Dieter Doepfer über Eurorack, Superbooth und neue Module
Dieter Doepfer gehört zu den prägenden Figuren der modularen Synthesizer-Welt und hat mit dem Eurorack-Standard eine ganze Szene mitgeformt. Für AMAZONA traf ich ihn auf der Superbooth in Berlin vor seinem Bungalow, wo die Messe ihren ganz eigenen Charme entfaltet. Zwischen Strandstühlen, Fachsimpelei und kleinen Anekdoten entstand ein Gespräch über neue Module, die Geschichte von Eurorack, das Trautonium und den Synthesizer als Instrument der Gegenwart. Dabei zeigte sich einmal mehr, dass hinter Dieter Doepfers Entwicklungen nicht nur technisches Wissen steckt, sondern auch Humor und die Lust am Ausprobieren.
Worum geht es? Gespräch mit Dieter Doepfer auf der Superbooth über Eurorack, neue Module, Trautonium und die besondere Rolle des Synthesizers als Instrument.
- Eurorack: Dieter Doepfer spricht über die Anfänge, den Begriff Eurorack und die wachsende Modul-Szene.
- Superbooth: Das Interview zeigt die lockere Atmosphäre der Messe und würdigt auch Andreas Schneiders Bedeutung.
- Neue Module: Themen sind unter anderem 1U-Module, ein passendes Case und der weiterentwickelte Ribbon Controller.
- Trautonium: Dieter Doepfer erklärt, warum seine Version praktikabler wurde als ein originalgetreuer Nachbau.
- Synthesizer: Der Synthesizer erscheint als Instrument, das man sich im Modularbereich erst selbst zusammenstellt.
Inhaltsverzeichnis
Das Interview mit Dieter Doepfer gibt es auch als Video:
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Einführung in das Interview mit Dieter Doepfer
Ich habe Dieter Doepfer schon um 1997 auf der Frankfurter Musikmesse kennengelernt, als er im weißen Kittel die Fähigkeiten seines A-100-Systems demonstrierte. In den Genuss einer solchen Vorführung kam ich auch später noch, als ich für Thomann als Moderator ein A-100-System im Studio nach seiner Anleitung vorführen sollte, was allerdings nicht zustande kam. Hierfür zeigte mir Dieter Doepfer – damals noch auf der Frankfurter Musikmesse – ein paar Tricks. Ich erinnere mich noch an seine Freude und an sein „Jetzt hat er angebissen“, als er nach der Entstehung eines gelungenen Sounds die Reaktion in meinem Gesicht sah.
Vielleicht noch mehr als die Technik fasziniert mich seine verschmitzte und humorvolle Art, diese zu nutzen. Die menschliche Komponente im Zusammenhang mit Techniklegenden wird in meinen Augen oft unterschätzt. So finde ich bei der Musik von Kraftwerk, weiteren deutschen Legenden elektronischer Musikkultur, oft die Emotionalität in Kombination mit den elektronischen Klängen das Besondere. Florian Schneider und Doepfer haben bei der Entwicklung des Doepfer MAQ 16/3 Sequencers sogar zusammengearbeitet.
Hinter Dieter Doepfers Entwicklungen steckt neben technischem Know-how oft auch eine gewisse Portion „Frechheit“ oder ein „Wenn es nicht so geht, dann machen wir es eben anders“. Im Zivildienst konnte er einst in einem Bereich für Laseroperationen arbeiten und heimlich Synthesizer-Schaltungen entwickeln. „Für den Oberarzt sah ja ein Schaltplan aus wie jeder andere“, sagte er einmal. Das Kaufmännische war ihm nicht fremd und er war auch mal Europa-Vertreter für Curtis-Chips. Zu diesen Themen hatte ich ihn nicht nur früher schon interviewt, man kann auch auf der Doepfer-Website darüber lesen, auf der Teile früherer Interviews verlinkt sind.
