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Interview: Parov Stelar

Der Pionier des Electroswings

17. Januar 2026

Parov StelarParov Stelar hat sich nie damit begnügt, auf bewährten Mustern stehen zu bleiben. Vom Electroswing-Pionier zum Architekten cineastischer Future-Retro-Sounds: Mit Artifact schlägt er ein neues Kapitel auf – eines, das tief im Inneren beginnt und sich irgendwo zwischen Klassik, 80s-Ästhetik und moderner elektronischer Produktion entfaltet.

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Parov Stelar über künstlerische Entwicklung jenseits von Erwartungen

Im Gespräch mit Amazona spricht Parov Stelar über Herzensentscheidungen statt Karrierestrategien, kreative Freiheit, seinen Umgang mit Erwartungshaltungen und darüber, warum Angst der größte Feind guter Musik ist. Außerdem gewährt er detaillierte Einblicke in sein Studio, seine Tools und seinen ganz eigenen Zugang zu Flow, Sampling und Perfektion.

Sonja:
Dein Sound hat sich über die Jahre vom klassischen Electroswing hin zu vielseitigeren elektronischen Klängen entwickelt — war das ein bewusster künstlerischer Schritt oder eine natürliche Entwicklung und wie verlief deine musikalische Entwicklung insgesamt?

Parov Stelar:
Ich denke, eine bewusste künstlerische Entwicklung kann es gar nicht geben, weil das wäre dann irgendetwas mit Absicht und ich glaube, eine wirkliche Entwicklung, die passiert im Herzen und die
passiert von selbst und genau so war es bei Artifact.

Artifact war eigentlich für mich der Schritt, um wieder Musik zu machen, die ich zurzeit
selbst höre und das ist sehr viel Klassik mit cineastischen Einflüssen 80er-Jahre
und es war einfach die Zeit dafür und da gab es für mich eigentlich weder einen Zweifel
noch sonst was.

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Sonja:
Wie gehst du damit um, wenn Fans eine bestimmte Erwartung an deinen Sound haben, du dich aber künstlerisch weiterentwickeln möchtest?

Parov Stelar:
Ich habe mit diesem Thema viele Jahre gehadert, natürlich, wenn du mit etwas Erfolg hast,
wächst auch der Druck auf dich, aber irgendwann, glaube ich, ist es eben diese Herzensentwicklung,
die dir plötzlich die Freiheit schenkt und zu einem gewissen Zeitpunkt hatte ich eigentlich
keine Angst mehr, weil Angst ist eigentlich der Todfeind von Kreativität.

Parov Stelar

Parov Stelar gilt als Pionier des Electroswing (Foto: Tanja Schalling)

Sonja:
Wie entstand Parov Stelar beziehungsweise was hat es mit diesem Namen auf sich?

Parov Stelar:
Ganz ehrlich, ich weiß es nicht mehr, diese Frage kommt normalerweise an erster Stelle.
Ich habe schon sehr viele Geschichten erzählt, die allesamt gelogen sind und die Wahrheit
ist die langweiligste, nämlich ich weiß es nicht mehr.

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Sonja:
Welche musikalischen Einflüsse – außerhalb des Swing – prägen dich heute am stärksten?

Parov Stelar:
Ich bin eigentlich musikalisch von dem, was ich selbst höre, sehr breit gefächert und ich habe immer meine Phasen. Beim Malen höre ich sehr, sehr viel Klassik und Klaviermusik und momentan interessieren mich auch die 80er-Jahre, vielleicht nicht die wirklich, wirklichen 80er, sondern schöne Remakes von Bands wie The Cannons zum Beispiel.

„Artifact“ als cineastische Zeitreise

Sonja:
Am 14. November erschien dein neues Album „Artifact“. Schon das Cover verrät die dem Album zugrundeliegende Atmosphäre, die an alte Noir-Filme erinnert. Piano, Streicher und bluesgetränkten Vocals. Erzählst du uns etwas zu deinem neuen Werk?

Parov Stelar:
Für mich war Artifact ein Traum, im wahrsten Sinn des Wortes, weil ich meine Träume oder
die Gefühle, die ich nicht benennen konnte, irgendwie verpacken wollte. Und Artifact ist so etwas wie eine Zeitreise.

