Interview: Ralf Weigand, Aufsichtratsvorsitzender GEMA

3. November 2018

Die coole Socke von der GEMA

Im Streaming-Zeitalter kämpfen viele Musikschaffende mit verschwindend geringen Einnahmen. Was muss getan werden damit Musiker und Songwriter in Zukunft noch von ihrer Kunst leben können? Kann die GEMA, die ja eine Vereinigung von Songwritern ist, hier als Kollektiv gegensteuern und Impulse gegen den Werteverfall setzen? In der Vergangenheit gab es viel Kritik und YouTube hat die GEMA jahrelang als Buhmann stigmatisiert.
Seitdem Ralf Weigand das Ruder im Aufsichtsrat der GEMA übernommen hat, weht dort ein frischer Wind. Der ist auch dringend notwendig um in Zeiten von Streaming, YouTube und KI auf eine sich komplett verändernde Medienlandschaft reagieren zu können.
Ralf kommt aus der Popmusik, betreibt zwei Studios in Berlin und München und hat unter anderem die Sportfreunde Stiller, Bananafishbones und Mike Oldfield produziert. Er ist Liebhaber von analogem Vintage-Equipment und neben seinem Engagement bei der GEMA sitzt er auch im Aufsichtsrat der Initiative Musik, einer der größten Musikförderungen in Deutschland.
Unser Autor Raphael Tschernuth hat sich mit ihm in Berlin für ein Gespräch getroffen.

Raphael:
Hallo Ralf, ich falle gleich mal mit der Tür ins Haus. Synthesizer oder Gitarre?

Ralf:
Puh gar nicht so leicht. Beides! Also wenn ich nur eins auf ’ne einsame Insel mitnehmen dürfte, dann wahrscheinlich eine E-Gitarre. Aber nur, weil damit halt letztlich doch irgendwie ein radikalerer musikalischer Ausdruck möglich ist als mit dem Keyboard. Eigentlich komme ich aber von Klavier und Synthesizer.

Interview Ralf Weigand

Raphael:
Hast du eine Gitarre, die anders ist als die anderen?

Ralf:
Ja, die Jaguar, meine alte Fender von Anfang der 70er Jahre. Ein wahnsinnig tolles Instrument und das Tremolo ist sehr speziell. Die liebe ich. Aber Bassspielen auf meinem PJ Bass macht mir auch total Spaß. Meistens spiele ich deshalb die Bassspuren auch selbst ein.

Raphael:
Hast du auch noch ein Mikro für die einsame Insel?

Ralf:
Ja, das vom Andreas Grosser …

Raphael:
Der Nachbau vom U-47?

Ralf:
Ja, genau. Es ist sensationell.

Interview Ralf Weigand

Ralf an seinem analogen Trident Mischpult

Raphael:
Noch bist du ja nicht auf einer einsamen Insel, sondern sitzt mitten drin im Aufsichtsrat der GEMA. Was ist da deine Aufgabe?

Ralf:
Also der Aufsichtsrat repräsentiert die GEMA Mitglieder, um den Vorstand und das operative Geschäft der GEMA zu beaufsichtigen. So wie bei einer klassischen AG, wo der Aufsichtsrat die Aktionäre vertritt, so vertreten wir hier die Interessen der 72.000 Mitglieder.

Raphael:
Kannst du da „nur“ überwachen oder kannst du da auch aktiv mitgestalten?

Ralf:
Schon auch zweiteres, natürlich in gewissen Grenzen. Auch das ist ähnlich wie in der Industrie. Grobe Richtlinien und operative Fakten wie zum Beispiel Strategie oder auch die Jahresergebnisse werden beobachtet und daraufhin werden Vorstellungen und Ideen vorgetragen, die den Mitgliedern wichtig sind. Was muss man strategisch verändern? Wo sind die Kritikpunkte? Was kann man zum Beispiel im Service verbessern? Es ist auch unsere Aufgabe, dass die GEMA besser wird und dass neue Ideen entwickelt werden. Die operativen und rechtlichen Details, die Prüfung der Machbarkeit und die Umsetzung ist dann Sache des Vorstands.

Raphael:
Die Arbeit, die ihr im Aufsichtsrat macht ist ehrenamtlich, richtig? Warum ist das so? Der Vorstand verdient ja, verglichen zum Durchschnittsgehalt eines Musikers, auch recht gut.

Ralf:
Ja, wir arbeiten im Aufsichtsrat alle ehrenamtlich. Bezüglich Vorstand muss man sagen, das mittlerweile die Vorstandsgehälter in der Industrie in den letzten Jahrzehnten durch die Decke gegangen sind und wir uns so etwas bei der GEMA niemals leisten könnten. Die Vorstände, die für uns arbeiten sind deshalb schon auch irgendwie „Maniacs“, weil sie eine ganz harte Arbeit machen für weniger Geld, als sie woanders verdienen könnten oder was heute bei vergleichbaren Aufgaben am Markt als angemessen erachtet wird. Was Herr Dr. Heker (Vorstand der GEMA Anm. d. Red.) und seine Vorstandskollegen leisten, das ist schon sehr beachtlich.

Raphael:
Inwiefern beachtlich?

Ralf:
Das ist ein Full-Time Job, der durchaus stressig ist und der gesamte Vorstand macht in meinen Augen eine sehr gute Arbeit. Die tragen auch alle eine große Verantwortung.

Raphael:
Und warum tust du dir diese sicherlich auch sehr anspruchsvolle Arbeit als Aufsichtsratsvorsitzender an? Geld kann ja dann nicht der Grund sein.

Ralf:
Nein, Geld ist nicht der Grund. Die Mitglieder des Aufsichtsrats bekommen Auslagen erstattet und ein moderates Tagegeld für Sitzungen, damit niemand draufzahlen muss. Aber keiner soll und kann sich durch die Arbeit im Aufsichtsrat bereichern. Es soll keine Bezahlung sein.

