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Interview: Reinhold Heil über sein Soloalbum Freiheit, Geilheit, Männlichkeit

Amerika war die größte Enttäuschung meines Lebens

29. Juni 2025
Reinhold Heil

Reinhold Heil (Foto: Michele Campagni)

Reinhold Heil liefert mit Freiheit, Geilheit, Männlichkeit das vielleicht spannendste Album dieses Sommers. Der ehemalige Keyboarder von Spliff und der Nina Hagen-Band rechnet bitter-böse mit dem Männlichkeitswahn ab.

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Reinhold Heil: Die „Neue Männlichkeit“ beschäftigt mich seit Jahren

Die Musik zwischen EBM und Reggae geht verlässlich in die Beine. Als Produzent von Hits wie Carbonara und 99 Luftballons, aber auch als Filmkomponist (Lola rennt, Das Parfüm, Cloud Atlas) vielfach ausgezeichnet, geht er mit seinem ersten deutschen Soloalbum neue Wege. Unser Autor Costello befragte Reinhold Heil zu seinem neuen Album, seinen Plänen und den Gründen, warum er die USA verlassen hat.

Costello:
Der Albumtitel Freiheit, Geilheit, Männlichkeit provoziert, könnte auch von Bushido sein. War das Absicht?

Reinhold Heil:
Gar nicht! Was weiß ich denn, was Bushido macht?

Costello:
Harten Rap mit entsprechenden Texten: „F… Deine Mutter Slang“

Reinhold Heil:
Mit dem deutschen Hip Hop-Genre habe ich nichts zu tun, weil ich weder in der Szene bin, noch einen entsprechenden Background habe. Ich mache mein eigenes Ding und höre relativ wenig andere Musik.

Costello:
Ich meinte auch gar nicht den musikalischen Einfluss, sondern den Albumtitel.

Reinhold Heil:
Schon klar. Das Thema der wieder aufkeimenden „Neuen Männlichkeit“ beschäftigt mich schon länger. Der Backlash zum Feminismus kam in den 90ern auf. Da wurde dann gesagt, die Männer sind alle verweichlicht, haben keine Eier mehr. Also müssen wieder Muckis her, diese ganze demonstrierte Männlichkeit, der Körperkult, auch mit den Outfits. Das machte mich stutzig zu dem Zeitpunkt. Und dieser Gedanke kam wörtlich so in meinen Kopf: Faschismus, ich hör dir trapsen.

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Von der Textidee zur Filmmusik

Costello:
Wieso dieses Album jetzt?

Reinhold Heil:
Als meine Filmmusik-Karriere langsam ausklang – gegen 2019 – hatte ich ein bisschen Zeit. Da habe angefangen, Text-Ideen auch mal festzuhalten, indem ich sie in das Notepad reingetippt habe. Früher schrieb ich die noch mit Bleistift in ein Buch.

Es hat mir Spaß gemacht, da Reim und Versmaß reinzubringen, kleine Geschichten zu erzählen. Und dann fing ich an, entweder dazu Soundtrack-mäßig die Musik zu machen, oder hatte bereits eine Melodie im Kopf oder einen Hook.

Costello:
Du bist also eher textgesteuert vorgegangen?

Reinhold Heil:
Ja, es gab lediglich einige Outtakes aus meiner Filmmusik, bei denen ich dachte, das könnte jetzt auch ein Song sein. Aus diesen musikalischen Fragmenten sind tatsächlich zwei bis drei Stücke geworden, bei denen der Text erst nachträglich entstanden ist oder entsprechend angepasst wurde.

Auf Freiheit, Geilheit, Männlichkeit hat Reinhold Heil alles selbst gemacht

Costello:
Ist denn das Album jetzt purer Reinhold oder ist an irgendeiner Stelle ein anderer Musiker beteiligt?

Reinhold Heil:
Niemand. Ich singe auch alle Parts selbst.

Costello:
Einschließlich des mehrstimmigen Satzgesangs?

Reinhold Heil:
Wenn du unseren alten Spliffchor hörst, zum Beispiel bei Carbonara, dann ist die höchste Stimme immer Potsch (Bernhard Potschka). Er hat einen fränkischen Akzent mit einem gerollten R, das er nicht wegkriegt. Das war ein sehr spezifisches Gemisch von Stimmen, wo wir alle vier singen.
Auf meinem Album singe ich beim Song NFT – Non-Fungible-Token – einen dreistimmigen Chor, wie wir ihn früher gemacht haben.

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„Ein Album aus einem Guss wäre auch mal schön“

Costello:
Der Song NFT fällt als Reggae-Titel aus dem Rahmen. Hängt das mit der langen Entstehungszeit des Albums zusammen?

Reinhold Heil:
Ich glaube, es hat damit nichts zu tun. Ich habe jahrelang öfter drüber nachgedacht, was für Alben ich gerne veröffentlichen würde. Und ich habe mich immer wieder bremsen müssen, weil ich hatte so viele Stücke, die in die eine Richtung gingen und dann wieder welche, die in eine andere Richtung gingen. Das ist so Scheiße, wenn man so eklektisch ist (lacht). Man sollte eigentlich lieber ein Album machen, das aus einem Guss ist.

Costello:
Aber das war ja bei Spliff damals nicht anders, da habt ihr auch Punk, Fusion, Hard Rock und Reggae sehr abwechslungsreich gemischt.

Reinhold Heil:
Also das gilt teilweise auch für das neue Album. Es gibt EBM-Nummern, aber es gibt auch ein Stück wie Tapfer-Tapfer, was so ein pseudoakustisches Ding ist. Das ist alles mit akustischen Gitarren-Samples gemacht.

