Interview: Florian Anwander, Synthesizer-Urgestein

Florians Live-Setup Rote Sonne

Florians Live-Setup Rote Sonne

Peter:
Erst vor ein paar Monaten habe ich dich bei einem Live-Konzert in München gesehen. Alles sehr sphärisch. Wie wichtig ist es dir, live aufzutreten?

Florian:
Sphärisch fandest Du das? Dann bist Du zu früh gegangen (lacht); später haben wir noch ziemliche Bretter hingelegt. Ich spiele seit bald 15 Jahren fast nur noch live. Es macht mir wahnsinnig Spaß, mit anderen zusammen und für und vor Publikum zu spielen.

Peter:
Wie hat sich Eure „Combo“ gefunden? Habt ihr als Gruppe einen Namen?

Florian :
Die Combo heißt „ambioSonics“ (siehe www.ambiosonics.de). Die Ursprünge liegen im Jahr 2004. Es gab damals so was wie einen Elektronik-Musiker-Stammtisch. Dort entstand die Idee, einfach mal live improvisierend öffentlich aufzutreten. Daraus wurde dann ein festes Project mit dem Namen sphericlounge. Da ging es wirklich um sphärische Musik. Ein paar Teilnehmer wollten aber auch Beat-Lastigeres machen, und so haben wir 2006 ambioSonics als Seitenprojekt gegründet. Inzwischen finden die sphericlounge Sessions selbst nur noch ganz selten statt, und ambioSonics ist das präsentere Projekt.

Peter:
Wie muss man sich Eure Proben vorstellen. Während des Konzerts war viel improvisiert, ich hatte aber schon den Eindruck, dass alles nach einem gewissen Fahrplan abgelaufen ist. Zum Beispiel hatte die Sängerin Textnotizen in der Hand.

Florian:
Du musst Dir unsere Proben gar nicht vorstellen, denn es gibt keine Proben. Wir spielen nur live – es sind Jamsessions. Wir sind ja auch kein festes Team, sondern eine Gruppe von etwa fünfzehn Leuten, die über eine Mailliste kommuniziert. Wir haben einen festen Termin ein Mal im Monat im Club eines Bürgerzentrums. In der Woche vor dem Termin wird auf der Mailliste herumgefragt, wer beim nächsten Mal mitmachen mag. Da melden sich meist drei oder vier. Dann kommen wir zwei Stunden vor dem Auftritt in den Club, bauen auf und spielen dann los.

Ich selbst lösche vor dem Auftritt alle Sequenzen und Drumpatterns und beginne bei Null. Ich verwende auch keine abgespeicherten Sounds, sondern benutze alle Synths im Manual-Mode. Das Einzige, was ich in gewisser Weise einmal vorbereitet habe, das sind etwa zwanzig vierspurige Drum-Loops im Electrix-Repeater, die ursprünglich aus Stylus RMX von Spectrasonics stammen.

Wieviel sich die anderen vorbereiten, das weiß ich nicht, aber ich nehme an, das tendiert bei den meisten ebenfalls gegen Null. Das sind ja alles Leute mit einem Musik-fremden Fulltime-Job und mit Familie. Die Sängerin übrigens auch. Die druckt sich nur alte englische Gedichte aus, um irgendwelche Texte zu haben – moderne Texte gehen wegen dem Urheberrecht nicht. Das waren die Notizen, die Du gesehen hast.

Forum
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    AMAZONA Archiv

    EIn zeitloses Interview, welches man immer wieder mal lesen kann.

    (Weitaus besser als Gear Gerüchte Artikel.)

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    tandem

    „Wenn mir jemand einen virtuell analogen Synthesizer präsentiert, bei dem ich die VCA-Envelopes der aktuell gespielten Stimmen separat mit einem Triggersignal oder meinetwegen einer Steuernote in MIDI antriggern kann, dann wäre ich der erste, der diese Kiste auf dem Tisch hat.“ – Der Nord Lead kann das (über Special Function „A“).

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      Florian Anwander  RED

      Hallo Tandem,

      Du übersiehst geflissentlich den Satz: „Ich ertrage ein Gerät nicht, bei dem ich in irgendwelchen Menüs die Controller-Nummer für das Filter in der nächsten Sequenz aus Zilliarden Möglichkeiten raussuchen muss […] – geschweige denn, dass das live auf der Bühne machbar wäre.“

      Ich sehe gerne zu wie Du die Meute im Club mit folgendem Prozeder zum kochen bringst…

      4. Hold down SHIFT and press MIDI CH. Set the MIDI Channel for Slot A to ‘1’.
      5. Press each of the other
      SLOT buttons and set them to MIDI Channel ‘16’. This is just to make sure they do not get used in this example.
      6. Hold down SHIFT and press SPECIAL.
      7. Press the SPECIAL button until the left digit in the DISPLAY reads ‘F’.
      8. Make sure Slot A is selected. Otherwise press the SLOT A button.
      9. Use the UP/DOWN buttons to set the value to ‘F.on’.
      10.Press STORE. Use the UP/DOWN buttons to select MIDI Channel ‘2’.
      11.Press STORE again and then the DOWN button to select ‘– – –’ (any MIDI note number).
      12.Press STORE again

      … uuuups, die Tanzfläch ist ja leer

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      moogulator  AHU

      Er meint analoger Triggereingang für Signale von TR’s und so weiter. Das fehlt und sollten alle haben, auch VAs.
      MIDI war vermutlich nicht gemeint.

