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Interview: Marian Gold, Alphaville

Bei Alphaville geht es immer um Neuland

25. Oktober 2025
Interview Marian Gold Alphaville Aufmacher

Interview: Marian Gold, Alphaville

Das Interview mit Marian Gold von Alphaville war schon längst überfällig, als uns die Nachricht erreichte, dass Forever Young 1 Milliarde Streams auf Spotify geknackt hat. Doch Alphaville war und ist wesentlich mehr als dieser zeitlose Song oder Hits wie „Big in Japan“ oder „Sounds like a Melody“. Über die Jahre hat Alphaville rund um Mastermind Marian Gold beständig neues Material produziert und sich dabei immer wieder neu erfunden.

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Interview mit Marian Gold, Alphaville

Pressefoto von Marian Gold, 2017 (Quelle: Universal Music, Presse)

Kreativer Kopf hinter Alphaville: Marian Gold (Quelle: Universal Music, Presse, 2017)

Marian Gold ist nicht nur die Stimme von Alphaville, sondern zugleich auch der kreative Kopf einer Band, die mit Hits wie „Forever Young“, „Big in Japan“ oder „Sounds like a Melody“ mittlerweile Generationen hinter sich vereint.

Vom Synthie-Pop der 1980er-Jahre bis hin zu den komplexen „Wall of Sound“-Gebilden auf dem 2017er Album „Strange Attractor“ oder dem symphonischen Greatest Hits Album „Eternally Yours“, das Alphaville gemeinsam mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg aufgenommen und 2022 veröffentlicht hat, war es ein weiter Weg.

Marian Gold über „Strange Attractor“

„Veränderungen sind potentielle Freiräume für neue Ideen“

Markus:
Marian, ich gestehe, dass ich ein großer Alphaville-Fan in meiner Jugendzeit war. Man kam um eure großen Synth-Pop-Hits nicht drum herum und noch heute muss ich das Radio einfach lauter drehen, wenn ich „Big in Japan“, „Forever Young“ oder „Sounds like a Melody“ im Radio höre.

Und doch möchte ich mich gar nicht so sehr mit der Vergangenheit beschäftigen. Dazu wurde sicherlich fast alles gesagt und geschrieben. Ich möchte vielmehr im Jahr 2017 ansetzen und beim Album „Strange Attractor“. Hätte ich den Opener „Giants“ im Radio gehört, hätte ich weder dich, noch Alphaville erkannt. Das gesamte Album zeigt eine beachtliche gesangliche Bandbreite und Vielfalt an Stimmfarben, die ich so nicht erwartet hätte.

Marian:
… Ich denk mal, ein Song wie „Giants“ würde wohl kaum im Radio gespielt werden. Wir haben ihn speziell für den Beginn des Albums konzipiert und er entstand aus einem Stück, das fast 7 Minuten lang ist. Er dient sozusagen als ein Tor hinein in die Welt von „Strange Attractor“, eine Gebrauchsanweisung für alles, was da noch kommt. Und was Wiedererkennungsmerkmale betrifft, um die haben wir uns nie besonders gekümmert. Im Fokus von jedem neuen Album stand immer eine bestimmte Idee. Der sind wir gefolgt und das Spannende daran war, wie diese Ideen uns verändern, also das, was Alphaville bis zu diesem Zeitpunkt war.

Veränderungen sind potentielle Freiräume für neue Ideen. Und alles Neue ist immer eine Provokation für den Erfindergeist, eine Herausforderung, besonders schlau zu sein. Diese Art der Herausforderung hat eigentlich alle Alphaville-Alben geprägt und das ist auch der Grund, warum sie alle so unterschiedlich geworden sind.

Gesang und Interpretation früher und heute

„Was die Singerei angeht, da würde ich mich als Naturtalent bezeichnen“

Markus:
Ich habe mir einige deiner Live-Auftritte mit Alphaville auf YouTube angeschaut, bei denen auch „Forever Young“ nicht fehlen durfte. Als Musiker ist mir natürlich die veränderte Tonart nicht entgangen. Und dennoch ist der Song immer noch so herausfordernd, dass es mich wirklich beeindruckt hat, wie du ihn performst. Wie schaffst du live den Spagat zwischen alten und neuen Songs und wie hältst du deine Stimme so fit?

Marian:
… „Forever Young“ ist gesanglich eigentlich ’ne relativ leichte Übung. Schwieriger sind Stücke wie „Inside Out“, wo du ’ne volle Oktave beim Wechsel vom Vers in den Refrain überspringen musst. Was die Singerei angeht, da würde ich mich als Naturtalent bezeichnen, ein paar Gesangsübungen vor einem Auftritt oder einer Aufnahme reichen mir. Tatsächlich kann ich die meisten Songs, selbst die von ganz früher, noch in der originalen Stimmung über die Bühne bringen.

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Forever Young knackt 1 Milliarde Streams. Alphaville live 2024 (Quelle: Gewild, CC0, via Wikimedia Commons) https://commons.wikimedia.org/wiki/File:AlphavilleEmslandArena2024b.jpg

Alphaville live 2024 (Quelle: Gewild, CC0, via Wikimedia Commons)

Markus:
Bei der besagten Performance von „Forever Young“ ist mir aufgefallen, dass du den Ausdruck, die Phrasierung und auch die Gesangstechnik stark verändert und verfeinert hast.

