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Interview: Franziska Stoff, Landesmusikrat Berlin

Warum 2027 das Jahr des Synthesizers wird

19. September 2026
Interview: Franziska Stoff, Generalsekretärin des Landesmusikrats Berlin

Interview: Franziska Stoff, Generalsekretärin des Landesmusikrats Berlin

Manchmal ergeben sich die interessantesten Gespräche ganz nebenbei. Bei der Eröffnung der Superbooth 2026 erwähnte Andreas Schneider, dass der Synthesizer 2027 Instrument des Jahres des Landesmusikrats wird. Das klang erst einmal nach einer schönen Nachricht für die Szene, warf aber sofort einige Fragen auf: Was bedeutet so eine Auszeichnung eigentlich konkret? An diesem Abend lernte ich die Generalsekretärin des Landesmusikrats Berlin Franziska Stoff kennen und wenig später haben wir uns genau darüber unterhalten.

Kurz & knapp

Worum geht es?

  • Franziska Stoff: Die Generalsekretärin des Landesmusikrats Berlin spricht über den Synthesizer als Instrument des Jahres 2027.
  • Musikbildung: Der Synthesizer soll stärker in Schulen, Musikschulen und pädagogische Projekte eingebunden werden.
  • Superbooth: Die Messe dient als Treffpunkt für Austausch, Inspiration und Vorbereitung auf das Jahr des Synthesizers.
  • Nachwuchs: Minibooth und Bildungsangebote sollen Kinder und Jugendliche spielerisch an elektronische Musik heranführen.
  • Perspektive: Der Synthesizer als vielseitiges Instrument zwischen Musik, Technik, Experiment und Kulturpolitik.
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Das Interview gibt es auch als Video:

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Anmerkung: Da das Interview am Berliner FEZ mit Blick auf das angeschlossene Hallenbad geführt wurde, wurden versehentlich einige vorbeilaufende Menschen in Badekleidung und Kinder, die in die Kamera winken, gefilmt. Daher habe ich im Video schwarze Balken eingefügt. Ein erster Teil des Interviews fand in der Cafeteria des FEZ statt, ein zweiter dann vor dem Gebäude. Die beiden Gespräche fasse ich in diesem Artikel sinngemäß zusammen.

Was macht ein Landesmusikrat?

Heiner:
Hallo, mein Name ist Heiner Kruse. Wir sind hier bei der Superbooth 2026 und ich sitze hier mit Franziska Stoff, ihres Zeichens Generalsekretärin beim Landesmusikrat in Berlin. Hallo Franziska.

Franziska Stoff:
Hallo Heiner.

Heiner:
Ein Thema dieses Jahr bei der Superbooth ist, dass der Synthesizer das Instrument des Jahres 2027 wird. Franziska, erzähl uns mehr über deine Arbeit und die Idee, den Synthesizer zum Instrument des Jahres zu machen.

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Franziska Stoff:
Der Landesmusikrat, für den ich arbeite, hat die satzungsgemäße Aufgabe, die Stellung der Musik in der Gesellschaft zu fördern. Und um dieses Ziel zu erreichen, haben wir verschiedene Projekte entwickelt, etwa „Jugend musiziert“ oder verschiedene Jugendensembles und wir machen politische Kampagnen. Und eines unserer größten Projekte ist das Instrument des Jahres.

Wir suchen in demokratischen Abstimmungen für jedes Jahr ein Instrument aus, das wir besonders in den Fokus stellen. Dann laden wir alle ein, die in Frage kommen könnten, mitzuwirken und eigene Ideen einzubringen. Das Instrument des Jahres, das wird dann besonders gefeatured von allen Landesmusikräten in Deutschland. Dieses Jahr ist es das Akkordeon, im Jahr davor war es die Stimme, nächstes Jahr ist es der Synthesizer und danach wird es die Blockflöte.

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Wir haben hier den Landesmusikrat Berlin, es gibt aber auch in allen anderen Bundesländern jeweils einen Landesmusikrat. Dann gibt es auch noch einen deutschen Musikrat, den Sammelsdachverband, der ist nach 1945 gegründet worden. Es gibt auch einen europäischen Musikrat und es gibt einen internationalen Musikrat. Also die Musik ist also ganz gut organisiert. Und wir in Berlin sind natürlich glücklich, dass die Superbooth hier so eine großartige Gelegenheit bietet für alle Berlinerinnen und Berliner, sich Synthesizer mal näher anzuschauen.