Raphael:
Warum ist das jetzt anders als bei einer AG? Dort verdienen sich die Aufsichtsräte ja teilweise auch dumm und dämlich.

Ralf:
Zunächst ist es ja so, das die GEMA ein Verein ist. Auch in kleineren Vereinen ist die Idee die, dass die Arbeit, beispielsweise als Kassenwart, ehrenamtlich ist. Das wollten wir so beibehalten. Bei Industriekonzernen mit einem vergleichbaren Umsatz von einer Mrd. Euro verdienen die Aufsichtsräte natürlich sehr viel Geld. Bei uns gilt aber das Vereinsprinzip und es gibt Solidarität gegenüber den Kolleginnen und Kollegen. Man macht das nicht aus monetären Gründen, sondern weil man den ehrenamtlichen Einsatz für richtig und eine gute Sache hält. Dies gilt übrigens auch für alle großartigen Kolleg*innen in den gewählten Ausschüssen und Kommissionen.

Interview Ralf Weigand

In seinem Studio befindet sich noch viel „Outboard“

Raphael:
Eine weitläufige Meinung gegenüber der GEMA ist ja, das sich dort ein paar Auserwählte das Geld in die eigenen Taschen stecken.

Ralf:
Da muss man sich total dagegen wehren. Ich bin überzeugt davon, dass die GEMA ein tolles Gebilde ist. Wie immer, wenn viele Menschen auf einem Haufen versuchen etwas zu bewirken, egal ob diabolisch oder christlich-sozial, dann können auch unschöne Dinge passieren wie Amtsmissbrauch oder es gibt Gruppen, die versuchen sich zu bereichern. Das ist leider ziemlich normal. Aber bei der GEMA ist das gerade in den letzten Jahrzehnten immer besser geworden. Auch weil die Nachvollziehbarkeit und Transparenz viel größer ist als früher, das ist uns ja immens wichtig. Insofern muss man kein schlechtes Gewissen haben und kann alles offenlegen, wie es hier läuft. Und es ist auch ein tolles Gefühl mit anderen Kolleginnen und Kollegen, die das auch alles ehrenamtlich machen, in den Ausschüssen zusammenzuarbeiten. Allen geht es um die Inhalte, um die Musik und das Überleben der Künstler, also hier der Autorinnen und Autoren. Das ist in meinen Augen ein sehr positiver Aspekt, den die GEMA da erfüllt.

Raphael:
Mangelnde Transparenz der GEMA ist ja auch ein Punkt, der in der Öffentlichkeit immer wieder vorgebracht wird. Ich selbst bin jetzt seit über 13 Jahren Mitglied der GEMA und hatte in der Vergangenheit auch sehr damit zu kämpfen. Als Komponist wusste ich nie so richtig, was denn den Berechnungen zugrunde liegt und wie sich der Betrag ergibt, der dann eventuell auf dem Konto landet. Die Möglichkeit nachzurechnen oder zu kontrollieren gab es kaum. Seit ein paar Jahren gibt es nun Online für alle Auszahlungen eine detaillierte Aufstellung und man kann endlich sehen welches Stück wann lief und was man dafür bekommt. Zwar ist die Berechnung selbst noch immer wahnsinnig komplex, aber die Mitglieder-Workshops die ihr seit ein paar Jahren anbietet, haben mir persönlich sehr geholfen viele Sachen zu verstehen. In meinen Augen wäre es gut, wenn es diese häufiger gibt, denn dieses Wissen wird nirgendwo sonst vermittelt. Für Neueinsteiger ist das Thema GEMA noch immer recht kompliziert. Wird da noch mehr passieren in der Richtung? Für mich hört sich das so an, als wärst du schon sehr happy mit der Transparenz so wie sie ist.

Ralf:
Um noch mal zurückzugehen: Du hast vorher angesprochen, dass sich in der GEMA verschiedene Gruppen bereichern würden. Das ist nicht der Fall, und durch die große Transparenz die es jetzt gibt kann jeder, der es wirklich wissen will, auch alles komplett bis zum Ende nachvollziehen.

Interview Ralf Weigand

Um jetzt zu dem anderen Bereich der Transparenz zu kommen, das Abrechnungssystem ist wirklich sehr kompliziert. Das liegt aber daran, weil wir versuchen bei der GEMA eine ganz besonders gerechte und angemessene, detaillierte Verteilung zu machen. Wenn du komplexe Sachverhalte gerecht abbilden willst, dann bleibt es komplex. Die berühmte Steuererklärung auf dem Bierdeckel wäre in unserem Fall nur ein besch…eidenes System, weil du soviel Dinge gerne berücksichtigen möchtest und musst, um es für alle möglichst gerecht zu halten.

Die GEMA hat als Auftrag auch kulturelle und soziale Aspekte zu berücksichtigen. Das ist uns wahnsinnig wichtig und wir versuchen die Verteilsysteme nach kulturellen Aspekten auszurichten. Ein Radiosender der sich dezidiert für Musikkultur und Jugendkultur einsetzt und neue Musik spielt, bringt einem jungen Autoren deshalb auch etwas mehr Geld ein als ein Mainstream Sender, der jede Woche die gleichen Hits dudelt. Es gibt auch eine Sozialkasse bei der GEMA, die wie eine Altersvorsorge funktioniert. Diese Dinge sind komplex, sind über 100 Jahre entstanden und müssen ständig den aktuellen Gegebenheiten anpasst werden. In der sich immer schneller verändernden Welt sind das natürlich große Herausforderungen, und selbst wenn man das alles schafft, dann hat man danach noch die Herkules-Aufgabe, es so gut zu kommunizieren, dass es nach außen möglichst gut verstanden wird. Das ist eigentlich das schwierigste. Deshalb machen wir die Workshops für Leute wie Dich, die es wirklich genauer wissen wollen, damit sie diese Information kriegen können. Das ist ganz wichtig. Zwar gibt es das Jahrbuch, in dem alles aufgeschlüsselt ist, aber ich selbst habe auch Jahre gebraucht um das System zu durchblicken.