Keyboardbässe, die nach Bassgitarre klingen

Costello:
Und die E-Gitarren?

Reinhold Heil:
Das sind auch Samples.

Costello:
Du spielst aber auch selbst Gitarre?

Reinhold Heil:
Ich spiele, aber mein Gitarrenspiel ist nicht gut genug. Ich liebe es, Bässe, die nach Bass-Gitarren klingen, auf dem Keyboard zu spielen. Also all diese Geschichten: Drum-Programming, das sich nach echtem Schlagzeuger anhört, oder eben so ein richtiges Elektropop-Ding, wo man gleich merkt, dass es eine Maschine ist. Das ist alles bei mir auf der Speisekarte.

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Costello:
Bei der Ballade vom Incel perlt mal ein Fender Rhodes E-Piano, mal schmatzt eine Hammond-Orgel. Sind das auch alles Samples oder hast du auch Hardware eingesetzt?

Reinhold Heil:
Meine Hammond B-3 war zu dem Zeitpunkt im Storeroom. Die Emulation in Logic ist inzwischen die beste, die ich kenne. Für den Fender-Sound benutze ich Keyscape von Spectrasonics. Das ist genau so ein 73er Rhodes-Suitcase, wie ich es mal hatte und was ich aus kompletter Dusseligkeit verkauft habe. Das Suitcase aus dieser Phase ist ein magisches Gerät, was ich vermisse. Ich bin sehr versucht, ob ich vielleicht noch mal eins kaufe. Nein, eigentlich ist es ja Quatsch, aber …

Von Analog-Synthesizern zu einer Dolby-Atmos-Anlage

Costello:
Du hattest ja in den 80ern einen Fuhrpark an Traumsynthesizern: Yamaha CS80, den Roland Jupiter-8, diverse Oberheim-Synths – hast du die noch?

Reinhold Heil:
Ich darf es gar nicht sagen, für wie wenig Geld ich welche Geräte vor meiner USA-Auswanderung abgestoßen habe.

Costello:
Und jetzt hast du Tränen in den Augen?

Reinhold Heil:
Absolut. Ich hab’ natürlich noch meinen Minimoog. Aber zum Beispiel den Oberheim OBX, den Grauen, und meinen Matrix 12 habe ich dann später in den USA gewinnbringend verkauft. Den CS80 auch, der ging an einen Freund. Für das Geld hab’ ich dann meinen Bechstein C-Flügel einmal runderneuern lassen. Und dann hab ich mir eine Dolby-Atmos-Anlage zugelegt von Dynaudio, 7.1.4 mit Merging Technology Interface.

Costello:
Was ist aus dem legendären 70.000,- DM Synthesizer von Yamaha geworden – dem VP1?

Reinhold Heil:
Den habe ich tatsächlich behalten und ihn auch reparieren lassen. Der ist jetzt allerdings nicht mehr Gold, sondern Schwarz. Mein VP1 war als Vorführgerät auf den Messen unterwegs und ich hatte ihn als Testgerät. Yamaha hat ihn mir für einen günstigen Preis angeboten. Ich habe ihn ganz lange als Masterkeyboard benutzt, weil er so schön viele Controller besitzt. Bis mir das Display abgekackt ist und es da hat das dann lange gedauert hat, bis es repariert war. Deshalb hatte der VP1 eine Weile ein Schatten-Dasein geführt. Bis dann Manny Fernandez, Werksprogrammierer für Yamaha, seine Verbindungen hat spielen lassen und tatsächlich noch an die Ersatzteile rankam.

Yamaha VL1

Reinhold Heil besitzt immer noch den legendären Yamaha VP1, von dem nur neun Stück produziert worden sind. Allerdings entschied Reinhold bei einer fälligen Generalüberholung , das goldfarbene Gerät mit Holzimitation schlicht mattschwarz zu lackieren.

Costello:
Aber keiner von deinen Synthesizern hat es auf das Album geschafft?

Reinhold Heil:
Der Waldorf Quantum ist tatsächlich der Hardware-Synth auf dem Album. Weil ich auf meiner Blumenfarm in Hawaii keinen Platz für ein 88er-Keyboard hatte, habe ich den genommen und der begeistert mich. Ein amtlicher Hardware-Synthesizer, natürlich digital, aber mit ein paar analogen Filtern – sehr vielseitig. Das ist ein ganz ein tolles Gerät, vor allem wenn man mit den getimten LFOs und dem internen Sequencer arbeitet. Das Timing ist einfach super solide, du kannst auch getimt durch die Wavetables durch. Ein ganz tolles Beispiel ist das letzte Stück auf dem Album: Tschüss Mama. Das ist der Quantum mit den getimten Wechseln in den Wavetables.

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Der einzige Hardware-Synthesizer, den Reinhold Heil auf seinem Solo-Album eingesetzt hat, ist der Waldorf Quantum

Die U-he Bazille macht den Beat

Costello:
Und bei den Plug-ins – hast du da deine Lieblinge? Sind das noch die Sachen von U-he?

Reinhold Heil:
Die nutze ich meist immer noch, aber ich habe erweitert, zum Beispiel was Wavetablesynthese angeht. Da setze ich neuerdings Vital ein, das ist so ein bisschen in der Art wie das bekannte Plug-in-Serum. Vital ist ziemlich gut. Ansonsten halt ganz viel Zebra, Bazille und Hive. Die haben alle ihren eigenen Charme.

