Über Sound, Bauchgefühl und modulare Synthesizer
Heiner Kruse kennt die elektronische Musik aus vielen Blickwinkeln: Als The Green Man produziert er seit vielen Jahren eigene Tracks, schreibt über Synthesizer, unterrichtet und hat sich intensiv mit modularen Systemen beschäftigt. Im Interview erzählt er, wie seine Faszination für Sounds entstanden ist, warum ihn modulare Synthesizer bis heute reizen und was Einsteiger aus seinem Buch „Modular Synthesizers – understand. build. play.“ mitnehmen können. Dabei geht es nicht nur um Technik, sondern auch um Neugier, Bauchgefühl und vor allem um den Mut, beim Musikmachen einen eigenen Weg zu gehen.
Worum geht es?
- Heiner Kruse: Der Musiker, Autor und Dozent spricht über seinen Weg in die Welt der Synthesizer.
- Basswerk: Als The Green Man und Labelmacher verbindet er Studioerfahrung, DJ-Kultur und Live-Praxis.
- Modular Synthesizers: Sein Buch soll den Einstieg in modulare Systeme verständlich und spielerisch machen.
- Musikmachen: Im Mittelpunkt stehen Neugier, Gefühl und der Mut, den eigenen Sound zu finden.
Inhaltsverzeichnis
Das Interview mit Heiner gibt es auch als Video:
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Wie Heiner Kruse zum Synthesizer kam
Gereon:
Hallo Heiner. Die letzten Tage standest du selbst als Autor hinter der Kamera und hast Leute auf der Superbooth interviewt. Apropos Autor: Du bist auch selber Buchautor, darauf kommen wir auch gleich noch zu sprechen. Aber kannst du dich zu Beginn kurz selbst vorstellen und erzählen, wie du in die Welt der modularen Synthesizer gekommen bist?
Heiner Kruse:
Hallo, mein Name ist Heiner Kruse. Ich mache Musik als The Green Man, schreibe für AMAZONA und auch für das Synthesizer Magazin. Ich habe auch Bücher geschrieben: Ein Logic-Buch und das neueste Buch ist über modulare Synthesizer und das ist jetzt zusätzlich auf Englisch rausgekommen. Die englische Version ist deutlich überarbeitet, also da gibt es jetzt statt 300 deutschen Seiten 400 englische Seiten. Das bedeutet, es ist ungefähr das Anderthalbfache. Und ich muss jetzt total umschalten, weil ich die ganze Zeit selber interviewt habe (lacht).
Gereon:
Aber vielleicht kannst du uns einmal erzählen, wie du überhaupt in die ganze Welt der Synthesizer gekommen bist.
Heiner Kruse:
Ich komme eigentlich vom Klavierspielen und habe dann in den 1980er-Jahren unheimlich viel Musik gehört und habe gedacht: „Wie kriegt man das hin?“ Ich war halt immer fasziniert von dem Sound. Und dann als DJ hatte ich auch noch eine Soundvorstellung und es hat lange gedauert, bis ich dann wirklich wusste, wie man es macht.
Und sehr dabei geholfen hat zum Beispiel das Programm Reason, weil man in Reason alles machen konnte. Die ersten Hardware-Geräte habe ich in der Zeit gekauft, in der Synthesizer so ein bisschen out waren, wo es ums Reproduzieren natürlicher Klänge ging, also Korg M1 und danach kamen dann der Akai S1100 und der E-mu-E4-Sampler. Das war eigentlich mein Hauptwerkzeug.
Dann bin ich durch die Shops gerannt und habe mit dem MiniDisc-Recorder die Synthesizer aufgenommen und dann im Sampler spielbare Instrumente gemacht. Das ist etwas, das mir heute eigentlich immer wieder ein bisschen fehlt, weil es gibt Grooveboxen und Sampler, aber es gibt jetzt nicht so eine dedicated Hardware. Oh, ich habe jetzt die ganze Zeit Englisch gesprochen. [Ich meinte] die dedizierte Hardware, die jetzt irgendwie zum Instrumentenbauen da ist.