Deine Stimme klingt jetzt deutlich geschulter und ausdrucksstärker als in den 1980er-Jahren. Mir gefällt das sehr gut. Und doch schimmert in den Höhen manchmal noch dieses „Jugendliche“ von damals durch. Auf dem ersten offiziellen Live-Album von 2000, „Stark Naked and Absolutely Live“ singst du noch im alten Stil. Wann hast du dich dazu entschieden, deiner Stimme eine neue Farbe zu verleihen und auch die alten Songs anders live zu performen und warum?

„Wir hassen Routine“

Marian:
… das mache ich nicht bewusst, es ergibt sich von selbst und aus der Tatsache heraus, dass wir Routinen hassen und unsere Musik in jeder Konzertserie Arrangement-mäßig verändern. Es wäre ja auch keine spannende Herausforderung, vierzig Jahre lang immer die gleichen Versionen zu spielen. Zum zweiten liegt das an den Stücken selbst, weil sie zu den sich verändernden Zeitumständen immer wieder neu Stellung beziehen und mir neue Antworten liefern, so wie schillernde Seifenblasen, die ihre Umgebung auf chaotisch-fließende Weise reflektieren. Und das verändert dann meine Interpretation.

Ich schreibe unsere Texte immer in großer, wie soll ich sagen, poetischer Freiheit, damit die Worte, Sätze und Verse möglichst viel Spielraum zu ihrer Auslegung lassen. Ein gutes Beispiel dafür ist „Forever Young“. Der Text ist im Grunde nichts anderes als eine diffuse Ansammlung von Zitaten, Filmtiteln und Assoziationen zum Thema des Titels, aber gerade durch diese scheinbare Wahllosigkeit werden sie zu Mosaiksteinchen, die sich immer wieder in neue, teilweise gegensätzliche Zusammenhänge zusammensetzen, weshalb das Lied auf Geburtstagen und Hochzeiten, aber eben auch auf Begräbnissen und ähnlichen Anlässen oft gespielt wird. Diese Eigenschaft, sich zu unterschiedlichen Lebenssituationen zu äußern, steckt in vielen Alphaville-Stücken.

Pressefoto von Alphaville, 2010 (Quelle: Universal Music, Presse)

Marian Gold, Pressefoto 2010 (Quelle: Universal Music, Presse)

Musikbusiness

Markus:
Kommen wir zurück zu den jüngeren Alphaville-Songs der letzten Jahre. Der Song „Marionettes With Halos“ ist textlich ganz schön harter Tobak und sollte den Kandidaten von Formaten wie DSDS, X-Factor und anderen Castingshows zu denken geben. Ich komme aus einer Zeit, in der man durch harte Arbeit an sich selbst und viele musikalische Erfahrungen zum Künstler gereift ist. Misserfolge waren genauso wichtig auf diesem Weg wie jeder kleine Erfolg.

Viele greifen heutzutage lieber zur Abkürzung und bewerben sich bei Castingshows. Hier gewinnt dann nicht immer der- oder diejenige, die Talent hat, sondern sich am besten vom Musikproduzenten formen lässt. Die Textpassage aus „Marionettes With Halos“

You may be very sexy
But you’re not an artist at all
Karaoke pipe dreams of rock′n′roll eunuchs
Proclaiming Dick Rowe for their hero

passt in meinen Augen deshalb besonders gut zu diesem Phänomen. Wie erlebst du das heutzutage verglichen mit deinem eigenen Weg ins Musik Business?

Marian:
… was soll ich sagen. Eigentlich hat sich gar nichts verändert. Diejenigen, die sich trauen, träumen doch alle diesen unfassbaren Rock’n’Roll-Traum, zu einem Star zu werden, zu einem strahlenden Stern im siebten Himmel. Castingshows sind nicht die Erfindungen derjenigen, die da hingehen, in der Hoffnung auf eine großartige Karriere als Sänger. Es sind die Erfindungen von Leuten, die die Träume dieser Menschen für ihre Zwecke ausnutzen.

Markus:
Für die jüngeren Leser als Erklärung: Dick Rowe, dessen Name du im Song nennst, war bekannt für seine „goldenen Ohren“ und hat die Rolling Stones, Procul Harum, Cat Stevens, Tom Jones und andere während seiner Zeit als A&R bei Decca unter Vertrag genommen.

Marian:
… deswegen hab ich ihn nicht zitiert. Ich hab ihn zitiert, weil er der Idiot war, der die Beatles abgelehnt hat.

Markus:
Genau. Ich frage mich, ob es den klassischen A&R eines Labels überhaupt noch gibt? Ich habe das Gefühl, dass in Zeiten von Spotify, Apple Music und Co. jeder seine Musik selbst veröffentlichen kann und der früher übliche Weg über das Demo-Tape auf dem Schreibtisch des A&R-Managers komplett ausgespart wird. So fehlt oftmals einfach das geschulte Ohr und die ehrliche Meinung. Anders herum haben und hatten Plattenfirmen natürlich auch immer ein finanzielles Interesse und nicht jeder Ablehnungsgrund hat unmittelbar mit der Musik oder dem Künstler zu tun, sondern dessen Vermarktbarkeit zum Zeitpunkt x.

