Interview: Jack O’Donnell from InMusic, AKAI, Numark, Alesis & more

Peter:
Dann kamen 2008 fast gleichzeitig zwei neue Drumcomputer von AKAI PROFESSIONALund ALESIS heraus, die, sagen wir mal, gewisse Ähnlichkeiten hatten. Der ALESIS SR18 und der AKAI PROFESSIONAL XR20.

Zweieiige Zwillinge, ALESIS SR18 und AKAI PROFESSIONAL XR20

Sie unterschieden sich ganz leicht im Design und von den ROM-Samples, aber am Ende merkte man ihnen an, dass sie von ein und demselben Entwicklerteam stammten. Ist das nicht ein Identitätsproblem, wenn zwei verschiedene Marken vom Knowhow und der Kreativität einer Entwicklung profitieren?

Jack O’Donnell:
Ja klar, das Problem gibt es. Aber ich glaube, das gehört mittlerweile der Vergangenheit an. Heute konzentrieren sich die Leute auf die unterschiedlichen Marken, die wir bei InMusic haben. Wir investieren sehr viel Geld in die Entwicklung, ins Marketing und in den Vertrieb, um die Einzigartigkeit der unterschiedlichen Marken darzustellen. Heutzutage hat jede Brand seine Alleinstellungsmerkmale. Es gibt zwar Ähnlichkeiten bei den Produkten, aber die gibt es heute in der gesamten Industrie.

Peter:
Dann kam die Zeit, als die erfolgreichste Sparte von AKAI PROFESSIONAL die MPC-Serie war. Man entschied sich schließlich 2012, diesen in Form des AKAI PROFESSIONAL MPC RENAISSANCE  „nur noch“ als Controller anzubieten. Ihr erntete herbe Kritik und schließlich gab es letztes Jahr ein Comeback zu Standalone-MPCs. War die MPC Renaissance eine Fehlentwicklung?

AKAI PROFESSIONAL MPC RENAISSANCE von 2012

Jack O’Donnell:
Es war kein Fehler. Der Markt hat damals danach verlangt. Wir wollten einfach die MPCs weiterentwickeln.

Peter:
Für mich war der MPC-Controller auch der logische Schritt, aber der Musiker-Markt tickt einfach ein wenig anders.

Jack O’Donnell:
Das ist ein guter Punkt, Peter. Wir haben die Controller-Jahre sehr genossen, aber es wurden immer mehr Standalone-Lösungen verlangt. Heute haben wir das Knowhow, eine absolut vergleichbare standalone MPC zu bauen. Und wir glaubten zuvor einfach nicht, diese Möglichkeit zu haben. Eine gleichwertige Standalone-Lösung mussten wir erst entwickeln, um unsere fortgeschrittene Software darauf laufen zu lassen zu können. Das hat Entwicklungszeit in Anspruch genommen. Mit der heutigen MPC hast du nun endlich beides. Du nutzt sie eben mit oder ohne deinen Computer.  Wir haben übrigens neben der Standalone-Lösung auch immer noch die Controller-Version im Programm, auch wenn wir sehen, dass die Standalone-Lösung sehr erfolgreich ist.

AKAI PROPFFFIONAL MPC X von 2017

Peter:
Erfolgreicher als die AKAI PROFESSIONAL MPC REN? (lacht)

Jack O’Donnell:
Wir hatten gute Erfolge mit der MPC REN, aber die Standalone hat das Ganze noch übertroffen.

Peter:
Möchtest du in diesem Bereich mehr entwickeln? Jemand erzählte mir, dass die MPC X dein persönliches Baby war. Warst du da stark bei der Entwicklung involviert?

Jack O’Donnell:
Ich bin immer sehr stark bei der Entwicklung all unserer Produkte involviert. Ich verbringe enorm viel Zeit mit den Ingenieuren, das macht mir sehr viel Spaß. Während ich gerade mit dir spreche, sitzen meine Ingenieure im Raum neben uns.

Peter:
Das heißt, du bist ganz stark bei der Produktentwicklung involviert?

Jack O’Donnell:
Ja, bei allem. Es ist einfach etwas, was mich richtig erfüllt.

Peter:
Hat sich das Business in den letzten Jahren verändert? Ich habe das Gefühl, dass es sich auf immer weniger, aber größere Unternehmen konzentriert wie z.B. InMusic oder Behringer. Kleinere haben es immer schwerer.

