Interview: Thomas P. Heckmann – Body Music

2. Juni 2018

Techno-(Heck)mann is back!

Thomas P. Heckmann ist seit Langem erfolgreich in der internationalen Technoszene unterwegs und hat sich als Produzent, DJ und Mastering-Engineer fest etabliert.
Nach mehr als 25 Jahren im Musikgeschäft blickt er auf unzählige Veröffentlichungen in unterschiedlichsten Genres elektronischer Musik zurück, war und ist Betreiber von zahlreichen Labels und hat nebenbei eine der größten Synthesizer-Sammlungen Deutschlands.

AMAZONA.de war zu Gast in seinem Studio in Mainz und sprach mit ihm ausführlich über die Entstehung seines neuen Albums „Body Music“, seinen Produktionsstil, Mastering und viele andere Themen.

Thomas P. Heckmann

Amazona.de:
Dein neues Album „Body Music“ wirkt wie eine Reise durch die unterschiedlichen Musikstile, denen du dich im Verlauf deiner Karriere gewidmet hast. Es reicht von Elektro über EBM, Techno, Acid bis hin zu recht funkigen Grooves.
Wie kam es dazu?

Thomas P. Heckmann:
Ich habe mir ehrlich gesagt nicht so viele Gedanken darüber gemacht. Der Ursprung war, dass ich unbedingt mal wieder ein Album machen wollte. Das letzte Album von mir war auf Nachtstrom herausgekommen und ging mehr in die Richtung Industrial und EBM. Ich hatte dazwischen zwar viele Maxis raus, aber ein Album hat doch irgendwie mehr Substanz. Natürlich ist es auch immer eine Sauarbeit.

Amazona.de:
Dieses Mal hast du es auf Monnom Black, dem Label von Dax J veröffentlicht.

Thomas P. Heckmann:
Genau, just in dem Moment, wo ich da mit angefangen habe, fragt mich Dax J, ob ich eine Maxi für ihn machen könnte. Da habe ich ihn gefragt, ob er auch Bock auf ein größeres Projekt hätte – sprich ein Album. Er meinte „ja klar“, dann habe ich ihm verschiedene Tracks geschickt und irgendwann wurde daraus ein dreifaches Vinyl-Album, was ich geil finde, weil ich so was noch nicht hatte.

Amazona.de:
Wie verlief die Zusammenarbeit?

Thomas P. Heckmann:
Die ganze Albumproduktion ist selbstverständlich von mir, auch das Coverdesign, aber der Rest drum herum, der Vertrieb und die Promotion ist komplett aus meinen Händen, also kann ich diesmal nur Künstler sein – und das ist richtig cool.
Der Vertrieb läuft über Triplevision, das ist eine ganz andere Verteilung als das, was ich sonst mache und so merken die Leute auch, dass es den Heckmann noch gibt – auch wenn ich nie weg war. (lacht)
Mit Dax J ist sogar eine Freundschaft daraus entstanden und auch die nächsten Maxis, das ist eine Remix-Maxi vom Album und eine Neue von mir, erscheinen dann bei Monnom Black – vielleicht noch dieses Jahr, wahrscheinlich aber nächstes Jahr.

Body Music ist als dreifache Vinyl, CD oder bei diversen Streaming Anbietern (siehe Links) erhältlich

Amazona.de:
Inwieweit knüpft „Body Music“ an dein Album aus dem Jahre 2006 „Electronic Body Music“ an?

Thomas P. Heckmann:
Dax hatte die Idee, dass wir vielleicht an meine Maxis EBM.1 und EBM.2, die ich Ende der 90er Jahre herausgebracht habe, anschließen sollten.
EBM.3 als Album Titel lief mir dann aber zu sehr in derselben Schiene, weil da ja auch andere Sachen drauf sind. Dann hab ich mich für „Body Music“ entschieden, das ist universeller. Außerdem mache ich ja auch keinen richtigen EBM, das ist ja heutzutage vielmehr mit Gesang, aber ich nenne es EBM, weil auch meine „Welt in Scherben“ oder „Heckmann“ Sachen – das weiß ich von vielen Bands aus der Ecke – die Szene beeinflusst haben. Deshalb schließt sich der Kreis da wieder.

Amazona.de:
Was hat es mit dem Cover auf sich? Es erinnert ein wenig an den Rorschach-Test, ein psychodiagnostisches Verfahren.

Thomas P. Heckmann:
Ich bin ein großer Fan von Fotografien aus den 50er und 60er Jahren und habe auch viele Bücher aus der Zeit. Die Vorschläge, die vom Grafiker kamen, waren wie sonst immer mit einem Bild und dem Namen drauf, das hatte aber irgendwie keinen Bezug zum Album.
Da wollte ich das selber machen und hatte nach 5 Minuten genau dieses Bild, eine alte Fotografie, gefunden. Ich wollte auf gewisse Art und Weise etwas Ikonisches, das zu dem dreifach Vinyl Album passt. Außerdem sind auf der Fotografie gespiegelte Körper hintereinander zusehen, was wiederum zu „Body Music“ passt und ich dachte mir, das würde auch auf einem T-Shirt gut aussehen. (lacht)
Inzwischen habe ich viel gutes Feedback bekommen, weil jeder natürlich etwas anderes darin sieht.