Ich habe daher diesmal ein eher lockeres Gespräch mit ihm über aktuelle Themen der Superbooth 2026 und seine neuen Produkte geführt. Zu ersteren gehört die Geschichte, dass der Synthesizer 2027 das Instrument des Jahres sein wird, sodass wir auch über die Bedeutung des Instruments gestern und heute gesprochen haben. Ironie des Schicksals: Das Akkordeon ist das Instrument des Jahres 2026 und Dieter Doepfer wurde einst von seinem Vater zum Akkordeonspielen verdonnert, was er nicht besonders mochte.
Was ihm gefällt, ist eine gewisse Lockerheit bei der Superbooth und dass dort nicht alles so „durchgestylt“ ist, wie er zum Schluss noch meinte. Auch findet er viele Interviews zu steif und plädiert dafür, kleine Sachen, die schiefgehen, nicht rauszuschneiden, wie den kleinen Blackout, den ich am Ende des Interviews hatte. In diesem Kontext ist das folgende Gespräch zu verstehen.
Mit Dieter Doepfer im Gartenstuhl
Heiner:
Ich sitze hier gemütlich zum Nerd Talk mit Dieter Doepfer auf der Superbooth 2026 beim Interview für AMAZONA.de.
Dieter Doepfer:
Hallo zusammen, freut mich, dass du hier bist. Und ich habe gesehen, du hast auch was Tolles mitgebracht: Dein neues Buch, das es jetzt auf Englisch gibt. Das war ja schon lang überfällig, finde ich, sowas auch in Englisch zu machen.

Dieter Doepfer mit der zweiten, überarbeiteten englischen Ausgabe meines Buchs über modulare Synthesizer aus dem Radial Verlag
Heiner:
Ja, danke schön. Freut mich.
Dieter Doepfer:
Viel Erfolg damit. Ich glaube, den wirst du haben.
Heiner:
Das deutsche Buch lief ganz gut und dann habe ich es mit Unterstützung eines guten Lektors (Jono Podmore) übersetzt, mit dem die Arbeit Spaß gemacht hat. Wir haben beide viel Energie hineingesteckt. Die Ausgabe ist jetzt nochmal stark verbessert und aktualisiert. Aber es soll ja jetzt mehr um dich gehen, den Erfinder des Eurorack-Systems. Ein Grund, warum ich überhaupt das Buch geschrieben habe.
Ich habe dich in den 1990ern auf der Frankfurter Messe zum ersten Mal gesehen, wo du einen weißen Kittel vorgeführt hast und uns eigentlich direkt infiziert hast – Thilo Goldschmitz, der ja auch für AMAZONA schreibt und mich. Wir haben uns damals gemeinsam so ein kleines System gekauft. Ich hatte heute Morgen ein Interview mit Walker Farrell von Make Noise, der auch woanders schon gesagt hat, dass ihn deine Manuals inspiriert haben. Und dann hat er erzählt, dass er anfangs nicht wusste, was Eurorack bedeutet und dachte: „Eurorack bedeutet, du kannst das Ding mit nach Europa nehmen und es ist für die Reise gemacht.“
Dieter Doepfer:
Naja, der Begriff ist eigentlich ganz anders entstanden. Der kam eigentlich aus Amerika, soweit ich weiß. Damit man sich von Frac rack und anderen Formaten unterscheiden konnte, haben die Amerikaner, meines Wissens, den Begriff Eurorack eingeführt. Also der kam gar nicht wirklich so von uns her, sondern von den Amerikanern, damit sie sich von den anderen Formaten unterscheiden können. Klar, haben die gesagt, das ist der Typ aus Europa, also nennen wir es Eurorack.
Heiner:
Die Amerikaner wissen immer, wie man die Sachen vermarktet.
Dieter Doepfer:
Ja, genau.
Heiner:
Das wusste ich jetzt auch noch nicht. Und Walker hat dann im Fortgang erzählt, bei Doepfer konnte man ja quasi jedes Modul finden und irgendwann fing es an, dass dann die ersten anderen Module dazu kamen. Für ihn war es Intellijel.
