Musik als Prozess statt Karriereplan
Am 23. Januar ist mit „Until We Meet Again“ das neue Album von Christian Löffler erschienen. Im AMAZONA-Interview spricht er über seinen Weg zur Musik, das Arbeiten in seinem Studio und darüber, warum Reduktion in der Musik für ihn wichtig ist. Es geht um das Klavier als Ausgangspunkt, um Entscheidungen ohne einen festen Karriereplan und um die Frage, was man wirklich braucht, um Musik zu machen.
Inhaltsverzeichnis
Anfänge und persönlicher Weg von Christian Löffler
Gereon:
Erinnerst du dich noch daran, wie Musik für dich vom Ausprobieren zu etwas Ernsthaftem wurde und du gemerkt hast, dass du diesen Weg beruflich verfolgen möchtest?
Christian:
Das kam super schleichend. Ich habe ja damals noch Kunst studiert und für meine Kurse gemalt, Videos gemacht und gezeichnet. Musik hatte ich ja sowieso seit [ich] 16 bin fast jeden Tag gemacht. Das gehörte einfach damals schon zu meinem Leben. Als mein erstes Album rauskam, habe ich direkt ein paar Festivals und Clubshows gespielt. Ich war aber unter der Woche in der Uni und Musik eigentlich nach wie vor als Hobby empfunden.
Ich kann mich witzigerweise an einen Nachmittag im Skatepark erinnern, als ich einen Anruf vom Label oder Vertrieb bekam, dass sie irgendwas von mir brauchen. Ich musste dann direkt nach Hause und eine E-Mail abschicken. Das hat mich total irritiert und war der erste Moment, an dem ich realisiert habe, dass mit Musik veröffentlich auch Verpflichtungen einhergehen und es auch ein wenig schon ein Job geworden ist. Ich bin den Weg dann weitergegangen, aber eher reingestolpert als gezielt verfolgt. Geld wollte ich eigentlich mit der Kunst verdienen, was ja jetzt auch ohne Uniabschluss geklappt hat.

Christian Löfflers Live-Session von „No Distance Can Dim Our Light“ mit seinem Ensemble und Musikerin Adna (Foto: Anna Arnet)
Gereon:
Du bist nicht in einer klassischen Musik-Metropole, sondern in Greifswald aufgewachsen. Inwiefern hat diese Umgebung deinen Zugang zur Musik geprägt?
Christian:
Gerade am Anfang sind alles Sounds, Field-Recordings, Fotos und Videos rund um meine Musik aus der Natur rund um Greifswald entstanden. Meine Umgebung und das ist bis heute so, bestimmt zu sehr großen Teilen die Musik. Deshalb habe ich mir auch ausgesucht, am Meer zu leben und nicht in der Stadt. Zugang zur Musik hatte ich über Magazine wie Groove, aber auch über Vinyl und das Auflegen.
Wir haben die Musik geliebt und alles aufgeschnappt, was man finden konnte. Es gab praktisch fast keine Szene. Die Leute, die elektronische Musik mochten, konnte [ich] wirklich an zwei Händen abzählen. Jeder kannte jeden und alles wurde ausgetauscht. Compilation, Platten, CDs, MP3s, Fotos und Videos. Es war klein, aber es hat gereicht, um die Leidenschaft am Leben zu halten.
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Christian Löfflers Arbeitsweise, Studio und Technik
Gereon:
Du startest viele Stücke am Klavier, aber was genau passiert in dieser frühen Phase und woran merkst du, ob aus einer Idee ein kompletter Song werden kann?
Christian:
Ich würde sagen, dass ich fast 70 oder 80 % am Klavier starte. Das Instrument ist einfach super zugänglich, passt immer gut zu meinen Sounds und hat viele Nuancen in den Noten, an denen ich mich dann orientieren kann, wenn ich mit Sounds von den Synths weitermache. So richtig feststellen, ob es Potential für einen kompletten Song hat, tu ich meist erst, wenn weitere Elemente dazu kommen. Die Melodie vom Klavier muss aber erstmal stark genug sein, dass ich die Idee am Computer oder im Studio weiter verfolge.
Gereon:
Beim neuen Album „Until We Meet Again“ ist viel Material unterwegs entstanden. Mit welchem Setup arbeitest du unterwegs und was brauchst du, um kreativ zu bleiben?
Christian:
Ja, fast alles habe ich unterwegs gemacht und auf längeren Touren habe ich neben meinem Live -Laptop auch meinen Studiorechner dabei. Da sind dann mehr Plug-ins und Sounds von mir drauf, mit denen ich arbeiten kann, aber ich kann auch an meinem Live-Computer Musik machen. Da ist wirklich nur basic Ableton installiert und ich arbeite mit den Stock-Plug-ins. Also ich brauche wirklich nicht viel. Manchmal sample ich auch nur etwas und arbeite komplett mit einer Aufnahme und bastel daraus Atmosphären, Rhythmen und Melodien.
Gereon:
Mit welcher Software arbeitest du aktuell am liebsten und welche Instrumente oder Geräte sind seit Jahren ein verlässliche Begleiter in deinem Studio?
Christian:
Base ist immer Ableton Live. Unterwegs mache ich auch viel mit Ableton Note. Ich liebe die Plug-ins von Felt, Slate + Ash und Spitfire. Sky Studios Sky Keys und Goldplate von Kush Audio benutze fast immer. Im Studio mag ich [am] liebsten meinen Elektron Rytm, Prophet, Minimoog und das Space Echo.
Gereon:
Dein Sound wirkt oft sehr reduziert, aber ist gleichzeitig voller Details. Wie wichtig ist für dich im Produktionsprozess das Weglassen und Vereinfachen?
Christian:
Ich mag es, eher weniger Sounds zu benutzen, aber dafür welche, die es so perfekt wie möglich auf den Punkt bringen, was ich sagen möchte. Wenn es nicht hundertprozentig passt, versuche ich es nicht hinzubiegen, sondern suche lieber weiter. Deshalb benutze ich auch fast nie EQs. Ich versuche die Sounds so zu wählen und abzustimmen, dass sie einfach passen.
Christian Löfflers Album „Until We Meet Again“
Gereon:
In deinem neuen Album „Until We Meet Again“ steht das Thema Begegnung im Mittelpunkt. Worum ging es dir inhaltlich bei diesem Album und was war der Auslöser, dich damit auseinanderzusetzen?
Christian:
Das war eher eine Reise und auch eine Veränderung im Denken. Ich hatte gerade meine letztes Album ‚A Life‘ veröffentlicht und war damit auf Tour. Ich bin an viele Orte gereist und hatte mir vorgenommen, wenn es ging, länger zu bleiben. So haben sich Freundschaften ergeben und verschiedene neue Lieblingsorte gefunden, an die ich in dieser Zeit öfter zurückgekehrt bin. Früher bin ich eher für die Shows gereist und dann am nächsten [Tag] so früh wie möglich zurück nach Hause ins Studio. Ich habe mich da weiter geöffnet und eher versucht, neuen Input von außen mitzunehmen.