Jack O’Donnell:
Das stimmt, aber ich mag das gar nicht so gerne. Schau mal her, wir zum Beispiel können uns zwölf Büros rund um den Globus leisten, wo überall Ingenieure und Designer von uns sitzen – alles Voraussetzungen für großartige Produkte. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass wir niemals die Power hätten, unsere Produkte zu entwickeln, wenn es vorher nicht all die kleinen Firmen mit ihren Erfindungen und Ideen gegeben hätte. Die Entwicklungsabteilung benötigt sehr viel Geld und das ist einfach der Vorteil eines Großunternehmens.

Peter:
Hat dir die Arbeit früher mehr Spaß gemacht als heute?

Jack O’Donnell:
Das ist eine gute Frage. Ich hatte sehr viel Spaß zu Beginn meiner Karriere. Aber heute habe ich so viel Spaß wie noch nie zuvor. Der technische Fortschritt macht einfach sehr viel Freude.

Peter:
Was hast du denn in der nächsten Zeit geplant?

Jack O’Donnell:
Wir haben sehr viel Energie investiert, um unsere Produkte zu entwickeln. In Zukunft möchten wir zusehen, dass wir die Preise senken können, um unsere Features auch in günstigeren Varianten verkaufen zu können. Wir glauben, dass um so mehr wir uns einem breiteren Publikum öffnen können, um so spannender wird die Zukunft sein.

Forum
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    AMAZONA Archiv

    Um ein Paar Ecken rum könnte er aber glatt verwandt sein mit Uli Behringer… optisch meine ich.

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      AMAZONA Archiv

      Hmmm, für mich liest sich das nicht unbedingt nach „demnächst“…. stehen ja nicht mal wirklich in den Startlöchern der Entwicklung (wenn man der Aussage 1:1 Glauben schenkt).

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    AMAZONA Archiv

    Kompliment , dass Ihr den Herren vors Mikro/Bildschirm bekommen habt. Leider nix wirklich Neues. Da ich ihn nicht kenne kann ich nicht beurteilen wie der gute Mann menschlich so drauf ist. Roger Linn hat da aber eine ganz klare Meinung dazu :D

    https://www.youtube.com/watch?v=jdMRxUC77RQ

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      AMAZONA Archiv

      Jo, letztens auch gesehen. Da wurde mal in ’nem anderen Kontext ein Link dazu gesetzt. Wenn das stimmt, was Linn da sagt, dann wirkt das eher, äh, satrisch, was O’Donnell da so zur Verbundenheit zu seinen Ingenieuren da von sich gibt.

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        Tyrell  RED 3

        Ich halte nichts davon, Meinungsbildung auf diese Art zu betreiben und würde mir hier wünschen, dass Quellen nicht so lapidar zitiert werden. So was endet schnell in Bashing.

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      Tyrell  RED 3

      Mr. Linn ist aber ein ganz eigenes Kaliber und ist auch wegen eines kritischen Testberichts gegen uns (zum Glück vergeblich) zu Felde gezogen. Und das meine ich wortwörtlich. Herrn Linn zu zitieren halte ich deshalb gelinde gesagt für sehr fragwürdig.

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        Jo, vielleicht sollte man die Schablone der Voreingenommenheit mal wegpacken (kreativer Entwickler contra knallharten Businessmann – gern gesehene Stereotypen). Linn scheint es jedenfalls (auch) faustdick hinter den Ohren zu haben.

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          Dirk Matten  RED

          Auch ich habe zur Zeit meiner Firma meine Erfahrung als Generalimporteur für Linn Produkte mit Herrn Linn gemacht: 49 nicht richtig funktionierende Linn 9000 im damaligen Gesamtwert von DM 1.102.500,- (die erste Ziffer bedeutet Million) mit der Rechtsgrundlage, dass der Endverbraucher den Kaufvertrag wandeln konnte. Die Bezahlung meiner letzten Rechnung hatte ich dann von der Lieferung einer funktionierenden Software abhängig gemacht, die jedoch nie eintraf, dafür hat er mich aber auf einer Sommer NAMM Show angeschriehen und vom AKAI PROFESSIONAL Messestand geworfen. Natürlich – immer die anderen.
          Ich denke, wir sollten das Thema beerdigen. Danke.