Raphael:
Online hat sich wirklich viel getan in den letzten Jahren, aber trotzdem hat man das Gefühl das viele Online Vertriebe, die ebenfalls Erlöse aus Musikverkäufen oder Streaming ausschütten (CD Baby, Tunecore, Distrokid) einfachere, zugänglichere Möglichkeiten und Apps anbieten als die GEMA.

Ralf:
Das muss wahnsinnig dringend verbessert werden. Die Online Systeme der GEMA waren anfangs wirklich schlecht, diese seltsame Tabellenform war ja fast gruselig. Aber wir sind auch keine Hinterwäldler. Für uns ist völlig klar, dass wir möglichst schnell eine App wollen, mit der das Mitglied zu jedem Zeitpunkt sehen kann, welches Werk genutzt wurde, wo und wann es genutzt wurde und was dem Nutzer, also zum Beispiel dem Club dafür berechnet wird, dass er meine Musik gespielt hat. Dann sollst Du noch sehen können ob der Nutzer die Musikfolge schon eingereicht hat und was der aktuelle Bearbeitungsstand ist …

Raphael:
Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein!

Ralf:
Ja klar. Es ist nicht so, dass wir nicht wüssten, dass das her muss. Viele andere Verwertungsgesellschaften haben das auch noch nicht geschafft, aber alle wissen, dass es im digitalen Zeitalter gebraucht und zurecht gefordert wird. Die App soll Dir jederzeit den Status der Abrechnung anzeigen können. Es sind aber auch riesige Datenmengen, die da verarbeitet werden müssen.

Interview Ralf Weigand

Hier hat jemand eine Vorliebe für Synthies …

Raphael:
Kann ich dann als Mitglied auch endlich meine Musik, die im TV oder im Theater läuft selbst bei der GEMA melden, damit ich sicher gehe, dass es auch abgerechnet wird? Bei einer nachträglichen Reklamation kann es ja bis zu einem Jahr dauern bis das Geld endlich bei mir landet.

Ralf:
Das dürfen wir leider nicht machen, da sich die GEMA an die gesetzlichen Vorgaben des Verwertungsgesellschaftengesetzes halten muss. In dem Gesetz ist genau festgelegt, nach welchen Regeln die Verwertungsgesellschaften arbeiten müssen, und die Vorschrift ist, dass immer die Nutzer die Musik melden müssen. Wenn Du in einer Kneipe Deine Musik spielst, dann muss also der Wirt die Musikaufstellung machen und diese der GEMA schicken. Er ist der Lizenzpartner. Der Gesetzgeber wollte damit Missbrauch verhindern und vermeiden, dass Autoren die Listen selbst ausfüllen auf denen steht, wie viel Geld sie bekommen. Deswegen ist der Traum, dass der Künstler die Nutzung seiner Titel selbst meldet, gegenwärtig noch nicht machbar. Wir arbeiten aber an einem Zertifizierungsystem, das auch den ausübenden Künstler in die Meldung mit einbeziehen soll.

Raphael:
So was muss man erstmal wissen, dass es am Gesetz scheitert.

Ralf:
Genau. Was wir deshalb machen ist, verschiedene Monitoring Systeme, zum Beispiel beim Fernsehen anlaufen zu lassen. Die erkennen automatisch, was etwa in der ARD 24 Stunden lang gelaufen ist. Nur leider dürfen wir dann auch nicht gleich an den Künstler auszahlen, sondern wir müssen dann mit dieser Monitoring Liste erstmal zum Sender gehen und sagen „Hey, wir wissen ihr habt diesen und jenen Titel gespielt, wir müssen das von euch bestätigt haben“. Bis die Rückmeldung des Senders kommt, dauert das dann 6-7 Monate. Obwohl wir versuchen die Sender durch Sanktionen zu zwingen schneller zu arbeiten, dauert es leider. Die Probleme, die Du bei der Abrechnung erlebst, sind uns durchaus bekannt, aber es ist echt komplex, diese abzuarbeiten.

Forum
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    psv-ddv  AHU

    Sehr spannend und aufschlussreich! Danke für das intelligent geführte Interview.

    Das Thema KI wird auch in vielen anderen Branchen schwere Umwälzungen verursachen. Damit umzugehen wird, da stimme ich dem Autor zu unumgänglich.

    Ich bin beruflich davon zwar nicht betroffen, hoffe aber inständig, dass die Verwertungsgesellschaften und somit die Urheber das permanente Erschleichen von Gewinnen im Netz durch Konzerne wie Google mittels des Gebrauchs geistigen Eigentums Dritter letztendlich beenden werden. Gebt nicht auf Leute!

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    Coin  AHU

    Ab Seite 3 hat mir der Kopf geraucht.
    Wahnsinnig komplexes Thema, für mich zu komplex.
    Da werden Vereine genannt, von denen ich noch nie was gehört habe.
    Etwas mehr Öffentlichkeitsarbeit kann der GEMA glaube nicht schaden.
    Von daher ist der Artikel schon sehr gut für die Aufklärung.

    Ich bin ja so ein Einzelkämpfer, oder war es.

    Denn meine Musik hört so gut wie niemand.
    Da wurde mir empfohlen die Musik möglichst weit zu streuen
    und Kontakte zu knüpfen.
    Nun bin ich auf Youtube, Soundcloud, Bandcamp, Myownmusic
    und war auch bei Heartthis.
    (Pro Account bei SC kostet auch Geld)
    Hatte ein paar Collabs und hab einen Remix gemacht.
    3 Livegigs hatte ich kostenlos gemacht.
    Mich kennt ja keiner.

    Leider half das alles nichts,
    ich habe nie was fürs Musik machen bekommen.

    Das führte mich dann zu der Frage,
    warum mache ich das überhaupt, wenn es niemanden interessiert
    und ich nichts „zurück“ bekomme ?

