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Interview: Robert Schroeder, EM-Musiker der ersten Stunde – Teil 1


Klaus Schulze verhalf zum Karriere-Kick

Peter:
DIe Musik eines Elektronik-Labes war WEA zu elektronisch?

Robert:
Man bedenke, dass EM zu dieser Zeit nicht etabliert war, es war sehr schwer, die Musikindustrie dafür zu interessieren. So ging ich einige Monate später nochmals ins Frankfurter Tonstudio, um die Aufnahmen zu überarbeiten. Und diese gefielen dem Siggi Loch so gut, dass er meine Musik sogar bei seinen Segelturns hörte.

Im Übrigen hatten bei IC alle Musiker freie Hand, ob Baffo Banfi, Wolfgang Bock, P’Cock, Lorry, Mickey Duwe aka Mickey D., Din A Testbild, Arthur Brown, Vincent Crane (ex Atomic Rooster) usw., alles Künstler der ersten Stunde von IC.

Unsere Freiheit lag wohl darin begründet, dass sich Schulze Künstler aussuchte, die wussten, was sie wollen. Da braucht man nicht korrigierend einzugreifen.
Vorschuss … ja, damals gab es so was noch, da war der Musiker noch was wert. Schulze hat IC damals ernst genommen. Das war auch eine tolle Idee und es war auch stimmig, weil hier ein Musiker (Schulze) ein Label für Musiker gründete.

Künstler: Robert Schroeder 1979

Künstler: Robert Schroeder 1979

Das ist vielfach glaubwürdiger, als wenn dies ein nur Geschäftsmann täte, denn Schulze hat Musiker verstanden, deshalb gab es auch Vorschuss. Und so ein Vorschuss tut dem Musiker gut, denn er weiß, dass die es ernst meinen, denn die werden was tun, weil sie ihr Geld ja wiederhaben wollen.
Und dennoch, für mich hatten die Verträge mit IC auch ihre Tücken, wenn man von Verträge nichts versteht (weiß ich heute). Natürlich ist jeder happy, seinen ersten Plattenvertrag zu bekommen, da unterschreiben manche gerne blind, Hauptsache Vertrag. War bei mir auch so. Daher habe ich damit auch ein Leben lang die Rechte an meinen ersten drei Scheiben verloren (normalerweise nur auf wenige Jahre beschränkt).

Dennoch, ohne diesen Schritt hätte es auch keine weiteren Schritte gegeben und heute kein Interview mit Robert Schroeder. Das war Lehrgeld, aber ich habe auch sehr viel dafür bekommen.

Peter:
Offensichtlich hast du dir auch gerne Equipment selbst gelötet. Auf dem Opening-Bild auf deiner Website sieht man dich vor einem PPG Wave 2 sitzen und drüber ist eine große gelbe Synthi-Konstruktion. Was genau ist das?

Robert:
Dieses Modular-System war der letzte Synthi, den ich entwickelt und gebaut habe, als ich mich 1979-1980 denn doch zum Musikerleben entschied. Dies ist auch ebenso ein Anschauungsobjekt dessen, was mein damaliges Buch als Bauanleitung lieferte. Dieser Modular-Synthi, es ist das Modell „Aix-La-Chappelle“ (heißt Aachen), stellt den Höhepunkt und Abschluss meiner Schaffenszeit als Synthesizerbauer da. Es handelt sich um einen der ersten digitalen Sequencer überhaupt (gleichzeitig mit den ersten digitalen PPG Sequencern), denn zu dieser Zeit gab es lediglich analoge Stepsequencer. Ich glaube, Döpfer lag damals auch schon weit vorne.

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Robert Schroeders selbst gebauter Synthesizer von 1980

Das obere größte Modul ist ein digitaler Sequencer (daher stimmstabil, was damals noch ein Problem war) und die Sequenz war zudem noch speicherbar (Cassette). Diesen Sequencer hatte ich auch als Standalone-Gerät gebaut und hatte auch ein paar wenige davon verkaufen können. Die anderen Module des Modular-Synthis waren VCOs (spannungsgesteuerte Oszillatoren), VCAs (Verstärker), VCFs (Filter), ADSR (Hüllkurvengeneratoren), LFOs (langsam schwingende Oszillatoren), ein Frequenzzähler, Ringmodulator und Drum-Modul.
Das Gerät erfreut mich noch heute wegen seiner Optik und funktioniert auch noch.

