Interview: Axel Hartmann – Designing music industry – 1

22. März 2006

1990, FRAME - Die "Keyboards"-Studio

Interview: Axel Hartmann – Designing the music industry, Teil 1

Axel Hartmann

Axel Hartmann

Ein Interview mit Deutschlands bekanntestem Designer der Musikbranche und Gründer der Synthesizer-Schmiede Hartmann-Music, Axel Hartmann.

Als AMAZONA.de im August 2004 zum letzten Mal ein Interview führte mit Axel Hartmann, schickte sich seine junge Firma HARTMANN MUSIC GmbH gerade an, den NEURON VS auf den Markt zu bringen. Eine Software-Version des großen NEURON Synthesizers, der ca. ein Jahr zuvor das Licht der Welt erblickte und Soundtüftler aus aller Welt begeisterte.
Inzwischen ist es sehr ruhig geworden um die Synthesizer-Schmiede HARTMANN MUSIC GmbH. Die Hintergründe, die letztendlich zum Aus von HARTMANN MUSIC führten, soll dieses Interview ausführlich beleuchten. Im Mittelpunkt dieses Interviews steht aber Axel Hartmann selbst, ein Pionier, der deutsche Synthesizer-Geschichte mitschrieb und gestaltete und dessen Designfirma DESIGN BOX maßgeblich an der Gestaltung zahlreicher, berühmter Synthesizer mitwirkte.

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Viele AMAZONA.de Leser kennen dich auf Grund des NEURON Synthesizers und NEURON VS Plug-Ins. Vor allem aber für die junge Generation ist es sicher eine Neuigkeit zu erfahren, dass du und deine Firma DESIGN BOX zahlreiche Hardware gelayoutet habt, angefangen beim WALDORF MICROWAVE bis hin zum MOOG Voyager oder ALESIS ANDROMEDA.
Lass uns deshalb einen großen Schritt zurück gehen, bevor es die DESIGN BOX gab, bevor das erste rote Alpha-Wheel für den Microwave Gestalt angenommen hatte. Wie hat alles begonnen?

AXEL HARTMANN
Der Blick zurück führt in eine Zeit um 1984, als ich vor der Entscheidung stand, Musik zu meinem Beruf zu machen – oder doch ein kleines bisschen bodenständiger – ein Design-Studium anzugehen. Ich hatte ein Angebot der seinerzeit sehr bekannten deutschen Funkrock-Band „Scrifis“, in einem Folgeprojekt als Keyboarder einzusteigen. Parallel dazu erhielt ich die Zulassung zum Industrie Design Studium. Ich entschied mich für die vermeintlich sicherere Variante, das Studium. Musik war natürlich weiterhin mein wichtigstes Hobby und ich spielte in einigen Formationen – immer mit guter Aussicht auf Erfolg – es blieb aber immer bei der Aussicht ;-) Den Grundstein für meinen beruflichen Werdegang legte ich dann sicherlich mit meiner Diplomarbeit, – einer Computer Workstation für Musiker („Gambit“, vorgestellt in Keyboards 01/90). Und natürlich mit meiner Kontaktaufnahme zu Wolfgang Düren.

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Der Tipp, dass Wolfgang eine Wiedergeburt des PPG Synthesizers plante, wurde mir von Pit Löv zugespielt (seinerzeit – also 1989 – Studio Keyboarder von Frank Farian und selbst erfolgreicher Musikproduzent), der mich als Freund bei der Realisation meiner Diplomarbeit unterstützte. Ich schrieb Wolfgang ganz stumpf einen Brief – und zwei Tage später erhielt ich einen Anruf von ihm. Er wollte sich mit mir treffen – eine Woche später saßen wir dann zusammen mit Claudius Brüse bei mir zuhause in meinem Zimmer und schauten uns gemeinsam meine Entwürfe zu Gambit an. Ich denke, Wolfgang und Claudius waren beide recht angetan – und so erhielt ich von Wolfgang zunächst den Auftrag, seinen NAMM Messestand zu gestalten. Das tat ich dann – neben der Ausarbeitung der Diplomarbeit – und als ich dann im April 1989 mit dem Studium fertig war, hat mich Wolfgang direkt bei Waldorf Electronics angestellt. Dann kam der rote Knopf…;-)

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Ich erinnere mich an eine Designstudie, die der MUSIK MEDIA VERLAG / KEYBOARDS bei dir in Auftrag gegeben hatte. Das muss Ende der 80er Jahren gewesen sein. Ziel war es, gemeinsam mit einer Leserumfrage, den Synthesizer von morgen zu entwickeln.
Wie kam es zu dieser Idee, bzw. zu welchem Zeitpunkt bist du an Board geholt worden?

AXEL HARTMANN
Die Keyboards Studie entstand kurze Zeit nach Vorstellung meiner Diplomarbeit in Keyboards. Reinhard Schmitz, seinerzeit Chefredakteur, hatte diese Idee und sprach mich erstmals auf der Winter-NAMM 1990 an, wo wir am späten Abend in der Hilton Bar und nach 3 oder 4 Long Island Icetea gemeinsam einen Plan ausheckten.
Ich war also von Anfang an dabei – und sollte auch in den Genuss kommen, hunderte (oder waren es tausende?) eingesendete Fragebögen auszuwerten und letztendlich auf Basis der hieraus gewonnenen Erkenntnisse den Synthesizer der Zukunft zu gestalten.
Dies geschah dann in mehreren Stufen – es gab eine ganze Reihe von Skribbles, wo die unterschiedlichsten Ideen sehr grob skizziert waren. In einer zweiten Stufe wurden dann die Entwürfe, die wir mit der Redaktion ausgewählt hatten, detailliert ausgearbeitet und dargestellt. Der favorisierte Entwurf „Frame“ wurde dann bis hin zu einem seriennahen Designmodell ausgearbeitet.

3_studie_frame_model.jpg
Studie_frame-model

Forum
  1. Profilbild
    nativeVS  

    Das Design des WAve ist schon genial, nur die Farbwahl ist ein bischen komisch. Dunkelblau mit Orange. Die Idee der Komplementärfarbenist gut, nur das Blau ist zu schwarz für das Orange.

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Wenn man sich den Preis anguckt, ist/war der Neuron die größte Synthesizer-Konzeptions-Katastrophe. Warum? Ein komplett unbrauchbarer Synth. Der Hype ist nur dadurch zu erklären, dass ihn (wegen des hohen Preises) kaum jemand in den Händen hatte. Nach drei Monaten Test habe ich ihn aus dem Studio geworfen. Hinterher war es merkwürdig still: Der laute Lüfter (vgl. Klimaanlage) hat gefehlt :-(

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