Es ist ja die größte Messe für Synthesizer weltweit. Soweit ich das mitbekommen habe, sind mehr als 300 Aussteller aus 31 Ländern im Moment hier und wir freuen uns natürlich auf nächstes Jahr und sind gespannt, was mit dem Synthesizer gemacht wird – nd die Superbooth wird wahrscheinlich nochmal mehr wahrgenommenwerden von den Menschen, die bislang noch nicht auf die Idee gekommen sind, sich mit Synthesizern zu beschäftigen. Das betrifft auch Aspekte der musikalischen Bildung rund um das Thema.

„Deine Stimme für Musik“, Kampf um Proberäume und Bildung

Heiner:
„Deine Stimme für Musik“. Das ist auch Teil deiner Mission. Du hast mir ja hier so einen Flyer zugesteckt, dass man da mitmachen soll und habe ich auch schon ein Foto an euch geschickt.

Franziska Stoff und Heiner Kruse im Gespräch

Franziska Stoff und Heiner Kruse im Gespräch

Franziska Stoff:
Danke! Ja, wir haben tatsächlich gerade eine Kampagne gestartet, weil in Berlin Wahlen anstehen, die heißt “Deine Stimme für Musik” und da bitten wir Leute – zum Beispiel Politikerinnen, aber auch Personen des öffentlichen Lebens – darum, ein Foto mit unserer Postkarte zu machen. Auf der steht drauf “Deine Stimme für Musik”.

Im Wesentlichen fordern wir bessere Finanzierung von musikalischer Bildung auf verschiedenen Ebenen, einmal in den Musikschulen, dass Lehrkräfte in Berliner Musikschulen auch festangestellt werden, die das wollen, um sie sozial abzusichern. Dann wollen wir natürlich auch, dass in den Berliner Schulen Musikunterricht stattfindet, der von Menschen erteilt wird, die wissen, wie das geht – also von Fachlehrkräften. Da haben wir in Berlin einen massiven Mangel. Mehr als die Hälfte des Personals, das man dafür braucht, ist im Moment nicht vorhanden.

Unser dritter Schwerpunkt ist die Amateurmusik. Wir wollen gerne, dass die Amateurmusik insofern gefördert wird, als dass die künstlerischen Leitungen, die dann oft Amateurensembles anleiten, auch angemessen bezahlt werden und da haben wir unseren Förderpunkt gesetzt. Da wollen wir, dass das weitergeführt wird.

Aktion "Deine Stimme für Musik" des Landesmusikrats Berlin, Franziska Stoff

#DeineStimmeFuerMusik

Wir wollen auch, dass sich die Raumproblematik für die Berliner Musikensembles verbessert. Wir haben in Berlin einen großen Kampf um Räume. Der Platz ist knapp und Musikproben erfordern nun mal Räumlichkeiten. Wir wollen an dieser Stelle die Gleichberechtigung mit dem Sport und auch kostenfrei öffentliche Räumlichkeiten nutzen können. Im Moment ist das nicht so.

Das bedeutet: Die Orchester dürfen meistens nur dann kostenfrei in einer Schule proben, wenn ein Lehrer mitspielt, der heimlich aufschließt, ansonsten müssen sie Miete zahlen. Beim Sport kriegen die einen Schlüssel, da wird ein Schlüsselvertrag gemacht und dann gehen die in die Turnhalle und das kostet nichts. Und so sollte es halt für Musik auch sein, sonst ist das ungerecht, finden wir.

Jetzt habe ich einige Schwerpunkte aufgezählt, die Ziel unserer aktuellen Kampagne sind. Gerade vielleicht für den letzten würde ich noch gern kurz ergänzen: 38 Prozent der Berliner machen in ihrer Freizeit Musik. 11 Prozent in einem Ensemble, 5 Prozent machen elektronische Musik.

Das ist vielleicht interessant auch für die Synthesizer-Community, dass 5 Prozent der Berliner in ihrer Freizeit elektronische Musik machen. Das sind alles Amateurmusiker im Elektronikbereich und auch potenzielle Kunden der Synthesizer-Hersteller.

