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Interview: Steffen Marienberg, Mastermind hinter Marienberg Synthesizer


Von Wellenfeldsynthese und Rammstein

Phaser_Vortrag

Steffen Marienberg in Denkerpose

Es ist immer wieder erstaunlich, welch spannende Geschichten das Leben schreibt. Im Falle von Steffen Marienberg führte das von DDR-Zeiten als Ingenieur für die Erfindung einer Audio-Super-Waffe (kein Witz!!!) bis hin zur exklusiven Manufaktur von modularen Synthesizern, die er gemeinsam mit seinem Bruder Holger unter dem Namen MARIENBERG führt.

Der erste AMAZONA.de-Test dieser modularen Systeme führte uns schließlich zusammen – und nach einem nicht enden wollenden Telefonat mit Hunderten von Anekdoten und Zeitzeugnissen aus DDR-Zeiten, stand fest: Steffen MUSS interviewt werden. Hier nun das Ergebnis, das durchaus die Grundlage für einen spannenden Roman bilden könnte.

Peter:
Hallo Steffen, verrate uns doch erst einmal, welches Baujahr Du bist und wie Deine musikalische Entwicklung zu DDR-Zeiten begonnen hat.

Steffen:
Gegenfrage: Haben wir fünf Stunden? Nein, also, geboren 1961, aufgewachsen mit Musik zwischen Bach und den Beatles. Unsere Eltern sind sehr musikalisch, unser Vater spielt Geige und unsere Mutter spielte früher Klavier. Obwohl sehr viel Klassik gehört wurde, waren unsere Eltern immer offen für Alternativen von ABBA bis Jarre und Kraftwerk. Dann spielte mir ein Bekannter 1979 Tangerine Dream vor: Force Majeure – und das war‘s. Elektronik Bands gab‘s im Osten nicht – oder besser keine auf der Amateur-Ebene, also ging ich als Techniker zu einer Tanzband. Dann kam das Studium. Aus der Techniker Grundstufe A wurde die Sonderstufe S und drei Jahre später bekam ich meinen Berufsausweis als Tontechniker.

Holger Marienberg auf Wolke 7

Holger Marienberg auf Wolke 7

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    mdesign ••

    ‚…wunderbares und ausführliches interview…‘ – wunderbar, ja, ausführlich, schon, aber ich hätte gerne noch viel mehr gelesen! großes lob für den genauso sachkundigen wie unterhaltsamen einblick in eine vergangene zeit.

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    Florian Anwander RED

    Herzlichen Dank für das Interview. Eigentlich wünscht man sich zu jedem Gerätetest so ein Interview mit den „Eltern“ des Geräts.

    Sollte es das Buch mit der Marienberg-Story jemals geben, habt Ihr in mir schon mal den ersten Käufer :-)

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    pmm AHU

    Sehr gutes und informatives Interview, von dem ich ebenfalls gerne mehr gelesen hätte. Danke und schöne Feiertage.

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    tomk •••

    Superinteressant, ich hätte auch gerne mehr gelesen. Das die Marienberg Modularsysteme einen sehr hohen Anspruch haben, war mir vor den Berichten hier nicht bekannt. Danke an Amazona dafür.

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    Marko Ettlich RED

    Da ich auch schon ein paar Mal bei Steffen in Hettstedt zu Besuch war weiß ich, dass man sehr viel Zeit mitbringen muss. ;) Steffen hat aufgrund seiner jahrelangen Erfahrung im Bereich der elektronischen Musik bzw der Klangerzeuger und vorallem seiner „besonderen“ Erlebnisse in der DDR immer sehr viel Interessantes zu erzählen. Da könnte man wirklich Bücher füllen bzw. eine Doku-Serie drehen. Ein wandelndes Lexikon und dazu auch noch ein sehr netter Mensch.