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Das Album fängt zum Beispiel an mit Bazille. Bei Bro gibt es keine Bassdrum, keine Snare, eigentlich auch keinen Bass – der Bazille-Sound übernimmt alle drei Funktionen. Und du setzt halt diese Akzente einfach mit dem Modwheel. Im Prinzip ist das ein ganz primitives kleines Riff, gesteuert mit dem Modulations-Stick. Das fand ich super spannend, so minimalistisch. Selbst bei Kraftwerk gab es ja meist ein Äquivalent zu Bassdrum und Snare. Das gibt es eigentlich immer und es ist ja auch gut, aber wie man sieht, muss es nicht immer sein.

Ich habe gerade ein Video gedreht mit U-he, als ich kürzlich in Berlin war, wo ich das zeige.

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Reinhold Heil im Interview: „Der Tinnitus ist da“

Costello:
Du bist ja studierter Tonmeister, machst du vom Mix bis zum Mastering alles selbst oder holst du dir ein zweites paar Ohren dazu?

Reinhold Heil:
Letzteres, aber nur beim Mastern des Mix. Das macht mein früherer Assistent, der mich gut kennt und die hohen Frequenzen noch besser hört als ich. Man kann diese Altersschwerhörigkeit kompensieren im Mix, indem man ab und zu mal richtig laut dreht. Und ich bin noch relativ gut dabei, dafür, dass ich die Ohren so malträtiert habe, speziell in der Frühzeit. Aber der Tinnitus ist da. Und dann gebe ich das halt dem Paul. Es klingt auch über ein Smartphone gut, das fand ich relativ wichtig.

Costello:
Auffällig ist das arpeggierte Sequenzermotiv bei Schwülstiges Pathos. Das hast du vermutlich nicht mit einem Juno-60 gemacht?

Reinhold Heil:
Der Juno-60 Arpeggiator ist nur monophon. Das ist tatsächlich Zebra. Da kannst du im Sequencer für jeden Step eingeben, wie polyphon er sein darf. Und damit habe ich experimentiert. Ich habe einfach eine in Zebra nachgebildete Matrix 12 Fläche perkussiv gemacht und den Sequencer aktiviert, also nichts Außergewöhnliches. Auf der Eins ist die Sequenz sechsstimmig. Und es gibt noch einen weiteren Step, wo sie auch sechsstimmig ist. Alle anderen Steps sind monophon. Zusätzlich hat der Sound noch ein getimtes Echo drauf.

Und es ist auch sehr viel Dynamik in dem Step-Sequencer: diese zwei A und B Modulatoren, mit denen ich die Filteröffnung und auch die Länge des Decays kontrolliere. Manche Steps sind ganz kurz, eigentlich nur so angedeutet. Mit der Länge des Decays zu spielen, macht oft den Groove aus.

Das Pattern geht die ganze Zeit durch und ich kann auf dem Keyboard relativ entspannt improvisieren. Muss keine Virtuosität entwickeln, wie das früher war. Und dann hab’ ich einfach mal ein paar Minuten lang durchimprovisiert, mit den ganzen Breakdowns. Das ist also nichts, das durch langwieriges Komponieren entsteht. Wobei – letztendlich ist ja Komposition eh nichts anderes als eine festgehaltene und ausgearbeitete Improvisation.

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What’s next?

Costello:
Zu Bro und NFT gibt es auch Video-Clips. Von dir?

Reinhold Heil:
Ja. Das war sozusagen mein Hobby, speziell in der Zeit auf Hawaii. Da habe ich viel mit bewegten grafischen Animationen experimentiert, die im Fluss mit dem Rhythmus des Stückes sind. Teilweise werden sie tatsächlich von der Musik beeinflusst. Was bei dem Programm, mit dem ich da gearbeitet habe, sehr schwer ist. Ich hab’ noch ein anderes Programm, Touchdesigner, das ich gerne lernen würde. Da funktioniert die Inklusion von Musik in die Grafik unmittelbarer.

Costello:
Hast du Lust, nochmal auf der Bühne rumzuspringen?

Reinhold Heil:
Springen eher nicht, schon wegen Herzkrankheit und Alter und den Knochen und so. Und mit Laptop und Halb-Playback fände ich das auch eher unspannend. Aber wer weiß? Wenn das Album auf große Resonanz stößt, dann rentiert es sich vielleicht, Musiker zu finden, mit denen man eine Band auf die Bühne bringen kann.

Costello:
Du bist jetzt beim Berliner Label Künstlerhafen. Machst du da weiter?

Reinhold Heil:
Auf alle Fälle! Es gibt ein englischsprachiges Album von mir aus dem Jahr 1996, das Sony damals nicht veröffentlichen wollte. Das wanderte in die Schublade. Wir haben uns überlegt, dieses Album kommendes Jahr zu veröffentlichen. Da hole ich gerade die Genehmigungen von Mitmusikern ein.

Reinhold Heil – zurück in Europa, enttäuscht von den USA

Costello:
Du bist auch stark auf Social Media. Machst du das gerne?

Reinhold Heil:
Ich nutze Social Media vor allem für politische Inhalte. Weil die Situation wirklich bedrohlich wird. Wenn in den USA die National Guard, eine Reserveeinheit, die eigentlich für den Katastrophenschutz gedacht ist, gegen Demonstranten eingesetzt wird. Oder wenn, trotz einer seit Jahrzehnten militarisierten Polizei, sogar der Einsatz des Militärs gegen das eigene Volk in Erwägung gezogen wird. Der Faschismus ist bereits in vollem Gange in den USA. Und leider gibt es auch in Europa und hier in Deutschland Politiker, die sich Richtung Trump orientieren wollen. Jetzt habe ich dieses Album und kann, was mir politisch so auffällt, mit relativ prägnanten kleinen Album-Schnipseln verbinden. Aber meine Follower sind leider noch nicht sehr viele.

