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Interview: Die Macher von EQUINOXE 2


Inspired by Jean Michel Jarre


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Wie kam es dazu, dass Ihr Euch entschlossen habt Equinoxe 2 zu produzieren?

Equinoxe 2 / Tom

Wir fuhren 2005 von Nürnberg nach Dresden und saßen bei 35 Grad im Stau fest. Stefan holte ein paar CDs mit Songskizzen aus dem Kofferraum, aber uns konnte bei den Temperaturen eigentlich nichts so richtig begeistern, bis Stefan die Idee kam, ein „Jarre“ Album zu produzieren. Das erschien mir so komplex in der Durchführung, dass ich spontan zustimmte. Analog und nach JMJ sollte es klingen ohne Maßgaben, wie „das neue Jarre Album“ zu schaffen oder Rekorde in Sound, Mixing oder Komposition aufzustellen. Spaß sollte es machen und mal was anderes als die alltäglichen Produktionen sein.

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Am meisten hat mich fasziniert, dass ihr ausschließlich Free-Ware PlugIns verwendet habt. Welchen Grund gab es dafür?

 

E-Phonic Drumatic3

E-Phonic Drumatic3

Equinoxe 2

Dafür gab es mehrere Gründe. Zum einen wäre es schwierig und teuer gewesen, JMJs Equipment zu besorgen, zum anderen wäre das ja dann ohne jeglichen Spirit gewesen. Um zu sehen, ob es nach fast 30 Jahren möglich ist, den Sound von 3 LKW Ladungen Technik, Equipment und alten analogen Synths mit einem für jeden erschwinglichen PC und dann auch noch preiswert zu simulieren, durften es plötzlich auch nur noch Freeware PlugIns sein.

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Eigentlich könnte man das ganze Projekt auch als Download im Web anbieten, quasi als Baukasten, um selbst daran weiterzuarbeiten. Dazu müsste man ja nur die MIDI-Files plus zugehörigen Links zu den FreeWare-PlugIns anbieten. Habt ihr da schon mal drüber nachgedacht?


Equinoxe 2

Nein, es war ja lediglich ein Experiment. Es existieren nach einem Festplattencrash auch nur noch vereinzelt gesicherte MIDI-Spuren und ein paar Gigabyte Wavefiles auf DVD. Auch wurden die gerenderten oder aufgenommenen Spuren mit Audioeffekten nachbearbeitet. Aber der Gedanke lässt sich sicher in einem folgenden Experiment verwenden, wenn man dieses auch von vornherein mit einplant.


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Wie habt ihr die Klänge der Originalaufnahme analysiert?


Equinoxe 2

Wir haben uns sehr häufig das Klangspektrum von Jarres Equinoxe in einem Analyzer angesehen und seine Spieltechnik analysiert, aber vorwiegend wurde nach Gehör gearbeitet. Die größte Problematik bestand ja darin, dass man unbewußt evtl. damit beginnen könnte, die Originalmelodien umzustellen oder neu zu arrangieren. Jarre spielt ein paar sehr spezielle Harmonien oder auch Akkordwechsel, und das haben wir uns zur Basis gemacht und auch vieles, was uns dann zu „abgekupfert“ klang oder klanglich und melodiös zu weit in den 80s angesiedelt war, auch einfach wieder gelöscht.


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Wer hat dann die Klänge nachprogrammiert? Gab es dabei irgendwelche Schwerpunkte wie Authentizität der Originalsounds etc.?

ARPs: Voltkitchen

ARPs: Voltkitchen

Equinoxe 2 / Stefan

Ich habe die Klänge programmiert bzw. an den virtuellen Knöpfchen gedreht, selbst jedes Arpeggio oder Sequenz wurde in Handarbeit Note für Note programmiert bzw. gesetzt, diskutiert, wieder verworfen und neu programmiert, denn es sollte trotz aller uns auferlegten „Hürden“ dennoch den Sound der 70er haben bzw. diesem ähneln, und so wurde wirklich endlos gedreht und probiert.

In der Tat gibt es z.B. ein paar relativ gute Moog Simulationen, die natürlich auch zu manchen Sounds geführt haben, die Jarre in einer sehr ähnlichen Form selbst verwendet hat. Als wir die ersten Titel ein paar Jarre-Fans in den Foren gezeigt haben, kamen häufig Angebote mit deren Equipment, sprich mit Jarres halbem Synthesizerpark, dieses Album zu produzieren. Wir haben jedoch trotz des großen Reizes mit „original“ Maschinen produzieren zu können dankend abgelehnt, da es sonst kein Computerexperiment mehr gewesen wäre. Aber wir haben auch schon drüber nachgedacht, für ein weiteres Projekt derartige Angebote anzunehmen.

