Interview: Jack O’Donnell from InMusic, AKAI, Numark, Alesis & more

10. April 2018

The man behind InMusic

Erfolgreicher Unternehmer der MI-Industrie: Jack O’Donnell

Jack O’Donnell? Nie gehört!

Und ich denke, es wird Zeit, das zu ändern. Denn ähnlich wie Uli Behringer steht Jack O’Donnel für einen Unternehmer einer neuen Generation der Musical Industry. Wo sich einst die Gründer einer neuen Marke voll und ganz auf die Entwicklung selbiger konzentrierten, wie Ikutaro Kakehashi von Roland, Dave Smith von Sequential oder Wolfgang Palm von PPG, um nur einige zu nennen, gehört den erfolgreichen MI-Unternehmern von heute ein ganzes Portfolio von Marken, um dem weltweiten Wettbewerb standhalten zu können.

Das Zusammenlegen von Entwicklung, Produktion und Marketing für mehrere Marken schafft Effizienz und Knowhow-Transfer. So konnte Behringer mit Hilfe von MIDAS erst erfolgreich in den digitalen Mischpultmarkt einsteigen. Oder anders herum gesagt, ohne Behringer gäbe es MIDAS heute nicht mehr.

Und auch Jack O’Donnel nutzt unter dem Dach seiner Firma InMusic Synergien verschiedener Marken wie AKAI, ALESIS oder NUMARK, um Produkte wie eine AKAI MPC X überhaupt entwickeln zu können. 15 Brands (fünfzehn!!!) gehören mittlerweile zu InMusic, neben den oben genannten auch bekannte Firmen wie DENON PROSESSIONAL und DENON DJ, MARANTZ PROFESSIONAL, RANE oder M-AUDIO. Es lohnt sich wirklich, mal einen Blick auf die InMusic Webseite zu werfen, all die Marken zu begutachten und auch mal Jacks außergewöhnliche Vita zu lesen, die ihr HIER findet.

Und doch gibt es da einen entscheidenden Unterschied zwischen einem Uli Behringer und einem Jack O’Donnel, denn während der eine die Klaviatur seiner PR-Maschinerie hervorragend spielt, um das eigene Ich gekonnt in Szene zu setzen, ist der andere eher medienscheu und den meisten Musikern wohl unbekannt.

Wir dachten, es wäre an der Zeit, dies zu ändern, aber das war zunächst viel schwerer als geglaubt. Doch wo ein Wille, da auch ein Weg! Wer meint, Vangelis vors Mikrofon zu bekommen, wäre ein harter Brocken gewesen, dem erzähle ich gerne einmal persönlich die fast ein Jahr lang andauernde Jagd nach einem Interview mit Jack O’Donnel ;-)

Umso mehr habe ich mich schließlich gefreut (nach verschobenen Terminen in Amsterdam und London), dass wir Jack ganz gemütlich in unserem Karlsfelder Büro per Skype vor wenigen Wochen interviewen durften. Nach ein paar technischen Schwierigkeiten dauerte es eine Zeit, bis das Eis zwischen uns gebrochen war – doch dann entpuppte sich Jack als sehr sympathischer Zeitgenosse, der trotz seines toughen Management-Jobs immer noch eine ungeheure Leidenschaft für das Entwickeln neuer Musikinstrumente hegt.

Eines darf ich dem Interview vorweg nehmen. Von Jack und seinem Team dürfen wir sicherlich noch die eine oder andere große Überraschung erwarten, versprochen!

Peter:
Hi Jack, was mich zunächst interessieren würde, bist du selbst Musiker?

Jack O’Donnell:
Nein, ich bin kein Musiker, ich bin einfach ein Musikliebhaber und ich begann mich aus vielerlei Gründen dafür zu interessieren. Ich war zwölf Jahre lang für eine Firma Namens Stanton Magnetics tätig. Unser primärer Focus lag auf dem Endverbrauchermarkt. Zu dieser Zeit war Stanton in einem wachsenden Markt tätig – dem DJ Markt.

Peter:
Was war denn dann dein Interesse daran, einer der „Big Player“ im Musikbusiness zu werden, obwohl du ja gar kein Musiker bist.

Jack O’Donnell:
Ich habe eine große Leidenschaft für Musik und hatte direkt nach dem College das Glück, in das Retail-Elektronik Business einzusteigen. Zum einen hatte ich mein Business Degree in der Tasche und gleichzeitig liebte ich Musik. Das war eine perfekte Kombination für mich. Zwölf Jahre lang war ich schließlich als Vice President Sales & Marketing bei Stanton Magnetics und Pickery & Company tätig.

