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Interview: Boris Blank, Yello Mastermind, Teil 2


The Amazonas Full Of Piranhas...

Mein Interview mit Boris Blank wurde durch ein wunderbares Mittagessen mit Schweizer Köstlichkeiten unterbrochen. Nach einer leckeren Nachspeise (ich kann nicht ohne, während sich Boris zurückhielt), setzten wir unser Interview in seinem Studio fort.

Peter:
Wie kam es zu diesem Namen Yello?

Boris:
Das müsstest du Dieter fragen, der hat den Namen erfunden. Wir haben alle ganz verschiedene Namen eingeworfen. Yello kam von Dieter. Das hat uns gut gefallen, weil es etwas war, was nichts heißt und trotzdem gut klingt. Es war sozusagen ein Unikat.

Peter:
Ich bin erst 1984 auf euch aufmerksam geworden, als ihr diese LP mit dem Gorilla auf dem Cover herausgebracht habt.

Boris:
„You Gotta Say Yes to Another Excess“.

Peter:
Genau… war das euer Durchbruch?

Boris:
Der richtige Durchbruch kam erst 1985, als wir das Album „Stella“ herausgebrachten, das sich auch international ganz gut durchsetzte.

Der Durchbruch für YELLO kam mit Stella

Peter:
Kurz vor „You Gotta Say Yes to Another Excess“ trennte sich Carlos Peron von euch?

Boris:
Ja, das war 1983.

Peter:
Wie stark hat er damals den Yello-Sound geprägt?

Boris:
Er war eigentlich nie so wirklich als Musiker dabei, sondern er war eher ein Mentor. Er war vor allem im Hintergrund und hat sich zum Beispiel um die geschäftlichen Belange gekümmert. Wirklich musikalisch integriert war er aber eigentlich nie. Er produzierte damals mit Chris Lunch in der Roten Fabrik sehr schrillen Elektro-Punk.

Peter:
Auf jeden Fall ging die Trennung relativ glatt über die Bühne …

Boris:
Ja, man kann sagen, wir haben uns musikalisch auseinandergelebt.

Peter:
„You Gotta Say Yes to Another Excess“ war vielleicht nicht euer Durchbruch, aber für mich war es eine ganz neue Welt. Du hast schon damals sehr viel mit Stimmen experimentiert und vor allen Dingen auch mit Geräuschen. Gerade der Song GREAT MISSION mit dieser Dschungelatmosphäre und den bombastischen Ethno-Drums am Ende, hat mich nachhaltig beeindruckt.
Den Text kenne ich heute noch auswendig … „The Jungle near Manaos …“

Boris:
„… the Amazonas full of piranhas, the birds of paradise disappear into the green desert …“

Boris Regieplatz im Überblick

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    Marius Seifferth AHU

    Fantastisch! Ich habe beide Interview-Teile förmlich verschlungen und konnte es kaum abwarten den 2. Teil zu lesen :) Es ist interessant und lustig zugleich wie unverkrampft Boris und Dieter sind. Ich glaube das ist etwas, was den allermeisten Produzenten heute fehlt – Viele nehmen sich einfach zu ernst! Mein Lieblingsstück von Yello ist übrigens „Desire“ :) Eine Frage bleibt aber doch noch: Nachdem ja im ersten teil sehr deutlich wurde, dass die finanzielle Situation anfangs nicht so gut war, frage ich mich, wie sie sich letztlich einen Fairlight leisten konnten?

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      intercorni

      Ich empfehle dazu das Buch bzw die Yello Bio zu lesen, die zu deiner Frage auch eine ausführliche Antwort liefert.

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        Marius Seifferth AHU

        Ich hab gerade mal nachgesehen, und leider gibt es das nur als „Hardware“, sprich ein richtiges gebundenes Buch. Da ich aber nur noch mit Handgepäck bzw. einen normal großen Rucksack reise, bin ich schon vor längerer Zeit auf Kindle und andere Mobilformate umgestiegen. Und leider gibt es das nicht in einem dieser Formate. Schade!

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    pmm AHU

    Ich hoffe meine Erinnerung trügt mich jetzt nicht, aber ich glaube damals im Booklet gelesen zu haben, dass Hubertus von Hohenlohe bei dem Track mit Shirley Bassey involviert war. Da hätte mich interessiert was er genau beigetragen hat, da es mich damals (als eifriger und begeisterter Yello Hörer) ziemlich überrascht hat. Wie auch immer… in der Serie der guten Interviews die ihr in letzter Zeit hier laufend veröffentlicht, für mich das neue Highlight. Die Freude auf November ist eine wachsende.