Die Produktion von Body Music

Thomas P. Heckmanns Euroracks

Amazona.de:
Wie sind die Tracks zu „Body Music“ entstanden?

Thomas P. Heckmann:
Mittlerweile mache ich wieder viele Live-Sessions im Studio, ohne Computer. Dabei benutze ich viel von den Eurorack Geschichten, aber auch wieder viele meiner alten analogen Synthesizer, Sequencer und Drum Machines, weil es einfach Spaß macht. Natürlich ist das Ergebnis dann oft sehr linear oder straight, wenn ich dann noch was Frickeliges machen will, übertrage ich es auf den Computer und programmiere ein bisschen etwas.
Im Technobereich heißt es für mich einfach: Start drücken, rumschrauben, was aufnehmen, wenn es geil ist, dann ist es geil, wenn nicht, dann kannst du es wegschmeißen.

Amazona.de:
Gab es neues Equipment, das dich bei der Albumproduktion inspiriert hat?

Thomas P. Heckmann:
Wie gesagt, die Eurorack-Sachen. Es gibt ja viele Module, die Kopien von alten Sachen sind, aber es gibt auch gute Neue wie Make Noise, Erica Synths oder das Braids Modul von Mutable Instruments. Gerade die Bereiche, die die alten Modularsysteme nicht oder nur mit viel Aufwand können, sind spannend, wie zum Beispiel die modernen Sequencer, die ganzen digitalen Module und alles, was in Richtung Buchla geht – das macht dann schon Spaß. Es wird auch immer mehr, aber leider fehlt es mir an der Zeit.
Bei dem Album ist eigentlich immer irgendetwas aus dem Eurorack, das im Hintergrund läuft, gerade diese ganzen flirrigen und metallischen Sounds. Viele der Atmos stammen aus dem Waldorf nw1 Wavetable Modul, die machen viel Bewegung im Hintergrund, so dass man auch bei häufigem Hören immer noch was Neues entdecken kann. Es kommt natürlich auch auf den Track an, zum Beispiel bei „Zeitmaschine“ ist kein Platz dafür, die haut nur auf die Fresse.

Amazona.de:
Wie nimmst du auf?

Thomas P. Heckmann:
Der Großteil der Tracks entsteht in einem Guss bei einer Live-Session, also auch alle Synthdrehereien und Breaks. Die Sachen nehme ich dann im Computer in Stereo auf, manchmal schneide ich dann Parts raus, wenn der Track droht ein bisschen an Energie zu verlieren.

Amazona.de:
Du nimmst keine einzelnen Tracks oder Gruppen auf?

Thomas P. Heckmann:
Nein, meistens nur in Stereo, natürlich durchläuft das vorher eine Effektkette und einen Limiter, damit es nicht zu extrem übersteuert. Ich könnte auch alles separat in 64 Spuren aufnehmen, aber dafür bin ich zu faul. (lacht)

Amazona.de:
Das heißt, wenn nach einer Live-Aufnahme ein Instrument zu laut oder leise ist, war es das?

Thomas P. Heckmann:
Genau, natürlich kann ich im Mastering noch einzelne Sachen ein bisschen hervorheben. Ich hab schon eine gute Aufnahmekette vor dem Computer mit Side-Chain und Parallelkompression. Wenn natürlich ein grober Fehler drin ist, kann ich nichts mehr machen, aber das passiert mir eigentlich nicht.
Heutzutage nehme ich schon noch einzelne Spuren im Rechner auf, damit ich die für Remixe und Live-Auftritte hab, aber sobald sie im Computer sind, klingen sie nicht mehr so wie in der analogen Summierung.

Amazona.de:
Durch welche Geräte läuft die Summe?

Thomas P. Heckmann:
Sie läuft durch die P2 Dynamics Toolbox, das hast du diese Blende zwischen Original und Kompressor für die New York Kompression. Damit kann man auch noch schön übersteuern und dann geht es durch eine TL Audio Röhrenkiste und ab und zu noch durch einen Denoiser – das war es.

Amazona.de:
Das heißt, vor der Aufnahme einer Live-Session mischt du die Spuren schon analog vor?

Thomas P. Heckmann:
Selbstverständlich darf bei so einer Aufnahme dann kein Matsch mit drin sein.
Wenn ich den Track aufnehme, klingt er schon so fertig, das alles passt. Natürlich master ich den dann noch, um ihn zu perfektionieren, da kann man schon noch sehr viel machen.

Amazona.de:
Das ist beeindruckend, gerade da du bei der Aufnahme die komplette Song-Performance an den Geräten verrichten musst.

