Interview: Florian Anwander, Synthesizer-Urgestein

Florians SH-101 Din-Sync Modifikation

Florians SH-101 Din-Sync Modifikation

Peter:
Die Liebe zu Synthesizern hat bei dir ja auch einen technischen Aspekt. Soweit ich weiß, überholst du deine Synthesizer selbst, richtig?

Florian:
Ja. In den 80er- und 90er-Jahren habe ich eigentlich nur Modifikationen gemacht; was ich mit meinen Kenntnissen vom Formant-Bau so machen konnte. Erst mal an meinen eigenen Synths, später auch an denen von Freunden. Irgendwann kamen die analogen Schätzchen in das Alter, in dem die ersten Macken auftraten; da habe ich halt auch mit Reparaturen angefangen. Mit der Zeit hat sich das zu einem Hobby verselbständigt, das parallel zum Musikmachen bestand. Inzwischen ist es zu einer richtigen von meinem Arbeitgeber genehmigten Nebenerwerbstätigkeit geworden. Ich repariere und renoviere auch Synths als bezahlte Aufträge. Allerdings bestenfalls vier oder sechs pro Jahr.

Ich mache auch weiterhin gerne Modifikationen an analogen Synths oder an Drummaschinen. Die Ideen dafür entstehen meistens dadurch, dass ich beim Live-Auftritt irgendeine Funktion vermisse, und dann mir überlege, wie man das lösen könnte.

Daneben arbeite ich auch Konzepte für Modifikationen aus, die ich selbst nie bauen könnte. So stammen etwa die Ideen für viele Funktionen des KIWI-3P und die ganze Bedienstruktur des Systems von mir. Dass es die Tubbutec SH-1oh1 Erweiterung gibt, das ist meine Idee, die ich Tobias Münzer angetragen habe, nachdem ich von seiner Juno-66-Erweiterung gelesen hatte. Ich wusste, dass der Juno-60 und der SH-101 mit ganz ähnlicher Keyboard-Technik arbeiten, und dass es für Tobias ein Leichtes sein müsste, so etwas zu entwickeln. Tobias sind dann noch ganz tolle Zusatzfeatures eingefallen.

Peter:
Was sind das dann für Modifikationen, die Du selbst umsetzt?

Florian:
Eine klassische Änderung bei Analogsynths ist zum Beispiel die Angleichung des Pegels an die Resonanz. Diese Funktion ist zwar bei vielen Synthesizern schon mit eingebaut, aber oft ist sie zu schwach ausgeprägt, und manchmal – wie beim Jupiter 6 – fehlt sie eben ganz. Bei alten Rhythmusmaschinen baue ich externe Clock-Eingänge ein oder Trigger-Ausgänge. Sehr einfach ist es auch, die Envelope-Zeiten von Synthesizern schneller zu machen.

Ich habe aber auch schon ziemlich wilde Sachen gemacht. Ein Freund hat einen Concermate MG-1, der mit einer kompletten Modulationsmatrix ausgestattet wurde und bei dem die Polysektion die Hardsync des VCO-2 ansteuern kann. Bei meinem Polymoog habe ich die Pulsbreitenmodulation auf Cross-PWM umgebaut; da moduliert der Sägezahn-Oszillator die Pulsbreite. Klanglich liegt das dann irgendwo zwischen PPG und DX7. Sehr wild, aber unendlich mühsam, weil man 72 Voicecards umbauen muss. Dieser Polymoog ist dann leider einem Blitzschaden zum Opfer gefallen.

Die meisten meiner Modifikationen veröffentliche ich übrigens auf meiner Web-Page.

Florians MiniBrute Pulse-Adjust Modifikation

Florians MiniBrute Pulse-Adjust Modifikation

Forum
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    matt

    EIn zeitloses Interview, welches man immer wieder mal lesen kann.

    (Weitaus besser als Gear Gerüchte Artikel.)

  2. Profilbild
    tandem

    „Wenn mir jemand einen virtuell analogen Synthesizer präsentiert, bei dem ich die VCA-Envelopes der aktuell gespielten Stimmen separat mit einem Triggersignal oder meinetwegen einer Steuernote in MIDI antriggern kann, dann wäre ich der erste, der diese Kiste auf dem Tisch hat.“ – Der Nord Lead kann das (über Special Function „A“).

    • Profilbild
      Florian Anwander  RED

      Hallo Tandem,

      Du übersiehst geflissentlich den Satz: „Ich ertrage ein Gerät nicht, bei dem ich in irgendwelchen Menüs die Controller-Nummer für das Filter in der nächsten Sequenz aus Zilliarden Möglichkeiten raussuchen muss […] – geschweige denn, dass das live auf der Bühne machbar wäre.“

      Ich sehe gerne zu wie Du die Meute im Club mit folgendem Prozeder zum kochen bringst…

      4. Hold down SHIFT and press MIDI CH. Set the MIDI Channel for Slot A to ‘1’.
      5. Press each of the other
      SLOT buttons and set them to MIDI Channel ‘16’. This is just to make sure they do not get used in this example.
      6. Hold down SHIFT and press SPECIAL.
      7. Press the SPECIAL button until the left digit in the DISPLAY reads ‘F’.
      8. Make sure Slot A is selected. Otherwise press the SLOT A button.
      9. Use the UP/DOWN buttons to set the value to ‘F.on’.
      10.Press STORE. Use the UP/DOWN buttons to select MIDI Channel ‘2’.
      11.Press STORE again and then the DOWN button to select ‘– – –’ (any MIDI note number).
      12.Press STORE again

      … uuuups, die Tanzfläch ist ja leer

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      moogulator  AHU

      Er meint analoger Triggereingang für Signale von TR’s und so weiter. Das fehlt und sollten alle haben, auch VAs.
      MIDI war vermutlich nicht gemeint.

