AMAZONA.de

Interview: Ralf Hildenbeutel, from Techno to Score


Von Sven Väth bis Filmmusik

Peter:
Wie erfolgreich war das Konzept? Hattet ihr Chart-Erfolge?

Ralf:
Wir haben sehr gezielt und effektiv gearbeitet und produziert, dadurch konnten wir glücklicherweise sehr große Erfolge erzielen. Laith Al-Deen war damals einer der erfolgreichsten deutschen Künstler mit mehreren Top 5 und einem Top 1 Alben, von den ersten drei Yvonne Catterfeld Alben waren zwei Top 1 und eins Top 2 und das Simon Collins Album hatte einen beachtlichen Debüt-Chart-Erfolg. Auch das reine Songwriting für nationale wie internationale Künstler lief sehr gut und mit diversen Chart-Platzierungen. Ich finde ja, gute Songs zu schreiben, zu produzieren und diese dann erfolgreich zu veröffentlichen, ist kein einfaches Ding und hat absolut seinen Reiz. Nur auf Dauer wurde es mir dann irgendwann doch zu eintönig, fehlte mir etwas.

Preisverleihung in New York 1996

Preisverleihung des Gold Medal Award, New York Festivals 1996 für Hommage à Noir

Peter:
Nochmal ein kleiner Rückschritt. 1996 hast du den Soundtrack zu Hommage à Noir geschrieben. Oder anders gesagt, Ralf Schmerberg hat einen überlangen Music-Clip zu Deinem Album Hommage à Noir produziert. Wie kam’s?

Ralf:
Ralf Schmerberg hatte den Film gemacht und schon fertig geschnitten. Er überlegte erst, den Film mit zusammengestellter, lizensierter Musik zu unterlegen, doch wollte er dann lieber eine auf den Film eigens komponierte Musik haben. Ihm gefielen die Veröffentlichungen auf dem Recylce or Die Label sehr gut und so kam man zusammen. Es war eine sehr intensive Arbeit, da der Film keine Worte oder Dialoge enthält, sondern nur durch die Bilder und Musik wirkt.

Peter:
Ich fand das Album sehr gelungen. Einige der Stücke auf der CD enthalten mir aber zuviel Ambient – und damit meine ich nicht die Musikrichtung, sondern Geräusche etc. und zu wenig Musik. Habt ihr einfach den gesamten Audiotrack des Films auf die CD gebannt?

Ralf:
Der Film ist so was wie eine „Art-Docu“ über Afrika, rein in Schwarz/Weiß gedreht. Ralf Schmerberg und Team waren an vielen unnahbaren Stellen, filmte Könige bei Ritualen, Märkte, Maskenmänner usw. Alles sollte auf den Zuschauer ohne Kommentierung oder Dialoge wirken. An den Drehorten machte der Tonmann aber immer Aufnahmen und eine Menge Fieldrecordings und so bekam ich dann irgendwann den riesen Stapel DAT-Tapes zum Auswerten übergeben. Die Idee entstand, dass Musik und O-Töne zu einer Einheit verschmelzen sollten, dadurch wurden die Originalaufnahmen fester Bestandteil der Komposition, viele Titel würden ohne die Atmosphären wahrscheinlich total anders wirken, auch wenn es beim reinen Hören des Soundtracks manchmal viel erscheinen mag. Es gab dann aber in der Tat für den Film nur einen reinen Stereo-Mix, in dem alles fertig gemischt war, also keine klassische Filmmischung. Immerhin gab’s für die Musik und Audiomischung dann sogar den Gold Medal Award auf den New York Festivals, dickes Ding für mich damals.

< 1 2 3 4 5 6 7 8 >

  1. Profilbild
    Kosh ••••

    danke für das interview :) väth war nie so mein fall, aber ralf hildenbeutel und stevie b-zet mochte ich schon immer sehr gern. über ein stevie b-zet interview würde ich mich auch sehr freuen :)

  2. Profilbild
    thehtech

    Ob Earth Nation, Cygnus X oder Barbarella. Ralf Hildenbeutel hat maßgeblich zu meiner musikalischen Selbstsozialisation beigetragen. Vielen Dank für das schöne Interview!

  3. Profilbild
    TobyB RED

    Sehr schönes Interview Peter und Ralf. Einen Korg MS2000r der über einem Matrix trohnt und im Hintergrund ein klavier sieht man nicht alle Tage!

  4. Profilbild
    8-VOICE AHU

    Danke für das gelungene Interview. Es würde mich freuen mehr Interviews von div. Produzenten zu lesen. Interessieren würden mich am meisten kommerzielle 90s Eurodance / Dancefloor Projekte wie 2unlimited, Magic Affair, Snap, Erotic und wie sie alle heissen….

  5. Profilbild
    Kyotonic AHU

    Techno Techno Techno Techno! Der Hildenbeutel war schon etwas anders als Sven Väth. Auch zu erkennen am wahnsinnigen Blick. Harlequin, Robot und der Ballet Dancer habe ich noch im Schrank. Damals habe ich die CD ungehört gekauft und war etwas vom Konzept überrascht. Etwas härter war mir damals lieber. Da müsste auch noch ein Video existieren wo Sven am Mischpult vom Ralf Tracks an und ausschaltet. Er ist halt mehr DJ und der Szenetyp. Lebt der eigentlich noch? ;) Zuletzt hatte ich mal ein Set von ihm mit Ritchie Hawtin in Berlin gesehen. Mann waren die beiden drauf. Meine Musik waren die EyeQ Veröffentlichungen nie so….. Important Rec. zu der Zeit eher. ACID will never die! https://www.youtube.com/watch?v=vBJ5SawQJnA&list=PLJIxXS2S45dbXmMrqCgTQcANGGzubXEnA&index=2

  6. Profilbild
    tomk ••

    Dem Gedankengang folgend: Wow … wer hat das den produziert – stand damals sehr oft Ralf Hildenbeutel. Meistens war es für meinen Geschmack zu kommerziell, tat aber dem gehörten Können keinen Abbruch.
    Interessant zu lesen!

  7. Profilbild
    Kyotonic AHU

    Was würde ich nochmal für diese Zeit mit Atari geben! :) Damals konnte man noch mit dem Aufzug in einen Kellerclub fahren und bekam vom Türsteher zwei komische Pillen in die Hand gedrückt. Der Rest ist Geschichte…. Der Unterschied zu Sven und dem Rest, er hat nie aufgehört so zu leben. Bei ihm ist das wie mit Lemmy. Zum Nachahmen nicht empfohlen. ;)

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.

Über den Autor

Bewertung

Interview: Ralf Hildenbeutel, from Techno to Score

Bewertung: 0 Sterne Bewertung des Autors
Leserbewertung: 5
Jetzt anmelden und dieses Produkt bewerten.
Superbooth 2017 - alle News und Highlights

Aktion