Und dann habe ich angefangen, über Reason ein Buch zu schreiben und habe auch angefangen zu unterrichten. Und habe dabei eigentlich selber diese ganzen Sachen, die ich schon intuitiv gemacht habe, noch genauer verinnerlicht. Und dann habe ich auch ein bisschen Blut geleckt und wollte mehr wissen. Ich habe auch schon immer mehr geschrieben, also erst über Reason und das wurde dann zu einem Buch.
Und dann für verschiedene Magazine über neue Sachen, neue Synthesizer, auch über Software-Synthesizer. Ich erinnere mich noch an LinPlug Octopus, das hat mich damals begeistert. Das war so ein FM-Synth. Also die habe ich halt reviewt und wenn man [die Geräte dafür] studieren muss, kommt man irgendwie noch tiefer in die Theorie rein.
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Ich hatte vorher schon einen Yamaha FS1R und der hat mich total weggeblasen vom Sound. Aber ich kann jetzt nicht behaupten, dass ich den damals irgendwem hätte erklären können. Ich habe ihn einfach nur gespielt und dann ist es halt so zum Besser-Verstehen rübergegangen und ich hatte eigentlich eh schon Lust, Workshops darüber zu machen, wie man produziert. Und das konnte ich dann noch einmal fundierter machen, je mehr ich dann die Reviews geschrieben habe.
Modulare Synthesizer für Anfänger
Gereon:
Viele haben Respekt vor modularen Systemen, weil sie schnell unübersichtlich wirken. Alles blinkt und ist bunt und es gehen ganz viele Kabel von links nach rechts.
Was würdest du also Leuten raten, die sich zum ersten Mal damit beschäftigen wollen?
Heiner Kruse:
Also erstmal [muss man] verstehen, dass es nicht den einen Weg gibt. Auch die richtigen Experten können dir jetzt nicht sagen, welcher Synthesizer und welcher Sequencer der Beste ist. Das ist halt eine totale Typfrage. Hier [auf der Superbooth] sind ganz viele Leute, die einfach etwas gebaut haben, was sie selber als Tool haben wollten. Das ist das Schöne an dieser modularen Szene. Aber jetzt weiche ich ab (lacht).
Also jemand – der anfängt, das wollte ich damit sagen – der soll nicht zu viel Respekt, nicht zu viel Angst haben, sondern so ein bisschen spielerisch rangehen. Und dann habe ich in meinem Buch als Hilfestellung zehn Schritte beschrieben, also einen Zehn-Schritte-Workshop gemacht, mit dem man Step by Step von einem einfachen Modul zu einem spielbaren Synthesizer kommt, wie man ihn jetzt normalerweise kennt.
Und auf die Art und Weise lernt man spielerisch auch zu verstehen, wie ein Synthesizer funktioniert. Von daher eignet sich das Buch ganz gut dafür, weil man da auch Audiobeispiele hat oder Software-Beispiele, die man umsonst runterladen kann. Aber ich habe zum Beispiel selbst den Einstieg in die modulare Welt gefunden, indem ich mir ein erstes Oszillator-Modul geholt habe und einfach genossen habe, das an ein Mischpult anzuschließen.
Und das war Plaits von Mutable Instruments. Ich hatte zwar vorher schon mal irgendwann ein kleines Doepfer-System, aber da bin ich nicht so richtig reingekommen. Aber dieses Plaits, das konnte halt mehr als so ein analoger Oszillator, sondern befolgt quasi ein Konzept, das sehr viele Algorithmen beherrscht und was jetzt auch von Arturia oder von anderen benutzt wurde, weil die Software für jeden umsonst zugänglich ist. Also, das ist halt ein Ding, das sehr unterschiedlich klingen kann.
