Hardware sollte helfen, im musikalischen Moment zu bleiben.
Polyend ist vor einigen Jahren vor allem durch den Hardware Tracker bekannt geworden. Das kleine Unternehmen aus Polen hat sich kompakten Hardware Grooveboxen verschrieben, die den Musiker inspirieren und zum Musizieren einladen sollen. Wir haben uns mit Piotr Raczyński auf der Superbooth 2026 getroffen und uns über verschiedene Polyend-Geräte und den Prozess des Entwickelns unterhalten.
Worum geht es? Interview mit Polyend-Chef Piotr Raczyński über Hardware-Workflows, KI, kreative Instrumente und die neue Polyend Drums.
- Polyend: Das polnische Unternehmen setzt auf Hardware-Instrumente mit eigener Identität und direktem Zugriff.
- Workflow: Piotr Raczyński sieht Beschränkungen nicht als Nachteil, sondern als kreativen Motor.
- KI: Beim Endless AI FX Pedal System soll KI Musiker unterstützen, aber nicht deren Kreativität ersetzen.
- Drums: Die neue Polyend Drums verbindet analoge Stimmen, digitale Engines, Samples und Performance-orientiertes Sequencing.
- Musikmachen: Im Zentrum steht für Piotr Raczyński der Spaß am Spielen und das Gefühl, von einem Instrument inspiriert zu werden.
Inhaltsverzeichnis
DelayDude:
Hallo Piotr. Schön, dich kennenzulernen. Ich hoffe, du hast eine gute Zeit hier auf der Superbooth.
Piotr:
Freut mich auch. Die Superbooth ist immer intensiv, aber im besten Sinne. Es ist eine der wenigen Messen, auf denen man Ingenieure, Musiker, Künstler, Synthesizer-Nerds und absolute Verrückte an einem Ort trifft. Genau unser Ding.
Vom Musiker zum Hersteller
DelayDude:
Du hast ursprünglich nicht als Geschäftsmann angefangen, sondern in erster Linie als Musiker und Klangexperimentator. Welche musikalischen Erfahrungen – oder Frustrationen – aus deiner Vergangenheit waren letztendlich der Auslöser für die Gründung von Polyend? Und welche dieser ursprünglichen Ideen finden sich noch heute in euren Geräten wieder?
Piotr:
Ich denke, die größte Frustration war, dass viele elektronische Instrumente eher auf Technologie als auf den Moment des Musizierens ausgelegt zu sein schienen.
Ich habe mich schon immer für Rhythmus, Wiederholung, Zufälle, Maschinen und die physische Interaktion interessiert. Ich hatte oft das Gefühl, dass die Tools entweder zu abstrakt oder zu wenig kontrollierbar waren. Man starrte auf einen Bildschirm, klickte herum und dachte wie ein Editor, anstatt wie ein Musiker zu spielen.
Polyend begann mit einer ganz einfachen Idee: Hardware sollte helfen, im musikalischen Moment zu bleiben. Sie sollte Struktur bieten, aber die Intuition nicht unterdrücken. Sie sollte tiefgründig sein, aber dennoch zum direkten Anfassen einladen.
Diese Idee steckt noch immer in allem, was wir tun. Tracker (der benutzerfreundlichste Tracker), Play (die spielbarste Groovebox überhaupt), Seq (ein intuitiver und direkter MIDI-Sequenzer), jetzt Endless (die angenehmste Open-Source-Plattform) und Drums (die spielbarste und gleichzeitig komplexeste Drum-Machine). Sie alle sind unterschiedlich, aber sie entspringen demselben Ziel: Geräte zu entwickeln, die zum Erkunden anregen, nicht nur zur Bedienung.
Hardware vs. DAW
DelayDude:
Von Anfang an positionierte sich Polyend bewusst gegen den klassischen „DAW-First“-Ansatz und entschied sich stattdessen für performanceorientierte Hardware-Workflows. Das war eine mutige Entscheidung, insbesondere bei Geräten wie dem Polyend Tracker. Warum ist der Tracker-Workflow deiner Meinung nach heute wieder so relevant – insbesondere in einer Zeit scheinbar grenzenloser Softwaremöglichkeiten?
