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Interview: Shiko Cohen, SHIK

MIDI-Controller weitergedacht

26. Juli 2026
Interview: Shiko Cohen, SHIK

Interview: Shiko Cohen, SHIK

Alles begann mit der Idee, ein virtuelles Modular-System auch ohne Maus steuern zu können. SHIK-Gründer Shiko Cohen entwickelte einen Bausatz für einen DIY-MIDI-Controller und traf damit einen Nerv. Ich selbst liebe diesen Controller und als ich den neuesten Geniestreich des Autodidakten auf der Superbooth kennenlernte, war mir klar, dass ich sowohl den neuen Controller als auch den Mann dahinter unbedingt näher kennenlernen musste.

Kurz & knapp

Worum geht es? Im Interview spricht SHIK-Gründer Shiko Cohen über den Weg vom DIY-MIDI-Controller zum eigenständigen MIDI-Verarbeitungssystem.

  • SHIK: Aus dem Wunsch nach direkter Kontrolle für die Software VCV Rack entstand der erste DIY-MIDI-Controller.
  • S32: Der neue Controller kombiniert 32 Regler mit Makros, Routing, MIDI-Effekten und interner Modulation.
  • CV16: Das Modul verbindet den MIDI-Workflow des S32 mit der Welt modularer Synthesizer.
  • Vibe: Der KI-gestützte Assistent soll MIDI-Mapping einfacher und schneller machen.
  • Community: Nutzerfeedback prägt die Entwicklung der SHIK-Produkte maßgeblich.

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Daher verabredeten wir uns zum Interview und gemeinsam mit seiner Frau Jana stand Shiko mir Rede und Antwort. Wir sprachen über den Weg von einem MIDI-Controller zu einem komplexen Standalone-Device, das mit dem CV16 die Brücke zu modularen Synthesizern schlägt. Die Wünsche der Community stets im Blick hat Shiko Lösungen geschaffen, die beeindrucken.

Das alles ging natürlich nicht von heute auf morgen und es gehörte auch ein umfangreicher Lernprozess dazu. Doch diesen Weg beschreibt Shiko uns am besten selbst.

Der Musiker hinter dem Unternehmen

DelayDude:
Welche Rolle spielt Musik heute in deinem Alltag? Bist du aktiver Musiker, Produzent oder in erster Linie Entwickler?

Shiko Cohen:
Die Tätigkeit als Hersteller im Vollzeitjob ist sehr anspruchsvoll, daher habe ich nicht so viel Zeit, wie ich gerne hätte, um einfach nur Musik zu machen. Aber das Testen unserer Produkte und die Entwicklung neuer Funktionen bieten mir viele Gelegenheiten, zu spielen, zu experimentieren und Spaß am Klang zu haben. Es ist nicht immer der ideale Weg, Musik zu machen, aber es ist sehr bereichernd zu sehen, wie andere Menschen unsere Tools nutzen und viel bessere Musik erschaffen, als ich es selbst tun würde.

Ich spiele immer noch gerne Klavier zu Hause, daher mache ich Musik wohl hauptsächlich für mich, meine Frau und unsere lieben Hunde.

DelayDude:
Mit welchen Instrumenten und welcher Musik bist du aufgewachsen und welche Künstler haben dich und deine Sicht auf elektronische Musik besonders geprägt?

Shiko Cohen:
Das ist eine schwierige Frage, denn ich wurde über die Jahre von so vielen Musikern und Stilen beeinflusst. Als Teenager war ich total begeistert von klassischen Rockbands und Künstlern wie Pink Floyd, The Doors und Jimi Hendrix. Dadurch habe ich angefangen, Gitarre zu spielen.

Später habe ich fast alle Richtungen ausprobiert: Heavy Metal, elektronische Musik und ihre vielen Subgenres, Klassik, Jazz und vieles mehr. Aphex Twin, Radiohead und Tool würde ich definitiv auch als wichtige Einflüsse nennen. Und was Instrumente angeht, hat die Gitarre immer noch einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen, wahrscheinlich dank David Gilmour.