Dieter Doepfer:
Ja, da kamen schon noch ein paar andere vorher. Also es kam noch das Plan B, gab es ganz am Anfang. Der Peter Grenader, das war einer der ersten, der auch Module gemacht hat in dem gleichen Format. Und dann gab es Livewire. Und das waren einfach lustige Zeiten.
Da haben wir uns nach der NAMM-Show abends immer noch getroffen und haben einen Modultausch gemacht. Da haben wir gesagt: “Hey, wenn du mir den VCO gibst, kriegst du von mir den Hüllkurvengenerator” und so weiter. Weil man selbst ein kleines Portfolio hatte und irgendwie von den anderen auch Module haben wollte, gab es immer so die Modultauscherei abends nach der NAMM-Show. Das war ganz lustig. Und dann kamen aber so viele neue dazu, wie jetzt Intellijel und Erica Synths und wie sie alle heißen, Da habe ich nach einiger Zeit den Überblick verloren. Weil ich fast keine Chance gehabt habe, die Leute alle noch persönlich kennenzulernen.
Heiner:
Ja, es ist so ähnlich, wie ich es bei Jungle & Drum & Bass wahrnehme. Am Anfang ist die Szene klein und man inspiriert sich gegenseitig, alle sind euphorisch. Und dann wird es groß mit allen Vor- und Nachteilen, die das halt so hat. Aber irgendwie finde ich, ist der Spirit auch noch da. Man kann es sich natürlich auch verderben lassen von dem einen oder anderen. Aber das sollte man nicht.
Die Qual der Wahl beim Sequencer
Zum Beispiel, wenn ich mir die Sequencer angucke. Wann immer ich versuche, ein Sequencer-Konzept zu verstehen (gerade zuletzt hier bei Rides in the Storm QSQ), höre ich von dem Macher: „Ich habe mir halt was gebaut, wie ich dachte, dass ich es brauche. Die ganzen anderen, die es gibt, waren nicht genau das, was ich gesucht habe.“ Da finde ich es für den Laien von außen unheimlich schwierig, durchzublicken und die Entscheidung zu treffen: “Welchen Sequencer soll ich mir jetzt holen?”
Dieter Doepfer:
Das kann ich gut nachvollziehen. Wir haben auch mehrere Sequencer und wir reden immer wieder drüber, das man nochmal einen anderen Sequencer machen könnte. Du hast nie den Sequencer, den du brauchst. Drei Wochen später hast du noch eine Idee. Da könntest du das noch machen und jenes noch machen und noch länger. Und das Ratcheting noch und dieses noch und jenes noch. Also ich finde das völlig verständlich. Wir hatten schon mal so die Idee eines Sequencers, der wirklich alles könnte, der wäre aber dann so aufwendig zu bauen und so teuer, den würde wahrscheinlich kein Mensch kaufen.
Heiner:
Aber es ist schön, dass du das sagst. Das wird es dem einen oder anderen einfacher machen. Als Laie denkt man ja eventuell: Das ist mein Fehler, weil ich so unwissend bin. Aber in Wirklichkeit ist es das nicht. Es ist einfach die Schwierigkeit der Menschheit in so einem kleinen Kasten all die möglichen Sachen unterzubringen, die man vielleicht musikalisch brauchen könnte. Es ist nicht so, dass man nicht weiß, was man alles braucht. Aber das dann umzusetzen, ist schwer.
Dieter Doepfer:
Und jeder hat auch andere Vorstellungen. Und die Vorstellungen ändern sich im Laufe der Zeit. Also mir geht es jedenfalls so. Fast bei jedem Modul ist es so, wenn es fertig ist, fällt dir eigentlich noch was ein. Aber irgendwann muss man Schluss zu sprechen ziehen und sagen, okay, das war es jetzt. Auch wenn man denkt, man hätte dieses und jenes noch machen können. Aber ich glaube, da geht es fast allen so.
Heiner:
Das ist wie wenn du ein Buch schreibst oder ein Musikstück machst. Du musst irgendwie die Entscheidung treffen, wann es fertig ist.
