Interview: Intoxis – Eine Münchener Elektro-Kultband aus den frühen 80ern

30. September 2012

Intoxis - Münchner Kultband der 80er

Es war Anfang der achtziger Jahre, als ich während meines Fachabiturs einen Kommilitonen kennenlernte, der in den Schulpausen Tapes mit seiner eigenen Musik verteilte – elektronischer Musik. Zu jener Zeit war ich bereits großer Fan diverser Electronic-Acts, aber nie wäre mir in den Sinn gekommen, diese Musik „selbst“ zu machen. Aus der Nachbarschaft kannte man die ein oder andere Rockband, aber jemanden, der einen Synthesizer besaß oder gar mehrere – und damit live auftrat, war mir vollkommen fremd.

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Die Begegnung mit Jochen Zilch und Herribert Huber (!!) war für mich nicht nur eine Offenbarung, sondern auch die Initialzündung, meine ganze musikalische Leidenschaft eines Tages den  Synthesizern zu widmen. Zu diesem Zeitpunkt war ich aber noch weit entfernt davon. Ein erster Besuch bei Jochen zu Hause offenbarte mir eine Welt aus Knöpfen und Kabeln – und einen heiden Respekt. „Um Gottes Willen – das soll man bedienen können ohne jahrelanges Studium?“
Erstaunlich, wie sich Zeiten ändern. Heute würde ich mich sofort auf all die faszinierenden Geräte stürzen und loslegen. Damals aber waren Jochen und Herry für mich die Zauberer von Oz.

Und die Jungs machten Musik „live“ – ohne Computer und doppelten Boden, teilweise nur mit minimalen Sequenzen und einem technischen Aufwand, der für eine „Schülerband“ seinerzeit unbeschreiblich war. Entsprechend gut besucht waren die Konzerte – und entsprechend schnell hat sich der Name „Intoxis“ herumgesprochen und gelangte – zumindest regional – zu bemerkenswertem Bekanntheitsgrad.

Musikalisch ließ sich Intoxis schwer einordnen und dem damaligen Synth-Pop-Genre entsprachen sie überhaupt nicht. Das Ringen um musikalische Identität brachten Herry Wing und Buddy J. Raindom (oh ja, das waren die Künstlernamen der Intoxis-Protagonisten)  schließlich das Aus. Zu groß waren am Ende die künstlerischen Differenzen und die gesteckten Ziele. Reich und berühmt wollte man werden, aber ohne auf den Pop-Zug aufzuspringen.

So verschwand leider eine verheißungsvolle Synth-Combo in der Versenkung. Intoxis hätte das Zeug gehabt, zu den ganz Großen zu gehören – oder sind es am Ende doch nur die wehmütigen Erinnerungen des Autors, der im Zuge dieser damaligen Erfahrungen und Erlebnisse schließlich selbst Synthesizermusik machte und AMAZONA.de gründete?

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