Piotr:
Eine DAW ist natürlich unglaublich leistungsstark. Manchmal bietet sie aber so viele Optionen, dass die musikalische Idee verschwindet, bevor man sich überhaupt darauf festgelegt hat. Bei einem Tracker ist die Beschränkung Teil der Stärke. Man muss fokussiert sein. Man muss bewusst vorgehen. Der Workflow zwingt einen, Entscheidungen zu treffen, anstatt sie endlos aufzuschieben.
Es ist auch eine völlig andere Art, über Musik nachzudenken. Viele sind an eine horizontale Timeline gewöhnt, auf der die Musik von links nach rechts angeordnet ist. Ein Tracker ist vertikal, musterbasiert und sehr direkt. Man sieht Noten, Schritte, Samples, Werte. Es mag auf den ersten Blick fast primitiv wirken, aber genau deshalb kann es zu anderen Ergebnissen führen.
Und ich denke, deshalb entdecken die Leute Tracker heute wieder. Nicht aus Nostalgie. Sondern weil ein anderer Workflow zu anderer Musik führt. Tracker sind schnell, präzise und überraschend ausdrucksstark, sobald man die Logik verstanden hat.
DelayDude:
Beim Polyend Play fällt auf, wie tiefgreifend generative Kompositionsansätze integriert wurden – Funktionen wie Randomisierung, Fill-Mechanismen und die Performance-basierte Pattern-Manipulationen lassen es sich fast wie ein Instrument für kontrollierten Zufall anfühlen. Wie entwickelt ihr solche kreativen Funktionen bei Polyend? Entstehen sie eher aus praktischen musikalischen Experimenten im Studio oder aus technischer Forschung im Team?
Piotr:
Meistens beides, aber es beginnt fast immer mit einem musikalischen Problem. Wir setzen uns nicht hin und sagen: „Lasst uns eine generative Funktion hinzufügen, weil generative Musik gerade im Trend liegt.“ Es geht eher darum: „Wie können wir ein Pattern lebendig wirken lassen, ohne den Benutzer zu zwingen, jede noch so kleine Variation manuell zu programmieren?“
Viele dieser Ideen entstehen durch unsere eigene Nutzung der Geräte, durch das Beobachten von Künstlern bei deren Anwendung und durch ganz praktische Frustration im Studio. Man erstellt einen schönen Loop, aber nach einer Minute wird er langweilig. Die Frage ist also: Wie bietet man dem Musiker kontrollierte Instabilität? Wie schafft man es, Überraschungen zuzulassen und gleichzeitig dem Nutzer das Gefühl zu geben, für das Ergebnis verantwortlich zu sein?
Entwicklungsprozess neuer Geräte bei Polyend
DelayDude:
Viele Nutzer beschreiben Polyend-Geräte trotz ihrer technischen Komplexität als besonders „musikalisch“. Wie gelingt es euch im Entwicklungsprozess, ein Gleichgewicht zwischen umfassender Funktionalität und unmittelbarer kreativer Zugänglichkeit zu finden? Gibt es bei euch interne Prinzipien oder Designrichtlinien bezüglich Benutzeroberfläche und Arbeitsablauf?
Piotr:
Eine unserer Regeln ist, dass die erste Interaktion ohne Erklärung intuitiv verständlich sein muss. Natürlich verfügt ein komplexes Instrument immer über erweiterte Funktionen. Die Grundidee muss aber klar sein. Man sollte etwas berühren, ein Ergebnis hören und den Zusammenhang verstehen können.