Das Instrument des Jahres als bundesweites Projekt

Heiner:
Wie sieht das in anderen Bundesländern aus?

Franziska Stoff:
Die allermeisten Bundesländer sind beteiligt an diesem Projekt “Instrument des Jahres”. Deswegen freuen wir uns natürlich auch, wenn die Synthesizer-Community, die in den jeweiligen Bundesländern ansässig ist, auf ihre Landesmusikräte zugeht und sagt: „Liebe Leute, wir sind hier. Lasst uns gemeinsam etwas machen.“

Heiner:
Ich habe auch gerade noch mit einem anderen Entwickler von der Firma VPME (Vladimir Pantelic) gesprochen, der mir auch kurz von seiner Schulzeit erzählt hat und mir zugestimmt hat, dass man viel verbessern kann in der musikalischen Bildung. Und weil diese ja teilweise sehr noch aus alten Quellen und Methoden basiert.

Ich finde es schön, dass der Synthesizer nun mal in der Reihe steht mit klassischen Instrumenten. Natürlich könnte der Synthesizer auch in die Ausbildung in den Schulen Einzug halten. Es wäre schön, einen Weg dafür zu finden. Nicht zuletzt weil Jugendliche viel Musik hören, die mit Synthesizern gemacht ist.

Kinder winken im Hintergund beim Interview mit Franziska Stoff – von uns unbemerkt

Kinder winken im Hintergrund beim Interview mit Franziska Stoff – von uns unbemerkt

Franziska Stoff:
Ich bin ganz sicher, dass Jugendliche immer dann besonders für Musik zu begeistern sind, wenn sie einen guten, qualifizierten Musiklehrer haben. Und der oder die muss natürlich dann auch im Bereich Synthesizer gebildet sein. Es kann ja nicht sein, dass dieses wichtige Feld weggelassen wird innerhalb der musikalischen Bildung in der Schule. Das muss Teil sein.

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Es ist ja beim Synthesizer auch spannend, dass sich Musikproduktion mit Fragestellungen aus der Physik und aus der Mathematik verknüpfen lässt. Und da bietet es sich natürlich an, dass im Musikunterricht auch gemeinsam mit den anderen Fachbereichen Projekte gemacht werden, wo alles zusammengeführt wird. Das würde ich mir natürlich wünschen, dass das im Jahr des Synthesizers verstärkt passiert.

Wir sind da schon im Gespräch und machen diese Vorschläge den Berliner Schulen. Und dadurch, dass die Landesmusikräte mit diesen Institutionen gut verknüpft sind, ist es auch zu empfehlen, dass die anderen Landesmusikräte das in den jeweiligen Bundesländern genauso machen und Vorschläge an die Schulen [unterbreiten].

Es gibt einen Verband der Musiklehrkräfte – der heißt Bundesverband Musikunterricht – und der hat auch jeweils Landesverbände. Der müsste dann aus meiner Perspektive auch jeweils angesprochen werden und einbezogen werden.

Musik- und Politikstudium als Basis

Heiner:
Du bist da sehr engagiert und vertrittst das mit Überzeugung. Wie ist dein persönlicher Hintergrund? Wie bist du dazu gekommen, das zu machen?

Franziska Stoff:
Ich bin tatsächlich erst mal ganz weit weg gewesen von der Musik. Ich habe immer gerne gesungen, in der Schule im Chor gesungen und so weiter. Aber nach der Schule habe ich erst mal eine Gärtnerlehre gemacht. Ich wollte weg von der ganzen Stadt, das war mir alles zu groß und eher so ins Beschauliche.

Also habe ich drei Jahre lang Gärtner gelernt und auf dem Hof, wo ich gearbeitet habe, da musste man immer kochen für die Community. Ich war dann einmal die Woche dran mit Kochen für 30, 40 Leute. Das hat den ganzen Vormittag gedauert. Und da habe ich immer gesungen beim Kochen. Das hat so über den Hof geschallt, dass die Melkerin mich überredet hat, Musik zu studieren.

Das habe ich dann gemacht, Musik studiert auf Lehramt, genauer: Musik und Politik. Dann habe ich erst mal in der Musikwissenschaft gearbeitet und bin schließlich in den Landesmusikrat gewechselt. Als ich diese Stelle sah, fand ich die sehr spannend.