Und dann hatte ich das einfach im Rack, habe mit meinen zwei Händen an den Knöpfen gedreht und mich daran erfreut, wie unterschiedlich das klingt. Denn ich musste nicht Keyboard spielen. Der Sound kam halt direkt raus. Das ist auch so ein Unterschied bei den modularen Systemen, dass du da anders rangehen kannst und dass du Drone Sounds machen kannst, bei denen eben ein Dauerton da ist.
Heiners Buch „Modular Synthesizers“
Gereon:
Du hast ja eben schon erwähnt, dass es dein Buch „Modular Synthesizers“, das es zuerst in deutscher Version gab, jetzt auf Englisch gibt und dass es mehr Seiten hat als die deutsche Version. Was genau für Themen oder Inhalte wolltest du denn vertiefen, weshalb das Buch jetzt mehr Seiten hat?
Heiner Kruse:
Das erste Buch ist sehr schnell gestrickt worden. Es musste dann pünktlich zur Superbooth fertig werden und dann sind ein paar Lektoren krank geworden. Dann hat noch einer irgendwas gemacht, wo ich selber nicht mehr durchgeblickt habe, wer wann wo was geändert hat. Jetzt ist einerseits alles, was damals ein bisschen falsch war, verbessert worden und außerdem habe ich jetzt zwei Jahre mehr Erfahrung. Ich habe hier [auf der Superbooth] als Live Act gespielt. Habe ich das gesagt? Ich mache ja als The Green Man Musik oder mache auch das Label Basswerk und dann durfte ich hier vor zwei Jahren auf dieser Seebühne spielen.
Und das ist zum Beispiel auch eine Erfahrung, die da noch mit drinsteht. Wie macht man so einen Live Act oder was kann da so alles an Anekdoten passieren? Oder dann habe ich irgendwie neue Geräte getestet und wieder jede Menge dazugelernt. Und dann hatte ich auch noch einen sehr guten englischen Lektor, der auch nicht nur bei der englischen Sprache geholfen hat, sondern der auch etwas von Synthesizern versteht.
Und dann waren das so hitzige freundschaftliche Debatten darüber, wie man das jetzt formulieren kann. Da ist das eine oder andere jetzt nochmal präzisiert worden und das hat Spaß gemacht.
Gereon:
Wie bist du generell an die Struktur deines Buchs herangegangen, um auch Anfänger anzusprechen? Hast du dir vorher eine Struktur zurechtgelegt?
Heiner Kruse:
Ja, ich habe das eigentlich so ähnlich gemacht wie bei meinem ersten Buch 2005, diesem Reason-Buch, das auch ganz erfolgreich war und wovon es auch drei Auflagen gab. Es gibt quasi ein Kapitel 1 , erstmal so ein Warm-werde-Kapitel nach dem Motto: „Was muss ich überhaupt machen, um anzufangen?“ Das war bei der Software damals das Installieren.
Und hier ist es halt, [wie man ein Case baut.] Aber ich bin inzwischen theoretisch auch in der Harmonielehre ein bisschen weiter und versuche als Dozent oder als Autor Musikproduktion so zu vermitteln, dass sowohl Harmonielehre-Basics als auch Mixing- und Synthesizer-Basics in Kombination benutzt werden. Weil die Obertöne kannst du mit additiver Synthese gestalten und das ist aber schon in menschlichen Stimmen drin. Und naja, wie soll ich es jetzt vereinfachen? (lacht)
Also, die Leute haben immer entweder Angst vor der Harmonielehre oder vor der Technik, zum Beispiel am Equalizer zu drehen. Aber es gibt heutzutage einen Equalizer, bei dem – wenn du an der Frequenz drehst – auch steht, welcher Ton das ist. Und es gibt Künstler – zum Beispiel im Drum-Bass-Bereich – die sagen: „Ich komponiere immer in E, weil nur in E klingt der Bass so, wie ich ihn mir vorstelle.“ Und das ist halt schon auch so ein Thema, das für mich in so ein Buch reingehört. Also ist das auch im ersten Kapitel.