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DelayDude:
Wie sieht dein persönliches Setup aus?

Shiko Cohen:
Mein Studio hat mehr MIDI-Controller, als ich zugeben möchte. Abgesehen von unseren eigenen Geräten versuche ich, alles recht minimalistisch zu halten. Auf meinem Schreibtisch stehen normalerweise ein kleines Eurorack-Gehäuse und mein Moog Minitaur, der mir das volle Moog-Feeling in einem kompakten Gehäuse bietet.

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Ich besitze außerdem mehrere Gitarren, ein Korg-Piano und Effektpedale. Hin und wieder leihe ich mir auch mal einen etwas größeren Synthesizer von guten Freunden.

DelayDude:
Was hast du gemacht, bevor du SHIK gegründet hast? Und wie entstand die Idee zu deinem ersten Produkt?

Innovation statt Nachbau oder die Maus musste weg

Shiko Cohen:
Ich habe etwa 20 Jahre lang als Entwickler gearbeitet, aber Musik war schon immer meine Leidenschaft. Ich habe Gitarre gespielt und hobbymäßig elektronische Musik produziert. Lange Zeit habe ich nach einem Weg gesucht, meine beruflichen Fähigkeiten mit der Musikbranche zu verbinden.

Ich bin weitgehend Autodidakt, was mir sehr geholfen hat. Ich habe angefangen, mich mit Elektronik zu beschäftigen und bin dann tiefer in die Bereiche Synthese, Produktion und Live-Performance-Workflows eingestiegen. Der erste richtige Impuls kam, als ich VCV Rack entdeckte. Es war ein großartiger Einstieg in die Welt der Modular-Synthesizer und führte schließlich dazu, dass ich mein eigenes Modular-System baute.

SHIK MIDI-Controller

Als ich anfing, VCV Rack zu nutzen, wollte ich es steuern, ohne ständig die Maus benutzen zu müssen. Ich wollte einfach eine direkte, haptische Kontrolle, also begann ich, einen einfachen MIDI-Controller mit vielen Drehreglern zu entwerfen. Nachdem ich die erste Version zusammengebaut hatte, wurde mir klar, dass der Bau eigentlich recht einfach war und auch für andere interessant sein könnte. Daraus entstand unser erstes Produkt: der N32B-DIY-Bausatz.

Test & Workshop: VCV Rack Software-Synthesizer 1.16

 

Der Bausatz war ein großer Erfolg für uns und führte schließlich zum heutigen, weiterentwickelten N32B Slim. Damals gab es eine große Marktlücke für qualitativ hochwertige MIDI-Controller, besonders im DIY-Bereich. Heute gibt es mehr Konkurrenz, aber unser Ziel ist nach wie vor dasselbe: Innovationen zu schaffen, anstatt einfach nur das zu tun, was alle anderen machen.

DelayDude:
Viele Hersteller fangen mit Synthesizern oder Eurorack-Modulen an. Warum hast du dich von Anfang an auf MIDI-Controller konzentriert und worauf lag dein Hauptaugenmerk bei diesem ersten Controller? Und natürlich: Was macht deiner Meinung nach einen wirklich guten MIDI-Controller aus?

Shiko Cohen:
Für mich sind MIDI-Controller die Brücke zwischen dem Musiker und seinem gesamten Setup. Ein Synthesizer ist natürlich ein eigenständiges Instrument, aber ein guter Controller kann viele Instrumente, Software, Hardware und Ideen zu einem einzigen, spielbaren System verbinden.

Der erste Ansatz war ganz simpel: Ich wollte eine direkte, haptische Kontrolle über viele Parameter, ohne ständig zur Maus greifen zu müssen. Alles begann mit meinem eigenen Bedarf.

Ein wirklich großartiger MIDI-Controller sollte sich unmittelbar, zuverlässig und musikalisch anfühlen. Er darf den kreativen Prozess nicht unterbrechen. Er sollte genügend Flexibilität für komplexe Mappings bieten, sich beim eigentlichen Spielen aber dennoch einfach und angenehm anfühlen.