Marian:
… ich war immer felsenfest davon überzeugt, dass wir die geilste Musik der Welt schreiben. Nach jedem neuen Album hab ich dieses größenwahnsinnige Gefühl. Was irgendwelche A&Rs dazu zu sagen haben, interessiert mich nicht. Niemand muss mir irgendwas über unsere Musik erklären. Und ich meinerseits würde mich auch nie zu ’nem Oberlehrer in Sachen Musik aufschwingen. Genau deswegen hab ich Angebote, bei diesen Talentshows als Coach mitzuwirken, grundsätzlich abgelehnt.

Pressefoto von Alphaville, 2017 (Quelle: Universal Music, Presse)

Alphaville, 2017 (Quelle: Universal Music, Presse)

Produktion von „Strange Attractor“

Markus:
Beeindruckt hat mich neben dem Text von „Marionettes With Halos“ vor allem auch das Arrangement des Songs und des gesamten Albums „Strange Attractor“. Hier kommen Synthesizer mit Drum-Loops und E-Gitarren zusammen. Der Song wie das Album sind musikalisch sehr vielschichtig. Bei jedem Hören entdecke ich wieder neue Elemente. Es sind zu viele Kleinigkeiten und Sounds, um sie beim einmaligen Hören zu erfassen. Richtig beeindruckend ist auch das E-Gitarrensolo im Steve Stevens-Stil. Ich musste sofort an das Solo von Rebel Yell denken.

Marian:
… das Gitarrensolo ist von Andreas Schwarz, einem begnadeten Gitarristen, mit dem ich schon seit Jahren erfolgreich zusammenarbeite. Dieses Solo entsprang seiner Seele, genau in dem Moment, als wir die Aufnahme machten.

„Von manchen Songs existieren über zwanzig vollkommen unterschiedliche Fassungen“

Markus:
Auch die Arbeit mit Effekten, vor allem auf den Vocals hat mich sehr beeindruckt. Neben Hall und Delay kommen immer wieder auch Stutter-Effekte vor. Manche Songs entfalten eine regelrechte „Wall of Sound“. Wie geht ihr an so eine aufwändige Produktion heran?

Marian:
… die Produktion von „Strange Attractor“ zog sich über mehrere Jahre hin. Die ersten Aufnahmen entstanden schon 2011 und waren immer wieder von Tourneen unterbrochen. Das bedeutete in vielen Fällen, dass wir, wenn wir zurück nach Berlin kamen, wieder von vorn anfangen mussten, weil wir irgendwie den Faden verloren hatten. Nach und nach türmten sich Berge von aufgegebenen Ideen auf den Tonspuren, von manchen Songs existieren über zwanzig vollkommen unterschiedliche Fassungen. Am Ende der Produktion haben wir eigentlich gar nichts mehr aufgenommen, sondern nur noch ausgewählt und diese unterschiedlichen Versionen neu miteinander kombiniert. „Marionettes“ besteht aus vier oder fünf völlig unterschiedlichen Aufnahmen und das erklärt auch dieses Übermaß an Ideen. So war das eigentlich bei allen Stücken des Albums.

„Wir sind eben westfälische Dickschädel“

Markus:
Die Songs auf „Strange Attractor“ sind keine 08/15 Pop-Produktionen, die auf den Mainstream oder Airplay abzielen. Ich habe im Zuge der Recherche gelesen, dass aufgrund des anhaltenden Erfolgs der großen 1980er-Hits es dir möglich ist, deiner künstlerischen Ader deutlich freieren Lauf zu lassen als das normalerweise üblich ist. Damals muss nach dem Erfolg des Albums „Forever Young“ ein wahnsinniger Erfolgsdruck auf euch gelastet haben.

Marian:
Mag sein, dass dieser Erfolgsdruck auf uns lastete, jedenfalls wurde uns das damals von allen Seiten immer wieder eingeredet, so dass wir es am Ende fast selbst geglaubt haben. Aber wir sind eben westfälische Dickschädel, mich hat das alles nicht besonders beeindruckt. Wir hatten auch unglaublich viel Glück, wir konnten uns diese „Dickschädeligkeit“ leisten und irgendjemand da oben hat uns sehr lieb. Bowie hat darüber einen schönen Song geschrieben.

Pressefoto von Alphaville, 2017 (Quelle: Universal Music, Presse)

Pressefoto von Alphaville, 2017 (Quelle: Universal Music, Presse)

„Wir sind mächtig stolz auf unsere großen Hits“

Markus:
Ich finde es beeindruckend, dass du dich nicht hast unterkriegen lassen und bis heute Musik machst und nach einer kurzen Phase als Solokünstler den Namen Alphaville weiterführst. Ich bin ein großer Fan von Bruce Springsteen, der durch den großen Erfolg des „Born in the USA“ Albums quasi über Nacht zum Superstar wurde. In seiner Autobiografie habe ich gelesen, wie sehr das auf ihn gelastet hat, plötzlich vom Bandleader, der kaum seine Band bezahlen kann, zum weltweit gefeierten Superstar zu werden, der von der Bühne kaum noch das Publikum in der Arena erkennen kann.