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    Kyotonic AHU

    Super Interview! Die Verknüpfung von Psychologie, Grundlagen und Akustik gefällt mir am besten. Ich hätte nicht gedacht das hinter Marienberg so eine Geschichte steckt. Vielleicht teste ich auch mal ein Marienberg-System in Bezug auf Spaß und psychakustisches Potential. Bisher reicht mir dafür ein DX11 und Kawai K4. ;)

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    ukm

    Sehr interessantes Interview: Viele Details kann ich aus eigenem Erleben gut nachvollziehen, und Musikmachen in einer Band war für mich immer ein Stück Freiheit. Später war das dann nicht mehr so, was bestimmt nicht nur am Alter liegen kann.

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    Tischhupe

    Vielen Dank! Ein sehr schönes informatives und gleichzeitig unterhaltsames Interview. Ich hätte gerne noch viel mehr gelesen. Und bitte das Buch auf jeden Fall ernsthaft in Erwägung ziehen. Ich habe mindestens zwei Abnehmer. Liebe Grüße und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

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    vssmnn ••••

    Ich weiss nicht, wo der arme Ossi als junger Mensch sich bei den damaligen Stundensätzen die 24.000 und D50 oder M1 leisten zu können.
    Ich bin jedenfalls damals ziemlich vezweifelt gewesen als angehender Keyboarder ohne Westverwandschaft. So einfach war das nämlich überhaupt nicht.

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      vssmnn ••••

      Ich weiss nicht, wo der arme Ossi als junger Mensch sich bei den damaligen Stundensätzen die 24.000 hernahm, um sich DX7 und D50 oder M1 leisten zu können.
      Ich bin jedenfalls damals ziemlich vezweifelt gewesen als angehender Keyboarder ohne Westverwandschaft. So einfach war das nämlich überhaupt nicht.

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        TobyB RED

        Hallo Vssmnn,

        die anderen haben gelötet ;-)

        http://de......982#scribd

        Ich hab aus dieser Sammlung mal angefangen den Phasenmischer zu löten und den beschrieben Synthesizer. Bis zum VCO habe ich es geschafft. Den ab 4-14 beschrieben VCF habe ich seinerzeit begonnen. Interessanterweise adaptieren die mal schamlos das FilterDesign von Moog, pimpen das aber ziemlich clever auf. Ich denke es gibt immer legale Wege, wenn etwas will.

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          vssmnn ••••

          Und mir wurden1987 meine 10:1 getauschen 1200 Westmark von einem freundlichen Kollegen, der mir bei einem West-Berlin Besuch ein mittelmässiges Keyboard mitbringen sollte, geklaut, indem er sich abgesetzt hat.
          Ich war heilfroh, als die Grenze fiel und das „Elend“ ein Ende hatte.

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            TobyB RED

            Hallo vssmnn,

            das ist hart :-( Das war schon ne Stange Geld. Ich hab zu der Zeit noch kein „West“ Synthesizer gebraucht und war mit dem Tiracon 6V und Vermona DRM ganz glücklich. Auch wenn das nur Geräte von Jugendclub waren. Und man seine Patches und Songs bei jeder Probe vom Papier einstellen musste :-D

            Ich hoffe, du konntest dir einige deiner Traumsynths anschaffen?

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            martinaschmidt

            1987 war der Kurs nirgendwo 1:10 !
            1:6 bis 1:8 je nach Betrag je mehr um so günstiger der Kurs. Sowohl in der DDR als auch im Westen. Die Kurse der Wechselstuben im Westberlin der damaligen Zeit lassen sich heute noch einsehen.

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          pppch

          hallo Toby

          ich kann dieses empfehlen, http://bit.ly/2gG8msY
          finde gerade keine online ausgabe.. aber ist wohl das letzte seiner art… inkl. layouts… habe irgendwo sogar die platinen und originalteile….