Piotr Raczyński im Interview: „Eine unserer Regeln ist, dass die erste Interaktion ohne Erklärung intuitiv verständlich sein muss.“
Wir versuchen außerdem, das Kernerlebnis nicht hinter zu vielen Ebenen zu verstecken. Was für das Spielen wichtig ist, sollte sichtbar oder sehr übersichtlich an der Oberfläche sein. Wenn der Benutzer ein Handbuch benötigt, bevor er den ersten Ton erzeugen kann, stimmt etwas nicht.
Ein weiteres Prinzip lautet: Komplexität muss spielbar sein. Wir haben nichts gegen tiefgreifende Funktionen. Wir lieben tiefgreifende Funktionen. Aber sie sollten sich nicht wie Buchhaltung anfühlen. Sie sollten sich wie eine Performance anfühlen. Und genau das ist die schwierigste Aufgabe von allen. Das ist der Punkt, der bei der Entwicklung von „Drums“ unzählige Iterationen erforderte.
Polyend Medusa
DelayDude:
Mit der Polyend Medusa habt ihr ein Instrument geschaffen, das Sequencing, Performance und Sounddesign auf ungewöhnlich eng verzahnte Weise miteinander verknüpft.
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Rückblickend betrachtet: Welches waren die schwierigsten technischen oder konzeptionellen Herausforderungen, denen ihr euch während der Entwicklung stellen musstet? Und gibt es Funktionen, die aus heutiger Sicht vielleicht sogar ihrer Zeit voraus waren?
Piotr:
Die Medusa war ein sehr ambitioniertes Instrument. Vielleicht in mancher Hinsicht sogar zu ambitioniert – aber das meine ich durchaus liebevoll.
Tatsächlich fing alles ganz simpel an. Dreadbox fragte uns an, ob wir eines ihrer Synthesizer-Konzepte um einen herkömmlichen Sequenzer erweitern könnten. Doch weil wir nun einmal Polyend sind – und weil wir wahrscheinlich manchmal ein wenig zu ambitioniert sind –, begannen wir damit, all die anderen Dinge aufzulisten, die ebenfalls möglich wären.
Ein normaler Step-Sequenzer. Ein Performance-Grid. Modulationen pro Step. Expressive Steuerung. Unterschiedliche Wechselwirkungen zwischen dem Sequenzer und der Klangerzeugung. Die gemeinsame Arbeit von analoger und digitaler Klangerzeugung – ergänzt durch Wavetables, LFOs, Hüllkurven und vieles mehr. Irgendwann lag diese lange Liste voller Ideen vor uns. Und anstatt eine Auswahl zu treffen, beschlossen wir, sie alle umzusetzen.
Das war zugleich der schöne und der schwierige Teil. Konzeptionell war die Medusa nicht bloß „ein Synthesizer mit Sequenzer“. Der Sequenzer war integraler Bestandteil des Sounddesigns. Das Grid war integraler Bestandteil der Performance. Das Instrument versuchte, mehrere Welten miteinander zu verbinden, die normalerweise getrennt voneinander existieren.
Rückblickend glaube ich, dass einige Aspekte definitiv ihrer Zeit voraus waren. Die Idee des Sounddesigns auf Step-Ebene, der expressiven Interaktion über das Grid und der Auffassung von Sequencing als etwas, das dem Spielen nähersteht als dem Programmieren – all das wirkt heute sehr aktuell. Damals war es noch schwieriger zu vermitteln.
Die Medusa hat uns viel gelehrt. Sie hat uns gezeigt, wie weit man die Verbindung zwischen Benutzeroberfläche und Klang treiben kann. Es hat uns zudem gelehrt, dass eine noch so kraftvolle Idee in den Händen des Anwenders dennoch äußerst klar und verständlich sein muss.
Die Zukunft von Polyend
DelayDude:
Hardware-Instrumente erleben derzeit eine Renaissance ihrer kulturellen Bedeutung: Musiker suchen wieder verstärkt nach taktilen, fokussierten Arbeitsabläufen und Geräten mit einer ganz eigenen, unverwechselbaren Identität. Wo seht ihr die Rolle von Polyend in den kommenden Jahren – eher als Hersteller spezialisierter Instrumente, als Plattform für neue Produktionsmethoden oder vielleicht sogar als Gegenbewegung zur zunehmend algorithmusgesteuerten Welt der Musikproduktion?
