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Interview: Peter Gorges 2007, Wizoo stärkt Digidesign

14. Mai 2007

Wizoo bei Digidesign

Die Wizoo-Macher 2005 (Peter Gorges, Hans Zimmer, Manfred Rürup)

Die Geschichte der deutschen Soundschmiede Wizoo ist bemerkenswert und lebendiger denn je. Bereits im Oktober 2004 hat AMAZONA.de mit Firmengründer Peter Gorges ein spannendes Interview geführt über die Entstehung und Zukunft des Unternehmens Wizoo. HIER KLICKEN

Vor knapp zwei Jahren nun hat der AVID-Konzern über seine Tochter DIGIDESIGN die Firma Wizoo übernommen, um die Plattform PROTOOLS künftig durch exzellente Instrumente und Sound Design „Made in Germany“ zu stärken. Grund genug für AMAZONA.de erneut ein Interview mit Peter Gorges zu führen.

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AMAZONA.de:
WIZOO ist in 2005 von Digidesign übernommen worden. Was genau bedeutet das?

Peter Gorges:
Die WIZOO Sound Design GmbH war ein eigenständiges Unternehmen mit einem Team von 20 Leuten. Avid hat die Firma im August 2005 zu 100% von den drei Eignern – das waren Hans Zimmer, Manfred Rürup und ich selbst – übernommen. WIZOO wurde dabei in Digidesign eingegliedert, und ich bin als einziger der drei Anteilseigner dabei geblieben, leite das Team weiterhin in Bremen und nehme übergeordnete Aufgaben in Daly City wahr.

AMAZONA.de:
In welcher Funktion bist Du nun noch dabei, nachdem Du nicht mehr Gesellschafter bist?

Peter Gorges:
Von der Visitenkarte her bin ich Director bei Digidesign und Leiter der „Digidesign Advanced Instrument Research Group“ – so unser Name in unserer heutigen Rolle. Formal bin ich nach wie vor Geschäftsführer der GmbH.

AMAZONA.de:
Wie muss man sich die Stellung der AIR Group innerhalb von Digidesign vorstellen?

Peter Gorges:
Wir sind so etwas wie der Pluto im Avid – Universum – ein kleiner eigenständiger Planet, der fernab vom Mutterstern, jedoch in dessen Gravitationsfeld, in Deutschland seine Bahnen zieht. Wir entwerfen, entwickeln und realisieren relativ selbstständig alle virtuellen Instrumente von Digidesign, arbeiten aber parallel auch daran mit, Pro Tools für Instrumente und „Music Creation“ weiterzuentwickeln.

AMAZONA.de:
Es geht also wirklich nur um Instrument- und nicht um Effekt-Plug-Ins?

Peter Gorges:
Instrumente sind unser Spezialgebiet, aber Effekte fallen natürlich ganz automatisch als Nebenprodukt an. Für Strike – unseren virtuellen Drummer – wurden beispielsweise drumspezifische Effekte entwickelt, dasselbe gilt für das Tape Delay oder die Phaser-Emulationen in unserem virtuellen E-Piano Velvet – die werden sicherlich irgendwann einmal in andere Produkte von Digidesign oder in Pro Tools direkt integriert werden.

AMAZONA.de:
Und diese sind dann auch nur Digidesign-kompatibel?

Peter Gorges:
Absolut – und das ist aus meiner Sicht – entgegen aller Skepsis – hundertprozentig sinnvoll. Natürlich war ein Grund, warum Digidesign für uns einen Kaufpreis auf den Tisch gelegt hat, der Erwerb eines Wettbewerbsvorteils und exklusiver Technologie, die natürlich den eigenen Usern zugute kommen sollen. Dazu kommen aber auch eine Reihe technischer Vorteile: Nicht nur entwickeln wir Instrumente für Pro Tools, sondern auch in Pro Tools fließen andersherum Funktionalitäten oder Optimierungen ein, die von uns stammen. Da greifen zwei Dinge so ineinander, wie es nur geht, wenn Host und Instrumente aus einer Hand kommen. Das führt zu deutlich besserer Performance, Stabilität und auch zu Funktionalitäten, die nicht möglich wären, wenn wir für mehrere Plattformen entwickeln und Kompromisse eingehen müssten.

