Interview: Florian Meindl, Produzent, DJ & Live-Act

1. Juni 2017

Zwischen analogen Modular-Bauten und Vinyl-Sets

Florian Meindl ist schon lange kein unbekanntes Gesicht mehr in der Techno-Szene. Dabei treffen hier zwei interessante Punkte aufeinander: Dafür, dass er noch so jung ist, also gerade mal 32-Jahre, ist er schon lange dabei und so ist auch die Liste der Dinge, die man über ihn erzählen könnte.

Angefangen hat alles mit 14 oder 15 Jahren in einer kleinen Stadt in Österreich. Eine Stadt, die schon damals eine sehr gesunde Techno-Szene besaß, wie uns der überaus sуmpathische Wahl-Berliner erzählte. Wir besuchten ihn eines Abends nach einem Tag auf der Superbooth in seinem Studio, in einem Kompleх, in dem sich auch die Riverside-Studios befinden – also einen Steinwurf von der Spree, der Oberbaum-Brücke, dem Watergate und den Clubs zwischen Wrangel-Kiez und Alt-Treptow. Dort wo auch Beatport oder Native Instruments ihre Zelte aufgeschlagen haben, dort wo sich der Club der Visionäre findet, das Chalet, die Ipse, der Arena-Club, das Badeschiff oder die Hoppetosse.

Zu Gast im Studio bei Florian Meindl

Neben dem Aufnehmen alter Platten (er spielt noch Vinуl, aber wie wir wissen, eine digitale Kopie dabei zu haben ist nie verkehrt), haben wir mal ein wenig über ihn und seine Projekte, sein neues Album und sein Setup gesprochen.

Gerade hinsichtlich seines Setup, speziell seinem Modular-Sуstem im Live-Set, wird es später ein paar Anmerkungen in Klammern geben, damit ein wenig Gear-Suche betrieben werden kann.

Viel Spaß mit Florian Meindl!

Bolle:
Florian, vielen Dank für die Einladung in deine vier Wände hier in Berlin. Dein Dialekt verrät sofort: Du bist kein Ur-Berliner. Wo kommst du ursprünglich her und wie bist du nach Berlin gekommen?

Florian:
Ich komme ursprünglich aus Österreich, aus Linz, bin aber vor 11 Jahren weggezogen, nach Berlin, allein. Da war ich aber dann nur 3 Monate, da ich danach nach London gegangen bin um Music Technologу zu studieren, also Tontechnik.

Das habe ich drei Jahre lang gemacht an der University of West-London, damals hat es noch Thames Valley University geheißen.
Das war eigentlich ganz hilfreich, es war aber so eine Produzenten-Ausbildung. Also man hat nicht gelernt, wie man einen Kompressor baut, sondern wie man ihn benutzt. Man hat nicht gelernt, wie man ein Instrument spielt, sondern wie man eine Band produziert. Da gab es auch ein Fach in dem man lernte einen Sampler zu bedienen, verschiedene DAWs zu nutzen und Fächer wie Creative Music, in dem wir Field-Recordings zusammen mit Klängen zu einer Story produzieren mussten.

Ich hab das Studieren aber eigentlich nur nebenbei gemacht, weil ich damals schon eigentlich als DJ Vollzeit unterwegs war. Ich bin jedes Wochenende von Heathrow weggeflogen, hatte jedes Wochenende Gigs, 1, 2…3 und Montag war ich wieder in der Uni.

Nachts habe ich fast jeden Tag Musik Produziert – das war meine Zeit auf Trapez Records wo Tracks wie Blast oder Worms entstanden und auch zum Beispiel „Aorta“ auf Herzblut Rec. – zeitgleich habe ich auch mein Label FLASH schon aufgebaut und die Riemann Kollektion wo ich nebenbei mit Loops und Sounds Geld verdiente – die Miete und Studien-Gebühr war damals schon immens hoch. Als ich danach nach Berlin kam war alles unfassbar günstig!

Meine Musik hab ich selbst zuhause gemacht, nur Computer, nur Plug-ins, Cubase. Die Uni war nur so nebenbei, damit ich etwas mache und weil man sich für einige Sachen zuhause nicht so überwindet das zu lernen. Studio-Akustik und so, das hat mich alles interessiert, aber ich hätte das alleine nicht gelernt.

Ich hab das Studium auch nicht gemacht um als Produzent zu arbeiten, sondern ich hatte schon eine Karriere. Ich hatte schon Platten draußen, das lief alles schon. Es war ein wenig auch um gut Englisch zu lernen. Sonst wäre ich gleich nach Berlin gezogen und hätte dort gelebt. Ich habe aber viele Dinge gelernt, die mir jetzt erst später im Laufe der Zeit noch viel gebracht haben.

