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Interview: Ralf Hildenbeutel, from Techno to Score


Von Sven Väth bis Filmmusik

Peter:
Ich habe mir natürlich damals schon die Frage gestellt, welchen Anteil Sven tatsächlich an Euren gemeinsamen Produktionen hatte. Immerhin stand sein Name über Euren Scheiben – und Deiner höchstens kleingedruckt im Booklet.

Ralf:
Nach außen muss man sich das vielleicht so, wie eine klassische Aufteilung vorstellen: Er der Künstler an der Front, ich der Produzent im Background. Im Studio haben wir alles komplett zusammen erarbeitet, doch während ich dann mehr in die Produktionsdetails involviert war, hat er das Ganze nach draußen getragen.

Erinnerungen an Eye Q Records, 2016 in Ralfs Studio

Erinnerungen an Eye Q Records, 2016 in Ralfs Studio

Peter:
Der DJ, der einem Komponisten erklärt, wie er sich die Musik vorstellt, ist ja noch lange kein Komponist. Wenn ein Regisseur einem Filmkomponisten erklärt, wie er sich den Score vorstellt, steht am Ende natürlich trotzdem der Name des Komponisten auf dem Plakat. Wie siehst Du das?

Ralf:
Sven ist zwar kein klassischer Instrumentalist, doch wir haben unsere eigene Sprache entwickelt und er verstand es sehr gut, mir seine Ideen zu vermitteln. Ich alleine hätte damals nicht solche Alben gemacht, ich habe natürlich auch viele Soloalben gemacht, doch klingen die alles anders. Alleine dadurch erkennt und hört man den Einfluss eines Mitschaffenden. Wenn Du Melodien vorsingst, Beats mitprogrammierst, Soundauswahlen mitbestimmst etc. ist das schon ein Unterschied zu einem Regisseur, der Dir eine Grundstimmung vermittelt. Regisseure sind ja in der Regel auch nicht die ganze Zeit mit im Studio (es sei, sie sind selbst Musiker). Sie hören, was Du gemacht hast, dann wird Feedback gegeben, dann machst Du weiter.

Peter:
1992 erschien Svens erstes Soloalbum ACCIDENT IN PARADISE, bei dem du bereits maßgeblich mitgewirkt hast. Eigentlich entsprach das Album nicht der Musik, mit der Sven in Clubs bekannt wurde. Das Ganze war sicher irgendwie Technoid, aber mit deutlich mehr Melodie-Anteilen. Wie kam es zu diesem Stilwechsel?

Ralf:
Ich würde es gar nicht so als Stilwechsel bezeichnen. Es entstand in einer Zeit, in der neben dem Clubtechno auch stark die elektronische „Nicht-Club-Musik“ am wachsen war, der ganze Ambient- und Downbeatkram. Denkt man alleine an so Alben wie die von „The Orb“ oder „Orbital“ usw. Hinzu kommt, dass Sven ein musikalischer Mensch mit einem weitgefächerten Background ist. Es war das Größte für uns beide, aus allen musikalischen Bereichen Elemente einfließen zu lassen, wo wiederum mein musikalischer Background sicherlich geholfen hat. Wir verwendeten neben Fieldrecordings, welche Sven in Indien machte, den ganzen Synthies und Samples eben auch echte Flöten, eingespielte Cembalo Sequenzen, einen Violinist etc. etc., es gab keine Grenzen, wir konnten uns einfach austoben, das war das Tolle an der Zeit.

Selbstverständlich heute noch, ein Piano in Ralfs Studio

Selbstverständlich heute noch, ein Piano in Ralfs Studio

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  1. Profilbild
    Kosh ••••

    danke für das interview :) väth war nie so mein fall, aber ralf hildenbeutel und stevie b-zet mochte ich schon immer sehr gern. über ein stevie b-zet interview würde ich mich auch sehr freuen :)

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    thehtech

    Ob Earth Nation, Cygnus X oder Barbarella. Ralf Hildenbeutel hat maßgeblich zu meiner musikalischen Selbstsozialisation beigetragen. Vielen Dank für das schöne Interview!

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    TobyB RED

    Sehr schönes Interview Peter und Ralf. Einen Korg MS2000r der über einem Matrix trohnt und im Hintergrund ein klavier sieht man nicht alle Tage!

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    8-VOICE AHU

    Danke für das gelungene Interview. Es würde mich freuen mehr Interviews von div. Produzenten zu lesen. Interessieren würden mich am meisten kommerzielle 90s Eurodance / Dancefloor Projekte wie 2unlimited, Magic Affair, Snap, Erotic und wie sie alle heissen….

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    Kyotonic AHU

    Techno Techno Techno Techno! Der Hildenbeutel war schon etwas anders als Sven Väth. Auch zu erkennen am wahnsinnigen Blick. Harlequin, Robot und der Ballet Dancer habe ich noch im Schrank. Damals habe ich die CD ungehört gekauft und war etwas vom Konzept überrascht. Etwas härter war mir damals lieber. Da müsste auch noch ein Video existieren wo Sven am Mischpult vom Ralf Tracks an und ausschaltet. Er ist halt mehr DJ und der Szenetyp. Lebt der eigentlich noch? ;) Zuletzt hatte ich mal ein Set von ihm mit Ritchie Hawtin in Berlin gesehen. Mann waren die beiden drauf. Meine Musik waren die EyeQ Veröffentlichungen nie so….. Important Rec. zu der Zeit eher. ACID will never die! https://www.youtube.com/watch?v=vBJ5SawQJnA&list=PLJIxXS2S45dbXmMrqCgTQcANGGzubXEnA&index=2

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    tomk ••

    Dem Gedankengang folgend: Wow … wer hat das den produziert – stand damals sehr oft Ralf Hildenbeutel. Meistens war es für meinen Geschmack zu kommerziell, tat aber dem gehörten Können keinen Abbruch.
    Interessant zu lesen!

  7. Profilbild
    Kyotonic AHU

    Was würde ich nochmal für diese Zeit mit Atari geben! :) Damals konnte man noch mit dem Aufzug in einen Kellerclub fahren und bekam vom Türsteher zwei komische Pillen in die Hand gedrückt. Der Rest ist Geschichte…. Der Unterschied zu Sven und dem Rest, er hat nie aufgehört so zu leben. Bei ihm ist das wie mit Lemmy. Zum Nachahmen nicht empfohlen. ;)

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