Piotr:
Vielleicht all das zusammen – wobei ich es nicht im romantischen Sinne als „Gegenbewegung“ bezeichnen würde. Wir sind nicht gegen Software. Wir sind nicht gegen Algorithmen. Wir sind nicht gegen KI. Aber wir sind davon überzeugt, dass der Mensch nach wie vor einen physischen Berührungspunkt zur Musik benötigt. Etwas, das Grenzen, Charakter und Widerstand bietet.
Die Rolle von Polyend besteht darin, Instrumente mit einer starken Identität zu schaffen. Keine generischen Controller. Keine kryptischen Kistchen, die scheinbar alles können. Sondern Instrumente, die eine bestimmte Arbeitsweise nahelegen.
Gleichzeitig interessieren wir uns sehr für neue Produktionsmethoden. Ich liebe die Vorstellung, dass ein Instrument gemeinsam mit seinem Nutzer wachsen und sich weiterentwickeln kann. Nicht nur durch klassische Firmware-Updates, sondern durch neue Sounds, neue Effekte, neue Tools – und womöglich auch durch Inhalte, die der Nutzer selbst herunterladen, programmieren oder sogar mithilfe von KI generieren kann. Eine Plattform bereitzustellen, die es Menschen ermöglicht, ein bestehendes Instrument um neue Elemente zu erweitern, ist definitiv ein Ansatz, den wir weiterverfolgen möchten.
„Endless“ ist ein hervorragendes Beispiel für diese Ausrichtung. Das System nutzt zwar KI und Code-Generierung, doch das Endergebnis bleibt ein physisches Pedal mit drei Reglern und einem Fußschalter. Für uns lautet die Zukunftsfrage also nicht „Hardware gegen Software“. Es geht vielmehr darum, Technologie gezielt einzusetzen, um persönlichere und unmittelbarere Instrumente zu erschaffen.
Die Gefahr bei algorithmischen Musik-Tools besteht darin, dass sie dazu neigen, alles auf ein durchschnittliches Niveau zu nivellieren. Unser Ziel ist genau das Gegenteil: Wir möchten, dass Technologie den Menschen dabei hilft, außergewöhnlichere, persönlichere und unverwechselbarere musikalische Werke zu schaffen.
KI als Teil eines Polyend-Effektgeräts
DelayDude:
Auch KI spielt eine Rolle in eurer Arbeit. Kannst du uns etwas mehr über das „Endless AI FX Pedal System“ erzählen? Wie kam es zu dessen Entwicklung? Welche Herausforderungen musstest du dabei meistern, und wie beurteilst du den Einsatz von KI in der Musikwelt ganz allgemein?
Piotr:
Endless entstand aus einer sehr einfachen Beobachtung: Viele Musiker können den Effekt beschreiben, den sie sich wünschen, doch nur sehr wenige sind in der Lage, diese Idee in DSP-Code umzusetzen.
Es klafft eine große Lücke zwischen Vorstellung und Realisierung. Man könnte etwa sagen: „Ich möchte ein Delay, das mit jeder Wiederholung körniger wird – versehen mit einem Fußschalter, der den Buffer einfriert.“ Das ist eine klare musikalische Idee. Doch normalerweise bräuchte man einen DSP-Entwickler, um sie zu realisieren.

Piotr Raczyński (Polyend): „Generell finde ich KI in der Musik dann interessant, wenn sie das erweitert, was Menschen erschaffen können.“
Die Grundidee hinter Endless besteht nun darin, dass man den gewünschten Effekt in natürlicher Sprache beschreibt und das System dabei hilft, diese Beschreibung in einen funktionierenden Effekt für das Pedal zu verwandeln. Es ist nicht bloß ein Chatbot. Es muss Code generieren, kompilieren, validieren und etwas erschaffen, das auf dedizierter Hardware in Echtzeit laufen kann.