Bolle:
Gab es denn bei dir mal diese Zeiten, in denen es nicht wirklich vorwärts ging?

Florian:
Es lief in den 11 Jahren, in denen ich das international mache auch mal nicht so gut, klar. Es gab mal eine Zeit, da hatte ich nur einen oder zwei Gigs im Monat, oder sogar noch schlimmer, 1 Gig. Das ist gar nicht gut, wenn man die Sache gern macht, professionell macht. Dann ist ein Gig pro Monat nicht befriedigend. Es war nie so, dass ich gar nicht gebucht worden wäre, sondern es war die Zeit, in der dieser käsige kommerzielle Deephouse so dominant war und jeder nur das hören wollte. Anstatt mit der Gage herunter zu gehen um genug Gigs zu haben nutzte ich die Zeit aber lieber im Studio und habe mich dort weiterentwickelt und mich ins Thema Modular-Systeme eingearbeitet.

Bolle:
Also vor 5 Jahren ungefähr…

Florian:
Ja, so 2012 Da ging es erst einmal bisschen bergab, aber dann kam ja Techno zurück und seitdem läuft es so gut wie nie.

Bolle:
Du bist ja nun de facto auch schon seit Ewigkeiten dabei. Du bist 32 jetzt?

Florian:
31 ja…ne, 32 (lacht). Ich denke immer ich wäre noch 31, aber doch, da waren schon 2 Geburtstage nach dem 30.

Bolle:
Wie bist du denn eigentlich zur Musik gekommen? Klassische Prägung der Eltern musikalisch?

Florian:
Klassisch Eltern nicht musikalisch. Das hilft aber beim selber lernen – man muss halt dann alles selbst aufbauen und lernen – schadet auch manchmal nicht!

Es war damals ziemlich schwierig herauszufinden, da wo ich herkomme, weil keiner wirklich Musik produziert hat dort. Es gab zwar Internet aber das war nicht so ausgereift wie heute. Heute findet man alles auf Youtube, das war damals nicht so.
Ich wusste damals auch gar nicht, dass Techno mit einer 909…oder, was überhaupt eine 909 ist. Es gab auch gar keinen Weg das herauszufinden. Die, die schon Musik machten, waren alle 10 Jahre älter. Aber da kam der Computer ganz gut so als Einstieg. Da konnte ich mein eigenes Ding machen, da brauchte ich keinen. Ich hatte schon einiges im Internet herausgefunden, aber auch nur so versteckt auf Producer-Foren. Da musste man sich durch verschiedene Foren durcharbeiten um herauszufinden wie was geht, oder wo man Samples herbekommt. Es gab zwar diese Sample-CDs, die waren aber meist ziemlich teuer und irgendwie so old-schoolig. Damals kam Minimal als Musikrichtung auf, aber es gab eben keine Minimal-Samples. Da musste man sich dann alles selbst zusammenschustern. Das hab ich dann auch gemacht und Gott sei Dank ein Release auf Trapez bekommen.

Bolle:
Wann war das?

Florian:
So 2006 vielleicht.

Bolle:
Also mit Anfang 20. Wie lange hast du da schon produziert?

Florian:
3 Jahre. Mit 17 hab ich begonnen. Auflegen tue ich schon viel länger. Auflegen hab ich eigentlich so mit 14 so begonnen.

Bolle:
Welche Musikrichtung, direkt Techno?

Florian:
Der Techno, den ich hier auf Platte habe (Anmerkung: Er digitalisierte nebenbei Platten aus oder von vor der Jahrtausend-Wende, die ohne Frage heute noch vollkommen Peak-Time-tauglich wären, „The Advent“ zum Beispiel). Vorher aber noch so kommerziellen House, weil ich schon so in den 90ern mit Eurodance, Thunderdome, Hardcore aufgewachsen bin, was es halt damals auf diesen CD-Compilations gab. Von Trance bis House und Eurodance. Den seriöseren Techno so Jeff Mills habe ich erst so mit 16 entdeckt.

Forum
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    Kyotonic

    Hossa ist das symphatisch! So geht es immer weiter mit dem Techno-Beat. Bei all dem unnötigen Equipment was auf dem Markt geschmissen wird sind ein Beatstep Pro mit Modular und Microbrute fast immer dabei. Dazu eine oft gescholtene TR-8 und Pico Drums und alles ist perfekt. Echte Tools halt. Der Flo machts/siehts richtig und ich wünsche ihm/dir viel Spaß und so ganz nebenbei auch viel Erfolg dabei! Danke auch für die Inspiration und die ulkigen Kopfnicker. Gehört halt alles dazu. :)

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    iggy_pop  AHU

    Martion Bullfrog Abhöre?
    Da hat wohl wer gedacht, „was für den Ritchie Hawtin gut ist, kann für mich nicht schlecht sein“ :).