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Es gibt eigentlich für mich ganz tief drinnen einen Protagonisten, der Zeitreisende, der
aber nicht nur in der Zeit, sondern auch in verschiedenen Realitäten springt und da sieht
man auch, dass man teilweise Vintage-Anleihen hat in der Musik, aber gleichzeitig auch was
komplett Modernes, so irgendwie Future-Retro.

Eigentlich ist es zu diesem Gefühl der Soundtrack, kann man sagen. Ich habe sehr viel Filmmusik von mir aus auch da drinnen gespürt und gleichzeitig war es hier nicht nur die Musik, sondern auch die visuelle Komponente, die für mich sehr, sehr wichtig bei Artifact war.

Zwischen Plug-ins, Synths und Soundästhetik

Sonja:
Mit welchem Equipment oder welchen Plug-ins arbeitest du derzeit am liebsten und warum?

Parov Stelar:
Im Laufe der Zeit habe ich sehr viele Outdoor-Geräte ausgesondert und habe mich sehr viel auf ein Plug-in beschränkt oder es ist einfach einfacher. Da gibt es mehrere, zum einen, ich habe gerade vom Music Hack, der heißt Fuel, ist zwar mit Vorsicht zum Einsetzen, weil er doch sehr brutal eingreift, aber färbt irgendwie in seiner ganz eigenen Art und Weise. Für die feinere Klinge gibt es von Tokyo Dawn Labs das TDR Infrasonic oder Ultrasonic. Für, sage ich, Lautstärke bin ich seit Jahren auf den Stealth von IK Multimedia.

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Was gibt es noch, mit dem ich arbeite? Ein tolles Plug-in, das, glaube ich, sogar gratis ist von Soundtoys, ist der Spaceblender. Der macht unfassbar geile 80er-Sounds oder auch so cinematische Teile. Und ansonsten habe ich noch einen Moog, einen Minimoog, stehend an einem Virus, Access Virus
Snow, wie der heißt, ein paar so kleine Dinger noch, aber ansonsten bediene ich mich auch sehr, sehr gerne an den Logic-eigenen Plug-ins, die es gibt, die eigentlich fantastisch arbeiten.

Sampling, Songwriting und der Weg zum Track

Sonja:
Gibt es Tools, die für deinen Sound unverzichtbar geworden sind?

Parov Stelar:
Gibt es tatsächlich und das ist der Serato Sample. Gerade wenn man viel auch mit Samples arbeitet, ist das ein wahnsinnig super Tool und der kommt eigentlich gerade auch für die Idee-Empfindung so bei jedem Projekt zum Einsatz.

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Sonja:
Wie hat sich dein Studio über die Jahre verändert? Nutzt du heute eher analoge oder digitale Setups oder suchst du bewusst die Mischung?

Parov Stelar:
Ja, wie gesagt, in den letzten Jahren arbeite ich mehr mit Plug-ins, weil es einfacher ist und die Dinge eigentlich wirklich schon fantastisch klingen. Aber ein paar analoge Geräte müssen sein. Gerade in der Post-Production haben wir unfassbar viel analog eingesetzt.

Sonja:
Wie gehst du beim Sampling vor? Suchst du gezielt nach bestimmten Sounds oder entsteht das eher spontan aus musikalischen Zufällen?

Parov Stelar:
Also gezielt beim Sampling suchen eher nicht, also das ist sehr viel ausprobieren. Manchmal entsteht ein Sample von einer Passage in einem Song, das man nicht gehört hat. Durch Pitchen oder Loopen hört man eigentlich erst, wie viel Potenzial in Samples sind, die man so im Song nicht gehört hätte.

Parov Stelar DJ

Parov Stelar macht cineastische Sounds zwischen Retro und Zukunft (Foto: Tanja Schalling)

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Sonja:
Wie beginnst du einen neuen Track – mit einem Beat, einer Melodie oder vielleicht sogar mit einem Sample?

Parov Stelar:
Das ist ganz verschieden. Manchmal ist es wirklich der Beat, aber nach dem Beat kommt eigentlich meistens sogar ein Sample. Um das Sample wird dann eventuell die Melodie gebaut. Also es ist ganz verschieden.