Dieter Doepfer:
Genau, genau.
Heiner:
Aber das ist ja dann das Schöne, im Gegensatz zu einem Architekt, der vielleicht drei, vier Jahre am gleichen Haus bauen muss und plötzlich merkt: „Ah, hätte ich es doch anders gemacht“ uns der sich dann noch Jahre damit herumschlagen muss, kannst du sagen: „Ach komm, ich baue jetzt einfach noch ein neues Modul.“
Trautonium, A 198 Ribbon Controller und A 198-2
Und da kommst du jetzt wieder mit neuen Sachen. Zum Beispiel finde ich deinen Ribbon Controller toll, mit dem man quasi wie mit einer E-Gitarre stufenlos Tonhöhen auf einer ganz langen Leiste spielen kann. Und da kommst du jetzt mit einer neuen Version beziehungsweise einem neuen zugehörigen Modul um die Ecke.

Der Doepfer Ribbon Controller (hier im Interview auch Spielmanual genannt) wird mit einem Modul verbunden, das bezogen auf die gespielte Position und die Stärke des Drucks Steuerspannungen ausgibt
Dieter Doepfer:
Ja, gibt es jetzt eine verbesserte Version, die verschiedene Funktionen hat, die der bisherige nicht drin hat. Unter anderem gibt es halt verschiedene Quantisierungen, die du einstellen kannst. Du kannst dann umschalten per Fußschalter oder auch Bedientaster zwischen stufenlos und quantisiert. Das heißt, während dem Spiel kannst du sagen, ja, jetzt gehe ich in die Quantisierung rein oder ich mache stufenlos und hat eine ganze Reihe anderer Features noch.
Heiner:
Das ist toll. Und das Gerät ist ja Teil des Trautonium-Nachbaus gewesen.
Dieter Doepfer:
Genau.
Heiner:
Kannst du dazu noch etwas erzählen? Ich hatte gestern hier mit der Landesmusikrat-Generalsekretärin Franziska Stoff ein Gespräch über Synthesizer und dann erinnerte sie an das Trautonium. Und du bringst es mit Doepfer wieder zum Leben.
Dieter Doepfer:
Ja, das ist ja schon wieder ewig, 15-20 Jahre her, da hatten wir Kontakt mit Oskar Sala. Oskar Sala war ja der Musiker, der mit Trautonium in Verbindung gebracht wird. Und da ging es dann darum, ja, was ist, wenn er mal nicht mehr ist, es gibt kein Instrument mehr und niemand wird das fortführen, das Ganze und so weiter. Und dann war ich ein paar Mal bei ihm in Berlin im Studio und dann haben wir das Ganze so besprochen.
Nur was er machen wollte, das war nicht mein Ding, dass wir quasi das Trautonium eins zu eins nachbauen, so wie es ist. Das war für mich, jetzt sage ich mal, nicht so spannend. Ich wollte da schon ein paar andere Ideen noch reinbringen. Oskar Sala hat sein Instrument gehabt, das er vor jedem Auftritt nochmal feinjustieren musste und das Glycerin nachfüllen und dieses und jenes. Und ich habe dann gesagt, so etwas kann man nicht anbieten, weil wenn ich heute ein Produkt auf den Markt bringe, das muss funktionieren, da muss ich zwei Jahre Garantie drauf geben.
Heiner:
Und möglichst nicht so viel Glycerin …
Dieter Doepfer:
Ja, nicht so viel Glycerin, das sowieso. Und dann hatten wir halt ein bisschen andere Ideen, gerade was das Manual angeht und so weiter. Und er hat dann gemeint, nee, also, da kommen wir wohl nicht zusammen. Und wir sind dann halt unseren eigenen Weg gegangen und haben halt unsere Version des Trautonium Spielmanuals gemacht, das man eben auch ganz normal verkaufen kann, wo man auch Service dafür anbieten kann und was mechanisch nicht so anfällig ist wie das Original Trautonium.