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        Florian Anwander  RED

        Hallo Moogulator,

        Triggerung durch ein MIDI-Event wäre schon auch in Ordnung. Aber bitte nicht über diesen Setup-Wahnsinn. Das „Unverschämte“ an einer Triggerbuchse ist ja, dass die einzige „Setup“-Aktion das Einstecken des Kabels ist.

        Die Möglichkeit des Nordlead ist ja fein für jemanden der zu Hause im Kämmerlein alles sorgfältig vorbereitet, und das dann nur noch auf der Bühne reproduziert. Aber das hat für mich nur wenig mit Musikmachen zu tun. Ein Trompeter kann ja seinen Lippenansatz auch nicht zu Hause vorprogrammmieren – der macht das ja auch in Echtzeit auf der Bühne.

        Naja, Dir muss ich das nicht erzählen.

        (PS: wer die Chance hat, Moogulator mal live zu erleben, der sollte sich das nicht entgehen lassen. Das ist sehr beeindruckend!)

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          moogulator  AHU

          yepp –

          und was das erleben angeht – total „seeeelber“ weil war immer gut – hoffe du bist demnächst auch wieder da live unterwegs, damit ich das mit bekomme. Ist nämlich auch richtig gut!

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          Pflosi  

          Es gibt schon Lösungen… Einen MidiPal z.B. habt Ihr ja offenbar, der kann das auch… :) Manche Sequenzer haben die Funktion ebenfalls, so etwa der Zyklus MPS1.

          LG

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            Florian Anwander  RED

            Ja, klar haben viele Geräte diese Funktion und viele andere Funktionen, die ich sehr einfach in der CV/Gate/Trigger-Clock-Welt realisiere; nur eben mit einem blödsinnigen Konfigurationsaufwand bzw mit einem technischen Aufwand. Warum soll ich mir für 100 oder 200 Euro ein Zusatzgerät kaufen, wenn die gleiche Lösung mit einer Buchse und Bauteilen für unter einem Euro zu realisieren wären?

            Ich sehe hier ein Problem, das ich aus der Softwarewelt nur zu gut kenne: Es ist unter Produktmanagern und zT. auch Entwicklern verpönt, Vorteile alter Technologien anzuerkennen (die also nicht vom Produktmanager oder vom Entwickler stammen), da man auf die Art weniger von sich präsentieren kann; das ist dem Selbstwertgefühl abträglich. Kein technisches sondern ein allzu menschliches Problem…

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    daniel müller  

    Vielen Dank Herr Grandl und Herr Anwander für das unterhaltsame Interview…

    Sehr schön das…

    „Ich selbst lösche vor dem Auftritt alle Sequenzen und Drumpatterns und beginne bei Null.“

    Weitermachen…

  4. Profilbild
    Stephan M.  RED

    Tolles Interview! Dank Florian hatte ich überhaupt die Motivation, mich mit analogen Synthesizern zu befassen. Ich konnte in der damals abonnierten Keys nur was mit den Audiobeiträgen des Workshops modulare Synthesen anfangen. Die Form der Improvisation ist mir nicht fremd, so etwas würde ich auch liebendgerne mal probieren. Leider ging an mir der Kelch vieler analoger Hardware vorüber, bislang zumindest. Ich denke, ein analoges System könnte wunderbar barrierefrei sein.

  5. Profilbild
    BlackSun

    Danke für dieses tolle Interview! Ich habe mir erst letzte Woche das Standardwerk „Synthesizer“ von ihm gegönnt und finde es sehr gelungen! Auch wenn ich darum bitte bei der nächsten Auflage gleich noch ein passendes Döpfer A-100 System + persönliche Beratung mitzuliefern. …Ich würde bestimmt auch 10 Euro mehr bezahlen für das Buch! Bestimmt! ^^
    Mein persönliches Fazit: Ihr seid cool. Weitermachen.

  6. Profilbild
    barkingdog  

    Bevor man sich überhaupt einen Synth kauft muss man zeimal das Buch SYNTHESIZER durchackern, finde ich. Und ein drittes mal dann mit dem Synth. Das sollte staatlich kontrolliert werden, so wie ein Führerschein ;) dann wäre bald Schluss mit dem Presetgedüdel. Ein echt gutes Buch, das den Weg zur eigenständigen Synthese erst aufmacht. Danke dafür!!!
    LG
    David

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