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Welcher Rechner und welche Sequenzing-Software habt ihr verwendet.

Equinoxe 2

Der Rechner war ein handelsüblicher Low-Cost PC, den ich mir zuvor zusammengebaut und eine günstige ESI Juli@ Soundkarte eingesetzt habe. Diese habe ich später in eine EMU 1212m Karte ausgetauscht, da ich doch ein paar störende Probleme mit der ESI Karte hatte. Die Haupt-Software war das FLStudio, das ich zuvor erworben hatte, da es eben genau das macht, was ich mir von einem Sequenzer-Programm wünsche.

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Klangbeispiele

  1. Avatar
    Stefan

    Wahnsinn, mit minimalsten Mitteln. Da sieht man mal wieder, dass man nicht mega Equipment braucht um gute Musik zu machen. Schöner Beitrag von amazona, weiter so!
    Stefan

  2. Profilbild
    FischerZ

    Reife Leistung was da mit Freeware produziert wurde. Toll.

  3. Avatar
    Klanggeist

    Niemals! Ich glaube es nicht. Das darf nicht wahr sein!

    Aber ich bin ja auch schon mitte 40, ein halber alter Sack.
    Ja ihr unpolitischen Jungs und Mädels, ihr seit anders.
    Das Internet machts möglich.
    Ein zwei Soft-Synths umsonst heruntergelagden und ab geht die Post.

    Schöne neue Welt.

    • Avatar
      Zierenberg

      Man darf aber auch nicht vergessen:

      Die Hardware ist die mediale Verbindung zwischen Instrumentenklang und Instrument. Nur weil hier endlich mal wieder ein Projekt für Begeisterung sorgt, heist das noch lange nicht das alles Andere außer einem PlugIn und ein bissel Midiuso unsinnig geworden ist.

      Ich werd mir die Scheibe kaufen, ein genaues Ohr dranhängen und dann meine Meinung posten.

      Bin schon gespannt…
      (Jarre und Vangelis gehören bei mir zum Jugendbrot)

      • Avatar
        Zierenberg

        Nachtrag/

        …zwischen Instrumentenklang und Instrumentenspieler…

        (war noch nicht ganz wach)

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    tastegood

    meinen herzlichsten glückwunsch an die beiden produzenten, die klänge sind superb! und an alle hardware-überfrachteten heimtüftler der freundliche hinweis, dass es auch mit einer hardware im wert von sage und schreibe euritos 1400 incl. laptop, software, sample digi synth und virtuell-analogem synth möglich ist, kreativste klangbilder zu generieren. soviel zu den access, dave smith, clavia preisexzessen. schon mal den blofeld angetestet mit simpler midi-tastatur ? da gehen viele sonnen auf einmal auf, wenn man's denn richtig hindreht, die lfo's, die wavetables und auch den arpeggio note für note programmiert. schweisstreibend und nervenzerrend, macht nix !! (-;

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    Tischhupe

    Also ich kann euch nur darin bestärken davon doch eine CD zu produzieren. Mir gefällt das sehr gut.

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    Jonson

    Ich kann mich da nur anschließen – Hut ab !
    Klingt gut, macht neugierig, es weiterzuhören…
    Außerdem ist mir diese Arbeitsweise der Beschränkung sehr bekannt und sympathisch…

    Eigentlich zu schade für "nur ein Experiment" !

    Jonson

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    SBoecking

    Ich bin wirklich absolut überrascht! Es klingt wirklich exakt nach Jarre. Seine Art der Arrangements, die Sounds, und auch seine Harmonien sind perfekt übertragen. Meine Hochachtung an solch ein geniales Konzept ! Wie genial wäre es wenn der etwas in die Jahre gekommene Vangelis ebenfalls mal solch einen Relaunch erfahren würde. Seine 80er-Jahre mit den CS80-Strings waren einfach die besten.

    • Profilbild
      FischerZ

      Das wäre es natürlich. Schade daß man von Vangelis nichts mehr hört aber ich glaube der Mann ist zu alt für neue Projekte. Auf jeden Fall ist Vangelis für mich der Synthvirtuose schlechthin.

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    Zierenberg

    Ich hab mir die Scheibe zwar nicht gekauft, aber die Internet- Kostproben im direkt Vergleich mit einer Best of Jarre CD auf einem analog DJ-Mixer (Vestax PMC55) per Crossfader (hin&her) durch ein 2.1 System verglichen.

    Absolut! Das ideale Expieriment um analoge Synths mit Pluggi’s zu vergleichen.

