Interview: Roger Linn, Comeback einer Legende

AMAZONA.de:
Eigentlich hat die Musikerwelt tatsächlich eine neue LINN DRUM bzw. eine neue LINN MPC erwartet. TEMPEST ist aber weit davon entfernt. Wieso?

Roger:
Die LinnDrum war gut für die 80er und die MPC-Produkte für die 90er. Aber wir haben 2012. Diese alten Geräte waren super für die Produktion, aber nicht für eine Performance. Ich wollte etwas Neues: eine neue Art Musikinstrument, um rhythmische Musik zu performen. Genau das ist TEMPEST – ein neues Instrument für Live-Performance. Ein Ding, mit dem jeder Musiker eine individuelle Performance entwickeln kann und zwar mit seiner eigenen Handschrift.

Außerdem wollte ich auch von diesem „Schnappschuss“-Feeling des Samplings weg und hin zum lebendigen Klangbild von Daves analogen Sounds.

Mit TEMPEST werden Sounds während der Performance kreiert und modifiziert wie bei einer Gitarre, einem Saxophon oder einem sonstigen Instrument. Als Basis bieten wir 400 exzellente eingespielte Sounds, so dass man im Grunde alles bekommen kann, was man möchte.

Zwei Legenden - Roger und Bob 1997

Zwei Legenden – Roger und Bob 1997

AMAZONA.de:
Ist es geplant, TEMPEST evtl. irgendwann noch um eine Sampling-Funktion oder Sample-Playback-Funktion zu erweitern?

Roger:
Der Focus von TEMPEST liegt auf der analogen Synthese, weil der formbare Charakter der analoger Synthese so viel ausdrucksstärker ist als die unflexible Natur des Samplings. Aber wir denken über die Möglichkeit nach, eigene Samples laden zu können, möglicherweise bei einem der kommenden Software Updates, mal sehen. Audiosampling wird aber ganz sicher nicht integriert, weil TEMPEST keine Audio-Inputs hat.

AMAZONA.de:
Eine Frage zum Schluss: Macht ROGER LINN heute selbst noch Musik?

Roger:
Nicht sonderlich viel. Ich höre neue musikalische Ideen in meinem Kopf, aber meine Finger spielen einfach die alten Geschichten auf der Gitarre. Einmal im Monat performe ich in Berkeley mit einer traditionellen italienischen Mandoline, aber das langweilt mich, und vermutlich werde ich bald damit aufhören. In erster Linie interessiert mich das Spielen des LinnStruments, welches ich gerade entwickle. Wenn es mal auf dem Markt ist, würde ich gern wöchentlich performen, damit ich gezwungen bin, damit neue Musik zu spielen.

AMAZONA.de:
Und eine geht noch… was kommt als nächstes?

Roger:
Ich bin total gespannt auf das LinnStrument, ein vollkommen neuer Instrumententyp, den ich entwickle. Es ist eine neue Art Controller-Keyboard für eine Synthesizer-Performance, die wesentlich ausdrucksstärker ist als jedes elektronische Keyboard. Das geschieht dadurch, dass es den Druck (Lautstärke), Links-Rechts-Bewegung (Erkennung von Abweichungen) und Vor-Zurück-Bewegungen (Erkennung von Klangfarbe) von jedem Finger gleichzeitig deuten kann und das mit hoher Auflösungskraft und Polyphonie.

Hast du jemals probiert, ein Saxophon, eine Violine, ein Cello oder eine Gitarre auf einem MIDI-Keyboard oder Synthesizer zu performen?

Wenn ja, dann weißt du, dass es fast unmöglich ist, die Lebendigkeit der Originale zu erreichen. Ich glaube, LinnStrument wird das drastisch ändern. Auf meiner Website kann man mehr darüber erfahren: www.rogerlinndesign.com

Die Videos von mir, wo ich den Prototyp spiele, wurden bis jetzt etwa 300.000 mal angesehen.

AMAZONA.de:
Roger, wir bedanken uns bei Dir für dieses ausführliche Interview. Vielen Dank!

Dinner-Party mit Mike Campbell

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