    Da ich Hartz4 Empfänger bin, habe ich nun beschlossen
    nicht mehr in das Hobby „Musizieren“ zu investieren.
    Selbst wenn ich könnte, ich kaufe keine Musikinstrumente mehr.
    Egal ob Hard- oder Software.
    Da kauf ich mir lieber was zu essen.
    Das macht wenigstens satt.

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      psv-ddv  AHU

      Tut mir leid zu hören Coin. Wenn die Musik wirklich Deine Leidenschaft ist, mach weiter. Dazu brauchst Du nicht in Equipment zu investieren. Ohne Dich zu kennen, ich glaube, es ist wichtiger seine Fähigkeiten als Musiker zu entwickeln. Das geht auch durch Üben auf einfachem Instrumentarium, über Musik lesen, mit anderen Musikern spielen und Durchhaltevermögen. Elektronik oder nicht, das war eigentlich schon immer so.
      Es gab ja auch vor dem Internet keine Garantie mit Musik auch wirklich Geld zu verdienen zu können.
      Es entsteht andererseits schon ab und zu den Eindruck das die Begabung zur Selbstvermarktung im Netz der entscheidende Faktor auf dem Weg zum erfolgreichen Musiker ist und nicht mehr so sehr die Qualität der Musik selbst. Ich glaube zwar daran, dass sich Qualität letztendlich auf die eine oder andere Art durchsetzt, aber der Weg dahin ist gnadenlos und ob man das durchhalten kann oder möchte, hängt stark von der eigenen Persönlichkeit ab. In sofern wird unsere Gesellschaft durch diesen, im Endeffekt darvinistischen, Ansatz sicherlich vieler Talente und damit vermutlich auch einiger Meisterwerke beraubt.

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        Hectorpascal  

        Ihr zwei kommentiert die Essenz dieses Interviews. Bevor wir aber nun gegen eine KI „kämpfen“ und die, sind wir mal ehrlich, ganz wenigen Meisterwerke beklagen, die der Menschheit eventuell fehlen werden, sollten wir in uns gehen und unsere „Einzigartigkeit“ beleuchten. Kann eine KI tatsächlich ein Leben leben und die daraus entstandenen Erfahrungen in Musik gießen? Gerade höre ich Mozart, Debussy und Thomas Thallis. Kann das eine KI? Eine KI kann uns kopieren, repetieren und schlussendlich Chaos stiften. Letzteres ist wohl das was Herr Weigand als lustig bezeichnete. Unser Gehirn kann (leider) aus jedem Mist etwas interessantes ableiten und genau da schließt sich der Kreis zur KI.

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          Hectorpascal  

          Im besten Fall werden wir inspiriert und lernen ähnlich wie eine KI, im schlimmsten Fall übernehmen uns die Maschinen wie in Terminator. Wahre Genies wie die o.g. mußten nicht Zufallsmuster an der Klaviatur abwabern um einen Treffer (Hit) zu landen. Die hatten Visionen! Viel Spaß beim Musik generieren oder verkauft einfach euer Equipment, weil ohne Strom eh keine Partitur zu Stande kommt. Aus jedem musikalischen Erguß ein Recht auf monetärer Absicherung abzuleiten ist m.M.n. die eigentliche Dummheit. So gesehen ist die Gema eigentlich überflüssig. Wenn man bedenkt mit wieviel Mist Geld verdient und „gerecht“ umverteilt wird, kann ich daraus keinen nennenswerten kulturellen Wert ableiten. Da wäre ein Ansatz zur >Verbesserung< gegeben. Das Mc Cartney und JMJ sich engagieren, hat wohl eher einen egozentrischen als einen samaritären Aspekt. Wenn nur nicht all diese Wichtigtuerei in der Kunst wäre.....

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            psv-ddv  AHU

            Natürlich basiert das Engagement erfolgreicher Produzenten für die Gema auf Eigennutz. Ich finde das nicht verwerflich, solange unsere Gesellschaft Leistung mit Geld bewertet. Der Wert oder das Recht auf Absicherung wird nicht aus dem musikalischen Erguss abgeleitet, sondern aus der öffentlichen oder privaten Nutzung desselben.
            Das sich dabei nun vor Allem der musikalische Schrott gut verkauft ist nicht Schuld der Gema, sondern Abbild der Verteilung von Intelligenz und Bildung in der Bevölkerung.
            Genau das wird KI so effektiv machen. Ich glaube nicht, dass sich die Inspiration von Genies wie z.B. Debüssy künstlich erzeugen lässt, wohl aber der Müll den z.B. ein Dieter Bohlen rausgehauen hat oder der austauschbare Mist, der hier zur Zeit als Grundlage für einen Remix beworben wird. So was ist potentiell erfolgreich und lässt sich in Zukunft leicht autogenerativ erzeugen.

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              Hectorpascal  

              Was mir der Überflüssigkeit der Gema nicht widerspricht. Wenn Musik ungewollt (mal ehrlich, wie oft kommt das vor?) wirtschaftlich verwertet wird, leitet sich m.M.n. daraus nicht automatisch ein Profit des Schaffenden ab. Er ist ja kein Debussy, kann es aber werden, wenn durch die unfreiwillige Vermarktung sich Qualitäten im überdurchschnittlichen Ausmaß zeigen. Dann wird er schon gebucht werden und es lohnt sich auch für ihn. War das in jüngster Vergangenheit mal der Fall? Eher gehen „Künstler“ direkt zu Vodafon und lassen ihre Wurst darüber verbreiten. Wir tief schürfenden mussten immer an minder intelligente und gebildetete abgeben aber…. Auch ein Shakespeare hat mal für die „Volksbühne“ gearbeitet und ist mit seiner Arbeit bescheiden gesagt erfolgreich geworden. Dieser Weg ist nicht der Mozarts aber beide sind wegen ihrer Qualitäten nachhaltig Bestandteil unserer Kultur geworden und nicht wegen irgendeiner Gema. Wenn es die nicht gegeben hätte, hätten wir dann einen Dieter Bohlen wie er heute lebt? Ich denke nicht! Soviel zum Wert dieser Institution.