Beispiel: Unser Sampler Structure kommuniziert über eine interne Schnittstelle laufend mit Pro Tools’ Disk-Management. So können wir dafür sorgen, dass die Streaming Voices des Samplers nicht gegen die Audiospuren um Disk-Tracks kämpfen, sondern dass die Leistung der Harddisks optimal ausgenutzt wird. Das ist nicht möglich, wenn man einfach nur ein Plug-In in ein SDK eines anderen Herstellers einhängt. Oder: Die immensen Einsparungen an Entwickler- und Testing-Ressourcen, die dadurch enstehen, dass wir nur eine Plattform unterstützen, wandern ebenfalls Eins zu Eins in verbesserte Produkte. Das sind immerhin bis zu 30% einer Produktentwicklung. Die Tatsache, dass wir es geschafft haben, in etwas mehr als einem Jahr fünf professionelle Instrumente herauszubringen, hat unter anderem auch damit zu tun.

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Sicher, dass es unsere Instrumente nicht in anderen Plug-In-Formaten gibt, wird oft als Einschränkung gesehen. Das ist es aber nur für User anderer Systeme, und dass die das nicht gern sehen, ist natürlich nachvollziehbar – speziell, da die sehr offene VST-Kultur in der Plug-In-Welt ja sehr verbreitet ist. Aber dass Digidesign aktiv dafür sorgt, dass User von Pro Tools einen deutlichen Vorteil davon haben, Pro Tools zu benutzen, kann man ja eigentlich nicht illegitim nennen, und die Strategie ist zudem mit Digidesigns allgemeinem Ruf konsistent, auf Performance, Stabilität und Professionalität zu setzen, nicht unbedingt auf beliebige Verbreitung um jeden Preis.

AMAZONA.de:
Inzwischen hat Digidesign auch den Einsteiger-Markt entdeckt. Die neuen kleinen Digidesign Units bieten längst nicht die Rechen-Power wie die Profi-Systeme. Sind die künftigen Instrumente auch für die Einsteigersysteme verwendbar?

Peter Gorges:
Deine Frage reflektiert sehr gut ein Image, das Digidesign eigentlich nur hier in Deutschland hat – und zwar, dass Pro Tools nur etwas für High-End-User sei und man mindestens zehntausend Euro hinlegen müsste, um mitspielen zu dürfen. Ich selbst hatte diesen Eindruck zuvor, und ich kann ihn mir eigentlich nur mit der historischen Vorreiterrolle erklären, die die beiden ursprünglich mal deutschen Sequenzerhersteller hierzulande hatten.

Ich will das mal ein wenig geraderücken: Der Homerecording- und Einsteigermarkt macht bei Digidesign seit Jahren einen sehr nennenswerten Anteil am Gesamtbild aus. Seit Jahren gibt es die Mbox, die immerhin eine Audio-Hardware inklusive einer Pro Tools LE Vollversion ist, zu einem Preis, der deutlich unter dem der reinen Software-Konkurrenz liegt. In den USA ganz klar auch auf den Einsteigerbereich, und dieses Segment hat einen nennenswerten Anteil am Gesamtbild.

Insofern ganz klar: Alle Instrumente werden natürlich mit Blick auf LE (Mbox, 003) und M-Powered (M-Audio Hardware) entwickelt – denn da gibt es die zahlreichsten Musiker. HD-Systeme werden zwar auch für Musikproduktion genutzt, aber da vornehmlich zum Mischen, für Post und Mastering. Insofern ist die Antwort eh ja. Aber auch innerhalb der Instrumente kann der User je nach Prozessor und RAM-Skalieren. Zum Beispiele bieten wir für alle Sounds grundsätzlich mehrere verschiedene Versionen von Eco bis XXL an – je nach RAM-Verfügbarkeit oder Priorität. Was die CPU Power angeht, kannst Du immer einstellen, ob Du z. B. Oversampling ein- oder ausschaltest. Wie gesagt, alles, was Rechner-Ressourcen kostet, lässt sich skalieren. Eine Software wie Strike kannst Du also genau so gut auf einem Laptop fahren – das wäre typischerweise das System, was die User unserer Tochterfirma M-Audio benutzen. Wenn Du aber ein HD System mit leistungsfähigen Prozessoren und viel RAM hast, dann drehst Du einfach alles auf. Das klingt natürlich dann auch entsprechend besser.

AMAZONA.de
Wird es die Plug-Ins, die seinerzeit als VST für Steinberg entwickelt wurden, künftig auch für Protools geben?