Und dann ist das zweite Kapitel ein Schnellkurs, [wie man] schnell einen Synthesizer baut. Das dritte Kapitel ist die Vertiefung, in dem du alles im Detail nachlesen kannst. Und das vierte Kapitel ist dann Kreativ-Technik: Wie baue ich eine Buchla-Bongo? Wie baue ich eine Cowbell? Oder was ist in der Musikgeschichte mit Synthesizern passiert? Wie sind Synthesizer unterschiedlich benutzt worden? Ich möchte auch ein bisschen mit diesen Klischees aufräumen, dass Synthesizer immer nur nach Techno klingen müssen oder immer nur nach Noise, sondern es wurde auch benutzt, um klassische Musik zu machen.
Und ich will, dass die Leute, die daran gehen, sich ermutigt fühlen, ihr Ding zu machen und nicht sich zu sehr unterdrückt fühlen, dass man damit irgendetwas Bestimmtes machen muss, weil man denkt, es gibt bestimmte Vorgaben oder Formen. Aber man sollte einfach lieber drauf losprobieren und das machen, was einem Spaß macht.
Manchmal muss man auch mal einen anderen Künstler, der das in einer bestimmten Richtung erfolgreich umgesetzt hat, hören, um zu denken: „Ja, so geht es ja auch.“ Oder um diese Inspiration zu bekommen, dass eben manches in dem Genre – das muss ich leider sagen, ist bei Drum and Bass ja auch so – manches ist so in dem Genre verhaftet und wenn man dann ein bisschen rausgeht, dann rümpfen die Puristen die Nase. Und ich bin halt eher so der, der versucht, Brücken zwischen den Genres zu bauen oder auch zwischen den Spielweisen.
Unterricht und Kurskonzepte
Gereon:
Du hast ja auch schon erwähnt, dass du selber unterrichtest und auch mal ein Kurskonzept für Musikproduktionskurse geschrieben hast.
Heiner Kruse:
Ja, mehrere, aber diese Schule hat sich leider in Luft aufgelöst, die Deutsche POP. Und danach bin ich aber noch zur Macromedia. Da bin ich jetzt im Moment in Stuttgart aktiv, aber ich weiß jetzt auch nicht genau, wie lange die das da noch machen. Also, ich bin eigentlich in Köln, aber als Freiberufler ist man gemischt unterwegs.
Dieses Unterrichten hat viel Spaß gemacht. Ich würde es auch gerne weitermachen, weil Musik zu machen, ist auch ein Ego-Trip. Und deshalb singe ich auch gerne im Chor, in dem man miteinander Musik macht. Oder wenn man jetzt unterrichtet, ist es auch so ein Geben, dass man sich darüber freut, wenn einer etwas aufgreift und damit Musik macht. Oder ich habe dadurch auch selber viel bekommen, weil ich neue Musiker auch kennengelernt habe. Wirklich gute Musiker, mit denen ich auch teilweise dann etwas gemacht habe.
Gereon:
Gibt es denn beim Unterrichten oder beim Entwerfen von Kurskonzepten einen bestimmten Aspekt, der dir am wichtigsten ist und den du unbedingt weitergeben möchtest?
Heiner Kruse:
Ja, das ist eben diese Brücke zwischen Harmonielehre und Technik. Es gibt manchmal Schnittstellen wie den Equalizer, der die Frequenz anzeigt. Oder ein anderes Beispiel ist die Orgel mit den Zugriegeln, die du dann im Synthesizer in anderer Form wiederfindest [und ] die Töne der Zugriegel verbinden kannst oder für die einzelnen Töne andere Sounds nehmen kannst.