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                psv-ddv  AHU

                Hmmm. Interessanter Standpunkt. Nicht ganz von der Hand zu weisen. Ist die Gema schuld an Bohlen? Das ist ’ne Henne und Ei Frage. Dann zwar in der Konsequenz ziemlich extrem, aber Ich muss eine gewisse Sympathie für Deinen Standpunkt eingestehen. Realistisch oder nicht.

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                  Hectorpascal  

                  Na ja, Bohlen hat CD’s an die dumpfe Masse verkauft. Die Erlöse daraus wurden zum großen Teil über die Gema verteilt. Was ist daran unrealistisch? Das wollte Bohlen so und hat es auch gemacht. Das die Gema durch ihren wirtschaftlichen Aspekt sowas fördert ist nicht von der Hand zu weisen. Die Krise mit den Streaming-Plattformen hat es fast geschafft die Gema abzuschaffen aber Deutschland ist ein Sonderfall. So lange Die Amigos hier mehr CD’s verkaufen als U2, wird „die coole Socke“ Herr Weigand das System noch irgendwie rechtfertigen können. Ich mag übrigens weder U2 noch Die Amigos! ;)

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                    TobyB  RED

                    Hallo Hector,

                    die Amigos wohnen drei Dörfer weiter und sind sehr ziemlich nette Menschen. Die haben sich jahrelang neben der Arbeit den Bobbes abgespielt, Familien gegründet. Das normale Programm halt. Dann noch den Atem haben, diverse Hütten zu bespielen. Das muss man erst mal schaffen. Streaming macht im übrigen nicht die GEMA überflüssig. Sondern im Gegenteil. Ich bin kein Freund von shared economy. Wenn ich solche Buzzworte höre, will ich immer aufspringen und Triple Bingo rufen. ;-)

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                      Hectorpascal  

                      Nicht Streaming macht die Gema überflüssig, sie ist es generell! Ob die Amigos nette fleißige Menschen sind ist dabei nicht relevant. Deren kultureller Beitrag erstreckt sich maximal bis zur Demenzstation im örtlichen Altersheim und allem was in der Denkweise artverwand ist. Dort haben die ihre Daseinsberechtigung und überleben zur Not auch ohne Gema Das haben die mit Ausdauer und relativ wenig kreativem Talent geschafft. Dank der demografischen Entwicklung werden die auch immer erfolgreicher. Die Amigos sind quasi die Könige des Sub-Standards. Schade das es keine Aktien von denen gibt. :)

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                    psv-ddv  AHU

                    Mit unrealistisch meinte ich die Umsetzung Deiner These. Ich bezweifele, dass ein Abschalten der GEMA die Pest von Tötensen verhindert hätte. Der Gedanke ist aber durchaus reizvoll.

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                      Coin  AHU

                      Die Art der Musik spielt doch bei der Vergütung keine Rolle.
                      Es geht auch um die Arbeitsstunden.
                      Schon mal daran gedacht wie viel Zeit man für das Schaffen braucht, oder schon unvergütet verbraucht hat ?
                      Das finde ich sollte gerecht behandelt werden.
                      Ein einfaches Vergütungsmodell wäre besser,
                      denn je komplexer, desto unverständlicher,
                      desto weniger Akzeptanz.
                      Wir reden hier von einem Produkt
                      und nicht Hobbysachen.
                      Und wenn das „Produkt“ unbemerkt im Netz gedownloaded
                      wird, wie will man da Playzahlen ermitteln.

                  • Profilbild
                    TobyB  RED

                    Hallo Hectorpascal,

                    du machst natürlich musikalische Hochkultur. Und deine Musik wird generell in Hipsterkreisen abgefeiert. Ich finde das immer schwierig, wenn man so wie du einen über die Amigos raus haut und dann inhaltlich nichts hinter herkommt. Wenn du die Aufgabe der GEMA nicht kennst und verstehst ist das nicht unser Problem. Aber auch du kannst dich auf deinen Hosenboden setzen und dich gescheit informieren. Mehr Inhalt und weniger Parole würde dich sympatisch machen.

                    • Profilbild
                      Hectorpascal  

                      Natürlich produziere ich ausschließlich musikalische Hochkultur! Mein Hipsterverstand ist auch allen Amöben die in meinem Bart leben weit überlegen. Aber mal ehrlich. Ist die neue Devise jegliches Niveau so weit runterzufahren, das letztlich alle bei jedem Furz von Taylor Swift, Bohlen oder sonst wen vor Glück im Kreis tanzen? Und jetzt erkläre mal was ich bei den Amigos inhaltlich raushauen soll? Eine psychosoziale Analyse der Texte oder gleich eine Doktorarbeit über die Bedeutung der Amigos für die Gesellschaft allgemein. Zur Gema: Ich glaube(=Religion) das mit den vielen Beiträgen, neben dem Wasserkopf an Verwaltung, auch teure Anwälte beschäftigt werden, die genau ermitteln wie viel Frau Swift in die USA überwiesen bekommt. Ob da viel für Rente und Avantgarde übrigbleibt? Da erreiche ich privat mehr, ohne Gema.

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                    kiro7  

                    Aha, es gibt also die dumpfe Masse, und die elitäre, gebildete Masse, die den alleinigen Anspruch auf die Auswahl von Kunst und Geschmack hat.

                • Profilbild
                  Martin Gerke

                  Ich bin sicher kein Bohlen-Freund und habe ästhetisch arge Probleme mit seinem Output, aber dennoch zahlt auch ein Herr Bohlen in den Sozialfonds der Gema ein. Damit werden z.B. auch avantgardistische Projekte gefördert, bzw. die Rente von anderen ordentlichen Mitgliedern, unabhängig vom Musikstil. Die Gema ist ein Verein, indem das solidarische Prinzip durchaus greift.