Perfektion als Mörder der Kreativität?

Sonja:
Du hast einmal gesagt, dass du noch nie einen Song fertiggemacht hast. Was bedeutet das?

Parov Stelar:
Ich halte es wie Picasso. Ich glaube zumindest, dass es Picasso gesagt hat. Er meinte, ein Bild, das jemals fertig wird, würde nichts bedeuten. Ich glaube, ich meine es eher so, dass diese komplette Perfektion, die ich heutzutage teilweise in der Musik höre, ob das jetzt vom Mastering oder vom Klang und alles ist, so mega perfekt, wird dann irgendwie langweilig. Es ist wie bei Menschen mit zu vielen Schönheits-OPs, wenn die überall perfekt sind, mit dem perfekten Näschen, perfekter Mund, da fehlt dann irgendwie was.

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Sonja:
Wie sieht für dich der ideale kreative Flow aus – gibt es Rituale oder Routinen, die dir helfen, in diesen Zustand zu kommen?

Parov Stelar:
Zeit ist das Wichtigste, um wirklich einen kreativen Flow zu haben.
Aber nicht unbedingt die Zeit in dem Moment, wo du arbeitest, ungestört, sondern auch die
Tage davor.

Artifakt Parov Stelar

Das heißt, wenn du ständig auf Tour bist oder Termine, Termine, ist es schwierig, in
so einen richtigen Flow reinzukommen.

Also irgendwie braucht man schon noch Vorbereitung, weil ich nicht dieser Bedroom-Producer oder diese DJs oder Produzenten bin, die dann am Flughafen mit Kopfhörer Beats produzieren. Das kann ich nicht. Ich brauche da meinen Raum, mein Studio und meine Zeit.

Sonja:
Was war der beste Tipp, den du je bekommen hast?

Parov Stelar:
Glaub nie jemandem, der Erfolg gehabt hat, denn er wird dir dein Geheimnis sowieso nicht
sagen. Ungefähr so war der Tipp. Und ich bin für mich selbst draufgekommen.

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Sonja:
Erzählst du uns etwas über den kuriosesten, beeindruckendsten oder skurrilsten Moment deiner musikalischen Laufbahn?

Parov Stelar:
Wir haben einmal vor vielen Jahren in Russland vor zwei Personen gespielt, weil sich dieser Mann das unbedingt leisten wollte und die Show in aller Ruhe alleine bzw. mit seiner Frau genießen wollte. Das war schon sehr skurril und ich würde das so in der Art wahrscheinlich heute nicht mehr machen.

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Sonja:
Gibt es etwas, das du den Leuten in der Welt gerne noch sagen möchtest?

Parov Stelar:
Glaubt an euch, denn man kann sich nicht vorstellen, was alles möglich ist, wenn man Durchhaltevermögen hat und an seine Idee glaubt.

Vielen Dank, lieber Parov für dieses tolle Interview! 

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Über den Autor
Profilbild

Sonja (Team DelayDude) RED

Sonja ist seit ihrer Jugend dem Bass verfallen. Im Jahr 2018 machte sie gemeinsam mit ihrem Mann ihre Leidenschaft für Musik zum Beruf und betreibt seither mit DelayDude.de einen Blog und einen Shop für Gear-Reparaturen und Custom-Effektgeräte. Dementsprechend findet man sie auch bei AMAZONA vermutlich in der Guitar&Bass-Sparte. Als verantwortliche Redakteurin in der PEOPLE-Redaktion ist sie zudem immer auf der Suche nach spannenden Gesprächspartnern aus der Musikbranche.   

Forum
  1. Profilbild
    EleKKtro

    Eine wunderbare musikalische Wandlung und eine mutige Entscheidung als erfolgreicher Künstler! Ich fand den Electroswing unterhaltsam aber die neuen Stücke sind ein cineastisches Hörerlebnis. Danke für das Interview 👍

  2. Profilbild
    benzianium

    Danke für dieses interessante Interview. Artifact gehört zu meinen Lieblingsalben. Wunderbare Melodien, grossartige Sounds! Schade gibt es bis dato kein Konzert in der Schweiz.

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