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        k.rausch RED

        Es hat offensichtlich Möglichkeiten gegeben, denn 1985 und 1986 habe ich viele Anfragen von DX7 Besitzern aus der DDR bekommen. Die wollten alle die DX7 Fibel haben und boten Noten, Bücher und Vinyls als Kompensation an. Machte ich natürlich nicht, sondern sprach auf der Musikmesse mit der DDR Außenhandelsvertretung. Die zeigten jedoch keinerlei Interesse :)

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          TobyB RED

          Hallo Klaus,

          es hat definitiv Möglichkeiten gegeben, immerhin gabs ja auch einige reine Synthesizer und Elektronik Künstler wie Reinhard Lakomy, Keys oder Stern Meißen (Combo) etc. . Thomas Kurzhals hat das ja auf einer Musikmesse erzählt wie das funktioniert hat. Deine Erfahrungen mit dem DDR Aussenhandel wundern mich irgendwie nicht. Planwirtschaft und auf einen Bedarf reagieren, ging in der DDR ja gar nicht. Hättest du denen ICs oder anderes Dual Use Zeug angeboten, wäre das was anderes, dafür war immer ein Bedarf da. ;-)

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      ukm

      Die Band hat zusammengelegt, und der Keyboarder hat das Ganze dann abgestottert. So viel Enthusiasmus gab es damals noch.

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        martinaschmidt

        Ich brauchte als Sängerin zum Glück nicht soviel auszugeben. Aber genau so lief das. Die damals nur gejammert haben das sie nichts geschenkt bekommen, die jammern heute genauso.

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    Marius Seifferth AHU

    Ich hab dieses Interview schon an Heiligabend gelesen und fand es super spannend! Es brachte mich aber auch sehr zum nachdenken, vor allem über den Teil, wo es um das Leben in der DDR geht. Von seiten meiner verstorbenen Großeltern kenne ich leider nur sehr negative Erfahrungen, auch von den meisten anderen ‚Ossis‘ die ich im Verlauf meines Lebens kennen lernte, gab es selten etwas positives zu hören (auch wenn fast alle erwähnten, dass der Zusammenhalt der Menschen untereinander viel stärker war als heute). Es ist daher schön auch mal zu lesen, dass das Leben dort für jemanden auch sehr gut laufen konnte. Auf mich wirkt das so, als ob es gar nicht so wichtig ist, welche Bedingungen in dem Land herschen, wo man lebt, solange man alle Möglichkeiten nutzt, um für sich selbst das beste daraus zu holen. Das war sehr aufschlussreich für mich und ich schliesse mich den Vorkommentatoren an: Und bitte zieht dieses Buch ernsthaft in Erwägung! Man müsste sich dafür nicht mal in ein Finanzielles Risiko stürzen und könnte es ja auch als Kindle-Edition herausbringen (Amazon bietet auch Print on demand an). Ich könnte es jedenfalls kaum erwarten, mehr zu lesen!

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    Marienberg

    Vielen Dank. Das Buch ist nur ein Zeitproblem. Übrigens: Eine Ermittlung des Generalstaatsanwaltes der DDR wegen des “ Verdachtes auf Wirdschaftssabotage im besonders schwehren Fall “ hat mich einen Blick auf das Guantanamo der DDR 5000 km östlich von Berlin werfen lassen. Ich kenne auch die andere Seite recht gut.

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      TobyB RED

      Hallo Marienberg,

      ich kann das nachvollziehen. Ich hab mich in der „Produktion bewähren“ müssen, wegen Rowdytums (Grüne Haare und Levisjeans zum FDJ Hemd). Bin von der EOS geflogen und hab dank der Intervention meiner Eltern zumindest eine Lehrstelle mit Abitur bei Zeiss Jena bekommen. Allerdings bin ich da 1988 auch aus der Abiklasse geflogen. Anlass war ein Konzert der Gruppe Dritte Wahl in Rostock/Evershagen in der Schülerspeisung. Und ehrlichgesagt, fand ich ihm nachhinein den Warnschuss von der anderen Seite der DDR so „gut“, als das ich Ende Juli 1989 über Ungarn rübergemacht hab und dem Habsburger schon dankbar bin für sein paneuropäisches Frühstück. Aber ich glaube das ist nichts gegen Sibirien jenseits des Urals.

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Marienberg

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