                    • Profilbild
                      Hectorpascal  

                      Vielleicht kann Herr Weigand mal Zahlen zu Herrn Bohlen nennen und wieviele Projekte und Renten er finanziert. Sorry, ich muss mal lachen. So hab mich gefangen. „Trickle Down“ ist reine Theorie. Natürlich kann kein reicher Mensch leben ohne Geld auszugeben aber das langfristig irgendwie alle davon profitieren….. Da lese ich lieber Grimms Märchen oder „Wie ich mit Stiftungen Steuern spare“ . ;)

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                      psv-ddv  AHU

                      Mein Kommentar zu „trickle down“ war selbstverständlich ironisch gemeint!

                      So ein schwachsinniges Konzept kann man nur unter zwei Bedingungen vertreten:
                      1. Man ist verblödet
                      2. Man profitiert selbst davon

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    Ruby  

    Wow! Ein trockenes Thema kann auch spannend wie ein Thriller sein. Sehr gutes Interview, danke!

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    iggy_pop  AHU

    Vor gut anderthalb, zwei Jahren gab es schon in der GEMA-Hauspostille ein Interview mit selbigem Herrn.
    .
    Eigentlich ganz charmant zu lesen, nur hege ich leider ein tiefes Mißtrauen gegenüber allen, die so weit oben sitzen, da läßt mich eine Wand von Synthesisern nicht drüber hinwegsehen.
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    Liegt aber auch sicherlich daran, daß ich nach mehr als zwanzig Jahren GEMA-Mitgliedschaft Sinn und Nutzen derselben für mich und meine Zwecke immer mehr in Frage stelle — Nutznießer sind andere, und diese anderen will die GEMA am liebsten in ihren Reihen haben, damit auch sie nutznießt. Ich bin im Laufe der Jahre immer mehr zu dem Eindruck gekommen, daß es sich bei der GEMA um ein geschlossenes System handelt, bei dem der eine dem anderen in den Steigbügel hilft und wo man sich gegenseitig für die eigene Großartigkeit auf die Schulter klopft. Ist so ein bißchen wie die örtliche IHK. Oder der ADAC.
    .
    Weitestgehend bin ich mit Coin auf einer Linie, allerdings glaube ich auch nicht, daß Coin jemand ist, für den eine GEMA-Mitgliedschaft sinnig wäre, wenn der Output so gering ist und die Umstände ganz andere Prioritäten erfordern.
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    Wieder keine Winkelementeschwenkerei meinerseits. Ich bin ein schlechter Mensch.
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        iggy_pop  AHU

        Nicht im Internet… :P
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        Ganz im Ernst: Die GEMA handelt in erster Linie im eigenen Interesse und sieht zu, daß sie selbst und diejenigen, die als ordentliche Mitglieder mitmachen, gut aufgestellt sind. Ist halt in erster Linie Lobbyarbeit und Seilschaften. Schaut man mal, wer in ihren Reihen Funktionär ist, dann wird so mancher Punker und Rocker sehr schnell sehr unglaubwürdig (nicht, daß sie es vorher schon gewesen wären…).
        .
        Im Interesse der Mitglieder, die z. B. nur „angeschlossen“ sind, zu handeln, liegt nicht im Fokus der GEMA — auf meine Frage vor gut zehn Jahren, was die GEMA denn gegen illegale russische Downloadsites und die Schäden, die jene anrichten, zu tun gedenke, gab es die lapidare Antwort, dagegen vorzugehen sei Aufgabe der Künstler und Musikverlage, das gehe die GEMA nichts an.
        .

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          iggy_pop  AHU

          Im Gegenzug durchforstete die GEMA geradezu hysterisch das Internetz auf der Suche nach Musik, deren Verwendung bei der GEMA nicht gemeldet war — ob Künstler da für sich in eigener Sache Reklame machten, weil sie sonst keine andere Möglichkeit hatten, auf sich und ihre Arbeit aufmerksam zu machen, hat die GEMA dabei nicht interessiert — und sie auch nicht von der Verhängung von Strafgebühren in z. T. fünfstelliger Höhe abgehalten hat. Eine Weile ging sogar das Gerücht, die GEMA beschäftige arbeitslose Anwaltsabsolventen, um den Missetätern auf die Schliche zu kommen — für mich ein Akt der Feigheit, sich an diejenigen zu halten, die sich nicht wehren können, statt denen die Hölle heiß zu machen, die kleinen Labels und Künstlern massiven Schaden zufügen.
          .
          Nervig ist auch die Drangsalierung seitens der GEMA, wenn mal ein Tonträger veröffentlicht werden soll — da merkt man deutlich den Behördencharakter und kann im Grunde genauso gut einen Antrag auf Wohngeld oder auf Zuschüsse zum Hartz-IV beantragen. Dann muß ich erst in Vorkasse gehen, um irgendwann — zusätzlich zu meiner Clubgebühr, die mal eben von 25 auf 50 Euro pro Jahr angehoben wurde — einen Teil meiner Einlage zurückzuerhalten.

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    Spartakus

    Vor ca. 20 Jahren in meiner Jugend, hatte ich mich auch als Komponist bei der GEMA angemeldet. Ich wollte meine Musik schützen lassen und hatte mittels Cubase Notenausdrucke gemacht und die an die GEMA geschickt. Diese wurden von der GEMA aber nicht akzeptiert. Anscheinend war Cubase noch nicht so weit.
    Auf alle Fälle wollte die GEMA, dass ich nach München komme und in einem Test beweise, dass ich komponieren kann. Ich war damals berufstätig und konnte nicht einfach für 2 Tage nach München fahren. Ich habe meine Mitgliedschaft dann wieder gekündigt.
    Mußten Paul Mc Cartney und John Lennon diese Prüfung auch ablegen ?