Auch Mark Knopfler erzählt ähnliche Geschichten nach dem Erfolg von „Brothers in Arms“. Beide haben schließlich musikalisch die Reißleine gezogen und sogar ihre Bands zugunsten einer Solokarriere aufgelöst. Sie hatten zu Beginn ziemlich damit zu kämpfen, dass die Fans immer nur die alten Hits hören wollten. Wie ist dir das ergangen und wie wurde das neue Material von Alphaville angenommen, das schließlich nicht mehr so klingt wie früher.

Marian:
Wir sind mächtig stolz auf unsere großen Hits. Wenn wir die spielen, erzeugen sie eine zusätzliche Magie, die unsere Fans noch mehr verzaubert. Es ist ein großartiges Gefühl, Menschen mit der eigenen Musik, mit der eigenen Fantasie so beglücken zu können und eins zu werden mit dem Publikum. Jedes Konzert braucht diese Höhepunkte, nicht nur bei uns, sondern auch bei Springsteen und Knopfler.

Zusammenarbeit mit dem Orchester

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Mehr Informationen

Markus:
2022 hat Alphaville das Album „Eternally Yours“ gemeinsam mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg aufgenommen. Wie kam es dazu?

Marian:
Es war eine Idee, die uns schon ganz in den Anfängen von Alphaville beschäftigte. Im Sommer 1982 verbrachte ich einige Zeit allein in Münster, die anderen aus der Nelson Community waren mit ihren Freunden oder Familien in die Sommerferien ausgeflogen. Also fing ich an, allein für mich zu komponieren. Eines dieser Stücke war „Lassie Come Home“. Als ich das Bernd nach seiner Rückkehr vorspielte, überlegten wir, ob man das vielleicht irgendwann mit ’nem Orchester aufnehmen sollte. Das war zu diesem Zeitpunkt ein vollkommen absurder Gedanke, kein Mensch kannte Alphaville, wir hatten nicht mal einen Plattenvertrag.

Aber diese Idee hat mich all die Jahre nie ganz verlassen, sie spukte wie ein UFO in meinem Kopf herum. Und dann, während der Corona-Pandemie, als die Welt praktisch stillstand und wir alle isoliert vor uns hin werkelten, da nahm dieser Gedanke plötzlich Fahrt auf und uns wurde klar, dass nun die Zeit für so ein Projekt gekommen war.

Markus:
Wer hat die Songs für das Orchester arrangiert? Ich meine mich erinnern zu können, dass du in einem Interview mal gesagt hast, dass du nie gelernt hast, ein Instrument zu spielen oder Noten zu lesen und du deshalb von Synthesizern, Drumcomputern und Sequencern so fasziniert warst.

Marian:
Genau so ist es. Ich kann auch bis heute keine Noten schreiben, allerdings kann ich mittlerweile halbwegs Noten vom Blatt ablesen. Es war klar, dass wir erfahrene Leute an unserer Seite brauchten, die in der Lage waren, in orchestralen Bahnen zu denken und zu arrangieren bzw. unsere Ideen in dieser Richtung umzusetzen. Und wir hatten wieder mal unglaubliches Glück, dass es uns gelang, Christian Lohr und Max Knoth dafür zu gewinnen. Ihnen gebührt ein großer Teil an dem Erfolg dieser Produktion.

„Bei Alphaville geht es immer um Neuland“

Markus:
Was mir an den Arrangements für das Orchester so gut gefällt, ist, dass nicht einfach nur die Synthesizer-Parts 1:1 auf das Orchester übertragen wurden, sondern ganz neue Elemente zusätzlich geschaffen wurden, so als wären die Stücke wirklich für ein Orchester komponiert worden. Das unterscheidet in meinen Ohren das Album deutlich von ähnlichen Produktionen. Natürlich sind alle bekannten Hooklines vorhanden und bei „Sounds like a Melody“ ist sogar der groovige Synth-Bass enthalten und auch bei „Forever Young“ hört man Synthesizer zusammen mit dem Orchester. Doch gibt es so viel Neues zu entdecken …

Marian:
Genau das war die Maßgabe, die am Anfang dieser Produktion stand. Was können wir mit einem großen symphonischen Orchester in unseren Songs bewirken? Was für Optionen, was für Veränderungen sind möglich? Damit sind wir wieder am Anfang dieses Interviews. Bei Alphaville geht es immer um Neuland, um etwas, das wir noch nicht ausprobiert haben und was uns weiter verändert auf unserem Weg durch die Musik.

„… ich hasse Remixe“

Markus:
Am einfachsten umzusetzen war vermutlich „Forever Young“. Schon vor dem Abspielen hatte ich eine Vorstellung davon, wie sich der Song mit einem Orchester anhören müsste. Und doch hat mich das Klavier-Interlude überrascht und erst recht das große, epische Finale. Wie war das für dich, diese Songs zum ersten Mal von einem Orchester gespielt zu hören? Hast du deine Gesangs-Parts später dann zum Orchester-Playback noch einmal eingesungen, damit das Feeling stimmt?