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    moon

    Da ich momentan wieder viel produziere, war es sehr gefährlich das neuue Album: „Toy“ als „Ohrwurm“ im Hinterkopf zu haben. Der Sound von Boris ist oberklasse und beeindruckt mich persönlich so sehr, dass ich beim produzieren meiner eigenen „Linie“ treu bleiben muss. Ich habe jetzt erst enddeckt was Yello bedeutet, obwohl ich über 30 Jahr im Musikgeschäft tätig bin. Anfang Dezember kommt Yello nach Hamburg und ich bin am überlegen, ob ich mir das wirklich antuen soll . . .
    tolles Interview!

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    gruuv

    Tolles Interview!
    Überrascht war ich zu hören, dass noch immer 2 EMU-Ultras im Einsatz sind, obwohl doch auch mehr und mehr Softwareinstrumente genutzt werden (Stichwort: Studio redimensioniert). Ich frage mich, wie diese 2 EMUs im heutigen Studio Setup integriert werden, da es für aktuelle Betriebssysteme kaum noch Möglichkeiten hierzu gibt (SCSI, SCSI Karten und entsprechende Treiber, Software Editoren für die EMUs, Audio Editoren die über SCSI (direkt an die EMUs) exportieren können etc.
    Es gibt heute viele tolle Software Sampler aber ein paar Funktionen sind nach und nach über die Jahre weggefallen und man kann diese PlugIns heute meist nur noch auf dem Rechner einsetzen – aber leider nicht mehr mit Hardware Sampler einsetzen.
    So eine Anbindung würde mich wirklich interessieren (da ich auch noch einen EMU Ultra hier stehen habe :-) )

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        gruuv

        Das Problem ist nicht das „SPIELEN“ der Sounds, das würde natürlich über MIDI kein Problem darstellen (wie sonst kann man einen Sound Expander/Sampler spielen?).
        Das Problem ist das ERSTELLEN der Sounds (was heute meist im Rechner stattfindet) und danach das Übertragen, sprich LADEN dieser Sounds / Patches / Sequences / VOM Rechner IN DEN Sampler. Ein Sampler ist ja ersteinmal nur ein Gerät OHNE Klänge!

        Bei älteren Macs Hardware gab es standardmäßig eine SCSI Schnittstelle, daran konnte man externe Festplatten (HD oder ZIP Laufwerke) und auch den EMU Sampler dranhängen in einer „Kette“ dranhängen. Damit hatte man schonmal eine Verbindung zwischen Rechner und Sampler hergestellt. Dazu gab es eine Software, die auf dem Rechner die Funktionen des Samplers übernehmen konnte, quasi ein GUI damit man nicht direkt am Sampler immer Knöpfe und Drehregler nutzen musste. Dazu gab es Sample Editoren, wie heute auch. Aber man konnte den Export nicht nur auf verschiedene Formate speichern, sondern auch direkt „Export-to-Sampler“ die SCSI ID ansprechen und damit direkt auf dem Sampler abspeichern. Danach hate man das EMU GUI für die Verwaltung genutzt um z.B. das Sample in ein Preset abzulegen, Keyboard split oder Layer anzuwenden und dann das ganze in einer „Bank“ abzulegen.

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          Tyrell RED

          Das siehst du falsch. Auch in der Hoch-Zeit der Hardware-Sampler, gab es nur einen verschwindend geringen Anteil an Usern, die ihren Sampler über eine Remote-Software bedient haben. Dabei spielte die Anbindung über SCSI für Remote keine Rolle. Auch heute bedient man Emus und Akais direkt am Gerät. Das funktioniert einwandfrei und geht schnell von der Hand. Ich persönlich liebe meinen E6400 Ultra und würde ihn nicht missen wollen. Vor allem die enormen Libs die ich in der Zeit angesammelt und selbst erstellt habe, nutze ich nur mit dem E, obwohl ich sie längst auch ins Kontakt-Format konvertiert habe,weil sie aus dem E einfach deutlich besser klingen.

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            gruuv

            Das mit dem GUI auf dem Rechner ist ja nur eine persönliche Präferenz (eigentlich nur ein Tool vom EOS namens: EOSLink) – kann man eben so und so machen. Für mich wars am Rechner halt recht flott. Aber man kann auch direkt am Gerät drehen und drücken und benennen – klar.. Das Hauptproblem für mich ist aber eher:
            1. Erstelle ich Sounds auf dem Rechner. Wie bekomme ich die Sounds dann in den EMU?? Damals eben vom Rechner über SCSI – und heute?
            2. Welche Software nehme ich zur „Übertragung“ und wie übertrage/verbinde ich überhaupt?
            Vielleicht habe ich aber auch ein grundsätzliches Verständnisproblem hier zur Nutzung meines Samplers, das will ich nicht ausschliessen.