Eine der größeren Herausforderungen bestand darin, das System dazu zu bringen, unsere eigene DSP-Bibliothek auf sinnvolle Weise zu nutzen. Wir wollten nicht, dass es jedes Mal alles komplett neu erfindet. Wir wollten, dass es auf unserer jahrelangen Arbeit an Effekten, Klangverarbeitung und Embedded Audio aufbaut und diese Bausteine dann – basierend auf der Idee des Benutzers – auf neue Weise kombiniert.
Das war der schwierige Teil. Audio ist unbarmherzig. Auf der Bühne darf es keine Glitches, Abstürze, enormen Latenzen oder unvorhersehbares Verhalten geben. Eine KI kann Vorschläge machen, aber das Endergebnis muss sich wie ein Instrument verhalten.
Generell finde ich KI in der Musik dann interessant, wenn sie das erweitert, was Menschen erschaffen können. Ich interessiere mich weitaus weniger für KI, die Künstler kopiert oder mit nur einem Klick generische Musik erzeugt. Das finde ich nicht spannend.
Bei Endless besteht das Ziel nicht darin, Kreativität zu ersetzen. Das Ziel ist vielmehr, es jemandem zu ermöglichen, genau jenen eigenwilligen Effekt zu realisieren, den er im Kopf hat – selbst wenn er keinen C++-DSP-Code schreiben kann.
Die Frage aller Fragen
DelayDude:
Gibt es eine Interviewfrage, die du schon immer einmal beantworten wolltest, die dir aber noch nie jemand gestellt hat?
Piotr:
Vielleicht: „Warum ist Hardware so schwierig?“
Die Leute sehen oft nur das fertige Produkt und denken, es bestehe im Wesentlichen aus einer Idee, einem Design und ein paar Funktionen. Aber Hardware ist brutal. Man hat es mit Elektronik, Mechanik, Software, Lieferketten, Fertigung, Tests, Support, Firmware-Updates, Zertifizierungen, Ausfällen und Verzögerungen zu tun. Alles muss in der realen Welt reibungslos zusammenarbeiten. Wenn auch nur ein Puzzleteil fehlt, gibt es kein Produkt.
Ein Plugin lässt sich fünfmal pro Woche aktualisieren. Bei Hardware wird jede Entscheidung physisch greifbar: die Position eines Reglers, ein Anschluss, ein Bildschirm, die Wahl eines Bauteils, eine Toleranz. Jedes Detail zählt.
Vielleicht lautet die Frage, die sich meiner Meinung nach mehr Leute stellen sollten, also nicht: „Was kann das Gerät?“ – sondern vielmehr: „Was war alles nötig, um dieses Produkt Wirklichkeit werden zu lassen?“
DelayDude:
Gibt es ein Gerät eines anderen Herstellers, von dem du dir wünschst, Polyend hätte es entwickelt?
Piotr:
Eigentlich nicht. Es gibt viele Instrumente, die ich bewundere, aber ich denke dabei normalerweise nicht: „Ich wünschte, wir hätten das gemacht.“ Jedes gute Instrument ist das Ergebnis eines ganz bestimmten Unternehmens, Teams, Augenblicks und einer Reihe von Entscheidungen.
Was ich wirklich bewundere, sind Instrumente mit einer klaren Haltung – Geräte, die nicht versuchen, es jedem recht zu machen, sondern ihren ganz eigenen Workflow und ihre eigene Welt erschaffen.
DelayDude:
Findest du eigentlich noch Zeit, selbst Musik zu machen?
Piotr:
Ein Unternehmen zu leiten, das Instrumente herstellt, ist schon kurios: Man ist ständig von Musik umgeben, hat aber nicht immer die Zeit, selbst Musik zu machen. Dennoch versuche ich es immer wieder. Und was mir dabei besonders gefällt, ist die Tatsache, dass mich die verschiedenen Produkte immer wieder in unterschiedliche musikalische Phasen entführen.