Marian:
Alle Stücke auf diesem Album hab ich neu eingesungen. Es kam mir nicht richtig vor, die ursprünglichen Gesangsaufnahmen zu nehmen, die ja in keiner Weise mit den neuen symphonischen Versionen in irgendeiner Verbindung stehen. Das wär mir wie ein Remix vorgekommen und ich hasse Remixe.

Markus:
Die ikonische Trompete aus „Forever Young“, die im Original mit einem Synthesizer gespielt wurde, wurde hier doch dann bestimmt von einem Trompeter übernommen, oder? Ich durfte vor sehr vielen Jahren mal als Keyboarder mit einem Orchester „Music“ von John Miles spielen. Da hatte ich schon eine gewisse Ehrfurcht vor. Hattest du die Gelegenheit, mit den Orchestermusikern zu sprechen, die diese Parts gespielt haben?

Marian:
Wir haben von dem Moment an, als die Libretti fertiggeschrieben waren, auf engste Weise mit dem Orchester zusammengearbeitet. Es ergaben sich eigentlich kaum Probleme, aber dann begannen die Aufnahmen für das Trompetensolo für „Forever Young“. Ich war der festen Überzeugung, dass es einem menschlichen Instrumentalisten niemals möglich sein würde, diese Sequencer-Linie exakt nachzuspielen. Schon allein wegen des mörderischen Tempos. Aber die Blechbläser des Babelsberger Filmorchesters haben das bravourös eingespielt. Ganz großes Kompliment.

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Alphaville live

Markus:
Kommen wir zum Schluss noch zu Alphaville live. Musikalisch ist euer Material so vielfältig und vielschichtig. Im Studio arbeitet man heutzutage mit einer Vielzahl an Plug-ins, unzähligen Spuren in der DAW und hat im Prinzip unendliche Möglichkeiten.

Ich habe mir einige Videos aus den letzten Jahren angeschaut und dort sind mehrere MacBooks bei eurem Keyboarder und modernes Equipment zu sehen. Ich meine, Apple Mainstage entdeckt zu haben. Arbeitet ihr auf der Bühne mit Plug-ins oder Samples, um die Sounds der älteren Songs authentisch zu erzeugen? Schließlich haben diese einen sehr hohen Wiedererkennungswert.

Marian:
Die Sounds sind eigentlich nicht das Problem, das hast Du richtig erkannt, die kann man entweder analog mit den originalen Instrumenten erzeugen, die es nach wie vor gibt, oder man benutzt eben Samples. Ich hab da keine ideologischen Bedenken, das so oder so zu machen. Aber es gibt bei der Fülle der Klangsignale Sechzehntel- oder 32stel-Spuren, die von mitlaufenden synchrongeschalteten Sequencern erledigt werden oder auch von Delays.

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„Das ist ein irrer Flug über offenes Terrain“

Markus:
Live werden die bekannten Songs dann noch einmal deutlich aufgepeppt. Ich liebe die 2018er Live-Version von „Big in Japan“ mit dem Heavy-Gitarren-Intro. Das macht meines Erachtens diese uralten Alphaville-Songs auch im Jahr 2025 wieder interessant. Und die ikonischen Sounds harmonieren wunderbar mit diesen neuen Arrangements. Auch die Songs von „Strange Attractor“ rocken so richtig. Ich würde mir ein aktuelles Live-Album wünschen …

Marian:
Es ist immer wieder spannend, die Studioversionen der Songs für den Live-Betrieb neu zu arrangieren. Während man im Studio seinen eigenen Ideen nachspürt und keine Rücksicht auf außenstehende Meinungen nimmt, ist es bei Konzerten genau umgekehrt. Man versetzt sich in die Situation des Publikums und versucht die Leute so gut wie irgend möglich abzuholen. Das ist jedes Mal ein großer Spaß, weil einen das für eine Weile völlig frei von den eigenen künstlerischen Leitplanken macht. Das ist ein irrer Flug über offenes Terrain.

Markus:
Und eine letzte Frage: Die alten Herren von Bands wie Iron Maiden, Bruce Springsteen & The E Street Band, AC/DC, The Rolling Stones und so weiter, die immer noch fleißig touren, ziehen mittlerweile ganze Heerscharen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die diese Bands jetzt gerade erst für sich entdecken. Auf den Videos im Internet habe ich auch viele recht junge Gesichter im Publikum entdecken können. Machst du mit Alphaville auch diese Erfahrung?

Marian:
Nun, diese Verjüngung des Publikums passiert immer so alle 12 Jahre. Mit anderen Worten: Das haben wir schon ein paarmal erlebt.

Markus:
Marian, ich bedanke mich für das phantastische Gespräch mit dir und freue mich auf hoffentlich noch viel neue Musik von Alphaville.

Marian:
Dito. Mach’s gut.

Alphaville Podcast & Tour

Für Alphaville-Fans sehr interessant ist auch der offizielle YouTube-Kanal der Band. Besonders hervorzuheben ist der Alphaville Podcast.