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      Kittieyo  

      eher: „wenn der richie dafür werbung macht, kanns nicht schaden es ebenfalls zu tun. vielleicht spendieren die mir auch einen porsche fahrzeugpark für meine groopies ;) “

      horstwin destroys techno!

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        Bolle  RED

        Florian hat Martion auch zuhause stehen aufgrund des klanglichen Aspekts – daher bewusst auch die Wahl zu Modellen von Martion für das Studio. Möglicherweise kam die Inspiration durch Hawtin, vielleicht auch durch Villalobos oder durch die kleine Berliner Firma direkt.

        Zum Rest deiner Aussage bez. der Person muss ich leider sagen: Gebe gerne sachliche Gründe, warum Hawtin, der in vielen Bereichen technische Fortschritte vorrangetrieben hat und Ideen von technischem Techno vorrantreibt, Techno zerstört, ansonsten muss ich die Aussage leider als das bezeichnen, für was ich sie persönlich bereits jetzt schon halte: Quatsch.

        Generell muss ich dir sagen: Die 808, die 909 oder ein Jupiter8 wurden sicher nicht beim Tanzen erfunden. Die meisten Sachen werden erstaunlicherweise sowieso nicht von Leuten dort erfunden, wo sie später enden. Hast du dir einmal Dieter Doepfer angesehen? Ich glaube nicht, dass der wie eine Elfe auf der Tanzfläche rumschwebt.
        Inspirationen holt man sich beim Hören, der weitere relevante Teil dazu aber, die technische Umsetzung, die lernt man nicht beim Bewegen im Vier-Viertel-Takt, sondern knallhart nur bei der Arbeit mit Maschinen…

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    dilux  AHU

    mir ist sofort der boss km-6 mixer vor dem monitor aufgefallen, damit macht man sound! gabs bis vor kurzem noch richtig günstig, mittlerweile ziehen die aber auch kräftig an…

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      Bolle  RED

      Ja witzigerweise kam der auch ins Gespräch, was er damit eigentlich macht :) Der ist mir auch aufgefallen..

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        dilux  AHU

        ist ja auch ne schicke kiste :) und was macht er damit? üblicherweise fettet man drumsounds damit an…

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          Bolle  RED

          Wenn ich mich richtig erinnere nutzt er den tatsächlich genau für soetwas, nur durchjagen für den Eigensound…

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            Coin  AHU

            Danke für das schöne Interview.
            Macht denn das das durchschleifen eines Signals bei dem Boss überhaupt was aus ?
            Also hörbare Unterschiede ?
            Ich bezweifle das.
            Bei Mackie-Mixern spricht man ja auch
            von Britischem Sound (oder sowas)
            Ich hab jedenfalls keinen Unterschied zwischen den Behringer und Mackie Mixern gehört.

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              Bolle  RED

              „Durchschleifen“ war wohl nicht so ganz das richtig Wort – das Signal wird durchgeschoben aber klar wird der Miхer auch noch als solcher genutzt ;)
              So wie Diluх es erwähnt hat – es wird also auch an ihm gearbeitet.

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                Coin  AHU

                Hi Bolle, na ich wollte noch wissen
                ob es wirklich hörbare Unterschiede bei
                diesem Mixer gibt ?

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                  iggy_pop  AHU

                  Wenn man den Boss in den Eingangsstufen übersteuert, geht er ganz nett in die Verzerrung.
                  Da klingen moderne Mixer eher unangenehm.

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                      Bolle  RED

                      Danke Iggу. Da weiß einer Bescheid ;)

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              dilux  AHU

              du musst die signale im boss gezielt übersteuern, das gibt dann so einen netten sättigungseffekt; geht auch sehr gut mit den boss-mixern der bx-reihe. im electro/techno-bereich schon lange ein geheimtip…

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      Bolle  RED

      Ich versteh die Frage nicht…
      FM= Florian Meindl – und ob ich das Interview geführt habe? Ja natürlich :). Oder wolltest du etwas anderes wissen?

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    ruduhudi

    Welche Foren sind denn empfehlenswert? Bin besonders auf der suche nach sinnvollen Tipps in Richtung elektronische Musikproduktion.

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      Kittieyo  

      die richtigen „tips“ erntet man imho vor allem durchs hören von musik. was techno betrifft lernt man am meisten beim bewegen auf der tanzfläche ;)
      warum muss immer alles so verkopft sein? techno ist imho die intuitivste musik überhaupt – sowas lernt man nur übers er-leben richtig.
      für alle nebensächlichen dinge gibt es handbücher ;)

      techno steht hier stellvertretend für alle anderen elektronischen spielarten btw.

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