Wenn wir am Tracker arbeiten, denke ich ganz automatisch in ganzen Tracks und Arrangements. Bei Mess und Endless spiele ich deutlich mehr Gitarre. Beim Synth vertiefe ich mich in das Erstellen von Synthesizer-Parts und Klangtexturen. Und jetzt, beim Drums, verbringe ich wieder mehr Zeit damit, Beats zu bauen und mich intensiv mit Rhythmus zu beschäftigen.
Ich mag diese Abwechslung. Sie hält die Verbindung zur Musik auf ganz unterschiedliche Weise lebendig. Dabei geht es nicht immer darum, einen Song fertigzustellen. Manchmal geht es einfach darum, spät nachts ein Gerät zu testen, einen Loop zu erstellen, eine Idee auszuprobieren – oder schlichtweg zu erspüren, ob das Instrument einen dazu einlädt, weiterzumachen.
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Und genau das ist enorm wichtig. Würden wir den Kontakt zu diesem Gefühl des Musikmachens gänzlich verlieren, würden unsere Produkte darunter leiden. Man muss sich immer wieder ins Gedächtnis rufen, wie es sich anfühlt, vor einem Gerät zu sitzen – und sich dabei entweder inspiriert oder blockiert zu fühlen. Dieses Gefühl ist der wahre Prüfstein.
Piotr Raczyńskies Gear für die einsame Insel
DelayDude:
Welche drei Geräte würdest du mit auf eine einsame Insel nehmen – vorausgesetzt natürlich, es gäbe dort eine Stromversorgung?
Piotr:
Ich würde drei sehr unterschiedliche Instrumente mitnehmen.
Als Erstes den Tracker Mini. Er verfügt über ein integriertes Mikrofon; so könnte man selbst auf einer einsamen Insel seinen eigenen Sample-Fundus direkt aus der Umgebung schöpfen: Meeresrauschen, Steine, Insekten, die eigene Stimme – einfach alles, was einen umgibt. Das liefert einem schier endloses kreatives Material. Und dank des Tracker-Workflows ließe sich daraus komplette Musikstücke formen.
Als Zweites: ein Klavier. Es ist wohl eines der großartigsten Interfaces, die je geschaffen wurden. Auf den ersten Blick wirkt es ganz simpel, doch es birgt unendliche Möglichkeiten in puncto Harmonik, Komposition, Dynamik und Klangfarben. Man könnte sein ganzes Leben davor verbringen und würde dennoch immer wieder Neues entdecken.
Und drittens: Die Yamaha TAG3 C-Gitarre ist wahrscheinlich mein liebstes akustisches Instrument. Dieses Modell ist besonders interessant, da es eine großartige Gitarre mit einem Looper kombiniert. Ich liebe Looper. Ich liebe es, Harmonien und Akkordfolgen Schicht für Schicht aufzubauen. Yamaha hat hier ein wirklich cleveres System entwickelt, das akustisches Loopen ermöglicht – und die Gitarre selbst klingt einfach fantastisch. Es ist ein brillantes Instrument.
Und natürlich könnte ich das Klavier und die Gitarre auch im Tracker Mini sampeln!
Polyend Drums auf der Superbooth 2026
DelayDude:
Auf der SuperBooth 2026 habt ihr die neuen Polyend Drums vorgestellt. Könntest du uns etwas mehr darüber erzählen – und vor allem: Was macht sie so besonders?
Piotr:
Die Drums sind wahrscheinlich das ambitionierteste Instrument, das wir je entwickelt haben. Die Idee war, eine Drum Machine zu bauen, die Unmittelbarkeit mit echter Tiefe verbindet. Viele heutige Drum Machines fallen alle in eine von zwei Kategorien: Sie sind entweder sehr unmittelbar, aber begrenzt, oder sehr leistungsstark, aber kompliziert. Wir wollten beides: Etwas, das man sofort versteht, in das man aber dennoch über Jahre hinweg hineinwachsen kann.