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            AMAZONA Archiv

            Na da wirds doch richtig interessant. Hat Mr. O‘donell anscheinend seine Gründe gehabt mit Roger Linn zu brechen. Unabhängig davon ist doch spannend, wenn es mal ein paar Hintergrund Infos gibt. Ist halt anscheinend nicht nur heile Welt, sondern knallthartes Business.

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        Hinzu muss ich sagen, dass ich weder auf der einen noch auf der anderen Seite stehe. Im Grunde sind mir beide Herren ziemlich egal. Und ob ein Zitat fragwürdig ist finde ich komisch…ich zitiere nur und spiegelt ja nicht meine Meinung wieder. Die Menschen sind schon noch selbst für Ihre Ausagen verantwortlich. Und hiermit klinke ich mich aus, da dieses Thema wohl für Einige (scheint mir zumindest so) etwas zu emotional ist.

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    drbach  

    „Die Technologie, die damals beim Andromeda zum Einsatz kam, gibt es so nicht mehr“… kann ich nicht nachvollziehen, die ASICS liessen sich bestimmt nach den vorhandenen Plänen neu produzieren. Ich habe nie begriffen, wieso Alesis die Andromeda-Kernstücke (eben die ASICS) nicht in verschiedenen Produkten (verschieden gross, verschiedene Budgets) -> 8 Stimmen, Monophon, Rack, Desktop, mit wenig Bedienelementen etc. vermarktet hat, wäre ein grosses Potential gewesen. Dave Smith hat das ja mit seinen Produkten auch gemacht, grosse Produktpalette basierend auf dem gleichen Kern. Jeder kann das kaufen, was nach seinen Bedürfnissen und/oder Budget passt, der Hersteller kann die Entwicklungskosten auf eine breite Palette an Produkten verteilen.

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      stipisic

      „die ASICS liessen sich bestimmt nach den vorhandenen Plänen neu produzieren“…
      Es gibt Technologie-Nodes, die eingestellt werden. Wenn die ASICs mit so einem Node produziert wurden, gibt’s keine ökonmisch sinnvolle Möglichkeit, die wieder zu beziehen. Ausser man macht ein komplettes Redesign auf einen aktuellen Node, aber das kost halt teuer Geld…

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    Wo ich seit Jahren einen überraschend großen Wachstumsmarkt sehe, ist im Vinylmarkt – und damit einhergehend vermutlich auch dieser gesamte, ich nenne ihn mal – HiFi Consumer Sektor. Die Company wird vermutlich darauf seit einigen Jahren schwerpunktmäßig darauf verstärkt ein Auge werfen.

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    Puh, Wahnsinn… sehe gerade auf statista, dass sich allein der Umsatz mit Plattenspielern allein von 2015 auf 2017 fast verdoppelt hat (von 15 Mio. Euro auf 27. Mio. Euro). Also ich würde es schon verstehen, wenn da die Synthesizerentwicklung eher hinten an stehen würde.

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        TobyB  RED

        Hallo Welle,

        ein paar Anmerkungen. Das Vinyl und mittlerweile die MC wieder hip sind, ist nicht unbedingt ein Effekt der digitalen Spaltung Deutschlands in Highspeed und 56K Modem. Und bezogen auf den Mobilfunk, Netzausleuchtungsatlas mit weißen Löchern. Sondern eher, dass Musiker am Streaming nichts verdienen, Indie alles was nicht Mainstream ist. Und das gute alte Cover und Booklet auch in CD geschätzt werden. Und dementsprechend lässt sich damit auch in Kleinauflage Geld verdienen.

        Die Strategie von In Music, sowohl den Consumer Markt und den Profi Markt zu bedienen ist okay, obwohl da mittlerweile auch eine Marktbereinigung stattfindet. Bzw. es einen extrem kostengetriebenen Low End Bereich gibt und entsprechend das Gegenteil. Während sich das dazwischen nach oben oder unten orientiert.

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          AMAZONA Archiv

          Ist die MC wirklich hip?
          Also zumindest was die bespielten MCs anbelangt gibt es da seit Jahhrzehnten einen eindeutigen abwärtstrend.
          http://www.....de/umsatz/
          Im Gegensatz zum Vinyl Album. Singles spielen da auch keine Rolle mehr.

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