Ich halte die physische Kontrolle für sehr wichtig. Einen echten Drehregler zu bedienen und ein Muskelgedächtnis dafür zu entwickeln, ist etwas ganz anderes, als eine Maus oder einen Touchscreen zu nutzen.

Der erste Prototyp ähnelte einer Wassermelone

DelayDude:
Wie sah der allererste Prototyp aus? Auf welche Hürden bist du bei Entwicklung, Produktion oder Vermarktung gestoßen und welche Lehren hast du daraus gezogen?

Shiko Cohen:
Der erste Prototyp sah ziemlich mies aus. Ich habe Gehäuse aus dem 3D-Drucker getestet und eines davon ähnelte ein wenig einer Wassermelone. Wir haben noch einen alten Blogbeitrag, der einige dieser frühen Schritte zeigt.

Prototyp SHIK

Ich habe die Platine entworfen, bestellt und das Gehäuse im 3D-Drucker hergestellt. Es war zwar noch etwas grob, aber es reichte aus, um mir vorstellen zu können, wie das Endprodukt einmal aussehen könnte.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse war, dass es bei der Entwicklung eines Produkts nicht nur darum geht, die Elektronik zum Laufen zu bringen. Man muss auch an das Gehäuse, die Haptik der Regler, die Firmware, den Editor, die Produktion, die Verpackung, die Dokumentation, den Support und daran denken, wie die Leute das Produkt wahrnehmen, noch bevor sie es überhaupt berühren. Jede Version hat uns etwas Neues gelehrt.

Wie aus einem Noob ein Profi wurde

DelayDude:
Gab es einen bestimmten Moment, in dem du dachtest: „Dieses Projekt entwickelt sich tatsächlich zu einem Unternehmen.“?

Shiko Cohen:
Ich glaube, der entscheidende Moment war das N32B-DIY-Kit. Zunächst hatte ich es nur für mich selbst gebaut, aber als die Leute anfingen, es zu kaufen, zusammenzubauen und uns zu zeigen, wie sie es einsetzten, begriff ich, dass daraus etwas Ernsthaftes entstehen könnte.

M8-Tracker, Shik N32B v3

Auch der M8-Tracker lässt sich mit dem Shik N32B v3 wunderbar steuern.

Das erste Produkt kam Mitte 2020 auf den Markt. Der Name N32B leitete sich von „NOOB“ ab, da ich damals neu in der Branche war. Rückblickend war das vielleicht nicht der klügste Produktname, aber letztendlich ist es ja nicht allein der Name, der ein Produkt verkauft. Es sind die Qualität, die Eigenschaften und die Innovation, die eine Marke hervorheben.

Hardware-Controller in Zeiten von Software und Touchscreens

DelayDude:
Warum gewinnen Hardware-Controller deiner Meinung nach in einer Ära, die von Touchscreens und Software dominiert wird, wieder an Bedeutung?

Shiko Cohen:
Touchscreens und Software sind leistungsstark, fühlen sich aber nicht immer musikalisch an. Wenn man auftritt oder experimentiert, möchte man unmittelbar reagieren können. Man will an einem Regler drehen, dessen Position spüren und ein Muskelgedächtnis aufbauen.

Hardware-Controller bringen den Körper zurück in den Prozess. Sie ermöglichen es, Software und Hardware auf eine physischere Weise zu bedienen. Ich glaube, viele Musiker erkennen, dass mehr Funktionen auf dem Bildschirm nicht zwangsläufig einen besseren Workflow bedeuten. Manchmal ist es am wichtigsten, die richtigen Bedienelemente direkt unter den Händen zu haben.

MIDI-Controller einen Schritt weiter gedacht

DelayDude:
Viele Controller bieten nicht mehr als Drehregler und Fader. SHIK geht viel tiefer und konzentriert sich auf Makros, MIDI-Prozessoren und Modulation. Woher kommt dieser Ansatz?