Thomas P. Heckmann:
Ich mach jetzt seit 1981 Musik und hab von der Pike auf mit nichts angefangen, immer nur von Monorecorder zu Monorecorder überspielt. Ich habe mir alles selber beigebracht, auch keine Bücher dazu gelesen. Das hast du dann irgendwann in dir drin.
Natürlich gibt es auch die Fälle, die mir zum live aufnehmen zu schwierig sind, dann übertrage ich alles separat in den Computer, kann das intern mischen oder auf meine Tascam Konsole legen, wobei die Mischungen im Computer meistens nicht so gut klingen.

Forum
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    AMAZONA Archiv

    Interessantes Interview. Jedoch bei der unglaublichen Menge an Equipment stellt sich mir die Frage ob das die Kreativität noch anregt oder eher verscheucht. Für mich zumindest wäre es zuviel des Guten. Aber als echter Freak kann es wohl nie genug sein.

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      Monolith2063

      Ich glaube, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Manche Menschen kommen besser mit Minimalmitteln zurecht, andere haben gerne viel Equipment zur Auswahl und haben auch keine Probleme mit der Übersicht. Allerdings sammelt er nicht nur an, er schmeisst auch Sachen wieder raus. Ich habe vor vielen Jahren mal einen Roland VP 330 von ihm zu einem sehr fairen Preis gekauft und direkt bei ihm in Mainz abgeholt. Da hatte er auch schon extrem viele Synthesizer in seiner Burg. Daher ist da wohl auch immer mal Bewegung drin, was ja auch gut ist.

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    Ruby

    Danke, ein Gourmet-Interview! Aber was hat es mit diesem „Neuton“ auf sich, was soll das sein?

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      dilux  AHU

      neuton war ein deutscher platten-vertrieb, dessen konkurs 2008 viele deutsche labels mit sich riss, darunter auch echte perlen, wie z.b. force inc.

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      TobyB  RED

      Hallo Ruby,

      guck dir mal bei discogs die Liste der Releases an. Die Meldung der Insolvenz hat 2008 schon eingeschlagen, https://bit.ly/2J4Pirf . Wie Dilux schreibt, waren davon etliche Perlen betroffen. Das hatte nicht nur im Rhein Main Gebiet Auswirkungen.

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        Ruby

        Hey, danke für die Info. Ist völlig an mir vorbeigegangen. War aber ungefähr genau die Zeit als ich das Plattensammeln aufgab. Trotzdem schade.

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    tomk  

    Sehr interessantes Interview, absolutes „Fist in your Face“ Album!
    Die Aufnahmequelle die tph nach seiner Masteringkette nutzt würde mich interessieren! Denke es wird eine Bandmaschine sein? ABER … irgendwann muss dat Dingens dann doch in die Box, sonst könnte es ja gar nicht digital gelauscht werden. Soll heißen: was bringt diese Zwischenstation? Irgendwann findet dieser Verlust ja doch statt. Oder geht es auschließlich um Bandsättigung? Da hätte der Interviewer aus meiner Sicht gerne tiefer bohren können …
    @großer Fuhrpark
    Warum sollte man immer mit der Familienkutsche unterwegs sein wenn man ein Rennen im Sinn hat, oder gar eine Geländetour. Wichtig ist das man seinen Fuhrpark und dessen Vorzüge kennt, und zur richtigen Zeit das richtige Werzeug wählt. Anders gesagt: Wer baut denn schon sein Haus nur mit einer Pumpenzange!

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    tomk  

    Bei der System 100-M Wand bekomm ich echt nen Ständer … WAHNSINN wie geil!!!!!!!!!!
    Die Sequence aus „the hand that rocks“ rockt aber auch sowas von.

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    Max Van Allen

    Guter Mann. Drax ltd. Amphetamine. Was für ein geiler track das ist. Ich habe mich Ende der 90er mal in einem Forum (keyboards oder keys, keine Ahnung mehr) erkundigt, mit welchem Synth er das Hauptthema gemacht hat. Da meldete sich dann tatsächlich jemand, der behauptete, mit Heckmann befreundet zu sein und wisse, dass es ein Arp Odyssey war. Bedauerlicherweise habe ich mir aber damals diesen Synth nicht geshoppt. Da gabs die noch für einigermaßen lau. Was ich mir allerdings kaufte war ein PPG Wave. Ich bin fast vom Stuhl gefallen, als ich den PPG anschmiss und der erste Sound, der da rauskam war exakt der Introsound (die ersten 5 Sekunden oder so) von eben jenem „Amphetamine“.

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    solartron   1

    Sehr sympathisches Interview…

    Kommentar zum letzten Bild:

    „Zwei ‚gestackte‘ Jupi-4s ergeben noch keinen Jupi-8.“ 😉

  7. Profilbild
    NightFight

    Kann mir einer sagen was man so für ein Musickstück mit ca. 10 Min. länge hinlegen muß´fürs Mastern ?

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