Costello:
War die Entwicklung in den USA der Grund, nach Europa zurückzukehren?

Reinhold Heil:
Amerika war die größte Enttäuschung meines Lebens. Das Schlimme war, fast 30 Jahre in diesem Land zu leben, mit einer schwarzen Frau, und blauäugig zu denken, der herrschende Rassismus klinge mit der Zeit ab. Meine Söhne, 24 und 26 Jahre alt, leben in der Nähe von San Francisco und in Boston. Ich wünschte mir, sie wären in Europa. Europa ist offen, noch ist es offen. Dabei sind die Afroamerikaner noch nicht mal am stärksten betroffen, sondern die Latinos. Die halten in den USA alles am Laufen, sauber machen, gärtnern, als Handwerker arbeiten. Die man aber nicht offiziell integriert, sondern mit der Drohung der Ausweisung dazu zwingt, sich mit jedem noch so kleinen Lohn zufrieden zu geben.

Reinhold Heil will im kommenden Jahr sein englisches Album herauszubringen, das 30 Jahre in der Schublade lag. Aktuell plant er seinen Umzug von Florenz nach Barcelona, wo er sich auch wieder ein richtiges Studio einrichten will. (Foto: Michele Campagni)

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Über den Autor
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costello RED

Costello (Christian Uhlig) schreibt seit 2016 für amazona.de Stories über Vintage-Equipment und Peoplegeschichten. Synthesizer faszinieren mich, seit ich als 12-Jähriger am EMS-Synthi A meines Bruders rumschrauben durfte. Ab 1979 selbst in verschiedenen Bands gespielt. Das Foto ist Anfang der 80er in einem der bekanntesten Berliner Clubs - dem SO36 - aufgenommen worden, wo die Bierflaschen tief flogen, wenn's den Leuten nicht gefallen hat. Zuletzt aktiv als Keyboarder einer Cover-Band in ...

Forum
  1. Profilbild
    MrKatz

    Sehr interessantes Interview. Vielen Dank!

    Hört nur etwas abrupt auf. kommt da vielleicht noch ein zweiter Teil? 🤔

    • Profilbild
      costello RED

      @MrKatz Hi MrKatz, ich konnte über eine Stunde mit Reinhold sprechen und klar wäre da noch viel mehr zu erzählen gewesen. Die Redaktion hatte mich aber gebeten mich (ganz Costello-untypisch😂) mal eher kurz und knapp zu halten, über das neue Album zu sprechen und ein bisschen das abzurunden, wo das ausführliche mehrteilige Reinhold Heil- Interview von Peter Grandl vor gut 10 Jahren endete. Und das ist eben vor allem die Rückkehr aus den USA und das doch sehr desillusionierte Fazit, was Reinhold über diese Zeit zieht. Das war emotional nicht zu toppen, weswegen ich die Info, dass es jetzt nochmal von Italien weiter nach Spanien geht, einfach in die letzte Bildunterschrift gepackt habe. Aber sicher gibt es künftig noch einige Gelegenheiten mehr über Reinhold (zum Beispiel auch seine Zeit bei Spliff) zu berichten.

  2. Profilbild
    teofilo

    Spliff hatte in zwei Jahren (82 bis 84) 3 Alben mit vielen genialen Tracks. Viele davon in den Credits Reinhold. Dem damaligen Zeitgeist nach, waren Synths angeblich doof, keine „echte“ Musik.
    Ich bin alt😉, aber ich bin überzeugt, dass die Melodien und Texte auch heute, im neuen (elektronischen) Gewand funktionieren würden.
    Wenn er es nicht macht, würde ich mich an einer neuen Version von Telefonterror wagen😁.
    Spliff war in vielem der Zeit voraus. Abgesehen von den Amis kam die Samplingtechnik erst deutlich nach 1984 Telefonterror (bspw. Marrs, Fat Boys Twist, Bruce und Bongo).

    • Profilbild
      EinGuter

      @teofilo Eigentlich meinst du da wohl drei Jahre, also 1982 bis 1984.
      Man sollte aber auch die Spliff Radio Show und NH-Band nicht unterschlagen.
      Zeitlich früher, aber nicht unwesentlich für die komplette Geschichte.
      Froon klammere ich mal bewusst locker aus.
      Technisch 1a, aber leider nicht wirklich mehr.
      Einfach zu glatt poliert

      • Profilbild
        teofilo

        @EinGuter ne😁 Spliff Radio Show ist überhaupt nicht meine Musik, aber 82 bis 84 habe ich gefeiert. Ich mutmaße mal – wäre interessant im Interview – dass Reinhold mit seinen (verpönten) Synths und Songwriting daran einen entscheidenden Anteil hat. Ähnlich wie David Harrow bei Anne Clark oder Harald Großkopf bei Lilli Berlin.

        • Profilbild
          Tai AHU

          @teofilo Genauso empfinde ich es. Die Nina Hagen Band, da dieerste Platte schlug ein wie eine Bombe. Bei der Radio Show dachte ich: was soll das denn? Dann drei weitere Alben lang hörte ich begeistert zu
          Btw, teofilo: er textete: Computer sind doof, nicht Synthies. Ja, ich weiss, fast ein Jahr her.

  3. Profilbild
    CDRowell AHU

    Seit der Nina-Hagen-Band erfreue ich mich an dem immer mitschwingenden Heil-Vibe in den verschiedenen Songs. Meiner Einbildung nach erkenne ich auch bei den Texten seine Heil-Style.