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      justme  

      Genau dieser Punkt fehlte mir in dem Interview. Deutlicher zu machen seitens der GEMA, was tatsächlich zum Hinterlegen eines Werkes notwendig ist. Reicht Länge und Songname ? Ist eine Notation notwendig ? Klavierpartitur oder Orchestrierung/Instrumentierung etc. …

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        iggy_pop  AHU

        Das hängt von der Frage ab, welchen Status Du als Mitglied haben willst — Klimperfuzzis und Gelegenheitsmucker sollen gefälligst nicht die Zeit und Aufmerksamkeit der ordentlichen Mitglieder, die nicht nur komponieren, sondern auch Noten schmieren können, über Gebühr in Beschlag nehmen.
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        Ich bin auch nur angeschlossenes Mitglied, weil ich keine Lust hatte, irgendeine Partitur einzureichen — ich bin kein Technojünger, aber die GEMA hat ganz offensichtlich die Zeichen der Zeit verkannt. Man muß heute nicht mehr an einer Hochschule die höheren Weihen der Tonsetzerkunst erlangt haben, um seriös Musik machen zu dürfen, und man braucht heute auch kein Orchester mehr, welches von einem Lehnherren zwecks Zerstreuung gehalten wird. Da ist die GEMA noch in den Zeiten der Comedian Harmonists verankert, was die Mentalität angeht — da hilft auch kein modernes Getue.
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        Willkommen in der Gegenwart. Und „coole Socke“? Naja, „mit vollen Hosen ist gut stinken“, wie ein Freund von mir immer so treffend sagt.

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          martin stimming  

          ganz kurz, sorry aber das stimmt nicht. wenn ich mich recht erinnere wird man mittlerweile nach einer gewissen zeit (10jahre?) und umsatz automatisch ordentliches mitglied. wir reden von mind. einmal 15k umsatz pro jahr oder so. mich haben sie irgendwann angeschrieben und ich wurde es nach ausfüllen eines wisches automatisch. ich musste nichts beweisen, hab denen nur mal nen Stapel cds und lps geschickt.

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            iggy_pop  AHU

            Wer macht schon heutzutage 15.000 Euro Umsatz mit GEMA-Kohle oder mit Musik ganz allgemein? Und schon haben wir das bewiesen, was ich oben behauptet habe — man will unter sich bleiben und keine musikalischen Sozialfälle in den eigenen Reihen wissen.
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            Ich freue mich jedes Mal, wenn ich Abrechnungen über Ausschüttungen zu Streamingdiensten erhalte — neulich waren es sage und schreibe 18 Cent. Grandios.
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            Ich habe nicht alles auf einmal ausgegeben.

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          Martin Gerke

          Genau, und jeder Hobbyfussballer sollte auch mal eine Chance haben, in der Bundesliga mal so richtig durchzustarten.

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            TobyB  RED

            Siehe Traumberuf Fussballprofi. Vier Punkte machen den Unterschied, Zitat: „Wille, das Fehlen von Überheblichkeit, die Fähigkeit, mit Rückschlägen umzugehen – aber vor allem die unbedingte Freude am Fußball sind elementar: Ehrgeiz allein genügt nicht.“
            Und man muss sich immer vor Augen halten, es gibt in Deutschland vielleicht 1500 Lizenzspieler die vom Traum leben können. Streiche Fussball und ersetze das durch Musiker oder Berufstätig.

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      psv-ddv  AHU

      Ich bin mir sicher, dass es Vieles gibt, das an der GEMA kritikwürdig ist. Die mangelnde Transparenz des Abrechnungsverfahrens wird ja im Interview erwähnt. Die hohen Kosten des Verwaltungsapparates sind ein anderer Punkt. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass da teilweise unverhältnismässig hohe Hürden für Berufseinsteiger aufgebaut werden, so wie Du es aus eigener Erfahrung schilderst. Das sollte man aber von der grundsätzlichen Frage nach der Notwendigkeit der GEMA trennen. Mir hat die GEMA sehr geholfen, als ich vor 20 Jahren für das Fernsehen komponiert habe und damit mein erstes Geld verdienen konnte. Ich hätte ohne GEMA vermutlich erstmal für lau arbeiten müssen, da meine Verhandlungsposition gegenüber den Produktionsfirmen des Senders als einzelner Berufseinsteiger denkbar schlecht war.

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      stevie h

      Ich bin seit weit über 20 Jahren GEMA-Mitglied und inzwischen seit vielen Jahren auch ordentliches Mitglied und musste nie etwas „vorkomponieren“ oder sonstwie bei denen vorstellig werden. Die Belege meiner Veröffentlichungen und (später für die ordentliche Mitgliedschaft) ein paar Notenauszüge meiner Kompositionen waren ausreichend.

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    mazevoice

    Ich selbst habe mich vor über 25 Jahren bei der GEMA als Komponist angemeldet. Profitiert habe ich bis heute davon nicht. Einnahmen erfolgten meist nur, wenn eine Plattenproduktion anstand, die ich in den meisten Fällen selbst finanziert hatte. Somit bekam ich einen kleinen Anteil meiner jeweiligen eingezahlten Beiträge wieder zurück. Ja, es gab auch einige kleine Ausschüttungen durch Aufführungen im Fernsehen, oder dem Radio, bzw. durch Fremdproduktionen, an denen ich beteiligt war. Aber das war alles nicht der Rede Wert. Selbst durch Konzerte hat man durch die schlechten Ausschüttungsbedingungen wenig Chance, etwas zu bekommen. Dass die GEMA an der heutigen Situation, der schlechten Verkaufszahlen von Tonträgern, oder dem Verbreiten der Musik durch Streamingdienste etwas ändern kann, bezweifel ich. Dazu waren sie in all den Jahren zu träge, sich den Gegebenheiten anzupassen. Vielmehr muss in den Köpfen der Verbraucher wieder etwas passieren, wofür man Werbung machen sollte: den Wert der Musik wieder schätzen zu lernen. Ich hatte mich gerade auf meinem Podcast dazu geäußert: https://vjc3by.podcaster.de/aufdersuche/wer-wahren-wert-nicht-kennt/ und denke, genau hier liegt das Problem.