Shiko Cohen:
Er resultiert aus der Art und Weise, wie Menschen heute komplexe Setups nutzen. Ein Regler muss nicht nur einen einzigen Parameter steuern. Er kann als Makro fungieren und mehrere Dinge gleichzeitig kontrollieren – etwa einen Synthesizer-Parameter, einen MIDI-Effekt, einen internen LFO oder einen Teil eines größeren Performance-Systems.

Vom MIDI-Controller zum MIDI-Verarbeitungssystem: Der Weg vom N32B zum S32

DelayDude:
Welche Funktionen oder Konzepte des N32B haben direkt zur Entwicklung des S32 geführt?

Shiko Cohen:
Beim N32B stand die Idee im Vordergrund, Musikern 32 physische Bedienelemente in einem kompakten Format an die Hand zu geben. Im Laufe der Zeit gewann das Makro-Konzept stark an Bedeutung. Die Nutzer schätzten es, dass ein einziger Drehregler mehrere Parameter steuern konnte und sich der Controller für sehr spezifische Setups konfigurieren ließ.

SHIK S32

Der SHIK S32 geht noch einen großen Schritt weiter als der N32B

Das S32 treibt diesen Ansatz noch deutlich weiter. Es verfügt zwar weiterhin über 32 hochauflösende Drehregler, doch jeder Regler kann nun bis zu vier MIDI-Befehle senden; zudem lassen sich Parameter von MIDI-Effekten, Geräten und internen LFOs als Makros zuweisen und steuern.

Der entscheidende Unterschied ist, dass das S32 nicht bloß ein MIDI-Controller ist. Es fungiert zudem als eigenständiges MIDI-Verarbeitungssystem – mit MIDI-Racks, interner Modulation, Routing, MIDI-Effekten und weitaus umfangreicheren Steuerungsmöglichkeiten direkt am Gerät.

Der S32: Nicht nur Controller, sondern ein eigeständiges System

Mit dem S32 wollten wir mehr als nur einen einfachen Controller schaffen. Es ist ein eigenständiger MIDI-Prozessor und Makro-Controller. Man kann Racks erstellen, MIDI routen, MIDI-Effekte hinzufügen, Bewegungen durch LFOs erzeugen und sich entwickelnde Systeme aufbauen, ohne dass der Computer im Mittelpunkt stehen muss.

DelayDude:
Wie wichtig ist das Feedback der Community für die Weiterentwicklung eurer Produkte und welche Nutzerwünsche oder -ideen haben die Entwicklung des neuen S32 beeinflusst?

Shiko Cohen:
Das Feedback der Community ist enorm wichtig. Viele Ideen kristallisieren sich erst heraus, wenn der Controller in echten Setups eingesetzt wird. Jeder Musiker hat einen anderen Workflow und manchmal entdecken Nutzer Anwendungsmöglichkeiten, an die wir während der Entwicklung gar nicht gedacht hatten.

Beim S32 war die Erkenntnis entscheidend, dass Nutzer sowohl direkte Kontrolle als auch tiefgehende Flexibilität im Standalone-Betrieb wünschen. Sie wollen Makro-Steuerung, besseres Routing, mehr Modulationsmöglichkeiten und die Freiheit, mit Hardware-, Software- und Hybrid-Setups zu arbeiten, ohne auf einen einzigen Workflow festgelegt zu sein.

Wir erhalten viele E-Mails von Kunden, die uns zeigen, wie sie unsere Geräte nutzen und uns Ideen für neue Funktionen und Produkte liefern. Ich glaube, wir können uns sehr glücklich schätzen, eine solche Gemeinschaft um uns zu haben.

Ein schlechter Workflow kann das beste System nutzlos machen

DelayDude:
Gab es beim S32 eine bestimmte Funktion, deren Umsetzung sich als deutlich schwieriger erwies als ursprünglich geplant?