    Toll, dass er nicht aufhört zu sich zu stehen.

    Danke Hr. Heil!

    Danke für das interessante Interview.

  4. Profilbild
    Flowwater AHU

    Das Interview fängt irgendwie ’n bisserl komisch an … fast so, als hättest Du, Costello, Onkel Reinhold auf dem falschen Fuß erwischt. Oder geht das nur mir so?

    Ansonsten mit sehr viel Genuss gelesen. Schön vor allem, dass man auch mal ein bischen Technik mitbekommt (»Zebra« und der polyphone Arpeggiator, aha!). Dass Herrn Heil die USA enttäuscht haben, ist bei dem, was man vom ihm mitbekommt, nicht verwunderlich … hat mich aber trotzdem ein wenig überrascht.

    • Profilbild
      costello RED

      @Flowwater Hi Flowwater, es ist wie weiter unten in den Kommentaren Tai richtig vermutet: Reinhold kennt sich wegen seiner langen Zeit in den USA mit der deutschen Rapper-Szene nicht so gut aus. Der Name Bushido sagt ihm einfach nichts. Aber bei dem Albumtitel, der ja bei Leuten, die den Reinhold jetzt nicht so gut kennen, schon für Irritationen sorgen kann, konnte ich mir die Frage einfach nicht verkneifen.😉 Jetzt kommt die Passage vielleicht so ein bisschen tough rüber, tatsächlich haben wir uns super unterhalten.

      • Profilbild
        Flowwater AHU

        @costello Alles klar und vielen Dank für die Klarstellung. Genau so kenne ich auch den Herrn Heil aus anderen Interviews. Er machte bisher nämlich immer den Eindruck, als könnte man sich mit ihm prima über alles mögliche unterhalten. 🙂

  5. Profilbild
    hejasa AHU

    Herr Heil hört sich gereizt und gestresst an und sorry, leider sind für mich bei allem Respekt nur eine Aneinanderreihung von Presets wenn auch technisch sehr gut präsentiert!

    • Profilbild
      Markus Galla RED

      @hejasa Ich kann da keine Gereiztheit entdecken. Uns steht nur der Text ohne Tonfall und Mimik zur Verfügung, da kann man alles reininterpretieren.

      Was ist falsch daran, Presets zu benutzen? Die größten Hits sind mit Presets entstanden. Ich finde, dass die Musik was hat. Würde man Bro mit harten E-Gitarren-Sounds versehen, würde das nach Rammstein klingen.

      Ich könnte mir die Platte etwas umarrangiert und von einer guten Band gespielt durchaus live vorstellen. Einige der Texte könnten auch von Spitzer/Eberhartinger sein. Zeitkritisch halt, viel Sarkasmus, etwas weniger Klamauk als bei der EAV. Mit mehr Gitarren würde das Album vermutlich eine breitere Hörerschicht ansprechen. Aber es ist halt ein Soloalbum eines Keyboarders. Auch gut.

      • Profilbild
        mort76 AHU

        @Markus Galla So, wie ich das verstehe, GEHT es da ja gerade um diejenigen, die jetzt meinen, sie müßten anderen vorschreiben, wie heteronormativ und maskulin sie zu sein haben.

        Da gab es letztens bei Extra3 einen schönen passenden Seitenhieb: Ein paar Neonazis demonstrieren gegen etwas CSD-ähnliches, und da steht dann einer und sagt, die Leute dürften ja leben wie sie wollen, aber mit (Regenbogen)-Flaggen umherzuziehen und offensiv auf ihre Queer-Lebensweise hinzuweisen, wäre schlecht. (Also „don`t ask- don`t tell“.)

        Und dann stehen genau DIESE Leute da mit ihren Flaggen, und skandieren laut, daß man doch bitteschön heterosexuell zu sein hat…diese Leute merken garnicht, was das für eine Realsatire ist, die sie da abziehen, und daß sie selber gerade exakt DAS machen, was sie anderen vorwerfen.

        • Profilbild
          Apfelstern AHU

          @mort76 Intolerante Leute demonstrieren gegen Leute, die intolerant sind im Namen der Toleranz. Welch köstliche Absurdität.

          • Profilbild
            mort76 AHU

            @Apfelstern Um mal was netteres, unpolitischeres zu schreiben:
            Mir ist gestern noch eine weitere „köstliche Absurdität“ über den Weg gelaufen, die zumindest ein wenig witziger ist…ein Motorradfahrer knattert auf einer dieser wirklich extrem lauten Harleys an mir vorbei, und was trägt der?
            Ein T-Shirt mit der Aufschrift „Allergisch gegen Idioten!“.
            Von der Freundin geschenkt bekommen, und die Andeutung nicht verstanden?

      • Profilbild
        hejasa AHU

        @Markus Galla @ Markus Galla

        ich hatte mir verschiedene Beiträge von Reinhold Heil auf YouTube angesehen, bevor ich mich überhaupt zu einem Kommentar entschlossen habe. Ja, die Stücke sind gut produziert und gefallen mir durchaus, aber ich denke, dass Reinhold Heil sein Können vielleicht tangiert, aber bei weitem nicht ausreizt, daher die Konnotation „Presets“. Und wenn jemand so frustriert über 30 Jahre USA berichtet, auf der Suche nach einem Verbleib von Florenz nach Barcelona ist, ist er dann bester Laune?