Oder zum Beispiel euklidische Patterns, [bei denen] du mit einem euklidischen Pattern-Generator irgendetwas programmieren kannst. Und auf einmal gibt es so einen Forscher, der herausgefunden hat, dass diese Patterns, die dabei herauskommen, mit diesem Algorithmus irgendetwas reflektieren, das schon ewig lang in Afrika oder in allen möglichen Ländern gespielt wurde.
Und ich glaube schon, dass es sich lohnt, so ein bisschen das Gehirn zu erweitern. Zumindest, wenn man mal andere Musik und nicht immer das Gleiche machen will. Und als Dozent muss man natürlich einerseits darüber sprechen, was man selber gut kann und was man macht. Das macht jeder Dozent. Aber man muss natürlich auch ein bisschen abstrahieren und auch zeigen, was andere machen oder was man noch alles machen kann.
Unterschied zwischen Studio-Arbeit und Live-Musik
Gereon:
Hinter uns sehen wir unter anderem die Seebühne, auf der du ja auch vor zwei Jahren schon spielen durftest. Was unterscheidet denn für dich die Arbeit im Studio von dem Moment, in dem man mit modularen Systemen live spielt? Hast du da unterschiedliche Herangehensweisen?
Heiner Kruse:
Es gehört sozusagen zu meiner Entwicklung als Künstler dazu. Ich komme eher vom Studio und ich komme eher daher, dass ich eine Soundvision realisieren will. Ich habe aber auch Live-Erfahrungen als DJ. Das heißt, ich habe ein Gefühl dafür, was die Leute gerne hören möchten. Und es ist natürlich sehr schwer, das umzusetzen. Der erste Schritt war zu sagen: „Okay, jetzt setze ich das um, indem ich die Musik selber produziere, die ich gerne spielen möchte.“
Aber dann den Schritt zu gehen, das live zu spielen, ist noch mal schwerer, weil ich als The Green Man vielleicht auch ein bisschen für einen Sound stehe oder auch einen gewissen Anspruch habe. Ich habe dann teilweise mit Ableton-Fragmenten oder mit Stems gearbeitet, die ich dann abgespielt habe und habe dann darüber improvisiert. Oder ich habe Teile durch Effekte gejagt oder mir noch einen anderen Musiker dazu geholt, damit live etwas passiert.
Es kommt auch immer ein bisschen darauf an, wie viel Zeit man hat. Also bei der Superbooth auf der Seebühne hatte ich super wenig Zeit für die Vorbereitung. Aber irgendwie klappt es dann. Da war meine Maxime, etwas auf die Beine zu stellen, was sich irgendwie gut anhört und was über die Anlage schön klingt, weil die Anlage ist sehr sphärisch. Da kann man in meinen Augen etwas Sphärisches machen.
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In dem Jahr davor habe ich dort auf dem Dub-Mono-System von Tom Battery gespielt und habe viel mit Delays gemacht und davor ein Live-Ambient Set in einer Kirche. Das fand ich besonders toll und würde ich gerne nochmal machen. Aber ich bin selber noch dabei auszuprobieren, welche Wege für mich toll sind oder geeignet sind, um Musik komplett live entstehen zu lassen. Das ist alles ein Prozess und da gibt es dieses Intellijel Designs Multigrain, mit dem ich jetzt etwas gemacht habe.
Oder Vermona Modular meloDICER finde ich dafür geeignet, weil ich ein bisschen Kontrolle über die Tonhöhen habe. Aber ich habe jetzt noch nicht das perfekte Setup und ich brauche dann manchmal auch so ein Projekt, bei dem ich weiß: „Okay, ich trete jetzt da und da auf und ich glaube daran, dass dann alles zum Großen und Ganzen fusioniert.“ Und je nachdem, wo ich dann spiele, würde ich das anders machen.