Alphaville ist gerade auf Europa-Tournee und es gibt für einige Deutschlandkonzerte in 2025 und 2026 noch Karten. Konzerttermine und Links zum Kartenvorverkauf findet ihr unter https://www.alphaville.earth/

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Forum
  1. Profilbild
    StereJo

    Möchte die Leistung und Aktivität von Alphaville – Mariam Gold – nicht schmälern, aber das Original von Forever Young ist mit neuer Kunst und Produktion nicht erreicht – geht ja auch nicht, und war vielleicht auch nicht die Absicht. Die Urversion strotzte so vor Leichtigkeit und jugendlicher Gesangskunst. Vielleicht wäre eine klassische Opernversion a la Caruso oder Edit Piaf ein neuer Versuch.
    Vielen Dank und Grüße…

    • Profilbild
      Flowwater AHU

      @StereJo Ich kann’s nicht beurteilen, echt nicht. Ich bin mit der Originalversion von »Forever Young« zu einer Zeit aufgewachsen, die mich massiv in meinem musikalischem Geschmack geprägt hat. Deswegen ist das Original für mich auch immer noch grandios. Allerdings finde ich auch die »Symphonic Version« von 2022 großartig. Wie Markus schon schreibt/anmerkt: Da hört man irgendwie nicht, dass Herr Gold 38 Jahre älter ist. Im Gegenteil: Klingt sogar stellenweise noch ein wenig besser.

      Diese unmotivierte Mischmasch-Version von David Guetta, gesungen von Ava Max, habe ich nach 15 Sekunden angewidert abgeschaltet.

      Ich vergleiche das mal mit meiner Lieblings-Band: a-ha. Jeder kennt natürlich »Take On Me« mit dem Falsett-Gesang von Morten Harket im Refrain. Hammer … für mich aber völlig und absolut totgenudelt. Und dann gibt es aber auch die Version von »MTV Unplugged«, die als Ballada vorgetragen wird. Da bekomme ich aber jedes mal Gänsehaut und »Tränen inne Augen«.

      • Profilbild
        Filterpad AHU

        @Flowwater Ja absolut! An Guetta/Max sieht man mal wie berühmt die Nummer ist. Guetta hatte zuvor mit Bebe Rexha dieses „Blue (da ba dee) von Eiffel 65 eingesungen und deswegen vielleicht grob vergleichbar im Bekanntheitsgrad. Wäre Nomi nicht 83 verstorben (84 kam Forever Young heraus), hätte er die Nummer singen können. Das wäre definitiv eine Show sondergleichen gewesen. Die Guetta „Blue“ (I’m good) Nummer fand ich ganz ok, aber Forever Young von Guetta braucht man wirklich nicht bzw. ist das Original einfach unerreicht.

      • Profilbild
        TobyB RED

        @Flowwater , es ist eher selten das eine Demo-Version identisch zu Veröffentlichung ist. Die Regel ist das man mehrere Versionen macht und dann erstmal schaut welche Version nun zündet. Ganz gut kann man das an Relax von FGTH hören, Da gibts die usprüngliche Version vor Trevor Horn, welche bei der BBC „The Tube“ und in den Peel Sessions gegeben wurde. Die Bridge war da zB. noch aus In Heaven aus dem Film Eraserhead. Bei den Recordings hatte man dann erst mit den Blockheads von Ian Dury eine Version aufgenommen. Die dann aber bei Horn durchfiel. Anschliessend kamen „J. J.“ Jeczalik, Andy Richards und später Lipson hinzu. Lipson hat dann erstmal die Version 1-3 vom Multrack gelöscht und die Tonart auf E Moll geändert. Anschliessend hat man das Drumpattern und den Bass auf der Linn Drum neuprogrammiert damit man das zum Multitrack synchen konnte. Richards und Lipson haben dazu mit der Gitarre improvisiert und irgendwann sang Holly seinen Part ein. Und Rutherford seine Shouts. Die anderen Bandmitglieder sind nur in Form eines Samples vertreten, Sie springen in den Pool. Der Rest ist Geschichte.

        • Profilbild
          Flowwater AHU

          @TobyB In der Demo von »Relax« war etwas aus »Eraserhead« von David Lynch? Das ist js spannend. Gut zu wissen (Und, ja, ich hab‘ immer noch Tränen in den Augen, wenn ich an David Lynch denke).

            • Profilbild
              Flowwater AHU

              @TobyB OK, danke für den Tipp. Hahaha … war, glaube ich, ganz gut, dass es diese Version nicht geschafft hat! Hahaha! 😄😀

              • Profilbild
                TobyB RED

                @Flowwater , es fehlt für den Hit nur noch das Maschinengewehr. Dann doch lieber Linn Drum mit Bass auf der 3 ;-) Als ich dieses Video sah, das muss so 1992 in UK gewesen sein, dachte ich erst was bitte ist das für ein komischer Judas Priest / T Rex Verschnitt. Funfact, die blonde Peitschenschwingerin ist Paula Yates, welche dann auch The Tube moderierte.