Und haben dann auch gesagt, sehr viele Module haben wir ja schon, die im Trautonium vorkommen. Also wir haben einen Oszillator, wir haben Filter, Hüllkurven, VCA’s und so weiter. Das muss man alles nicht neu erfinden. Das Einzige, was wirklich neu dazukam, war der subharmonische Generator, der also diese subharmonischen erzeugt und der spezielle Trautoniumfilter, das ist eine ganz spezielle Filterschaltung, die da zum Einsatz kam. Und alles andere haben wir gesagt, gibt’s schon und wir wollten es halt auch im Rahmen des Modulsystems anbieten.
Also kein Standalone-Gerät, das man hinstellt, sondern du kannst dann auch das erweitern mit einem Phaser oder Effektgeräten oder LFOs oder was auch immer. Und so ist halt unsere Version des Trautoniums entstanden. Hat mit dem Original Trautonium zugegeben nicht mehr so wahnsinnig viel zu tun, weil es ist halt nicht diese Spielseite, auf der man hin und her fährt, sondern wir haben halt so einen Positionssensor, der eigentlich aus dem Automobilbereich kommt.
Das ist ganz lustig, wir waren mal lange auf der Suche, was man da finden könnte statt diesem Draht, der übrigens auch sehr aufwendig herzustellen war. Das war eine Cello-Seite, die man mit Widerstandsdraht umwickeln musste, ganz engmaschig. Da gab es Hersteller von Gitarrenseiten, die das gemacht haben. Und dann musste man noch ganz vorsichtig diesen Widerstandsdraht abschleifen, damit man Kontakt kriegt. Also allein die Seite herzustellen war schon ein ziemlicher Aufwand.
Und dann diese ganze Mechanik, die Dynamik quasi mit diesem beweglichen Teil, die umzusetzen, das war machbar. Wir haben sowas schon gebaut, aber wir haben gesagt, sowas können wir nicht in Serie produzieren, das ist nicht machbar. Gut – lange Rede, kurzer Sinn – wir haben dann gesagt: Okay, wir bieten Module an, insbesondere halt das Spielmanual und den subharmonischen Oszillator und das spezielle Filter und alles andere kannst du aus bestehenden Modulen dazu setzen und dann hast du einen Trautonium-Nachbau.
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Anmerkung von Heiner: Dieser Controller ist wirklich toll spielbar. Ich hatte ihn auch schon im Stil einer E-Gitarre in der Hand und konnte damit meinen auf dem Haken Contiunuum virtuos musizierenden Mitmusikern bei unserem Auftritt bei der Superbooth 2024 etwas schrägere Bässe entgegensetzen.
Synthesizer als Instrument, Superbooth und Andreas Schneider
Heiner:
Jetzt ist ja auch viel die Rede davon gewesen, dass der Synthesizer das Instrument des Jahres 2027 des Landesmusikrats wird. Und in dem Kontext setzten sich viele jetzt neu mit dem Thema Synthesizer auseinander. Was bedeutet Synthesizer eigentlich? Und ich würde sagen, diese Messe hier entsteht rund um das Thema Synthesizer oder ist deshalb entstanden, weil du mit diesem Eurorack-Standard ein Format geschaffen hast, wo dann der Begriff Synthesizer ständig neu interpretiert werden konnte.
Eben weil man sich hier von allen Leuten aus der ganzen Welt Komponenten für einen eigenen Synthesizer zusammenstellen kann. Weil hier der Begriff Synthesizer eigentlich jedes Jahr neu interpretiert wird und nicht bedeutet, das zu hören, was wir schon vor 30 Jahren von den Synthesizer-Größen gehört haben, sondern ein Synthesizer kann jedes Jahr wieder ganz anders klingen. Würdest du mir zustimmen?
Dieter Doepfer:
Ja, aber eins muss ich noch dazu sagen: Die treibende Kraft hinter dem Ganzen ist natürlich in erster Linie der Andreas Schneider. Die Messe hier, also da habe ich nur einen winzigen Anteil im Vergleich zu dem, was Andreas Schneider da geleistet hat. Der hatte die Idee, das wirklich umzusetzen.