Peter Gorges:
Nein, auf gar keinen Fall. Wir haben damals mit Steinberg einen Vertrag abgeschlossen, dass sie diese Plug-Ins exklusiv behalten dürfen und dass wir diese auch nicht für Digidesign übernehmen werden. Ich fände es auch eine sehr schlechte und unsympathische Strategie, wenn Digidesign nach der Übernahme Steinberg den Hahn sofort zudrehen und die Instrumente selbst übernehmen würde. Undenkbar auch, wenn man allen VST-Usern zu verstehen gäbe, dass es Virtual Guitarist plötzlich nur noch unter RTAS gäbe. Ich bin überzeugt, sowas wäre ein Bumerang und hätte der ganzen Sache von vornherein einen schlechten Beigeschmack gegeben.

AMAZONA.de:
Darfst Du schon über kommende Instrumente plaudern?

Peter Gorges:
Konkret natürlich nicht. Ich kann immer nur sagen: Wenn man sich so ansieht, was wir bisher herausgebracht haben, kann man mit etwas Fantasie eigentlich auch darauf schließen, was wir als Nächstes machen. Schließlich wollen wir in absehbarer Zeit einen ziemlich kompletten Katalog an Instrumenten anbieten. Das heißt, wenn Du Pro-Tools User bist, wirst Du früher oder später Deinen Grundbedarf an Instrumenten mit AIR abdecken können. Trotzdem ist es für uns wichtig, den Drittanbieter-Markt mit Firmen wie Native Instruments und Spectrasonics ungebremst zu unterstützen, denn es macht keinen Sinn, seine User auf eine Insel zu locken – ein einziger Hersteller kann nie jeden Bedarf abdecken. Aber wie oben erklärt: Es macht Sinn, wenn ein Sampler und eine Palette der populärsten Instrumente direkt vom Pro-Tools-Hersteller kommt.

AMAZONA.de
Denkt AIR über spezielle Instrumenten-Controller nach?

Peter Gorges:
Unbedingt – darüber wird bei uns schon immer viel diskutiert – wer ist schon wirklich mit einer Computermaus und einer Tastatur zufrieden, wenn er früher einen Minimoog oder ein Rhodes in den Händen hatte? Außerdem haben wir M-Audio in der Familie, da sind Controller also Teil des Katalogs. AIR-Instrumente unterstützen jetzt schon die Digidesign-Controller wie etwa die ICON-Serie in vollem Umfang. Aber langfristig wird natürlich auch daran gearbeitet, wie Software und Hardware besser zusammen wachsen. Ich glaube nur nicht, dass wir irgendwann einen Controller speziell für ein Plug-In machen – das kann ich mir nur sehr schwer vorstellen. Eher schon, dass wir mal ein Plug-In auf einen bestimmten – z.B. Drum- – Controller zuschneiden, um Usern denselben Komfort und die Schnelligkeit zu bieten, für die beispielsweise Akais MPCs bekannt sind.

Woran wir jetzt schon konkret arbeiten ist, wie wir die Handhabung von Plug-Ins mit externen Controllern effektiver und einfacher machen können. Warum muss man eigentlich jedes Plug-In erst umständlich mit dem Controller über „Learn“ zusammenbringen – das ist doch ein Nachteil, der dadurch entsteht, dass beide von unterschiedlichen Herstellern kommen. Auch wird über Controller nachgedacht, die noch stärker auf Instrumente und unsere User-Interface-Konzepte spezialisiert sind, aber das ist Zukunftsmusik.

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Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Manno, da habt Ihr schon Peter G. im Interview, er erzählt auch daß Hans Zimmer jetzt nicht mehr Anteilseigner ist aber ihr fragt ihn nicht mal, was mit dem Hans-Zimmer-Spezial-Sampler geworden ist?
    Schade…

  2. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Viel bedauerlicher finde ich es, dass Peter Gorges nicht mehr in der schreibenden Zunft tätig ist.
    Wenn er in der "Keyboards" einen Synthesizer getestet hat, war Hochamt und die Kerzen haben gebrannt.
    Da war ein Klang nicht "ein wenig dünn" – nein, dann war das Teil eben 'ne "Tischhupe".
    Und ein Filter hat nicht "ein wenig kraftlos zugepackt" – nein, dann war es eben ein "schlaffer Höhenregler".

    Aber, nixx iss, wie es mal war …

  3. Avatar
    AMAZONA Archiv

    tja, schade, die guten alten zeiten sind vorbei und jeder scheint einen gewissen preis zu haben für den man ihn kaufen kann. elefantenhochzeiten sind ja eh an der tagesordnung. der kapitalismus auf siegeszug.

  4. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Stimmt, der Hans Zimmer Ultramegahyper Sampler, der (wohl) n Orchester täuschend echt nachbilden sollte und schon damals alle technischen Barrieren weit überschritten hatte, wäre echt mal n interessantes Thema gewesen….

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