    • Profilbild
      Merkstatt

      @StereJo Ganz generell ist die Zahl der herausragenden Remakes von echten Klassikern sehr überschaubar.
      Es gelingt nur Jahrhundert-Künstlern, Remakes zu produzieren, bei denen das Original tatsächlich auf ein neues, deutlich besseres Niveau gehoben wird und man nicht zuerst daran denken muss, dass ein alternder Künstler vor allem seine Rente aufbessern will. Angesichts der Flut aufgewärmter Hits aus dem vergangenen Jahrtausend liegt die Latte zusätzlich noch eine Stufe höher.

      • Profilbild
        Flowwater AHU

        @Merkstatt Da fällt mir spontan auch »Hurt« von Johnny Cash ein. Das Original ist ja, glaube ich, von Trent Reznor. Herr Cash hat daraus eine glattere Ballade gemacht, über die Reznor selber sagte: »Jetzt ist es ein Stück von Johnny Cash«. Allerdings finde ich die Nummer von NIN auch sehr coo; wenn man die Cash-Nummer kennt, vielleicht sogar doch noch etwas cooler.

  2. Profilbild
    Filterpad AHU

    Im Interview wird erwähnt das prägende Trompeten aus einem Synthesizer stammen und es wird – wohlgemerkt auf einer Synthcommunity – nicht erwähnt um welches Gerät es sich handelt? „Ja so ebas bleeds ja wo samma denn?“ Ich habe Marian vor vielen Jahren mit Orchester bei Night of the proms in München erlebt, obwohl ich den noch gar nicht kannte. Alphaville sagte mir auch nichts! Ich war jung und unwissend. Aber die Hits dafür umso mehr! Es ist mir ein großes Rätsel wie man so eine geile und gefühlvolle Nummer wie Fo. Yo. schreiben kann. Das ist IMO wahrhaftig zeitgenössische Musik auf allerhöchstem Niveau. Big in J. höre ich dagegen lieber von Guano, obwohl ich generell Synthipop bevorzuge. Das nächste mal hätte ich die Band beinahe in Garmisch-Partenkirchen erlebt. Mussten aber wegen Mitfahrgelegenheit vorher die Heimreise antreten. Das war echt mega schade. Wäre es doch umsonst gewesen als Abendshow nach der Siegerehrung diverser Skiläufer. Obwohl nicht änderbar gewesen, beräue ich das bis heute. Ich kann schlecht sagen ob Alphaville live ein Tipp ist, aber schlecht ist es nicht und Marian hat es immer noch voll drauf. Vielleicht ergibt sich die Gelegenheit wieder einmal.

    • Profilbild
      Markus Galla RED

      @Filterpad Ach, komm. Echt jetzt? Same old, same old. Ich weiß nicht, wie oft Marian und die zwei anderen damaligen Mitglieder diese Frage schon gestellt bekommen haben.

      Je nachdem, wen du fragst und welche Doku du anschaust, lautet die Antwort entweder Arp Odyssey oder Jupiter 8 plus Synclavier. Die meisten Mitglieder erinnern sich grob, was damals im Studio stand. Die Liste kannst du leicht googeln.

      Und jetzt? Kommt der Sound aus dem Computer und klingt genauso cool wie damals. Es sind die Menschen, die die Maschinen bedienen und damit Musik machen, deren Motivation, Gedanken und Gefühle, die mich interessieren…und am Ende aus den Maschinen Musik zaubern, die Jahrzehnte überdauert und Generationen berührt. Solche Musiker können das mit jedem Equipment und Marian Gold ist so einer.

      • Profilbild
        Codeman1965 AHU

        @Markus Galla < "Es sind die Menschen, die ..." >
        Genau so ist das.

        Meine Lösungsansätze:
        A.) Nicht versuchen, etwas 1:1 zu reproduzieren. Trumpet/Tiny Brass hat jeder in der Sound-Sammlung, ansonsten Piano mit Streichern oder auch Nylon Guitar, und dann ein bisschen improvisieren, bis das Gefühl da ist…
        B.) Gar nicht versuchen. Einfach das Original anhören und daran denken, daß jeden Morgen irgendwo Einer aufsteht, der es besser kann als Du… 😉

    • Profilbild
      Kazimoto AHU

      @Filterpad Hatte mir letztens die Documentary im Auto gegeben und dort ist auch der damalige Tonmeister im Berliner Studio 54, Herr Prof. Wolfgang Loos, zu Wort gekommen. Die Stücke waren zwar von der Idee her fertig aber es wurde hier und da noch nachgearbeitet um es noch kraftvoller zu machen. Die Bläser sind wohl vom PPG, wie auch die Chöre oder die Drums/Toms bei Sounds Like A Melody. Letztere wurden von Wolfgang Loos oder anderen anwesenden Musikern dynamisch per Hand eingespielt, also nichts mit Sequenzer oder so. Das sind schon Meisterwerke, produziert von Leuten die es richtig konnten. Schaut es euch an, meine das aber richtig gespeichert zu haben. Synclavier, echt jetzt, stand so ein Zeugs damals überall? 😄 Meine davon aber nichts gesehen und gehört zu haben. Alphaville hatten damals richtig Glück gehabt in Berlin auf die richtigen Leute zu treffen. Ein goldener Moment.