        • Profilbild
          costello RED

          @hejasa Hi Hejasa, unten ist das Interview von Peter Grandl mit Reinhold Heil verlinkt. Da lohnt es sich unbedingt, nochmal reinzuschauen. Weil man da, mit seinem jetzigen galligen Resümee zu den USA im Hinterkopf, die Anzeichen schon rauslesen kann. Die Musik zu den Tom Tykwer-Filmen wie Lola rennt und Das Parfüm waren schon sehr erfolgreich, aber oft hat der Zufall ihm auch einen Strich durch die Rechnung gemacht. So, als der Agent von Hans Zimmer sich bei ihm gemeldet hat, er aber schon anderweitig unterschrieben hatte. Oder Cloud Atlas am entscheidenden ersten Kino-Wochenende von einem Hurrikan überschattet wurde. Wir hatten auch ausführlich über seine Zeit in Hawaii gesprochen: So eine Blumenfarm ist wunderschön, aber Du bist auch ein bisschen ab vom Schuss. Und als Nicht-Hawaiianer ist es dort nicht leicht Fuß zu fassen. Die politischen Entwicklungen sind jetzt der berühmte letzte Tropfen. Und da hat er, wie er selbst ja sagt „blauäugig“ lange auf eine Entwicklung zum Positiven gehofft. Aber schlecht gelaunt habe ich ihn ganz bestimmt nicht erlebt. Er eilte während unseres Gesprächs durch sein Loft, zeigte mal den Yamaha VP1 in schwarz mit dem Handy, mal eine Rio Reiser-Scheibe – den hat er auch produziert. Also da ist noch einiges zu erzählen und noch einiges von ihm zu erwarten.

    • Profilbild
      Tai AHU

      @hejasa Reinhold Heil lebte ja ab den späten Neunzigern in den USA. Da dürfte Bushido nie angekommen sein. Der kam nicht mal bei mir an, obwohl ich hier lebe, allerdings verstand ich die Frage von Costello. Nee, ich glaube, das war nicht gereizt, sondern er kann einfach mit diesem Bezug nicht allzu viel anfangen.

  6. Profilbild
    mort76 AHU

    Und heute wählt man einen Merz, der dann da steht und einem erzählt, wir können uns „Wohlstand“ und „Work-Life-Balance“ nicht gleichzeitig leisten, würden sowieso zu wenig arbeiten, zu früh in Rente gehen…ist mir ein Rätsel, wie ganze Generationen sich so verarschen lassen können, ohne die Fackeln und Mistgabeln rauszuholen.

    „Aber die Grünen…“- ja, wenns mal nicht um Profit geht, werden die Leute hingegen auf einmal auffallend verständnislos…das selbe Spiel wie Heil es schon in puncto Feminismus-Backlash erwähnt.

    Besonders witzig finde ich gerade, wie die Konservativen dann selber auf Kritik reagieren: Habeck haben sie jahrelang gegrillt, und sich gerne was ausgedacht und einreden lassen, wenns gerade nix zu meckern gababer wehe, jemand kritisiert den rechten Baron Merzhausen…

    • Profilbild
      Gerd Lange

      @mort76 Ich fand und finde eine ganze Reihe von Liedern von SPLIFF sehr gut, auch heute noch, z. Bsp. Rock ’n‘ Roll Refugee.
      Das mit dem BK Merz und so, bitter genug, wie die Leute sich aktuell an der Nase herumführen lassen. Herr Heils Enttäuschung über USA. Das war und ist die USA, ein Land des hemmungslosen Kapitalismus, Ausbeuterei pur, hire and fire, von wegen Arbeitnehmerrechte usw.
      Mal sehen, ob ich mir seine neue CD kaufen werde.

  7. Profilbild
    a.jungkunst AHU

    Ein wirklich interessantes Interview mit einem vielseitig interessierten und agierenden Menschen, der viel aus persönlichen Erlebnissen zu berichten weiß und kein Blatt vor den Mund nimmt. Man merkt seiner Musik an, dass er sich weiterhin nicht den einfachsten Weg sucht, sondern den, der ihn zufriedenstellt. Ob er nun zu diesem Zweck für ihn brauchbare Presets verwendet, ist mir völlig egal, das Gros der Menschheit kennt sowieso nichts davon. Reinhold Heil muss in Sachen Klangprogrammierung niemandem mehr etwas beweisen. Er setzt die ausgesuchten Klänge gut ein, schon seit Nina Hagen- und Spliff-Zeiten, und das ist seine persönliche Leistung, die ich auch so an seinem musikalischen Schaffen schätze. Schade, dass es das neue Album (noch?) nicht auf einem Tonträger gibt, aber manchmal muss man halt den Download-Weg gehen, um an gute Musik zu kommen. Auf ein 1996er-Album freue ich mich natürlich auch.

    • Profilbild
      costello RED

      @a.jungkunst Danke lieber Axel! Ich fand das Programing von Reinhold auch schon immer exzellent. Und finde es auch legitim und sogar kreativ, ein Bazille-Preset so zu nutzen, dass es beim Song Bro die Funktion von Bass, Snare und Bassdrum gleichzeitig übernimmt. Eine CD wäre schön, aber ich fürchte, dass Album bleibt erst mal bei den Streamern.

  8. Profilbild
    Tai AHU

    Mal was zu den Presets. Ich verwende fast ausschliesslich Presets. Nicht dass ich einen Synth nicht programmieren könnte, das war mal eine meiner Hauptbeschäftigungen. Vor 35, 40 Jahren. Ich hatte da sogar eine Softwarefirma mit Editoren für einige Synths. Aber heute konzentriere ich mich lieber auf das musikalische Ergebnis und habe keinen großen Spass daran, an Sounds zu schrauben, nur um eine dreiviertel Stunde später ein Ergebnis zu haben, das es längst gibt, oder das sich nur minimal von anderen unterscheidet. Ich höre den Unterschied, sonst niemand. Ein Cellist oder Waldhornspieler kommt auch glänzend mit seinem einzigen Preset zurecht.