Shiko Cohen:
Nachdem ich über Jahre hinweg alle Aspekte von Produktdesign und Fertigung kennengelernt habe, würde ich sagen, dass das Gehäuse eine der größten Herausforderungen darstellt. Damit ein Produkt gut aussieht, muss man jedes noch so kleine Detail bedenken. Selbst so etwas Einfaches wie das Verbergen der Schrauben erforderte viel Aufwand und zahlreiche Tests.

Auch die Programmierung der Firmware ist keine leichte Aufgabe. Dank KI-Tools geht der Prozess heute zwar viel schneller vonstatten als früher, doch auch mit KI stammen die besten Lösungen nach wie vor von Menschen. Die eigentlichen Funktionen und Arbeitsabläufe sind aus zahlreichen Gesprächen mit Kunden und professionellen Produzenten entstanden. Wir haben versucht zu verstehen, was fehlt und wie sich diese Lücken schließen lassen.

Die MIDI-Engine und das LFO-System sind absolut einzigartig, doch die größte Herausforderung lag hier im Workflow, nicht allein in der Programmierung. Ein schlechter Workflow kann selbst das ausgeklügelste System nutzlos machen.

SHIK MIDI-Controller

Der S32 hilft erfahrenen Nutzern, schneller zu arbeiten und unterstützt gleichzeitig neue Nutzer, die sich von MIDI-Tabellen und Konfigurationsaufwand vielleicht eingeschüchtert fühlen.

Ich hinterfrage jede Entscheidung bezüglich Workflow und Benutzeroberfläche genau, um zu verstehen, wie ich dem Nutzer das Leben erleichtern, die Einarbeitung vereinfachen und die Bedienung zu einem angenehmen Erlebnis machen kann.

Es ist sehr befriedigend, eine Taste mit gutem Druckpunkt zu drücken und genau die richtige Rückmeldung vom Gerät zu erhalten – sowohl haptisch als auch auf der Benutzeroberfläche.

Die Hardware ist wiederum ein ganz eigenes Kapitel. Der Zeit- und Ressourcenaufwand für das Testen und die Auswahl der Bauteile ist enorm. Auch die Produktion kann beim ersten Mal einschüchternd wirken. Glücklicherweise verfügen wir inzwischen über viel Erfahrung; wenn also mal etwas schiefgeht – und das passiert durchaus –, wissen wir, wie wir damit umgehen müssen.

DelayDude:
Was unterscheidet den S32 vor allem von anderen High-End-MIDI-Controllern auf dem Markt?

Shiko Cohen:
Ich denke, der Hauptunterschied liegt darin, dass der S32 nicht bloß eine Bedienoberfläche mit Drehreglern ist. Er ist ein eigenständiger MIDI-Prozessor und Makro-Controller.

Man hat 32 hochauflösende Potentiometer, bis zu vier Makros pro Regler, eine kombinierbare MIDI-Verarbeitungs-Engine, integrierte LFO-Modulation, flexibles Routing sowie USB-MIDI, MIDI-In, zwei MIDI-Outs, MIDI-Thru, USB-Host und Unterstützung für den Anschluss externer Module.

SHIK

Man kann MIDI-Racks mit Tools wie Harmonizer, Skalen-Mapping, Arpeggiator, Turing-Maschine, polyphoner Hüllkurve, euklidischem Sequenzer, Looper, Delay, Randomizer, Filtern, Mergern, Routern und mehr erstellen.

Der S32 kann Hardware-, Software- und Hybrid-Setups von einem zentralen Gerät aus steuern. Er bietet einerseits direkten, haptischen Zugriff, verfügt aber gleichzeitig über ein leistungsfähiges System für Signalverarbeitung, Routing und Modulation im Hintergrund.

CV16: Die Brücke zu modularen Synthesizern

DelayDude:
Mit dem CV16 schlagt ihr auch eine Brücke zur Welt der Modular-Synthesizer. Welche Bedeutung hat Eurorack für die zukünftige Ausrichtung von SHIK?