Heiner:
Da bist du quasi Lobbyistin für Musik und missionarisch unterwegs und dort vereinen sich deine Ausbildungen in Musik und Politik natürlich optimal.

Der Synthesizer: Musik und Technik

Heiner:
Du hast aber auch ein bisschen Ahnung von Technik. Auch, weil dein Mann in dem Bereich ziemlich erfolgreich ist, wie du mir erzählt hast.

Franziska Stoff:
Genau, der ist Entwickler für audiovisuelle Kunst. (Anmerkung: Hier ein entsprechender Link).

Heiner:
Da hast du also schon ein bisschen gelernt, dich mit technischen Themen zu beschäftigen, aber für viele Leute – auch im Landesmusikrat – ist der Synthesizer vielleicht Neuland. Wie wird der Synthesizer wahrgenommen?

Franziska Stoff:
Ich glaube, alle sind total gespannt darauf. Die wollen das kennenlernen und wissen: „Was können wir damit machen?“ Es gibt ja auch an vielen Musikschulen mittlerweile Lehrkräfte, die für Digitales zuständig sind.

Heiner:
Ja, ich habe auch mal Digicamps für die Firma BG 3000 gemacht, die sowas organisiert hat.

Franziska Stoff:
Also ich denke, alle freuen sich drauf, wie auf jedes Instrument des Jahres und überlegen sich jetzt schon: „Was können wir denn da machen?“ Dann wird es, denke ich, der Knall im All.

Heiner:
Als Musiker habe ich genaue Klangvorstellungen und bin immer auf der Suche nach neuen Sounds. Meine Message als Autor ist auch, den Synthesizer als ein Instrument zu erklären, das sehr unterschiedlich klingen kann und spielbar ist.

Es entspricht nicht notwendigerweise irgendwelchen Klischeevorstellungen, die man davon hat. Seien das jetzt eher düstere oder eher 70er-Jahre-Klischees. Der Synthesizer von heute kann unglaublich verschieden klingen.FranziskaStoff-3Franziska Stoff erläutert ihre Anliegen

Franziska Stoff:
Ich bin sehr gespannt darauf. Ich muss sagen, dass diese Messe für mich wie so eine Fortbildung zur Vorbereitung auf das Jahr des Synthesizers ist – heute und gestern, ich war ja auch am Donnerstag schon hier, um Gespräche zu führen. Ich denke, es kommt ja immer darauf an, wer die Musik macht und wie sie dann am Ende klingt. Ich bin total gespannt, was für Musik im Jahr des Synthesizers erklingt und sich neu ausgedacht wird von Menschen, die vielleicht noch nie vorher damit zu tun hatten.

Frauen im Synthesizer-Business

Heiner:
Hier ist zum Beispiel auch die Tochter von Bob Moog anwesend (Michelle Moog-Koussa), über den im Radial Verlag eine Biografie auf Deutsch erschienen ist. Die Ehefrau von Eberhard Schoener (Stefanie Schoener) als Musiker, die über ihn ebenfalls ein Buch im Radial-Verlag geschrieben hat. Oder Dina Pearlman-Ifil, die das Erbe ihres Vaters Alan Pearlman pflegt, der die ARP-Synthesizer entwickelt hat.

Superbooth-Interview: Dina Pearlman-Ifil, ARP

Das Thema „Frauen und Synthesizer“ ist natürlich nochmal ein Eigenes und hier sind auch viele weibliche Künstler anwesend, die auch viel Zuspruch bekommen. Was ist so dein Eindruck? Hast du ein paar gute Begegnungen gehabt diesbezüglich?

Franziska Stoff:
Ich habe von der Moog Foundation eine der Organisatorinnen kennengelernt und sie hat erzählt, was sie macht, etwa Fortbildungen für Lehrer, welche dann die Grundlagen, wie ein Synthesizer-Klang entsteht, dort lernen können. Das fand ich sehr, sehr spannend.