Heiner:
Andreas Schneider ist der Manager, der das Potenzial gesehen hat. Er hat den ganzen Künstlern, so ähnlich wie ein Bandmanager, versucht zu helfen, sich besser zu vermarkten. Er war ja früher Bandmanager. Eigentlich sind ja die Modulbauer so ein bisschen wie Künstler, hat er mir mal erzählt.
Dieter Doepfer:
Also ohne Andreas Schneider würde es das alles hier überhaupt nicht geben und wir würden wahrscheinlich auch noch als eine kleinere Firma irgendwo da im Großraum München hier unsere Dinge zusammenschrauben, ohne Andreas Schneider wäre das völlig anders alles gelaufen. Und es sind ja mittlerweile viele Firmen dazugekommen und Geräte, die mit Modulsystemen nichts zu tun haben. Viele Standalone-Geräte auch und Computer-Software und was weiß ich alles dazu gekommen. Es ist zwar was aus der Modul-Szene daraus entstanden, aber es ist einiges doch dazugekommen.
Heiner:
Aber jetzt mal Andreas Schneider in Ehren. Es ist aber ja auch irgendwie so, dass da eine Energie, ein Bedarf der Instrumenten spielenden Menschheit existiert, eine Sehnsucht nach einem neuen Instrument und ein System, was letztlich die Komplexität und die Einfachheit irgendwie so zusammenbringt, dass es benutzbar ist, dass man von der Vision zu einem realen Produkt kommen kann, die das alles auslöst.
Es gibt ja auch noch andere Zusammenkünfte – Synth-Fest, NAMM-Show etc. –, die alle ein bisschen anders strukturiert sind, aber bei denen sich auch Leute treffen und ihre Synthesizer-Ideen präsentieren. Der Synthesizer ist als Instrument eben nicht nur eine fertige Kiste, die man kaufen kann, sondern ist als Instrument etwas, das unterschiedlich gebaut werden kann.
Dieter Doepfer:
Also der Unterschied zu einem klassischen Musikinstrument, sag ich immer, wie einer Geige oder Trompete oder Piano, ist, dass du dein Instrument erst bauen musst, also zumindest im Modularbereich. Du kriegst nichts fertig, sondern die erste Herausforderung ist, dass du überhaupt mal dir das Instrument zusammenstellst.
Ich vergleiche es auch immer wieder mit einer Modelleisenbahn. So wie früher, da hast du dann auch deine Weichen und Lokomotiven und Gleise und was weiß ich alles zusammengesetzt, um dir dann so ein Gesamtkonzept daraus zusammenzubasteln. Und das ist eigentlich bei den Modulsynthesizern genauso. Du baust dir erst mal das Instrument und dann kannst du anfangen, damit hoffentlich Musik zu machen.
Heiner:
Ja, aber das ist ja auch so ein bisschen das, worüber manchmal gespottet wird. Nach dem Motto: Die Leute, die Module kaufen, sammeln nur. Da gibt es ja bestimmt auch, es sind ja auch schöne Produkte, die gut klingen und man allein an dem Produkt schon Spaß haben. Aber ich will jetzt ein bisschen mehr aufs Künstlerische hinaus, weil ich selber vom Musik machen her bei den Synthesizern gelandet bin. Als ich irgendwann mal in den 1980ern die ganzen Sachen im Radio gehört habe dachte ich: Wie macht man denn diese Sounds, wo kriegt man die her?
Und es hat lange gedauert, bis ich das rausgefunden habe. Heute ist es viel leichter, weil es überall im Netz Beispiele gibt. Und es gibt zum Beispiel die Techno-, Breakbeat-, Ambient- und Noise-Richtungen oder die musikalischen Ansätze. Manchmal ähnlich wie bei der Politik, finde ich es schade, dass die einzelnen Lager nicht so viel miteinander reden, denn alle könnten voneinander lernen. Und beim Musik machen geht es ja oft um das „gemeinsame“ Musizieren.