Es verfügt über acht Spuren, und jede dieser Spuren kann entweder mit analogen Stimmen, digitalen Engines oder Samples arbeiten. Die analoge Seite ist uns dabei sehr wichtig. Wir verwenden moderne, hochwertige Komponenten, doch unser Ziel ist nicht die bloße Nachahmung von Vintage-Equipment. Unser Ziel ist ein kraftvoller, physischer und moderner Drumsound, der dennoch ein gewisses „Oldschool“-Flair vermitteln kann.
Auch der Sequenzer nimmt eine zentrale Stellung ein. Es handelt sich hierbei nicht bloß um ein Soundmodul, dem einfach ein paar Patterns angehängt wurden. Sequencing, Modulation, Performance-Tools, Effekte und Sounddesign sind hier untrennbar miteinander verknüpft.
Und dann ist da noch das physische Objekt an sich. Drums besteht aus einem einzigen, massiven Aluminiumblock. Die Regler und Taster sind eigens für dieses Gerät gefertigt. Es ist ein äußerst solides, ernstzunehmendes Instrument. Nicht etwa, weil es teuer aussehen soll, sondern weil wir wollten, dass es sich wie ein Instrument anfühlt, dem man voll und ganz vertrauen kann.
Was es meiner Meinung nach so besonders macht, ist die Tatsache, dass es eine enorme Tiefe bietet, ohne dabei einschüchternd zu wirken. Man kann sofort damit beginnen, einen Beat zu erstellen. Doch sobald man tiefer in die Materie eintauchen möchte, stehen einem unzählige Möglichkeiten direkt zur Verfügung.
DelayDude:
Gibt es noch etwas, das du den Leuten da draußen gerne mit auf den Weg geben würdest?
Piotr:
Ja. Ein herzliches Dankeschön. Polyend ist kein riesiger Konzern. Wir sind ein kleines Team aus Polen, das Instrumente für Menschen auf der ganzen Welt entwickelt. Jedes Mal, wenn jemand eines unserer Geräte in einem Track, auf der Bühne, im Studio oder im eigenen Schlafzimmer einsetzt – das bedeutet uns unglaublich viel.
Und vielleicht noch eine kleine Anmerkung: Musikmachen sollte vor allem Spaß machen. Manchmal erweckt das Internet jedoch den Eindruck, als sei alles nur noch ein einziger Wettstreit. Welche Maschine ist besser? Welcher Workflow ist falsch? Welches Feature fehlt? Und wer darf überhaupt was benutzen?
Ich glaube, wir könnten alle ein wenig entspannter sein. Es sind schließlich nur Instrumente. Wenn unser Gerät euch anspricht, ist das fantastisch – und wir sind zutiefst dankbar dafür. Wenn nicht, ist das ebenfalls völlig in Ordnung. Es gibt da draußen so viele großartige Instrumente. Findet einfach dasjenige, das in euch die pure Lust am Musikmachen weckt.
DelayDude:
Vielen herzlichen Dank für das Interview und bis zum nächsten Jahr auf der Superbooth!




























Polyend Produkte sind aktuell nicht meine Produkte, aber was nicht ist kann ja noch werden! Der Satz: […] Was kann das Gerät?“ – sondern vielmehr: „Was war alles nötig, um dieses Produkt Wirklichkeit werden zu lassen?“ […] Genial! Ich habe mir darüber noch nie wirklich Gedanken gemacht. Die Hardware sollte man vielleicht mehr würdigen. Nichtsdestotrotz verwirren mich Hardwarepreise nachwievor. Bestes Beispiel: Original vs. Behringer. Der Sound ist immer derselbe. Warum kostet dann so manches Original das 10-Fache (konkret am Beispiel Poly D)? Ich verstehe es nicht! Auch die billigen T-Shirts vs. teure Marke werden zu Beginn an in der gleichen ekligen Firma gefertigt, nur das finish ist getrennt. Muss man nicht verstehen – ich tu es schließlich auch nicht! Ich würde es ansonsten sicherlich mehr würdigen. Daher, schaut immer woher eure Produkte kommen. Es ist wirklich wichtig!
