahr des Synthesizers

2027 wird das Jahr des Synthesizers – Grund genug für Andreas Schneider, sich noch einmal neu zu erfinden

Sonja:
In diesem Moment wusste ich, dass es gut wird …

Andreas:
Der prasselnde Regen zum abendlichen Konzert von Yann Thiersen auf der Seebühne. Wir hatten angeboten, in den Saal zu verlegen, er hat gesagt, ich spiele. Am Ende stand das gesamte Publikum mit von uns verteilten Regenschirmen vor der Bühne und blieb bis zum Schluss.

DelayDude:
Mein SuperBooth-Geheimnis …

Andreas:
Eigentlich waren wir 2020 finanziell erledigt, aber von Geld darf man sich nicht abhängig machen.

Was bringt die Zukunft für Andreas Schneider?

Sonja:
HerrSchneider ist für mich immer der Hansdampf in allen Gassen. Du wirst ja jetzt sicher nicht deinen Rückzug antreten und dann auf dem Lande Däumchen drehen, nicht wahr? Weihst du uns in deine Pläne ein?

Andreas:
Ich gehe als gutes Beispiel voran und mache auch als Dilettant Musik, das dürft ihr euch am 10.5. im SO36 anhören, wenn ihr wollt, vielleicht wird es ja auch richtig gut.

Andreas Schneider Live

Ja, Andreas Schneider ist auch noch Musiker mit Leib uns Seele. Wer an Muttertag noch nichts vorhat, kann ihn live mit seinem Bass in Aktion erleben.

Die Kernbotschaft soll bitte bleiben, dass man die Tausende von Talern nicht unbedingt bei SchneidersLaden lassen muss, um mit Musik glücklich zu sein. Dann muss ich erstmal wieder aufräumen und schwupps: 2027 wird sportlich. Ob ich danach dann doch einen Eisladen auf dem Land eröffne oder mal nichts mache, werde ich entscheiden, wenn es näherkommt. Das schult die Fähigkeit zur Improvisation.

Vielen Dank an Andreas für diese tollen Einblicke in den Keller der „Apotheke“ und vor allem in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von SchneidersLaden, Superbooth und das Leben des HerrnSchneider. 

Wer Andreas selbst einmal live erleben will, sollte unbedingt zwischen dem 7. und 9. Mai 2026 zur SUPERBOOTH.com kommen oder am 10. Mai im SO36 auf der Record Release-Party vorbeischauen. Die Vinyl zur Show gibt es vorab schon mal hier.

Andreas Schneider tritt am 10. Mai 2026 gemeinsam mit Volker Ringe, DelayDude & Thomas Holzhausen im SO36 auf.

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Über den Autor
Profilbild

Sonja (Team DelayDude) RED

Sonja ist seit ihrer Jugend dem Bass verfallen. Im Jahr 2018 machte sie gemeinsam mit ihrem Mann ihre Leidenschaft für Musik zum Beruf und betreibt seither mit DelayDude.de einen Blog und einen Shop für Gear-Reparaturen und Custom-Effektgeräte. Dementsprechend findet man sie auch bei AMAZONA vermutlich in der Guitar&Bass-Sparte. Als verantwortliche Redakteurin in der PEOPLE-Redaktion ist sie zudem immer auf der Suche nach spannenden Gesprächspartnern aus der Musikbranche.   

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Forum
  1. Profilbild
    Flowwater AHU

    Was für ein Sympathischer Mann und Macher. Ich oute mich auch mal als Fan, obwohl ich Andreas Schneider (bisher) nie persönlich getroffen habe. Aber ich bin regelmäßig auf der Website von Schneider’s Laden unterwegs und ich kenne kaum eine inhaltlich besser gemachte Website. Sollte ich mir doch mal einen GRP »A4« zulegen oder ein Modularsystem (oder was anderes ehe abgefahrenes), dann geht das Geld an eben jene Institution. 🙂👍

  2. Profilbild
    GAFR

    Na wenn nächstes Jahr das Jahr des Synthesizers ist, dann ist doch der beste Weg dem GAS-Gott zu huldigen, gleich mal 50% Rabatt auf alle Synths zu geben 😁

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