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Interview: Robert Schroeder, EM-Musiker der ersten Stunde – Teil 1


Klaus Schulze verhalf zum Karriere-Kick

Peter:
In den späten Siebzigern war Synthesizer-Equipment fast unerschwinglich. Wie hast du dir deine ersten Synthesizer finanziert und welche waren das?

Robert:
Oh ja, die ersten Synthesizer in den 70ern waren unbezahlbar teuer und ich verfügte ohnehin nicht über finanzielle Mittel. Aber getüftelt und selbst gebaut habe ich bereits seit Jahren in meiner Gitarrenzeit. Alte Röhrenradios wurden zu Amps umgebaut (je Radio = 10 Watt) und aus vielen Radiolautsprechern wurde die Lautsprecherbox gebaut. Und so hatte ich auch für die elektronische Musik aus der Not eine Tugend gemacht und mir meine ersten Synthesizer selbst gebaut. Anfangs waren das lediglich gegengekoppelte Geräte, mit denen ich Zwitschersounds und Pfeifgeräusche erzeugen konnte.

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Aber das war nicht mit einem Synthesizer im eigentliche Sinne vergleichbar. Ich holte mir aus der Stadtbücherei vier dicke Bücher über die Grundlagen der Elektronik. Da ich Elektronik zwecks Synthesizerbau unbedingt lernen wollte, habe ich den Stoff dieser Bücher gefressen und verinnerlicht. Ich bin Autodidakt, sowohl als Musiker, als auch in der Geräteelektronik. Mit Mühe und Not habe ich mir die ersten elektronischen Bauteile besorgt (damals galt so was noch als Geheimtipp) und das Wissen aus den Büchern Schritt für Schritt in die Praxis umgesetzt. Es war ein hohes Glücksgefühl, die ersten echten aber immer noch rohen Töne aus einem simplen Oszillator mit nur wenigen Bauteilen heraus zu holen.

Neben der Musik war ich nun auch noch von der Elektronik infiziert. Innerhalb weniger Jahre habe ich in steter Arbeit sehr viel gelernt, durch Experimentieren und durch das Bauen vieler Schaltungen und Geräte. Zu den Oszillatoren wurden dann rasch Filter, ADSR, LFOs und vieles mehr gebaut, alles was mit Synthesizern und Effektgeräten zu tun hatte. Nach den ersten kleinen Aufträgen Dritter zum Bau solcher Geräte entstand schnell die Idee, eine Synthesizer-Manufaktur aufzubauen. Dies war einige Jahre mein Lebensziel und das Geschäft wuchs langsam an. Die ersten Module wurden 1978 dann auch professionell von einer Aachener Firma Namens RAE-Elektronik vertrieben.

Die Herstellung von Musik-Elektronik habe ich mit der Entscheidung, Musiker werden zu wollen, an den Nagel gehängt. Zum Abschluss meiner diesbezüglichen Tätigkeit schrieb ich ein Fachbuch mit dem Titel: „Sequenzer, ein MusikComputer(?)“, welches 1979 beim Franzis Verlag, München veröffentlicht wurde.

Buch: Sequencer-Selbstbau

Buch: Sequencer-Selbstbau

Dieses Buch war für jene Menschen gedacht, die genau wie ich EM machen wollten, aber kein Geld zum Kauf solcher Geräte hatten. Solche Menschen konnten sich mit diesem Buch und ein paar Mark für die Bauteile einen eigenen Synthesizer/Sequencer bauen. Die Veröffentlichung dieses Fachbuches lief parallel zur Veröffentlichung meiner ersten LP „Harmonic Ascendant“ im Jahre 1979.

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    Synthfreak ••••

    Ich finde diese Interviews am Wochenende echt interressant. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass diese gesamte Website für den Nutzer kostenlos ist, ist das ein super Service.
    Bitte weiter so.

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    Son of MooG AHU

    Dito. Das Bild mit der Heimorgel auf Seite 4 erinnerte mich an ein verschollenes Foto meines „Equipments“ von 1977: Eminent Orgel mit Akai Bandmaschine und ein alter Bass-Verstärker (Marke vergessen).

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    costello RED

    Von der Dash-Bass Drum zum Midi-Akkordeon. Robert Schroeder ist wirklich EM-Urgestein. Bei youtube findet sich einiges von ihm: Vom Mellotron-Bombast früherer Tage bis zu aktuelleren Sachen, die teilweise ziemlich chillig klingen. Schönes Interview!

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    dilux AHU

    dass der mann im besten sinne oldschool ist, beweist der atari-monitor in seinem heutigen studio :)
    IC war übrigens auch das erste label von ideal, da wurde musikalisch also wahrlich ein weiter bogen gespannt…

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      RS

      Hi Iggy, schön, dich hier zu treffen.
      Das mit dem PPG war wohl ein Fehler der Redaktion … ist natürlich der Wave.2 …
      War schon ein feines Teil …

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    lightman ••••

    Kurzweiliges Interview, freue mich auf eine Fortsetzung. Schulze und Schroeder sind musikalisch nicht ganz mein Ding, ihr Werdegang in der EM-Szene ist jedoch beispielhaft, und wer Synthies nicht nur spielen, sondern auch selbst bauen kann, hat bei mir sowieso schon mal einen schweren Stein im Brett.

    Den Spirit des Selbermachens halte ich immer noch hoch, vielleicht nicht auf Bauteilebene, dafür aber umso mehr bei der Nutzung elektronischer Instrumente, die es nicht ins Rampenlicht oder Sammlerregal geschafft haben und daher auch für finanziell Unterbeeimerte wie mich bezahlbar sind. Die damit verbundenen Kompromisse werden durch kreatives Gebastel wieder wettgemacht. Das geht natürlich nicht so glatt ins Ohr wie Peter Alexander (schöne Grüße an Loriot), erfreut aber mein Musikerherz, das dem Sound der Hinfälligkeit schon immer mehr abgewinnen konnte, als seidiger Finesse. Das ist es, was ich aus den Anfangstagen der Szene mit in meine Jetztzeit nehme, und dafür danke ich den Pionieren aus jenen Tagen aus der Tiefe meines Herzens, ganz gleich, welche Musik sie auch machten und noch machen.

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      RS

      hallo lightman,
      manchmal weiß man eben nicht, ob einem die Musik besser gefällt, oder die Technik dahinter. Für mich ist beides interessant und hat mir Lebensinhalt gegeben. Und dein Satzt stimmte auch bei mir: „Die damit verbundenen Kompromisse werden durch kreatives Gebastel wieder wettgemacht.“

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