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        Florian Anwander  RED

        Hallo Moogulator,

        Triggerung durch ein MIDI-Event wäre schon auch in Ordnung. Aber bitte nicht über diesen Setup-Wahnsinn. Das „Unverschämte“ an einer Triggerbuchse ist ja, dass die einzige „Setup“-Aktion das Einstecken des Kabels ist.

        Die Möglichkeit des Nordlead ist ja fein für jemanden der zu Hause im Kämmerlein alles sorgfältig vorbereitet, und das dann nur noch auf der Bühne reproduziert. Aber das hat für mich nur wenig mit Musikmachen zu tun. Ein Trompeter kann ja seinen Lippenansatz auch nicht zu Hause vorprogrammmieren – der macht das ja auch in Echtzeit auf der Bühne.

        Naja, Dir muss ich das nicht erzählen.

        (PS: wer die Chance hat, Moogulator mal live zu erleben, der sollte sich das nicht entgehen lassen. Das ist sehr beeindruckend!)

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          moogulator  AHU

          yepp –

          und was das erleben angeht – total „seeeelber“ weil war immer gut – hoffe du bist demnächst auch wieder da live unterwegs, damit ich das mit bekomme. Ist nämlich auch richtig gut!

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          Pflosi  

          Es gibt schon Lösungen… Einen MidiPal z.B. habt Ihr ja offenbar, der kann das auch… :) Manche Sequenzer haben die Funktion ebenfalls, so etwa der Zyklus MPS1.

          LG

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            Florian Anwander  RED

            Ja, klar haben viele Geräte diese Funktion und viele andere Funktionen, die ich sehr einfach in der CV/Gate/Trigger-Clock-Welt realisiere; nur eben mit einem blödsinnigen Konfigurationsaufwand bzw mit einem technischen Aufwand. Warum soll ich mir für 100 oder 200 Euro ein Zusatzgerät kaufen, wenn die gleiche Lösung mit einer Buchse und Bauteilen für unter einem Euro zu realisieren wären?

            Ich sehe hier ein Problem, das ich aus der Softwarewelt nur zu gut kenne: Es ist unter Produktmanagern und zT. auch Entwicklern verpönt, Vorteile alter Technologien anzuerkennen (die also nicht vom Produktmanager oder vom Entwickler stammen), da man auf die Art weniger von sich präsentieren kann; das ist dem Selbstwertgefühl abträglich. Kein technisches sondern ein allzu menschliches Problem…

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    daniel müller  

    Vielen Dank Herr Grandl und Herr Anwander für das unterhaltsame Interview…

    Sehr schön das…

    „Ich selbst lösche vor dem Auftritt alle Sequenzen und Drumpatterns und beginne bei Null.“

    Weitermachen…

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    Stephan M.  RED 3

    Tolles Interview! Dank Florian hatte ich überhaupt die Motivation, mich mit analogen Synthesizern zu befassen. Ich konnte in der damals abonnierten Keys nur was mit den Audiobeiträgen des Workshops modulare Synthesen anfangen. Die Form der Improvisation ist mir nicht fremd, so etwas würde ich auch liebendgerne mal probieren. Leider ging an mir der Kelch vieler analoger Hardware vorüber, bislang zumindest. Ich denke, ein analoges System könnte wunderbar barrierefrei sein.

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    BlackSun

    Danke für dieses tolle Interview! Ich habe mir erst letzte Woche das Standardwerk „Synthesizer“ von ihm gegönnt und finde es sehr gelungen! Auch wenn ich darum bitte bei der nächsten Auflage gleich noch ein passendes Döpfer A-100 System + persönliche Beratung mitzuliefern. …Ich würde bestimmt auch 10 Euro mehr bezahlen für das Buch! Bestimmt! ^^
    Mein persönliches Fazit: Ihr seid cool. Weitermachen.

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    barkingdog  

    Bevor man sich überhaupt einen Synth kauft muss man zeimal das Buch SYNTHESIZER durchackern, finde ich. Und ein drittes mal dann mit dem Synth. Das sollte staatlich kontrolliert werden, so wie ein Führerschein ;) dann wäre bald Schluss mit dem Presetgedüdel. Ein echt gutes Buch, das den Weg zur eigenständigen Synthese erst aufmacht. Danke dafür!!!
    LG
    David

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