    Irre, wie nah sich beide Welten liegen (Glückwunsch an die Desingner). Ich musste mich echt erstmal genauer hinein hören um überhaupt Unterschiede auszumachen. Aber um allen analog Freaks das Herz zu beruhigen: Die Unterschiede sind da!

    Fazit: Der org.Jarre Sound liegt im Einzelnen dichter, also präsenter am Lautsprecher. Das EQ2 Expieriment klingt Hifimäßiger (sauberer) und räumlich etwas matschig, dennoch Eindrucksvoll. Beim höhen/obertonreichen Summenzusammenspiel dann allerdings nach „Handy“ bzw. Plastik.

    Leider lagen die „Kontrahenten“ nicht im gleichen (wav) Format vor, sodass eine Fehlbeurteilung nicht auszuschließen ist, was das Obertospektrum anbelangt.

    Außerdem ist dem Jarre- Sound es nunmal anzuhören, das seine Mischung aus Hardware Synthesizern/Samplern/Effekten etc. besteht, das lässt sich nicht so einfach Simulieren.

    Aber Soundtechnisch, gerade im „geklonten“ Synthbereich und erstaunlicher Weise auch im Gesammtklang- ist nun all dies wohl eher gleich zu beurteilen. Obgleich bei resonanten Filterfahrten das gebritzel Fehlt. Der Bass ist auch bei EQ2 ordentlich, weiß bei analogen Down’n’ups aber auf Jarres Sauriern zu dominieren.

    Ansonsten wird einem endlich klar welcherlei Möglichkeiten in heutigen Softwaresynthis/etc.
    stecken.
    Fragt sich nur ob es sich genauso anfasst? Und wenn der Hardwarecontroller sehr teuer war, gummibezogene 10bit Potis und Steinweehl besitzt? Analoge Röhren und Zerramp als auxsend &
    Metalloberfläche???

    Dann hoffen wir doch nur noch das Windows nicht hängen bleibt.
    :-)

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    chrisEF

    mit wenigen worten – was besseres habe ich noch nie gehört – ich glaubte – es wäre jarre selbst – alles klingt so analog warm und fett – wie ist das mit software möglich? ;-)
    diese cd hätte ich sogar gekauft!
    grüße aus thüringen

  10. Avatar
    JMJ Fan

    Leute, warum habt ihr euch nicht um alle Formalitäten gekümmert und es kommerziell vertrieben? Klänge oder Harmoniefolgen nachgeahmt, simuliert oder was auch immer, was zählt ist das was unterm Strich dabei heraus kommt, und das ist nunmal absolut hörenswert!! Und da sich heutzutage niemand mehr an diesen „Stil“ des damaligen JMJ´s ranzutrauen scheint, ist es ein Genuß diese Musik hören zu dürfen! Kompliment!!! Ein Stück Jugend (-Musik) kehrt zurück…

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      Jauly

      Grandiose Umsetzung… kann mich dem Tenor nur anschließen. Ich sehe, das Projekt war sozusagen ohne Budget geplant, aber das 4334 Cover ist ja nun echt grausam gestaltet. Hier hätte man meiner Meinung nach ebenso Ideen im Jarre Stil entwickeln sollen, selbst wenn ein Grafiker von Nöten gewesen wäre. Gerade Granger’s geheimnisvolle Coverbilder von Oxygene und Equinoxe tragen viel zur Stimmung von Jarre’s frühen Erfolgswerken bei. Ohne Soundsamples hätte ich nie auf diese Qualitätsdimension geschlossen!

      • Profilbild
        elektronalin

        Ha ha, danke für die konstruktive Kritik des CD-Covers. Michel Granger ist ziemlich Jarre treu und hat trotz seines bestehenden Interesses im Jahr 2006 einen Rückzieher gemacht, was die Gestaltung des Covers anging. Aus diesem Grund ist es sehr schwer einen brauchbaren Nenner dafür zu finden. Nach ewigem hin und her war das leider eine Notlösung.

        Tut mir sehr leid wenn es nicht zusagt, aber vielleicht wird das künftig noch verändert.

        Einen schönen Gruß
        Elektronalin

  12. Profilbild
    gaffer AHU

    Habt ihr gut gemacht. Wieder mal ein Beispiel für zwei, die es einfach DURCHziehen. Die Beschränkung einfacher Computer und Freeware Plugs ist super. Es ist vieles möglich, wenn man sich nicht nur über seine eigenen Ideen freut, die Vor- und Nachteile von Plug a und Hardware b im Fachgespräch erörtert und die Idee dann nicht bis zum Ende umsetzt. Ich schliesse mich selbst da keineswegs aus und ich mag JMJ noch nicht einmal :-)

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