Wir haben in Berlin auch eine Schirmherrin gewählt, es ist Jako Jako bzw. Sibel Kocer, als Berliner Botschafterin für das Jahr des Synthesizers. Das ist einfach eine unglaubliche Künstlerin. Insofern bin ich optimistisch, dass da frauentechnisch einiges passieren wird und schon passiert. Ich glaube, ich kann da jetzt nicht mehr dazu sagen, weil ich zu wenig weiß.

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Superbooth als Treffpunkt zum Austausch

Heiner:
Du sagtest, die Superbooth gefällt dir, weil sie so bunt ist, weil es hier auch so ein bisschen menschelt und man hier so viele unterschiedliche Szenarien hat, Bilder sieht und Menschen trifft.

Franziska Stoff:
Egal, wen man anspricht: Man kommt sofort nett ins Gespräch. Die Menschen, die hier sind, die haben alle so eine gewisse interessierte Entspanntheit. Auch, dass es hier im FEZ stattfindet, finde ich großartig. Die Superbooth passt unglaublich gut an diesen Ort.

Ich kann hier einfach mal einladen. Wer das jetzt hier liest oder hört, was wir hier besprochen haben: Herzlich willkommen ins nächste Jahr, wenn im Jahr des Synthesizers hier wieder die Superbooth stattfindet und alle möglichen Dinge erlebt werden können! Also es ist wirklich wahnsinnig gut.

Minibooth für junge Menschen

Heiner:
Was wir ja noch erwähnen wollen, ist, dass es auch noch die Minibooth als eigene Messe gibt, die auf die Superbooth folgt.

Interview: Tim Joppien, miniBOOTH 2026

Franziska Stoff:
Das ist eine großartige Idee, dass die Minibooth Angebote besonders für Kinder und Jugendliche macht, bezogen auf den Synthesizer und diese elektronische Musikproduktion. Man kann nur alle herzlich einladen, da hinzugehen und sich das mal anzuschauen, gerade mit Familien. Zum Beispiel wenn man jetzt die Superbooth besuchen möchte im nächsten Jahr, dann sollte man das einfach einplanen, dass man vielleicht so anderthalb Wochen in Berlin ist und noch die Minibooth besuchen.

miniBOOTH-Spiel auf der Superbooth

miniBOOTH-Spiel auf der Superbooth

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Man kann natürlich auch mit Kindern zur Superbooth gehen und es gibt einen Minibooth-Stand, aber das ist ja eine Fachmesse und das Kinderangebot ist noch nicht so ausgeprägt – auch wenn es andererseits im FEZ für die Kinder, die mitgebracht wurden, wunderbare Möglichkeiten gibt und viele Spielplätze.

DIY-Synthesizer am miniBOOTH-Stand

DIY-Synthesizer am miniBOOTH-Stand

Heiner:
Es gibt auch noch die Idee, die Message vom Synthesizer als Instrument des Jahres außerhalb deutscher Grenzen zu verbreiten. Darüber haben wir beide zuvor auch schon kurz gesprochen. Ich meine, Deutschland ist bekannt für Brot und Autos, aber auch für elektronische Musik. Die Kompetenz schreibt man uns zu.

Franziska Stoff:
Ja, das ist ja eine Idee, dass man hier vielleicht kooperiert mit Menschen, die in anderen Ländern Festivals veranstalten, wo es um Synthesizer geht und es dann Verbindungen gibt. Wir sind gerade dabei, uns so ein Programm auszudenken.

Ich hatte Andreas Schneider diese Idee vorgeschlagen und er war interessiert, dass wir einladen, überall in der Welt das Jahr des Synthesizers mit zu feiern und dann Grüße zu senden nach Deutschland oder Berlin und zu sagen: „Ja, wir machen hier ein Satellite-Event im Jahr des Synthesizers, greetings to Berlin.“ Und auf diese Weise das Jahr des Synthesizers aus Berlin und aus Deutschland heraus in die ganze Welt zu verbreiten.

Synthesizer kennenlernen

Heiner:
Nun fragen sich vielleicht manche: „Wie soll ich jetzt mit dem Synthesizer anfangen, was für einen Synthesizer kaufe ich zuerst?“ Es gibt viele schöne fertige Synthesizer, doch hier bei der Superbooth geht es ja auch um modulare Synthesizer, mit denen ich mich auch viel beschäftige.