Natürlich würde die Leistung dieses großen Schaltschranks heute in einer Armbanduhr Platz finden. Wenn ich damals (um 1980) auch meine Zukunft nicht mehr mit dem Bau von elektronischen Musik-Equipment fortführen wollte, so hat mich der Entwicklungs- und Tüfteldrang dennoch immer mal wieder eingeholt. So z.B. vor einigen Jahren mit der Entwicklung meines so genannten Midikons. Umhänge-Keyboards im üblichen Sinne kennen wir. Das MIDiKON (= Mischung aus MIDI und Akkordeon) ist eine neue Form des Umhänge-Keyboards, welches aussieht, wie ein Akkordeon. Nur sind es eben 2 MIDI-Controller, mechanisch, elektronisch und optisch zusammen gebaut und getragen und gespielt wie ein Akkordeon. Nur sind es eben MIDI-Controller, die per Funk die Daten zum Computer bzw. Klangerzeugung beamen.

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  1. Profilbild
    Synthfreak ••••

    Ich finde diese Interviews am Wochenende echt interressant. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass diese gesamte Website für den Nutzer kostenlos ist, ist das ein super Service.
    Bitte weiter so.

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    Son of MooG AHU

    Dito. Das Bild mit der Heimorgel auf Seite 4 erinnerte mich an ein verschollenes Foto meines „Equipments“ von 1977: Eminent Orgel mit Akai Bandmaschine und ein alter Bass-Verstärker (Marke vergessen).

  3. Profilbild
    costello RED

    Von der Dash-Bass Drum zum Midi-Akkordeon. Robert Schroeder ist wirklich EM-Urgestein. Bei youtube findet sich einiges von ihm: Vom Mellotron-Bombast früherer Tage bis zu aktuelleren Sachen, die teilweise ziemlich chillig klingen. Schönes Interview!

  4. Profilbild
    dilux AHU

    dass der mann im besten sinne oldschool ist, beweist der atari-monitor in seinem heutigen studio :)
    IC war übrigens auch das erste label von ideal, da wurde musikalisch also wahrlich ein weiter bogen gespannt…

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      RS

      Hi Iggy, schön, dich hier zu treffen.
      Das mit dem PPG war wohl ein Fehler der Redaktion … ist natürlich der Wave.2 …
      War schon ein feines Teil …

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    lightman AHU

    Kurzweiliges Interview, freue mich auf eine Fortsetzung. Schulze und Schroeder sind musikalisch nicht ganz mein Ding, ihr Werdegang in der EM-Szene ist jedoch beispielhaft, und wer Synthies nicht nur spielen, sondern auch selbst bauen kann, hat bei mir sowieso schon mal einen schweren Stein im Brett.

    Den Spirit des Selbermachens halte ich immer noch hoch, vielleicht nicht auf Bauteilebene, dafür aber umso mehr bei der Nutzung elektronischer Instrumente, die es nicht ins Rampenlicht oder Sammlerregal geschafft haben und daher auch für finanziell Unterbeeimerte wie mich bezahlbar sind. Die damit verbundenen Kompromisse werden durch kreatives Gebastel wieder wettgemacht. Das geht natürlich nicht so glatt ins Ohr wie Peter Alexander (schöne Grüße an Loriot), erfreut aber mein Musikerherz, das dem Sound der Hinfälligkeit schon immer mehr abgewinnen konnte, als seidiger Finesse. Das ist es, was ich aus den Anfangstagen der Szene mit in meine Jetztzeit nehme, und dafür danke ich den Pionieren aus jenen Tagen aus der Tiefe meines Herzens, ganz gleich, welche Musik sie auch machten und noch machen.

    • Profilbild
      RS

      hallo lightman,
      manchmal weiß man eben nicht, ob einem die Musik besser gefällt, oder die Technik dahinter. Für mich ist beides interessant und hat mir Lebensinhalt gegeben. Und dein Satzt stimmte auch bei mir: „Die damit verbundenen Kompromisse werden durch kreatives Gebastel wieder wettgemacht.“

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