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Interview: Roger Linn, Comeback einer Legende

AMAZONA.de:
Die LinnDrum hat die Musikwelt verändert, und viele Schlagzeuger hatten damals Angst, arbeitslos zu werden. Hattest Du damals ein schlechtes Gewissen deshalb?

Roger:
Nein. So wie Autos Kutschen ersetzt haben, Kameras die Portraitmaler und das ARP String Ensemble einige Saitenspieler, habe ich begriffen, dass Technologien immer die Gesellschaft beeinflussen. Und wenn ich keine bessere Drummachine entwickelt hätte, dann hätte es jemand anderes getan. Außerdem war damals schon klar – und das ist auch mir aufgefallen -, dass Drummachines nur in der Lage waren, die programmierten Drum-Parts  wiederzugeben. Keine der Drummachines kann beurteilen, ob ein Drum-Part gut ist, und sie kann auch nicht mit den anderen Musikern interagieren. Einen guten Drummer kann man einfach nicht ersetzen.

LinnDrum, Nachfolger der LM-1

LinnDrum, Nachfolger der LM-1

AMAZONA.de:
Die LinnDrum hat den Pop-Sound der 80er so stark geprägt, dass es kaum einen Hit gab, auf der man die LinnDrum nicht hört. Vor allem die Bassdrum war extrem markant. Wie kam es zur Einspielung der legendären LINNDRUM Sounds?

Roger:
Mit 8 Bit und 27 kHz Sampling war die Soundqualität sehr schlecht. Wenn man sie mit frühen analogen Drummachines vergleicht, haben sie für diese Zeit eigentlich recht gut geklungen. Aber verglichen mit heutiger Qualität bei Sampling-Technologien klingen sie dumpf und leblos.  Bei genauerem Hinhören der Bassdrums und der Toms fiel auf, dass die schlechte Qualität der 8 Bit Sampler einen nervigen digitalen Ton hervorruft, der meist bei niedrigen Abspielfrequenzen zu hören war. Meine Lösung: ein eingebautes Lowpassfilter am Ausgang der Drum-Generators, welches wiederum von einer Hüllkurve mit schnellem Attack und mittlerem Decay gesteuert wird.

AMAZONA.de:
Hattest Du damals direkten Kontakt zu den Top-Stars der Branche.

Roger:
Ja, zu manchen. Denen, die an technologischen Neuerungen sehr interessiert waren, wie Stevie Wonder, Peter Gabriel, Bruce Hornsby oder der Produzent Giorgio Moroder. Bei vielen anderen sprach ich normalerweise mit den Technikbeauftragten, wie zum Beispiel von Prince, Madonna, Michaels Jackson, Tina Turner und eine Menge anderer.

Ich erinnere mich daran, dass Stevie Wonder ein echter Gentleman war und Peter Gabriel jemand, der neue Ideen mehr schätzt wie kaum ein anderer aus der populären Musikszene.

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