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Interview: Robert Schroeder, EM-Musiker der ersten Stunde – Teil 1


Klaus Schulze verhalf zum Karriere-Kick

Peter:
Die Musik, die 1978 auf der Taufe lief, wie hattest du die produziert und aufgenommen?

Robert:
Tja, wie gesagt, mein ganzer Reichtum waren zu dieser Zeit (1978) nur wenige selbst gebaute Geräte, zwei Modular-Synthesizer und ein Federhall. Gebastelt und gebaut wurde im Keller, in einer Ecke dieses Kellers war ein durch Styroporplatten abgetrennter Bereich, in dem ich meine fertigen Geräte stehen hatte und wo ich auch meine ersten Aufnahmen machte. Für Aufnahmen hatte ich ein eigenes älteres Tonbandgerät und konnte mir zudem von einem Freund eine REVOX leihen. Hiermit nahm ich dann auch das erste Tape auf, welches Schulze bei der Taufe hörte.

Wer diese Zeit noch erlebt hat oder wer selbst mit diesen steinzeitlichen Aufnahmemöglichkeiten gearbeitet hat, weiß, wovon ich spreche: Hin und her kopieren und immer wieder was dazu spielen und das Rauschen und die Störgeräusche vervielfachen sich bei jeder Kopierung. Wer da mindestens eine 4-Kanal-Bandmaschine besaß, war schon gut bedient. Keinesfalls zu vergleichen mit den heutigen superlativen Möglichkeiten mit bestem Sound für wenig Geld. Aber wer’s mitgemacht hat, hat was fürs Leben gelernt.

1976 - erster selbstgebauter Synthesizer

1976 – erster selbstgebauter Synthesizer

1977 - zweiter selbstgebauter Synthesizer

1977 – zweiter selbstgebauter Synthesizer

Peter:
Wie ging das los mit Deinem eigenen Plattenvertrag bei einem namhaften Label? Hast du einfach drauflos produzieren dürfen, hast du einen Vorschuss bekommen?

Robert:
Durch die rasche Entscheidung bei der Taufe meines Sohnes, wo ich mich quasi von heute auf morgen zu einem Leben als Musiker entschieden hatte und Schulze im Aufbau seines IC Labels steckte, bot es sich an, zu Schulze nach Celle zu ziehen. Schulze war zu dieser Zeit von Berlin nach Celle (Hambühren) gezogen. In einem Nachbarort (Winsen/Aller) wurde Schulzes Label IC geboren. Zur technischen Ausstattung der Aufnahmestudios konnte ich mit meinen technischen/elektrischen/handwerklichen Kenntnissen beim Aufbau mithelfen.

Aber zurück zu deiner Frage. Ja, Schulze hatte mir völlig freien Lauf in meiner Musik gelassen. Auch das Covermotiv hatte ich mir aussuchen können.

Die Ideen zu meiner ersten LP entstanden zu 70% vor einem Studiotermin und der Rest spontan bei den Aufnahmen im Studio. Sehr lustig war die Entstehung von Harmonic Ascendant. Damals hatte ich meine kleine Synthiburg im Schaufenster eines Hi-End-Audiogeschäftes stehen. Der Inhaber war ein guter Freund und so trafen wir uns abends mit mehreren netten Leuten in diesem Geschäft und machten bis spät in die Nacht, im Schaufenster sitzend, Musik. Ich hatte einen Schalltransmitter, mit dem man eine Schaufensterscheibe als Lautsprecher nutzen kann, und daher standen dann auch oft Menschen vor dem Schaufenster und verfolgten unsere lustige Nacht. Und zusammen mit dem Gitarristen Udo Mattusch (damals Student in Aachen) entstand das Stück Harmonic Ascendant in der Demoform.

Die späteren Aufnahmen im Tonstudio habe ich zwar auch mit meinen selbstgebauten Synthesizern eingespielt, aber konnte zudem Instrumente des Tonstudios benutzen, wie Flügel, Mellotron und den Polymoog. Die ersten Aufnahmen zur ersten LP wurden allerdings bereits 1978 im Frankfurter Tonstudio ein erstes Mal von mir eingespielt. Wie gesagt, Schulze hatte mir nie in meine Musik hinein geredet, aber leider die Vertriebsfirma WEA in Hamburg. Schulze konnte damals die WEA (Label von Warner Music) als Vertrieb für sein IC-Label gewinnen. WEA-Chef Siggi Loch war meine Musik „zu elektronisch“.

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    Synthfreak ••••

    Ich finde diese Interviews am Wochenende echt interressant. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass diese gesamte Website für den Nutzer kostenlos ist, ist das ein super Service.
    Bitte weiter so.

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    Son of MooG AHU

    Dito. Das Bild mit der Heimorgel auf Seite 4 erinnerte mich an ein verschollenes Foto meines „Equipments“ von 1977: Eminent Orgel mit Akai Bandmaschine und ein alter Bass-Verstärker (Marke vergessen).

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    costello RED

    Von der Dash-Bass Drum zum Midi-Akkordeon. Robert Schroeder ist wirklich EM-Urgestein. Bei youtube findet sich einiges von ihm: Vom Mellotron-Bombast früherer Tage bis zu aktuelleren Sachen, die teilweise ziemlich chillig klingen. Schönes Interview!

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    dilux AHU

    dass der mann im besten sinne oldschool ist, beweist der atari-monitor in seinem heutigen studio :)
    IC war übrigens auch das erste label von ideal, da wurde musikalisch also wahrlich ein weiter bogen gespannt…

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      RS

      Hi Iggy, schön, dich hier zu treffen.
      Das mit dem PPG war wohl ein Fehler der Redaktion … ist natürlich der Wave.2 …
      War schon ein feines Teil …

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    lightman ••••

    Kurzweiliges Interview, freue mich auf eine Fortsetzung. Schulze und Schroeder sind musikalisch nicht ganz mein Ding, ihr Werdegang in der EM-Szene ist jedoch beispielhaft, und wer Synthies nicht nur spielen, sondern auch selbst bauen kann, hat bei mir sowieso schon mal einen schweren Stein im Brett.

    Den Spirit des Selbermachens halte ich immer noch hoch, vielleicht nicht auf Bauteilebene, dafür aber umso mehr bei der Nutzung elektronischer Instrumente, die es nicht ins Rampenlicht oder Sammlerregal geschafft haben und daher auch für finanziell Unterbeeimerte wie mich bezahlbar sind. Die damit verbundenen Kompromisse werden durch kreatives Gebastel wieder wettgemacht. Das geht natürlich nicht so glatt ins Ohr wie Peter Alexander (schöne Grüße an Loriot), erfreut aber mein Musikerherz, das dem Sound der Hinfälligkeit schon immer mehr abgewinnen konnte, als seidiger Finesse. Das ist es, was ich aus den Anfangstagen der Szene mit in meine Jetztzeit nehme, und dafür danke ich den Pionieren aus jenen Tagen aus der Tiefe meines Herzens, ganz gleich, welche Musik sie auch machten und noch machen.

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      RS

      hallo lightman,
      manchmal weiß man eben nicht, ob einem die Musik besser gefällt, oder die Technik dahinter. Für mich ist beides interessant und hat mir Lebensinhalt gegeben. Und dein Satzt stimmte auch bei mir: „Die damit verbundenen Kompromisse werden durch kreatives Gebastel wieder wettgemacht.“

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