Shiko Cohen:
Eurorack ist für uns wichtig, weil es eine sehr offene und experimentelle Art des Musizierens darstellt. Die modulare Welt hat meine Denkweise in Bezug auf Steuerung, Modulation und Signalfluss stark geprägt.

Mit dem CV16 wollen wir diese Welt mit dem MIDI-Workflow des S32 verbinden. Die Idee ist, dass das S32 das CV16 vollständig steuern kann, sodass Noten und Modulationsdaten aus dem S32-Rack-System in CV-Signale übersetzt werden.

Das CV16 bietet 16 Kanäle mit 16-Bit-MIDI-zu-CV-Ausgabe; zudem kann das S32 interne LFOs für die CV-Ausgänge nutzen, LFO-Parameter modulieren und mehrere CV16-Module für größere Systeme miteinander verknüpfen.

Uns geht es nicht darum, MIDI oder modulare Systeme zu ersetzen. Vielmehr wollen wir ein natürlicheres Zusammenspiel beider Welten ermöglichen.

Vibe: MIDI-Mapping ohne Handbuch-Studium

DelayDude:
Mit „Vibe“ integriert ihr eine KI-gestützte Lösung für MIDI-Mapping in euren Workflow. Wie ist diese Idee entstanden und wie reagiert die Community darauf?

Shiko Cohen:
Die Idee entstand aus einem weit verbreiteten Problem: MIDI-Mapping kann zwar sehr mächtig sein, aber auch den Workflow bremsen. Viele Nutzer müssen erst Handbücher wälzen, CC-Nummern suchen, Kanäle zuweisen, Wertebereiche festlegen und Makros kombinieren, bevor sie überhaupt mit dem Spielen beginnen können.

Vibe wurde entwickelt, um diese Hürden zu beseitigen. Es handelt sich um einen KI-gestützten MIDI-Mapping-Assistenten, der direkt in den SHIK-Web-Editor integriert ist. Anstatt alles mühsam von Grund auf neu zu erstellen, kannst du einfach dein Gerät, dein Setup und die gewünschte Art des Mappings beschreiben. Du kannst zum Beispiel ein Mapping für Live-Performances, für Sounddesign oder speziell für einen bestimmten Synthesizer, eine Drum-Machine oder ein Effektgerät anfordern.

SHIK Vibe (Quelle: SHIK)

Wir haben Vibe auf der Superbooth 2026 vorgestellt und die Resonanz war großartig. Die Leute haben das Konzept sofort verstanden, weil es ein echtes Problem löst. Es hilft erfahrenen Nutzern, schneller zu arbeiten und unterstützt gleichzeitig neue Nutzer, die sich von MIDI-Tabellen und Konfigurationsaufwand vielleicht eingeschüchtert fühlen.

DelayDude:
Was genau passiert auf technischer Ebene, wenn ein Nutzer sein Setup und die Aufgaben, die der Controller übernehmen soll, mithilfe von „Vibe“ beschreibt?

Shiko Cohen:
Der Nutzer lädt sein Gerät (oder seine Geräte) in den SHIK-Editor, weist MIDI-Kanäle zu und beschreibt dann in einfacher Sprache, was er erreichen möchte.

Vibe versteht die Anfrage und nutzt die verfügbaren Geräteinformationen, um das Mapping zu erstellen. Der Nutzer kann Vibe beispielsweise bitten, einen Filterbereich, Hüllkurven-Regler oder ein komplettes Performance-Layout zuzuweisen.

Das System kann ein vollständiges Preset inklusive Reglerbelegungen und Makro-Konfigurationen erstellen sowie Mapping-Vorschläge machen, die auf dem Equipment, dem Genre und dem Workflow des Nutzers basieren.

Wenn der Nutzer mehr Präzision benötigt, kann er sich im Gespräch direkt auf bestimmte Gerätebereiche und Parameter beziehen. Falls Vibe eine Unklarheit klären muss, fragt es nach, bevor es fortfährt. Das Ziel ist es, nicht nur das MIDI-Mapping zu automatisieren, sondern den Konfigurationsprozess wie ein Gespräch und nicht wie eine rein technische Aufgabe wirken zu lassen.