      • Profilbild
        Filterpad AHU

        @Kazimoto Besten Dank für die schnelle Rückmeldung und mit Informationen vollbespickt. 👋 Ich dachte mir schon das es ein bekanntes Gerät sein muss. In den 80ern war es noch relativ übersichtlich. An ein PPG od. Synclaviar dachte ich dennoch nicht. Hmmmm, das Behringer Teil müsste doch solch ein Preset auch besitzen? Spannend!

      • Profilbild
        e-online

        @Kazimoto @Kazimoto : ich hatte das Vergnügen, vor ein paar Jahren den PPG (Wave plus Waveterm) in Berlin von Wolfgang Loos erwerben zu dürfen. Beim Studiobesuch hatte mir Herr Loos auch die Geschichte über die Produktion des ersten alphaville Albums erzählt. Er hat wohl die meisten Keyboard Parts selber eingespielt. Da es in der Waveterm Library auch sehr gute Bläser Samples gibt, könnte es also ein PPG gewesen sein. Andere Sampler gab es wahrscheinlich nicht. Das Studio war zur damaligen Zeit ja noch neu und konnte durch bzw. für diese Produktion teures Equipment wie eben ein PPG erwerben.
        Die Produktion war insgesamt sehr aufwändig, da den Beteiligten klar war, welch ungeheuer tolles Songmaterial vorliegt.

      • Profilbild
        Markus Galla RED

        @Kazimoto Man findet über die Jahre viele verschiedene Aussagen von beteiligten Leuten. Die Synclavier Aussage hat mich auch überrascht, ist aber für mich absolut irrelevant, weil mich mehr der emotionale musikalische Teil interessiert. Du kannst das beste Equipment und den coolsten Sound haben, im falschen Kontext oder mit einem schlechten Motiv oder Thema regt sich trotzdem bei den Hörern nichts. Am Ende siegt immer der Musiker über die Technik, wenn er Ahnung von seinem Job hat.

        Und deshalb schaue ich mit heute das Springsteen Bio-Pic Deliver me from Nowhere in Originalfassung an, in dem es um die Entstehung des Nebraska Albums geht….vom Tascam Multitracker im Schlafzimmer auf eine Kassette in der Hosentasche direkt auf das Album.

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          Kazimoto AHU

          @Markus Galla Danke für den Tip, hatte Springsteen aktuell nicht auf dem Schirm. Natürlich steht der Musiker/die Idee über der Technik, wenn es aber knallen soll, und das tat es bei Alphaville, dann braucht es beides, plus ein paar Happy Accidents. Bei dem Orchester in Sounds Like passte wohl das Timing nicht und man hat es digital gepitcht und gestretcht, war nicht gewollt, klang dann aber fantastisch.
          Anekdote. Ich war vor einiger Zeit im Theater bei Hänsel und Gretel, coole Anlage dachte ich und war überzeugt es kommt über die Lautsprecher, bis ich den Taktstock im Orchestergraben sah. Alles klar? 😂

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    Codeman1965 AHU

    Marian Gold hat’s drauf.

    In den 80ern war es alles andere als leicht, den Überblick zu behalten, im Stundentakt kamen neue Formationen mit teilweise wirklich innovativen Sachen um die Ecke.
    Viele von ihnen waren One-Hit-Wonder, Einige sind auch lange geblieben, einige Wenige sind bis heute präsent.
    Alphaville waren damals (für mich !) ein Farbtupfer von vielen, muss ich so sagen. Oberes Drittel, zweifellos, aber es gab so viel Musik und so wenig Zeit, sich auf Alles und Jeden einzulassen.
    Aber „Forever Young“ ist heute für mich die Hymne meiner Jugend. Wenn ich mal wieder nostalgisch werde, höre ich’s mir an, und dann bin ich wieder ganz nah bei Karotten-Jeans und Bacardi-Cola…

    Ich habe Marian Gold bei „Sing meinen Song“ gesehen. Da hat er abgeliefert, wie es wohl keiner von uns auch nur annähernd hinbekommt. Ein echt enormes Potenzial. Seitdem hat er mich.

    Man muss einfach den Hut vor der Tatsache ziehen, daß er seit Jahrzehnten aktiv ist, überdenkt, abwandelt, und irgendwie immer auf der Suche nach Input ist.
    Menschen wie ihm gönne ich Geld, Gold, Geschmeide und ein langes, gesundes Leben! Er macht vielen Leuten ’ne schöne Zeit. Und darum geht es doch.

    Danke für den Artikel…!

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    Flowwater AHU

    Zitat:
    »… deswegen hab ich ihn nicht zitiert. Ich hab ihn zitiert, weil er der Idiot war, der die Beatles abgelehnt hat.«

    Hahahaha! (pruuuust, ich hatte gerade einen Schluck Cola im Mund) Bwaaahahaha!

    Mei, aber im Ernst: Dick Rowe hat ja offenbar trotzdem auch genügend andere Berühmtheiten entdeckt und gefördert. Allso doch eigentlich alles gut. Vermutlich müssen wir ihm auch denkbar sein, denn bei Decca wären die Beatles vielleicht etwas ganz anderes geworden … vielleicht wären sie auch nie so berühmt geworden.

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