Genauso wie wenn ich auflege, ich dann auch immer [pro] Location andere Sets gespielt habe. Also [man muss sich] schon dem anpassen, wo man spielt und welche Leute da sind. Aber das ist mehr so meine Art, wie ich jetzt bin. Ich will interagieren. Man kann natürlich auch einfach hingehen und sagen: „Das ist mein Statement.“ Das mache ich natürlich auch manchmal und sage: „Das muss jetzt einfach gesagt werden.“
Heiners Trauminstrument
Gereon:
Wenn du völlig frei wählen könntest: Wie würde dein persönliches Traum-Instrument aussehen? Völlig ohne Einschränkungen.
Heiner Kruse:
Dann wäre das auf jeden Fall ein Hardware-Teil wie so ein alter E-mu-Sampler, bei dem aber nicht immer die Festplatten abstürzen, bei dem noch ein Keyboard dran ist und noch ein paar Controller mehr und die Soundverwaltung gut ist.
Ich finde zum Beispiel dieses Groove Synthesis 3rd Wave Teil echt gut gemacht. Das ist ein bisschen wenig Platz, weil es auch nicht dafür gemacht wurde, um Samples zu benutzen, aber es hat so ein paar Features, die an die alten Sampler erinnern.
Aber ich meine, du kannst nicht die ganzen Möglichkeiten, die es gibt, in einem Instrument unterbringen. Du musst dich damit abfinden, dass das nicht geht. Aber das ist auch so ein interessanter Prozess, den ich als Tester verfolge, gerade bei den Groove-Boxen. Und alle haben ihre Nachteile, zum Beispiel das Ableton Move. Damit kannst du sehr, sehr gut spielen. Aber zum Beispiel bei diesem neuen Akai Sampler MPC Sample finde ich es ein bisschen intuitiver und direkter zu lernen, ohne dass man es im Kopf hat oder die Sounds einfach oldschool zu speichern. Ja, da könnte ich jetzt ewig drüber reden. (lacht)
Unverzichtbares Plug-in
Gereon:
Das ist aber auch spannend zu hören. Eine letzte Frage habe ich noch: Auf welche drei Instrumente oder Tools möchtest du in deinem Alltag auf keinen Fall mehr verzichten?
Heiner Kruse:
Ich wurde mal gefragt, welches Plug-in ich mit auf eine einsame Insel gehen würde und da war es das Logic Tape Delay. Wobei das dann eher ein Begleiter ist, du brauchst natürlich noch eine Klangerzeugung. Letztlich ist natürlich der Computer das Ding, mit dem du alles machen kannst, aber ich kann es jetzt gerade gar nicht sagen. Im Moment finde ich diesen Groove Synthesis 3rd Wave toll.
An Plug-ins bin ich natürlich sehr froh, dass es die ganzen chirurgischen Equalizer gibt, aber das wechselt jetzt gerade total. Bei den Modulen finde ich das Make Noise Morphagene und Intellijel Designs Multigrain super.
Oder auch [ALM Busy Circuits] Pamela’s Pro Workout finde ich als Clock immer toll, aber gut, das ist jetzt schon ein bisschen nerdig. Was fällt mir jetzt bei den Plug-ins ein? Also, ich muss zugeben, ich gehe immer mehr dazu über, die Plug-ins der DAW selber zu benutzen, weil das einfach bedeutet, dass das auch nach Jahren, wenn du die Idee wieder aufmachst, wieder geöffnet wird, was nicht der Fall ist, wenn du irgendwelche Software hast, die eine neue Nummer kriegt.
Kontakt 5, Kontakt 6 und so weiter. Zwischendurch haben sie es sich anders überlegt, dann doch wieder nicht. Das fand ich ein bisschen schade. Die u-he-Plug-ins finde ich auch ganz klasse. Die machen tolle Sachen.
Gereon:
Ja, das stimmt. Es war sehr spannend, all diese Sachen von dir zu hören und einen Einblick in dich und deinen Werdegang zu bekommen. Natürlich auch dazu, wie du als Musiker selbst ein Buch geschrieben hast. Möchtest du uns zum Schluss noch etwas mitgeben?
