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Interview: Robert Schroeder, EM-Musiker der ersten Stunde – Teil 1


Klaus Schulze verhalf zum Karriere-Kick

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Peter:
Der Legende nach hörte Klaus deine Musik zum ersten Mal bei eben dieser Taufe, woraufhin er dir einen Kontakt herstellte zu seinem Plattenlabel. Wie war das damals tatsächlich?

Robert:
Während der kleinen Tauffeier bei Kaffee und Kuchen lief im Hintergrund ein Band mit meiner ersten eigenen EM mit selbst gebauten Geräten. Für mich seinerzeit nicht, um Schulze meine Musik näher zu bringen, sondern die Musik sollte lediglich Katalysator sein, um auf meine selbst gebauten Synthis aufmerksam zu machen.
Schulze spitzte wirklich die Ohren bei meiner Musik und war begeistert. Ein großer Teil der damaligen glücklichen Umstände war auch die Tatsache, dass Schulze gerade in dieser Zeit sein erstes Label gründete, nämlich IC (Innovative Communication).

Hierfür kam ich mit meiner Musik gerade richtig und er meinte, da machen wir was draus. Natürlich war ich begeistert und im siebten Himmel. Noch bei mir zu Hause rief Schulze beim Frankfurter Tonstudio Panne & Paulssen an, um einen ersten Aufnahmetermin für mich zu vereinbaren. In diesem Tonstudio nahm Schulze derzeit auch seine eigenen Schallplatten auf. Ich war auf so etwas natürlich überhaupt nicht vorbereitet, weder kompositorisch, noch seitens der Ausstattung meines Equipment und auch nicht innerlich, denn Musiker zu werden war, wie bereits gesagt, nicht mein vorrangiges Ziel zu dieser Zeit. Aber so schnell kann es manchmal gehen, wenn einige günstige Umstände zusammen treffen. Schulze nahm das Tape, welches er bei mir gehört hatte, gleich mit nach Berlin. Nicht zur Veröffentlichung, lediglich als Gedankenstütze. Das Tape ging dann irgendwie verloren, ich hab’s nie wieder gesehen.

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Klaus Schulze auf der Taufe 1978

Peter:
Dann springen wir mal zurück. Wie begann das bei dir mit der Musik?

Robert:
Im Alter von ca. 7-8 Jahren hatte ich noch keinen besonderen Bezug zur Musik. Aber die Beatles, eine der wenigen Bands, die es zu jener Zeit gab, waren mir schon zu Ohren gekommen und hatten mich auch aufmerksam gemacht. Ansonsten kannte man ja nur die Schlagermusik der Eltern.
Ein altes verstimmtes Klavier auf dem Speicher meiner Oma hatte mich allerdings schon damals bei Besuchen magisch angezogen.
Mein Vater spielte Gitarre, als Hobbymusiker auch hin und wieder bei Feierlichkeiten im Freundeskreis. Diese Gitarre durfte ich allerdings nie berühren, die war meines Vaters Heiligtum. Möglicherweise hatte dies meinen Willen, auch einmal Musik machen zu wollen, verstärkt.

Mit ca. 9 Jahren war ich von den Beatles und ihrer Musik begeistert. Damals gab es kaum Öffentlichkeit für moderne Musik. Man hörte mal was im Radio. Wenn man Glück hatte, denn die Eltern wollten solch moderne Musik nicht hören. Im damals noch Schwarz-Weiß-TV konnte man die Beatles dann auch mal live auf der Bühne sehen.

Bereits dies hat bei mir den Wunsch geweckt, auch einmal als Musiker auf der Bühne stehen zu wollen. Es war letztlich nicht nur die Musik alleine, die mich auf meinen Weg als Musiker geschickt hat, sondern auch das Drumherum, das live spielen, Menschen begeistern, bekannt oder berühmt sein wollen … und womöglich auch die Vision von Reichtum.
Mit dieser Begeisterung baute und spielte ich meine ersten Drums, die ich aus Kochtopfdeckeln und Pappkartons zusammengebaut hatte. Für die Bassdrum eignete sich wunderbar die so genannte Dash Trommel, ein Waschpulver im runden stabilen Kartoneimer.

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  1. Profilbild
    Synthfreak ••

    Ich finde diese Interviews am Wochenende echt interressant. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass diese gesamte Website für den Nutzer kostenlos ist, ist das ein super Service.
    Bitte weiter so.

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    Son of MooG AHU

    Dito. Das Bild mit der Heimorgel auf Seite 4 erinnerte mich an ein verschollenes Foto meines „Equipments“ von 1977: Eminent Orgel mit Akai Bandmaschine und ein alter Bass-Verstärker (Marke vergessen).

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    costello RED

    Von der Dash-Bass Drum zum Midi-Akkordeon. Robert Schroeder ist wirklich EM-Urgestein. Bei youtube findet sich einiges von ihm: Vom Mellotron-Bombast früherer Tage bis zu aktuelleren Sachen, die teilweise ziemlich chillig klingen. Schönes Interview!

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    dilux AHU

    dass der mann im besten sinne oldschool ist, beweist der atari-monitor in seinem heutigen studio :)
    IC war übrigens auch das erste label von ideal, da wurde musikalisch also wahrlich ein weiter bogen gespannt…

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      RS

      Hi Iggy, schön, dich hier zu treffen.
      Das mit dem PPG war wohl ein Fehler der Redaktion … ist natürlich der Wave.2 …
      War schon ein feines Teil …

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    lightman ••••

    Kurzweiliges Interview, freue mich auf eine Fortsetzung. Schulze und Schroeder sind musikalisch nicht ganz mein Ding, ihr Werdegang in der EM-Szene ist jedoch beispielhaft, und wer Synthies nicht nur spielen, sondern auch selbst bauen kann, hat bei mir sowieso schon mal einen schweren Stein im Brett.

    Den Spirit des Selbermachens halte ich immer noch hoch, vielleicht nicht auf Bauteilebene, dafür aber umso mehr bei der Nutzung elektronischer Instrumente, die es nicht ins Rampenlicht oder Sammlerregal geschafft haben und daher auch für finanziell Unterbeeimerte wie mich bezahlbar sind. Die damit verbundenen Kompromisse werden durch kreatives Gebastel wieder wettgemacht. Das geht natürlich nicht so glatt ins Ohr wie Peter Alexander (schöne Grüße an Loriot), erfreut aber mein Musikerherz, das dem Sound der Hinfälligkeit schon immer mehr abgewinnen konnte, als seidiger Finesse. Das ist es, was ich aus den Anfangstagen der Szene mit in meine Jetztzeit nehme, und dafür danke ich den Pionieren aus jenen Tagen aus der Tiefe meines Herzens, ganz gleich, welche Musik sie auch machten und noch machen.

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      RS

      hallo lightman,
      manchmal weiß man eben nicht, ob einem die Musik besser gefällt, oder die Technik dahinter. Für mich ist beides interessant und hat mir Lebensinhalt gegeben. Und dein Satzt stimmte auch bei mir: „Die damit verbundenen Kompromisse werden durch kreatives Gebastel wieder wettgemacht.“

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