SHIK: Schätze und ein guter Rat

DelayDude:
Wenn du heute auf die Entwicklung von SHIK zurückblickst: Worauf bist du am meisten stolz?

Shiko Cohen:
Auf persönlicher Ebene bin ich wohl am meisten stolz auf meine Frau. Sie ist Marketing-Expertin von Beruf und kümmert sich jetzt bei SHIK um alle Belange rund um Marketing und Händlerbeziehungen. Ich glaube, sie hat selbst eine Leidenschaft für diese Branche entwickelt; sie leistet großartige Arbeit, die ich ohne sie nicht bewältigen könnte.

SHIK MIDI-Controller, Jana Cohen, Shiko Cohen

Das Dreamteam hinter dem Namen SHIK: Jana und Shiko Cohen.

Was die Marke betrifft, bin ich stolz auf unsere Produktqualität und unseren Kundenservice. Wir erhalten so viele E-Mails von Kunden, die uns zeigen, wie sie unsere Geräte nutzen, uns Feedback geben und Ideen für neue Funktionen oder zukünftige Produkte vorschlagen.

Auf diese Verbindung zur Community bin ich sehr stolz. Sie zeigt, dass die Leute unsere Produkte nicht nur als gekaufte Geräte sehen, sondern als Werkzeuge, mit denen sie wachsen können.

DelayDude:
Und zum Schluss: Welchen Rat würdest du einem jungen Entwickler geben, der heute eigene Musik-Hardware auf den Markt bringen möchte?

Shiko Cohen:
Beginne mit einem echten Problem, nicht nur mit einer Liste von Funktionen. Es ist einfach, weitere Optionen hinzuzufügen, aber viel schwieriger, etwas zu schaffen, das sich nützlich, übersichtlich und zuverlässig anfühlt.

Baue frühzeitig Prototypen und lass sie von echten Nutzern ausprobieren. Du wirst von den Nutzern Dinge lernen, die sich theoretisch nicht vermitteln lassen. Hardware ist eine Herausforderung, weil jede Entscheidung zählt: Elektronik, Firmware, Gehäuse, Haptik, Fertigung, Support und Kommunikation.

Versuche außerdem nicht, Bestehendes einfach zu kopieren. Suche nach dem Teil des Arbeitsablaufs, der noch immer frustrierend ist und entwickle etwas, das Musiker dazu inspiriert, kreativ zu sein.

Und sei bereit, viel zu lernen. Musik-Hardware vereint so viele verschiedene Welten: Design, Elektronik, Firmware, Fertigung, Marketing und Support. Es kann hart sein, aber wenn du siehst, wie Menschen mit etwas Musik machen, das du erschaffen hast, ist es die Mühe wert.

Vielen lieben Dank an Shiko und Jana für dieses tolle Interview! Es war eine Freude, euch auf der Superbooth zu treffen. 

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Über den Autor
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DelayDude RED

Zur Musik kam ich über meinen Dad und seine alte Klampfe, die sich nicht vor meinen dreckigen kleinen Kinderhänden verstecken konnte.
Es war Liebe auf den ersten Ton (auch wenn davon sicher viele ziemlich schief waren).
Über Cover-Versionen von Guns N’Roses und Aerosmith ging es zu Pantera, Sepultura und Metallica.
Nach einem kurzen Intermezzo in der obligatorischen Grunge-Phase und einem Besuch beim Frisör in den 90ern landete ich zielsicher beim Nu Metal (Korn, Deftones ...

Forum
  1. Profilbild
    Savatage

    Lesenswertes Interview, danke! Und viel Erfolg weiterhin dem Unternehmen bzw. den beiden Unternehmern.

  2. Profilbild
    lugosi

    Ich finde den Einsatz von KI bei einem Controller mal wirklich interessant.
    Manuelle Mappings können ja ganz schön mühselig sein…
    „Map my Blofeld for …“ wäre bei mir ganz oben bei den Aufträgen.

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