    • Profilbild
      maga

      @Tai Genau! Was habe ich Nächte über Nächte ins DX7 Display (und später SY99) geglotzt und an nichtssagenden Parametern geschraub bis es irgendwann „gut“ klang……..
      ;-)

      Heute erfreue ich mich an der riesigen Library in meinem Montage und Fantom.
      Lieber klimpern als schrauben…. macht mehr Spass!
      Könnt aber auch am Alter liegen !?
      :-)

    • Profilbild
      chardt AHU

      @Tai Ich nehm‘ die monophonen ohne Speicher (z.B. Microbrute, Model D) zum Schrauben und die mit Speicher (z.B. Pro-800, MC-101) als Preset-Lieferanten. Ausnahmen:
      – Der Minilogue hat so schlechte Presets, dass ich „nachprogrammieren“ muss.
      – MiniFreak und MicroFreak will ich genau zum Experimentieren nutzen, trotz Speicher.

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        Tai AHU

        @chardt Ist bei mir ähnlich. Ich hatte jahrelang einen CS-5, heute noch einen Korg Odyssey und einen Behringer Mini. An denen schraube ich, da sie ja alle keine Speicher haben. Nehme ich auf, bleibt bei mir die Hardware aussen vor. Das findet alles in-the-box statt. Und bis auf wenige Ausnahmen kommen fast nur Presets ins Spiel. Es ist ja nicht mehr wie Ende der Achtziger, wo einige tatsächlich Digital Native Dance aus dem D-50 verwendet und dafür angemacht oder abgewertet wurden. Heute mit hunderten von Hardwaresynths und tausenden PlugIns ist das was anderes. Ganz nebenbei ist es völlig ok, wenn jemand tatsächlich ein PlugIn Preset wieder erkennt.

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    Apfelstern AHU

    Die böse „neue Männlichkeit“. Proleten gab es auch schon in den 80ern und früher. Daß es gesellschaftlich allgemein und insbesondere in der intersexuellen Sozialdynamik nicht rund läuft, dürfte weitgehend Konsens sein. Was im Detail falsch läuft, sei dahingestellt. Gegenreaktionen sind jedoch zu erwarten und eben auch übertriebene bis unsinnige Gegenreaktionen.
    Es gibt und gab schon immer Menschen mit nicht so hohem IQ. Und die tun und sagen Dinge, ziehen Schlüsse, wo man sich an den Kopf fassen muß, wenn’s einen denn interessiert. Der Schlüssel ist, daß es einen nicht interessieren muß.
    Wenn ich hier lese, daß das als Anzeichen für Faschismus interpretiert wird, ist meine diplomatischst mögliche Antwort darauf, daß jemand seinen Denkweg abgekürzt hat.
    Ebenso die weiteren politischen Einschätzungen. Schön, daß „Europa noch so offen ist“. ;-/
    Immerhin scheint er sich hierzulande wohler zu fühlen. Das sei ihm gegönnt. Merkwürdig scheint mir allerdings, daß er 30 (!) Jahre in einem Land lebt, wo er unzufrieden ist.

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      teofilo

      @Apfelstern Kennen „wir“ doch alle, irgendwann läuft das Fass über und dann gibt es kein zurück zu (angeblich) „normal“ – besser spät als nie😉

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      mort76 AHU

      @Apfelstern „Proleten gab es auch schon in den 80ern und früher.“

      Es geht aber nicht um irgendwelche Proleten, sondern beispielsweise um Neonazis, die gezielt einen kleinen CSD draußen auf dem Lande angreifen- mit Quartzsandhandschuhen, Holzlatten und anderen Schlagwerkzeugen.

      Anderswo nennen die Rechtsradikalen es „Pedo-Hunting“, wenn sie irgendwelche Homosexuellen in die Falle locken und zusammenschlagen- die Presse hat diese Bezeichnung dankend übernommen, dabei besteht garkein Zusammenhang mit Pädophilie, es trifft nur erwachsene Schwule.

      Und die Rechten benutzen die Abneigung der Konservativen gegen alles nicht-normative gezielt zur Rekrutierung- und wenn sie die Leute einmal am Haken haben, kriegen sie dann natürlich das übliche Neonazi-Komplettpaket untergejubelt.

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        Apfelstern AHU

        @mort76 „Es geht aber nicht um irgendwelche Proleten, sondern beispielsweise um Neonazis, die gezielt einen kleinen CSD draußen auf dem Lande angreifen“

        Das ist nicht, was typischerweise als „neue Männlichkeit“ bezeichnet wird. Die Verbindung zu Gewalttaten herstellen zu wollen, ist hanebüchen.

        „Die Konservativen und Neonazis sagen, daß beispielsweise die Schwulenehe den Wert der Hetero-Ehe beschädigt- ein Scheinargument, das ein Problem vortäuscht, wo keins ist, aber sein soll.“

        Nicht jeder, der Vorstellungen kritisiert, die als falsch verstandener Feminismus gedeutet werden können, ist automatisch Befürworter von ethnischem Massenmord (was Nazi sein bedeutet) und ist homophob. Das ist grotesk undifferenziert.
        Vielleicht habe ich Dich falsch verstanden.