Christian Löfflers Studio-Setup mit Ableton Live, dem Universal Audio Apollo X4 und einem Nord Lead (Foto: Anna Arnet)
Gereon:
Gab es beim Schreiben des Albums Momente, in denen dich ein Song emotional besonders mitgenommen oder selber überrascht hat?
Christian:
Es gab bei meinem Lieblingsstück auf dem Album einen Moment, an dem ich es verstanden habe. Ich hatte eine Zeit, die vielleicht nicht die einfachste war und ich auch nicht so richtig verstanden habe, wo ich stehe. Adna [hat] mir dann Gesangsaufnahmen zurückgeschickt und ich habe es zusammen mit der Musik gehört und in dem Moment etwas verstanden. Der Song heißt ‚It’s Okay‘ und beschreibt eigentlich nur, dass egal, was es ist, es in Ordnung ist, bestimmte Sachen zu fühlen, auch wenn es sich vielleicht falsch anfühlt. Aber es ist okay, dass es da ist.
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Ausblick und persönliche Ziele von Christian Löffler
Gereon:
Mit Blick auf die kommenden Jahre: Gibt es Dinge, die du musikalisch noch erreichen, lernen oder vertiefen möchtest?
Christian:
Ich mache ja eigentlich immer abwechselnd unterschiedliche Sachen. Musikmachen liebe ich mehr denn je und ich freue mich total auf das neue Jahr und die Shows. Das nächste Album wird sicher wieder etwas elektronischer und vielleicht zum Teil auch wieder etwas mehr uptempo. Was mir wichtig ist, ist Leute mit meiner Musik zu erreichen und ihnen ein gutes Gefühl zu geben.

Christian Löffler tourt auch mit seinem Ensemble und kombiniert elektronische Musik mit klassischen Instrumenten (Foto: Anna Arnet)
Gereon:
Welchen Tipp möchtest du jungen Musikern mit auf den Weg geben?
Christian:
Einfach loszulegen und Spaß zu haben. Es ist wichtig, nicht zu viel zu erwarten und fordern. Weder von dir, noch von anderen. Es geht darum, etwas auszudrücken, was raus will und nicht darum, Geld zu verdienen oder gar sowas wie eine Karriere zu haben. Lasst euch nicht von Social Media blenden und stressen. Es ist auch okay, seinen Idolen zu folgen und sie nachzumachen. Früher oder später findet man seinen eigenen Weg und Sound.
Gereon:
Vielen Dank für das angenehme Interview.
Mehr Infos zu Christian Löffler und zu seinem neuen Album gibt es auf seiner Website.

































Das Ensemble: Ein Produzent mit vier Spielerinnen aus der Klassik gefällt mir sehr. Zwei Geigen, eine Pianistin, und eine Musikerin singt und spielt Gitarre, wenn ich das richtig beobachtet habe. Die Musik würde ich als melancholischen Electro bezeichnen. Das Rad wird damit nicht neu erfunden, muss es aber auch nicht. Auf Festivals wie dem Fusion ist so etwas eine gängige Sache. Gleichzeitig wäre das auch ein Tipp für Live-Auftritte. Bei der Musik muss ich persönlich leider passen, mein Verständnis ist diesbezüglich ein anderes.
Danke für die Vorstellung dieses Künstlers! Da hab ich doch gleich eine Christian Löffler-Playlist auf Apple Music angelegt. Nach Parov Stelar nun eine weiteres Highlight innerhalb von nicht mal zwei Wochen – kompliment! Ich finde es total spannend, was uns da amazona immer wieder mal auf den virtuellen Plattenteller legt. Bitte weiter so.
@fitzgeraldo Schön zu hören, vielen Dank!