Peter:
Das hat aber nichts mit der Marke Stanton zu tun, oder?

Jack O’Donnell:
Doch, aber ich war damals für den Endverbrauchermarkt zuständig. Wir stellten Plattenspieler, Kopfhörer und Nadeln für die Plattenspieler her. Stanton war damals nur minimal auf dem Profimarkt unterwegs. Mit der Zeit änderte sich das Ganze und sie kümmerten sich mehr um den Profimarkt. Stanton wurde zur ersten Wahl für Radiostationen und DJs. Da sagte ich zu meinem Team, wir sollten diesen Bereich ausbauen. Damals kam die CD auf den Markt und Plattenspieler wurden für den Endverbrauch immer uninteressanter, jedoch stieg der Absatz im Profi- und DJ-Bereich. Wir entschieden uns also, den Pro-Bereich auszubauen.

Dafür haben wir den Markt beobachtet und uns entschieden, eine Partnerschaft mit Vestax einzugehen, um uns interessanter für den DJ-Markt zu machen. Wir kreierten den Namen Stanton-Vestax und haben das einige Jahre so betrieben. Eines Tages stand auf einmal die Firma Numark zum Verkauf.

Peter:
Was meinst du damit, Numark stand zum Verkauf?

Jack O’Donnell:
Numark hatte sich finanziell übernommen und sie haben versucht, die Firma zu verkaufen, um sich aus dieser Misere zu befreien. Eigentlich waren sie ja einer der Marktführer am DJ Markt.

Peter:
Ja, absolut!

Jack O’Donnell:
Sie kamen nicht ins Schwimmen wegen mangelndem Interesse an ihren Produkten oder Brand-Problemen, sondern weil sie meinten, sie müssten ihre Produktion von Japan nach Kalifornien verlagern. Eine ganze Produktion zu verlagern bedeutet, an einem anderen Standort komplett neu anzufangen. Als die Firma zum Verkauf stand, dachte ich mir, dass es doch für Stanton ein genialer Schachzug sei, die Firma zu übernehmen. Ich versuchte, die Verantwortlichen bei Stanton zu überzeugen, bloß wollte man sich nicht überzeugen lassen. Also verließ ich Stanton und kaufte Numark alleine.

Peter:
Und das, obwohl du weder Musiker noch ein DJ bist.

Jack O’Donnell:
Es war für mich immer eine Herzensangelegenheit, zu verstehen, wie Musiker denken und fühlen. Die meisten Leute hier in meiner Firma, seien es die Ingenieure oder sei es der Vertrieb, haben einen musikalischen Background. Ich bin kein Musiker und denke auch anders, aber ich glaube, dass es oft hilfreich ist, zwei unterschiedliche Denkweisen zueinander zu bringen. Es ist einfach eine Erfolgsformel. Ich bringe eine wirtschaftliche Art und Weise zu denken mit und die anderen Mitarbeiter die musikalische.

Forum
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      Wellenstrom  AHU

      Hmmm, für mich liest sich das nicht unbedingt nach „demnächst“…. stehen ja nicht mal wirklich in den Startlöchern der Entwicklung (wenn man der Aussage 1:1 Glauben schenkt).

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      Wellenstrom  AHU

      Jo, letztens auch gesehen. Da wurde mal in ’nem anderen Kontext ein Link dazu gesetzt. Wenn das stimmt, was Linn da sagt, dann wirkt das eher, äh, satrisch, was O’Donnell da so zur Verbundenheit zu seinen Ingenieuren da von sich gibt.

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        Tyrell  RED

        Ich halte nichts davon, Meinungsbildung auf diese Art zu betreiben und würde mir hier wünschen, dass Quellen nicht so lapidar zitiert werden. So was endet schnell in Bashing.

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      Tyrell  RED

      Mr. Linn ist aber ein ganz eigenes Kaliber und ist auch wegen eines kritischen Testberichts gegen uns (zum Glück vergeblich) zu Felde gezogen. Und das meine ich wortwörtlich. Herrn Linn zu zitieren halte ich deshalb gelinde gesagt für sehr fragwürdig.

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        Wellenstrom  AHU

        Jo, vielleicht sollte man die Schablone der Voreingenommenheit mal wegpacken (kreativer Entwickler contra knallharten Businessmann – gern gesehene Stereotypen). Linn scheint es jedenfalls (auch) faustdick hinter den Ohren zu haben.