Da kann man sich jetzt darüber streiten, womit man anfangen sollte. Beim modularen Synthesizer lernt man den Synthesizer von der Pike auf, bei anderen Synthesizern kommt man möglicherweise schneller zu einem Sound, aber versteht nicht alles sofort. Wie siehst du das?

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Franziska Stoff:
Ich freue mich, dass ich heute auch noch Gelegenheit habe, alles Mögliche weiter auszuprobieren. Ich muss sagen, mich hat am meisten dieser modulare Synthesizer beeindruckt, ein riesengroßes Teil und mit einer der ersten großen Synthesizer, die gebaut worden sind, mit dem auch Stockhausen gearbeitet hat.

https://www.youtube.com/watch?v=nffOJXcJCDg&list=PLFD5um8CSg-MoAOIDFri38u30Yja-79jJ&index=3

Ich finde, dass man da besonders gut verstehen kann, wie es funktioniert. Ich glaube, es macht Sinn, mit einem etwas kleineren, aber sozusagen modularen System anzufangen, um zu verstehen, wie dieser Klang entsteht, bevor man dann in die vereinfachte Variante geht.

Ich glaube, das hilft. Soweit ich das jetzt zumindest verstanden habe, würde mir das auf jeden Fall helfen. Na klar, man kann auch einfach intuitiv losprobieren, aber so ein bisschen Mathematik und Physik im Hintergrund helfen dann vielleicht doch manchmal.

Heiner:
Ich meine, das ist ja eine Typfrage. Du bist ja auch technisch recht interessiert. Der eine hat Lust, direkt zu spielen, der nächste hat Lust, ein Handbuch zu lesen. Andreas Schneider zum Beispiel spielt gerne mit modularem Synthesizer, aber liest selten ein Handbuch.

Franziska Stoff:
Das ist natürlich blöd, denn du hast ja das Handbuch geschrieben.

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Heiner:
Er hat gerne das Vorwort geschrieben. Ich finde, es sollte nicht zu viele Vorschriften geben, wie man  Synthesizer benutzt, sondern stattdessen Hilfestellungen. Es ist mir wichtig, das zu sagen.

Als Synthesizer-Anfänger ist man ja vielleicht manchmal ein bisschen von manchen Aussagen oder Performances eingeschüchtert. Man sollte selbst mal an so ein Instrument gehen und damit spielen. Da kommt dann vielleicht irgendwo dieser Moment, an dem man denkt: „Oh, das und das macht mir aber Spaß.“ Und dafür ist diese Messe halt auch gut, weil man hier so viele ganz unterschiedliche Sachen sieht.

Da gibt es vielleicht den einen Raum, aus dem man wieder rausgeht und es zu laut findet und dann aber ein anderer Raum, in dem man sich vielleicht irgendwie vom Sound, vom Design oder dem Vibe der Leute angesprochen fühlt. Hier sind auch unheimlich viele Menschen, die Sachen gebaut haben, die sie sich selbst für ihre eigene Musik überlegt haben.

Dann haben sie das mal ins Netz gestellt und plötzlich hatten sie viele Vorbestellungen und es wurde eine Firma draus. Solche Geschichten habe ich öfter gehört. Ein prägnantes Merkmal des Synthesizers als Instrument im Vergleich mit anderen ist, dass man ihn sich als Laie auch selbst bauen kann.

Franziska Stoff:
Ja, das gefällt mir auch, dass man das hier auf dieser Messe sehen kann, wie man einfach selbst anfangen kann, sich etwas auszudenken. Also es ist in jeder Hinsicht ein Erlebnis, hierher zu kommen und die verschiedenen Möglichkeiten wahrzunehmen, die es gibt und auch selber neue Ideen zu entwickeln. Ich nehme das auch so wahr unter den Ausstellern, dass die auch aneinander sehr interessiert sind. Also die reden miteinander auf eine sehr wertschätzende und interessierte Art.

Heiner:
Das sind Individuen, die voneinander lernen. Ganz unterschiedliche Charaktere. Die Superbooth ist bunt und nicht glatt gebügelt.

Franziska Stoff:
Ja, das ist eine super Zusammenfassung. Also herzliche Einladung zur Superbooth 2027, wenn hier dann wahrscheinlich die schönste Superbooth aller Zeiten stattfindet.