        „Vor Schwulen muß man keine Angst haben. Vor den übergriffigen Moralwächtern schon.“
        Angst ist nie ein guter Berater. Ein Problem scheinen mir eher Menschen, die tatsächlich gewalttätig sind (gefährliche Körperverletzung durch Waffen und sexuelle Übergriffe) und in dem Zusammenhang interessant, daß Ignorieren von unübersehbarem Antisemitismus. Letzteres sollte ja eigentlich hierzulande nicht gesellschaftlich geduldet sein. Ist es jedoch offenbar.

        Wenn Herr Böhmermanns Witze auf widerlichsten fremdenfeindlichen Stereotypen basieren (Erdogan Schäh-„Gedicht“) und es fällt keinem auf, ist das entlarvend.

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      mort76 AHU

      @Apfelstern „Daß es gesellschaftlich allgemein und insbesondere in der intersexuellen Sozialdynamik nicht rund läuft…“

      Ich frage mich da immer: Nehmen diese Leute irgendwem was weg?
      Die Konservativen und Neonazis sagen, daß beispielsweise die Schwulenehe den Wert der Hetero-Ehe beschädigt- ein Scheinargument, das ein Problem vortäuscht, wo keins ist, aber sein soll.

      Es läuft so vieles nicht rund- aber wegen den Schwulen ticken diese Leute so aus?

      Da kommen dann Argumente wie „Trans-Menschen nehmen dann an Frauenwettkämpen teil!“, oder: „Was ist wenn so einer mal neben dir am Pinkelbecken steht?“ Oder: Die werden nur transsexuell, weil sie dann in der Frauensauna spannen können!“
      Was mehr über die Psyche DIESER Leute aussagt, als über die Pryche der Queers.

      Das sind doch Probleme, über die man ständig stolpert, oder?

      Vor Schwulen muß man keine Angst haben. Vor den übergriffigen Moralwächtern schon. Vor allem, wenn deren Moral derart selektiv ist…

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        Gereon Gwosdek RED

        @mort76 Vielen Dank für eure Beteiligung in den Kommentaren! Ich möchte euch nur kurz bitten, möglichst nah am Thema des Interviews zu bleiben. Politische Diskussionen sind natürlich wichtiger denn je, aber hier auf AMAZONA soll der Fokus auf der Musik und dem Inhalt des Artikels liegen. Politische Diskussionen driften online leider oft schnell ab und lassen sich schwer moderieren.

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          Apfelstern AHU

          @Gereon Gwosdek Dem kann ich beipflichten. Gleichzeitig muss man feststellen, daß der Interview sich politisch geäußert hat.
          Und wenn dann Nazi-Vergleiche kommen, hoffe ich, daß es akzeptiert ist, sich dazu in sachlicher Weise zu äußern.
          Einen Nazi-Vergleich kann man nicht einfach so stehen lassen.

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            Gereon Gwosdek RED

            @Apfelstern Absolut ist es akzeptiert und auch erwünscht, das dann nicht so stehen zu lassen! Aber wie du auch schon richtig schreibst: Sachlich. Nur daran wollte ich einfach nochmal kurz erinnern, damit es hier in der Kommentarspalte nicht abdriftet.

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      Flowwater AHU

      @Apfelstern
      > […] Proleten gab es auch schon in den 80ern und früher. […]

      Oh ja, oh Mann, wie mich das in der Schule schon angekotzt hat (Zitat: »Willse was uffe Fresse?«). Ich selber kann in meinem Umfeld zwar nicht wirklich ein Erstarken einer »neuen Männlichkeit« oder die vielzitierten »toxische Männlichkeit« erkennen … aber das ist halt auch nur »mein« Umfeld, das ich mir inzwischen sehr bewusst aussuche. Deswegen finde ich es sehr gut, wenn immer und immer wieder auf gewisse Missstände hingewiesen wird.

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        costello RED

        @Flowwater Mir gefällt es, dass Reinhold da ein aktuelles Thema aufgreift. Aber ich finde es auch sehr angenehm, dass er es nicht mit erhobenem Zeigefinger tut. Ich finde die Texte teilweise saukomisch. Bei „Ich föhne meinen Bart“ schmeiß ich mich regelmäßig weg. Auch bei „Weg da, weg da“ habe ich sehr bildhafte Assoziationen. 😁

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        Apfelstern AHU

        @Flowwater „»toxische Männlichkeit«“

        Mit dem Begriff werden Menschen pauschal aufgrund ihres Geschlechts pathologisiert.

        »neue Männlichkeit« wird vermutlich nicht nur von Dir quasi synonym gedeutet.

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          Klinke

          @Apfelstern Da hast Du was falsch Verstanden, nicht alle Männer sind automatisch toxisch. Mit dem Konzept wird nicht Männlichkeit an sich beschrieben (es soll nicht aussagen, dass jegliche Männlichkeit automatisch toxisch ist), sondern ein Rollenbild beschrieben, in welchem die Männer Ihre Gefühle unterdrücken, zur Gewalt neigen, misogyn sind…

  10. Profilbild
    zirkuskind

    Es braucht mehr solche politisch kommentierenden MusikerInnen. Leute, die klar sagen wie es ist: Es ist Faschismus was da drüben läuft und hier manche ebenfalls wieder durchdrücken wollen. Tolles Interview.

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      Mac Abre AHU

      @zirkuskind Absolut. Als Mensch der Öffentlichkeit, ist man in der Pflicht, das richtige Vorbild zu sein und nicht zu schweigen. In den letzten Jahren meines Plattenlegerdaseins, spielte ich immer „Schrei nach Liebe“ von Die Ärzte als letztes Stück, wohlwissend, dass leider immer auch ein paar Rechte im Laden waren.

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