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    TobyB  RED

    Cooles Interview,

    die Thesen zur KI teile ich nur bedingt, was derzeit belegt ist, das sich die Kompositionen den Hörgewohnheiten angleichen. Sprich, das Intro stirbt aus, mittlerweile sind 4 Akkorde komplex. Und Trends werden komplett ausgelutscht. Das hat aber erstmal was mit Statistik und Marktforschung zu tun. Und hier sind die Entscheider bei den Labeln gefragt. An deren musikalischer Geschmacksbildung zweifle ich. Sowohl als Produzierender und als Konsument. Die KI wie sie derzeit verstanden wirkt auf mich eher wie der Prototyp eines „Schachtürken“ von Kempelen. Viel Statistisk, viel Heuristik aber sonst nichts. KI wird keinen Komponisten ersetzen können und die Analyse von Bildern, Videos gepaart mit einem kompositorischen Vorschlag, ist so ein herrliches Buzzword wie Industrie 4.0 oder IoT. Siehe Daisy Bell auf einer IBM 704, 1961. Ich hab überspitzt gesagt weder Cortana, noch Siri singen hören.

    Was ich eher beunruhigend finde ist, das man dem Konsumenten, auf der einen Seite ein Smartphone gibt und das Mobilfunkprovider Streaming als Killerapplikation verstehen. Und das eben diese Leute irgendwann nicht mehr verstehen, das eine Flatrate nicht funktionieren kann, jeden Fall nicht ohne das sie zu Lasten der Produzenten und Künstler geht. Um es noch bekloppter zu machen, ich als Produzent muss Geld hinlegen, damit ich beim Streaming eingelistet werde.

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    tomk  

    Ich bin keine Gema Gegner, absolut nicht. Wenn Label korrekt arbeiten bekommt man da auch Geld raus … war vor 25 Jahren für Spartenmusiker durchaus relevant. Aber es hat sich eben in diesen 25 Jahren viel geändert im Musikgeschäft. UND solange die Technoparty am Eck sofort Gema abdrücken muss, dies aber in sogenannte Bohlentöpfe fließt, hat die Gema ein absolutes Glaubwürdigkeitsproblem. Da täuscht dann auch keine Socke im Topf drüber hinweg!

    @ Coin
    Kenne solch Gedankengänge. Musik sollte man aber in allererster Linie für sich Selbst machen. Oft hilft es auch wenn man sich nicht als verkannten Virtuosen versteht, sondern Musik als Hobby betrachtet. UND wer erlangt schon mit seiner Modeleisenbahn Weltruhm?
    Wenn man Harzt hat man natürlich weniger, wenn man arbeitet mehr. Wo man dies investiert obliegt einem selbst, ist eigenverantwortlich. Eigenverantwortung wird heutzutage allerdings gerne an Dritte weiter delegiert.

    @ iggy
    Da schließe ich mich weitgehend an.
    Aber Seilschaften sind ganz böse Verschwörungtheorien, an die nur böse AFD Wähler glauben. Ist doch weltbekannt!

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      Coin  AHU

      Tom, für mich ist das in erster Linie wie Tagebuch schreiben.
      Aber es war auch irgendwie mein (Vollzeit) Job.
      Ich bereue nichts, würd es wieder tun und ja ich hinterlasse was schönes.
      Das gibt schon ein bissl Zufriedenheit.
      Aber wenn es um Arbeit geht ist Vergütung zumindest ein Thema.
      Ich könnte auch sagen, HEY Kauft mein Album – Bla Bla
      Wenn das nicht von allein funktioniert, dann Shit happens.
      Bin doch zu faul für Promotiongetue.
      Scheiss auf das Geld und Illusionen.

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        tomk  

        Das Tagebuch ist ein schöner Vergleich!
        Ein Tagebuch ist aber immer auch sehr individuell, und man sollte bei einer Veröffentlichung nicht zwangsweise denken man fabriziert damit großes Leserinteresse. So ein Tagebuch ist etwas tief seelisches, was einem weiter nach vorne tragen kann. Dies sollte man nicht an Dritte knüpfen!
        Das Tagebuch ist dadurch aber auch keine Arbeit die der „Gemeinschaft“ zwingend vorteilhaft ist, oder sein muß, und verpflichtend durch diese vergütet wird. Dies entscheidet sich auf einer anderen Ebene. Einer Kollektiven, mit all Ihren dubiosen Parametern!
        Wenn ich z.B. in Vietnam ein Dorf besuche, und da schallt Modern Talking aus der Karaoke Maschine … dann muss jemand was absolut richtig gemacht haben. Kann man gut finden oder nicht, und dies folgend in sein Tagebuch eintragen.

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          kiro7  

          Völlig richtig. Da muss jemand alles richtig gemacht haben. Dieses ewige Bohlen/MT Bashing langweilt… „Ich finde dem Bohlen seinen Kram Müll, was ich höre / produziere ist viel besser, und deswegen hat er den Erfolg auch eigentlich gar nicht verdient, und jeder der was von ihm hört / kauft ist blöd…“ Echt Leute…
          Welche Eurer Produktionen funktionieren z.B. denn auch wiedererkennbar nur am Klavier?

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          psv-ddv  AHU

          Das Vietnam Argument zieht nicht, sorry. Der Faschismus oder die Grippe haben sich auch weltweit verbreitet. Das ist kein Qualitätsmerkmal.

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    anttimaatteri  

    „wir übernehmen keine Haftung, weil wir nichts mit dem Inhalt auf unserer Plattform zu tun haben. Es sind ja die Leute, die die Musik und Videos hochladen.“

    geil. kann ich dann please eine tauschbörse für diebesgut und hehlerware in meiner halle hosten ohne rechtliche probleme? hab ja nix mit dem shit zu schaffen der dort verhökert wird.

    ok, die halle steht hier auf dem gebiet des staates deutschland und eigentlich gilt dann deutsches recht hier (plus eu-recht), aber die können ja so tun als sähen und hörten sie nix. eventuell raffen die es auch gar nicht und brauchen ne weile zur infoverarbeitung. zur not schick ich jemanden nach berlin und nach brüssel. der klärt dann auf was sich in meiner halle so tut an folkloristischen kulturevents. das passt dann schon so alles.

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