Heiner:
In diesem Sinne, vielen Dank, Franziska Stoff, Generalsekretärin des Landesmusikrats in Berlin und mit der Mission, in Deutschland die Musikpädagogik zu verbessern, den Synthesizer in die Schulen zu bringen, den Menschen, die sich mit Musik beschäftigen, zu helfen und Musik als Teil des kulturellen Lebens stärker zu verankern. Vielen Dank – und Tschüss.


Tipps zum Schluss: Neue Synthesizer-Perspektiven

Nach dem Interview habe ich selbst nochmal darüber nachgedacht, welche neueren und vielleicht nicht ganz so bekannten Perspektiven mir zum Synthesizern als Instrument einfallen, die es sich lohnt, zu zeigen. Da fielen mir spontan noch zwei Sachen ein:

Musizieren und Experimentieren mit Synthesizern im Orchesterstil

Eine davon ist das modulare Synthesizer-Ensemble-Projekt von Gammon aus Wien, das Kinder und Erwachsene spielerisch zusammenbringt, die nach einer Einführung in ein kleines Setup aus Doepfer-Modulen dirigiert werden.

Das ist meiner Meinung nach ein Musterbeispiel dafür, wie man den Synthesizer einerseits allen Altersgruppen näher bringen kann, ihn andererseits aber auch als Instrument handhaben und Brücken zwischen dem Umgang mit traditionellen Instrumenten und dem Synthesizer bauen kann. Ich frage mich als Komponist: „Warum sollte man nicht auch mal öfter den Synthesizer als Instrument in Orchesterkompositionen und -aufführungen integrieren können?“

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Musique Concrète 2026 und die Definition eines Synthesizers heute

Die zweite ist die Atelier-Software, besonders nachdem uns Dieter Doepfer im Interview zum Thema Synthesizer inoffiziell bestätigt hat, dass der Sampler auch ein Synthesizer ist.

Interview: Dieter Doepfer, Teil 1

Ich habe nach dem Interview an einem Workshop zu GRM Atelier mit Matthias Püech teilgenommen, der den Fußspuren des INA GRM Instituts von Pierre Schaeffer folgt und einst sowohl Jarre als auch Stockhausen und Xenakis unterrichtete. Hier bekommt man zum Beispiel nochmal eine ganz andere, sehr freie, experimentierfreudige und gleichzeitig innovative Perspektive im Umgang mit neuester Technik aufgezeigt. Hier ist Matthias Puech in einem Video ab Minute ca. 51:46 zu sehen:

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Hier das Interview mit Dieter Doepfer ab der Stelle, an der es um die Definition des Synthesizers von heute geht:

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Über den Autor
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Heiner Kruse (TGM) RED

Im Mai 2026 erschien die 2. und stark überarbeitete Auflage meines Buchs "Modular Synthesizers" im Radial Verlag in englischer Sprache (die deutsche Ausgabe ist weiterhin erhältlich).

Ich liebe Sound und Musik, veröffentliche vor allem D&B/Jungle als The Green Man (TGM), betreibe das Label/ Projekt Basswerk, mache aber auch filmische oder langsamere Sachen.
In vielen neuen Geräten und Modulen finde ich Innovationsgeist, ähnlich wie damals bei Jungle, und das interessiert mich. Ich ...

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  1. Profilbild
    Filterpad AHU

    Viele Leute, auch bei mir um die Ecke und im Bekanntenkreis wissen gar nicht, was genau ein Synthesizer ist! Daher begrüße ich durchaus, dass dieses Thema im normalen Musikunterricht Einzug findet. Dazu kommt, dass heutzutage elektronische Klänge gang und gebe sind: Ob Pop-Schlager, Jazz, Chartbreaker oder kommerzieller EDM. Überall sind synthetische Klänge enthalten. Es ist völlig Normalität geworden und ohne, dass sich irgendein Mensch darüber Gedanken macht, wo diese Klänge eigentlich herkommen! Nebenbei bemerkt: Diese Frage brachte mich zu Amazona. – Der Rest ist Geschichte! xD Spaß beiseite und weiter im Thema: Natürlich sollte das ganze auch einigermaßen zeitgemäß sein und ich persönlich würde davon abraten, Synthesizer aka Wendy Carlos schrankwandgroßes Moog System herzuzeigen und zu erklären. Das darf gute und gerne im Museum bleiben. Aber aktuelle (kleinere) Teile im Unterricht? Why not! Inklusive Softwaresynthesizer und kleinere Produktionen, was Kinder vielleicht selber am Laptop gestalten etc. Natürlich alles kindgerecht und einfach in der Handhabung. Es fördert das Gedächtnis aufgrund des Themas Musik und man lernt erste Schritte mit digitalen Medien (Laptop, Tablet, Internet etc.). Ein guter Artikel zum Thema „Synthesizer ist Instrument des Jahres 27, vom Landesmusikrat gewählt“.