Heiner Kruse:
Meine Message als Künstler, als The Green Man, ist: Hör auf deine eigene Stimme und folge dem Gefühl. Darum geht es ja auch beim Musikmachen, nämlich das Ganze ein bisschen fließen zu lassen. Wenn man ein neues Instrument oder ein Gerät lernt, ist es am Anfang auch manchmal kopflastig. Aber das Ziel ist natürlich, dass man es am Ende fließen lassen kann und die Emotionen ausdrücken kann oder sich selber damit ausdrücken kann damit.
Gereon:
Sehr schön. Dann vielen Dank für deine Zeit und das tolle Interview.
Heiner Kruse:
Danke dir.



































hi, also die deutsche Version hat 100 Seiten weniger?
@Numitron ja, so ungefähr…
@Heiner Kruse (TGM) kommt keine neue deutsche Version?
@Numitron das ist noch nicht sicher
@Heiner Kruse (TGM) OK!
danke!
ein paar kleine Mißverständnisse sind drin.
Goof Synthesizer kenn ich gar nicht, ich meinte den Groove Synthesis 3rd Wave..
Und nach dem Inteview kamen hier noch Waldorf iridium und UDO DMNO zum Testen rein…. was soll ich sagen …meine Vorstellungen von der einsamen Insel gestalten sich abwechslungsreich….
@Heiner Kruse (TGM) und das war natürlich kein DAP- sondern das tolle Dub Sound System von Tom Battery
@Heiner Kruse (TGM) Hehe, ja: Alleine die zwei – »3rd Wave« und »DMNO« – da würde einem nicht langweilig. Bei mir wären es nach wie vor der »Quantum MK 2« von Waldorf (jetzt halt gebraucht) sowie der »C15« von Nonlinear Labs. Gleich danach kämen auch bei mir der »3rd Wave« von Groove Synthesis und der »Leviasynth« von ASM. Und wenn ich nicht sowieso schon genug Kram hätte, würde ich an die 5. Stelle bei mir ebenfalls den »DMNO« von Udo Audio setzen. Hach, es gibt schon echt viel schicken Kram. 😁
@Flowwater gestern zufällig den Levia im Shop gesehen und kurz getestet! wow! leider nix für meine Geldbörse 😕
Danke für das Interview und liebe Grüße an David & Sven vom Radial Verlag🙂
Soll es tatsächlich „Aki APC Sampler“ oder „Akai MPC Sampler“ heißen?
Vermutlich würden die Algorithmen zur Erzeugung von Links zu Thomann-Angeboten dann auch nicht mehr den APC64-Controller verlinken, der gar nicht samplen kann…
@gs06 ;-) nein, natürlich ist Akai-Sampler gemeint, genauer Akai MPC Sample, den ich hier:
https://www.amazona.de/test-akai-mpc-sample-music-production-center/
getestet habe. Ich habe dem Redakteur auch Bescheid gesagt, aber er kommt erst Montag dazu, das zu korrigieren.
@Heiner Kruse (TGM) Genau, es haben sich bei der Transkription ein paar Fehler eingeschlichen, die nun aber behoben sind.
@Gereon Gwosdek danke!
Schönes Interview. Ich bin leider nach wie vor nicht dazu gekommen, einen Artikel über die fantastische englische Neuauflage deines Buches zu schreiben. Kommt aber noch, versprochen.
Ich freue mich wirklich sehr, dass wir mit dir einen fachkundigen Autor für modulare Synthesizer unter den Stammautoren haben, der mit viel Herzblut über diese Gerätegattung schreibt, die dem Synthesizer neuen Aufwind gegeben hat.
@Markus Galla Vielen Dank, Markus, ich mach das auch wirklich gerne und es macht Spaß, mit Euch zusammenzuarbeiten.