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            gruuv

            zum besseren Verständnis.
            mein Workflow war damals zumeist von der Software Antares Infinity beeinflußt (Mac OS 9 only!). Ein Super Tool um sehr schnell Sounds zu erstellen, Loopen und dann direkt auf den EMU zu schicken. Danach dann die „administration“ über EOSLink oder direkt am Gerät wie Name, Patch, Root Key, Keyboard Range usw.
            Ich bin eigentlich noch immer auf der Suche nach so etwas wie Infinity, aber keines der Sample Editoren heute kann so etwas (vielleicht NI Kontakt…., aber dann nur mit viel manuellem Aufwand)

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              gaffer AHU

              Alchemy, auch nur Classic macOS, nicht zu vergessen. Direktes Editieren der Harmonischen, SCSI Transfer usw.

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            gaffer AHU

            Ich weiss, viele haben grundsätzlich am Gerät gearbeitet, aber das Problem bleibt doch, dass die Speichermedien oft grundsätzlich SCSI waren und Grösse und Fabrikat der Platten auch noch kritisch war. Das ist jetzt noch viel übler. Man muss glücklich sein, wenn einer eine Notlösung wie irgendwie hingefriemelten USB Port für Sticks anbieten kann

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        gruuv

        Ansonsten habe ich auch noch alte EMU Libraries auf CDs, die ich auch nicht wirklich mehr in den EMU laden kann.

        Diese Möglichkeiten mit einem Hardware Sampler heute noch zu arbeiten fehlen mir eben. Das Problem ist u.a. die SCSI Anbindung und auch die fehlenden Software Tools (oder die weggefallenen Export Funktionen). Und als ich las, dass der Herr Blank da noch mit 2 EMU Ultras arbeitet, hatte mich die Anbindung und arbeitsweise interessiert.

        Es gab ja auch mal SMIDI (kennt das noch jemand?) Also Sample Transfer über MIDI SysEx. Aber das dauerte sehr sehr SEHR lange zu transferieren. Wird das eigentlich heute noch von Sample Editoren unterstützt?

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          polyaural ••••

          Man kann das Laufwerk der EMUs auf SD-Card umstellen. Dann braucht es nur noch einen Konverter um von WAV/AIFF auf das EMU-Format zu kopieren. Wenn der EMU nicht sogar AIFF verwendet. Mein ESi-32 kann als SCSI-Gerät in die Kette aufgenommen werden und wie ein Laufwerk verwendet werden. Ich habe hier noch eine große Kiste mit SCSI-Kram, Kabel, Laufwerke, Terminatoren, etc. Und natürlich ein Apple Powerbook mit SCSI-Anschluss. Für alle Fälle … :-)

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    tomk •••

    Claro Que Si – Solid Pleasure – You gotta say yes to another Excess … das war reinstes Ohren LSD. Eine Kräuterzigarette und ein Hopfengetränk dazu, das war unser Reiseproviant. Unvergesslich!!!
    Vielen Dank Herr Blank!

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    Wellenstrom AHU

    „Yello soll für „(a) yelled hello“ stehen.“

    Und gleich schon wieder korrigiert….. damit diese blöden Gerüchte nicht weiter kursieren… auch Carlos Perón sagte in einem eben gesehenen Interview, dass der Name „Yello“ bei der Findung keinerlei Bedeutung hatte. Keine Ahnung, ob dieses „Yelled Hello“ nu eine Erfindung der Musikindustrie, der -journaille ist, oder ob Dieter Meier das (im Nachhinein) selbst streute

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    stookie

    Wunderbares Interview und ein wirklich Sympatischer Zeitgenosse.
    Was ich in einem sehr kurzen Interview vor Jahren mal noch gelesen habe ist dass Herr Blank äusserst diszipliniert arbeitet. Jeden Tag!
    Also von morgens xx bis abends xx (weiss nicht mehr genau).
    Keine Wochenenden oder Nachtschichten. Auch etwas das zu dieser Präzision führt denke ich.

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    RaHen

    Er benutzt ganz normales Equipment und erzielt damit einen absolut großartigen und einzigartigen Sound! Für mich ein Genie! Respekt und tiefer Kniefall!

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    SimonChiChi •••

    Ich habe mir die CD mit den Songs aus der ROTEN FABRIK besorgt. Genial !!! Absolute Empfehlung und nach meinem Geschmack deutlich besser als die letzten YELLO-Alben.

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