Mich fasziniert das große Ganze, das man unter diesem Dach Eurorack oder Synthesizer zusammenfassen kann. Alle können auf dieses System zurückgreifen und sagen: „Ich kaufe mir ein paar Doepfer-Module und dann noch irgendetwas anderes dazu, was ich brauche.“ Oder ein gutes Doepfer-Case, die eignen sich für die Reise und sind recht robust. Da kommen wir wieder zum Aktuellen. Du hast jetzt neue, kleinere 1U-Module am Start.
Doepfer 1u Module und Case mit 1U Reihe
Dieter Doepfer:
Ja, es kam in der letzten Zeit immer mehr User auf uns zu, die gesagt haben: „Hey, könnt ihr nicht auch mal 1U-Module machen? „Und wir haben gesagt: „Okay, klar, warum nicht?“ In erster Linie werden da so Utilities angeboten, also kleine Mixer, Multiples, Hüllkurven, also was man quasi so Bread-and-Butter-mäßig sowieso immer irgendwo braucht. Und das setzt man dann in die Mitte und kann dann nach oben und unten patchen und dann die anderen etwas anspruchsvolleren Module damit ansteuern. Das ist die Idee dahinter. Ja, und da steigen wir jetzt auch ein in den Bereich, der ja von Intellijel, glaube ich, initiiert wurde. War eine gute Idee.
Heiner:
Aber da war auch noch so ein Case, das sah nach einem Doepfer-Case aus. Mit so einer 1U-Leiste.
Dieter Doepfer:
Ach so, ja, das haben wir jetzt hier. Klar, gibt es bei uns jetzt auch. Es wäre eine schlechte Idee jetzt ein 1U-Module anzubieten ohne passendes Case dazu. Das habe ich im Auto noch hierher gekarrt, am Abend vorher noch alles zusammengeschraubt. Das kam vom Case-Bauer so in allerletzter Minute. Also haben wir nicht mal mehr geschafft, ein Foto oder was dazu zu machen. Aber das ist bei uns oft so, dass so in den letzten Stunden fast noch geschraubt wird und zusammengestellt wird. Und das macht es auch immer irgendwie spannend.
Der zweite Teil des Interviews mit Dieter Doepfer ist bereits auf unserem YouTube-Kanal zu finden und erscheint bald auch als Artikel.























































Hab null Interesse an Modularsynthesizern, aber DD finde ich super. Nur dass er keine Lust auf Akkordeon hatte, kann ich wenig nachvollziehen. So ein tolles Instrument. Aber wenn man von dem Eltern dazu getrieben wurde, ist das vielleicht auch nicht so motivierend…
@janschneider ich spiele Klavier und mein Vater hat immer Akkordeon gespielt. Ich hab es mal versucht und fand es recht schwierig, das zu koordinieren. Die unterschiedlichen Stimmungen, die man damit erzeugen kann bzw. dass man, wie beim Klavier damit „Alleinunterhaltung“ realisieren kann, finde ich auch toll. Aber um die Disziplin zu haben, das zu lernen, hat bei mir die Begeisterung für den Sound auch nicht ausgereicht.
wow!
30 Jahre eurorack.
krautrack war ja schon vergeben leider. 🤣
finde es interessant, ein kleiner deutscher Hersteller bringt einen Standard raus, der den alten Amerikanischen schlägt
irgendwie Punkmässig mit den vielen kleinen Firmen die alle möglichen Module rausbringen.
@Numitron ja, so kann man es nennen, das ist auch das Attraktive, weil viele Leute, die ganz unterschiedlich ticken, ihre Ideen mit gegebenem technischen Rahmen umsetzen können – und man selbst kann sich dann etwas zusammenstellen