@Filterpad Das was Du nicht verstehst, hat in vielen Bereichen wahrscheinlich mit Lifestyle und Status zu tun. Du kaufst nicht nur ein schnödes Stück Hardware oder Kleidungsstück, sondern ein Statussymbol, bzw. präsentierst damit einen Lebensstil. Der ikonische Name auf dem Produkt macht dann den Preis.
@Filterpad Es gibt Hersteller, deren T-Shirts womöglich aus dem gleichen Laden kommen. Ich habe welche, die aus dem letzten Jahrtausend sind und trotzdem noch in Form, aber auch welche, die kein Jahr durchhielten. Aber wir sind off topic.
@Filterpad Es gibt halt Dinge, die über reine technische Aspekte hinausgehen. Mein Lieblingsbeispiel Nord Keyboards. Was bekommst du technisch?
– Sampling, das jedes Produkt um 1000€ besser kann
– kleiner Speicher
– abgespeckter Synth, der selbst Synths um 300-500€ nicht das Wasser reichen kann
– ausgewählte Effekte, die von jeder Billig-Workstation in den Schatten gestellt werden
– ein sehr eingeschränktes Feature-Set
Was du außerdem bekommst:
– die wohl beste Verarbeitung am Keyboard-Markt bis in eine Preisklasse von fast 4000€, selbst bei einem Electro
– trotzdem geringes Gewicht
– sehr gute Werks-Sounds, die man immer einsetzen kann, keine effektüberladenen unnützen Presets für 1-Finger-Spieler
– qualitativ hochwertige Samples kostenlos zum Herunterladen
– Hands-on Bedienoberfläche, die jeder auch ohne Anleitung versteht
– live-taugliches Design, das sich auch im Dunkeln blind bedienen lässt
– ein nahezu zeitloses Instrument, bei dem man nicht nach vier Wochen auf ein Firmware Update wartet
Insbesondere für Profis ist der zweite Block wichtiger als der erste, den auch sehr viel günstigere Produkte erfüllen. Dafür zahlt man dann eben doch 1000-1500€ mehr als bei der Konkurrenz, je nach Tastaturversion sogar noch mehr.
Nur für das Studio würde ich mir aber niemals ein Nord Keyboard kaufen, sondern für den häufigen (mindestens wöchentlichen) Bühneneinsatz. Das ist wie mit Arbeitskleidung, die man auch nicht billig einkauft.
Schön hier von Polyend zu lesen. Endlich eine mutige europäische Firma die sich getraut hat, einen Hardware Tracker zu bauen. Er ist sehr gut geworden.
Danke, Polyend ,dafür. Ich hab meinen Kanal voller Videos mit dem Teil:
https://youtu.be/o7EgdArHRTI?is=t2qFB8AvCkZHotMW
Und ich habe bereits 3 Alben nur mit dem Tracker gemacht:
Entdecke Tracker-Musik 3 von Music Operator auf Amazon Music
https://music.amazon.de/albums/B0GWQWHJJH?ref=dm_sh_IT5f1Zf2A5Xmi7tDNuUxZfjSd
Entdecke Soundtracker Noisetracker Musictracker von Music Operator auf Amazon Music
https://music.amazon.de/albums/B09TMX429Q?ref=dm_sh_t7ahZ4UPmoFOnqvYGapbLeY5S
Sry für die Verlinkerei, mach ich sonst nicht. Aber hier mach ich das mal ganz stolz mit meiner Polyend-Tracker Musik. Hehe…..ja danke