  2. Profilbild
    Viertelnote AHU

    sehr schön!🙂music in schule braucht es farbe viel farbe.
    componisten werke okay basics auch noten accord tonleiter theory.
    ändern soll man es nicht. kann bleiben
    synthesizer oder verstehen wie klang wirken soll kann vieles trigger geben lust und spas.😀
    auch eartraining klang ton.expression kann viel werden band oder
    gemeinsames project.schüler wir denken oft hängen sie nur rum
    oder lernen sie es wenig.creativ sind sie alle gebe ich daumen oben.👍
    electronic gefühle erste schülerliebe😉

    • Profilbild
      Filterpad AHU

      @Viertelnote Vielleicht hätte ich mich dann auch eher in den Musikunterricht verliebt anstatt Kanon zu singen zu Songs wie „Hoch auf dem gelben Wagen“ und „Es ist ein Ros entsprungen“. Heute wundert nicht nicht mehr warum man dann zu Hause erst mal die Glotze angemacht hat um VIVA und Club Rotation mit Daisy Dee zu schauen. 😂

  3. Profilbild
    Heiner Kruse (TGM) RED

    Eigentlich ist das hier nur eins der ersten Steinchen, die etwas ins Rollen bringen sollen… wie genau ist noch offen……ich versuche, etwas beizutragen…,

  4. Profilbild
    THo65 AHU

    Schönes und interessantes Interview, vielen Dank.

    ich hätte mir zu meiner Schulzeit auch etwas mehr „zeitgenössische“ Musik gewünscht. Bei uns gab es nur Klassik, Klassik und nochmal Klassik.

    Schade nur, dass es gut 50 Jahre gebraucht hat, dass Synthesizer in der Schule Thema werden. Aber besser spät als nie…

    • Profilbild
      herw RED

      @THo65 Bei mir war zeitnah (1968) schon Wendy (Walter) Carlos im Musikunterricht zu hören. Elektronische Musik zu machen wurde dadurch für mich ein wichtiges Lebensziel.
      Meine Musiklehrer waren da sehr fortschrittlich.

      • Profilbild
        Nvelope AHU

        @herw Uns mögen nur wenig Jahre unterscheiden – aber auch ich erfuhr durch eine eher aufgeschlossene Musiklehrerin, dass auch moderne Musik (Gegenüberstellung der Orchesterversion ‚Bilder einer Ausstellung‘ und der ‚Rockversion‘ von ELP – in letzterer hörten sie und auch meine Klassenkameraden zum ersten Mal etwas von einem damals völlig unbekannten Instrument Synthesizer, obwohl manche ja schon das Minimoog-Solo am Ende des vielbekannten Songs ‚Lucky Man‘ kannten / Klassenreise zum Besuch der Rock-Oper‘ Tommy durch eine Cover-Band) eine Berechtigung hat – wenngleich die Lehrerin durch ihre ‚klassische‘ Ausbildung stets Klassik und klassische Versionen als etwa ‚musikalisch höherwertig‘ ansah.
        Ich durfte damals im Unterricht auch eine Schaltung meines von mir sehr intensiv benutzten Lehrbaukastens ‚Electronic Labor X‘ (Kosmos/Franck Verlag, Stuttgart) demonstrieren, mit der sich durch die von mir modifizierten electronischen Möglichkeiten eine Vielzahl electronischer (sehr schräger würde man heute sagen) Klänge erzeugen ließen …
        Erst ganz kurz vor meinem Abi brachte dann Isao Tomita seine Versionen klassischer Werke auf den Markt – meine Musiklehrerin hätte sicher ernsthaftes Interesse genau daran gehabt …

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