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          Dirk Matten  RED

          Auch ich habe zur Zeit meiner Firma meine Erfahrung als Generalimporteur für Linn Produkte mit Herrn Linn gemacht: 49 nicht richtig funktionierende Linn 9000 im damaligen Gesamtwert von DM 1.102.500,- (die erste Ziffer bedeutet Million) mit der Rechtsgrundlage, dass der Endverbraucher den Kaufvertrag wandeln konnte. Die Bezahlung meiner letzten Rechnung hatte ich dann von der Lieferung einer funktionierenden Software abhängig gemacht, die jedoch nie eintraf, dafür hat er mich aber auf einer Sommer NAMM Show angeschriehen und vom AKAI PROFESSIONAL Messestand geworfen. Natürlich – immer die anderen.
          Ich denke, wir sollten das Thema beerdigen. Danke.

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            kupsu  

            Na da wirds doch richtig interessant. Hat Mr. O‘donell anscheinend seine Gründe gehabt mit Roger Linn zu brechen. Unabhängig davon ist doch spannend, wenn es mal ein paar Hintergrund Infos gibt. Ist halt anscheinend nicht nur heile Welt, sondern knallthartes Business.

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        kupsu  

        Hinzu muss ich sagen, dass ich weder auf der einen noch auf der anderen Seite stehe. Im Grunde sind mir beide Herren ziemlich egal. Und ob ein Zitat fragwürdig ist finde ich komisch…ich zitiere nur und spiegelt ja nicht meine Meinung wieder. Die Menschen sind schon noch selbst für Ihre Ausagen verantwortlich. Und hiermit klinke ich mich aus, da dieses Thema wohl für Einige (scheint mir zumindest so) etwas zu emotional ist.

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    drbach  

    „Die Technologie, die damals beim Andromeda zum Einsatz kam, gibt es so nicht mehr“… kann ich nicht nachvollziehen, die ASICS liessen sich bestimmt nach den vorhandenen Plänen neu produzieren. Ich habe nie begriffen, wieso Alesis die Andromeda-Kernstücke (eben die ASICS) nicht in verschiedenen Produkten (verschieden gross, verschiedene Budgets) -> 8 Stimmen, Monophon, Rack, Desktop, mit wenig Bedienelementen etc. vermarktet hat, wäre ein grosses Potential gewesen. Dave Smith hat das ja mit seinen Produkten auch gemacht, grosse Produktpalette basierend auf dem gleichen Kern. Jeder kann das kaufen, was nach seinen Bedürfnissen und/oder Budget passt, der Hersteller kann die Entwicklungskosten auf eine breite Palette an Produkten verteilen.

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      stipisic

      „die ASICS liessen sich bestimmt nach den vorhandenen Plänen neu produzieren“…
      Es gibt Technologie-Nodes, die eingestellt werden. Wenn die ASICs mit so einem Node produziert wurden, gibt’s keine ökonmisch sinnvolle Möglichkeit, die wieder zu beziehen. Ausser man macht ein komplettes Redesign auf einen aktuellen Node, aber das kost halt teuer Geld…

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    Wellenstrom  AHU

    Wo ich seit Jahren einen überraschend großen Wachstumsmarkt sehe, ist im Vinylmarkt – und damit einhergehend vermutlich auch dieser gesamte, ich nenne ihn mal – HiFi Consumer Sektor. Die Company wird vermutlich darauf seit einigen Jahren schwerpunktmäßig darauf verstärkt ein Auge werfen.

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    Wellenstrom  AHU

    Puh, Wahnsinn… sehe gerade auf statista, dass sich allein der Umsatz mit Plattenspielern allein von 2015 auf 2017 fast verdoppelt hat (von 15 Mio. Euro auf 27. Mio. Euro). Also ich würde es schon verstehen, wenn da die Synthesizerentwicklung eher hinten an stehen würde.

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        TobyB  RED

        Hallo Welle,

        ein paar Anmerkungen. Das Vinyl und mittlerweile die MC wieder hip sind, ist nicht unbedingt ein Effekt der digitalen Spaltung Deutschlands in Highspeed und 56K Modem. Und bezogen auf den Mobilfunk, Netzausleuchtungsatlas mit weißen Löchern. Sondern eher, dass Musiker am Streaming nichts verdienen, Indie alles was nicht Mainstream ist. Und das gute alte Cover und Booklet auch in CD geschätzt werden. Und dementsprechend lässt sich damit auch in Kleinauflage Geld verdienen.

        Die Strategie von In Music, sowohl den Consumer Markt und den Profi Markt zu bedienen ist okay, obwohl da mittlerweile auch eine Marktbereinigung stattfindet. Bzw. es einen extrem kostengetriebenen Low End Bereich gibt und entsprechend das Gegenteil. Während sich das dazwischen nach oben oder unten orientiert.

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