Ein Musiker unterwegs in seinem Studio auf Rädern
Thylacine gehört zu den Produzenten, deren Musik untrennbar mit Bewegungen verbunden ist, denn anstatt im Studio zu bleiben, nimmt er seinen umgebauten Airstream-Caravan als mobiles Studio mit auf Reisen und verwandelt Landschaften, Begegnungen und Sound-Kulissen in Musik.
Inhaltsverzeichnis
Thylacines musikalische Herkunft Entwicklung
Sein aktuelles Album „Roads Vol. 3″ führte den 33-jährigen Franzosen nach Namibia und für AMAZONA spricht er nun darüber, wie diese Art zu arbeiten, seine Musik prägt, welches Equipment er nutzt und welche Erfahrungen und Ideen ihn antreiben.
Gereon:
Wie bist du zur (elektronischen) Musik gekommen und welche Einflüsse begleiten dich bis heute?
Thylacine:
Ich habe mich für elektronische Musik interessiert, weil ich meine eigene Musik machen wollte. Ich spielte damals in einer Band und war neugierig darauf, alles selbst zu produzieren. Vorher wusste ich nicht wirklich etwas über elektronische Musik, also entdeckte ich andere Künstler, als ich anfing, meine eigene Musik zu machen. Einer der frühesten und nachhaltigsten Einflüsse für mich war Massive Attack – ihre Arbeit hat mich von Anfang an sehr beeindruckt und inspiriert meine Musik bis heute.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Gereon:
Deine Projekte entstehen oft unterwegs. Wie hat diese Art, zu arbeiten deine Musik über die Jahre verändert?
Thylacine:
Das Leben auf Tour hat mich mit so vielen verschiedenen Kulturen und Musikrichtungen in Kontakt gebracht und ich glaube, das hat mir wirklich dabei geholfen, neue kreative Wege zu gehen. Es fordert mich ständig heraus, mich anzupassen, zu experimentieren und mich neu zu erfinden. Das Reisen hält meine Arbeit frisch, denn jeder Ort bringt eine neue Perspektive oder einen neuen Sound mit sich, den ich einfließen lassen kann.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Das Album Roads Vol. 3 und Thylacines Reise durch Namibia
Gereon:
Dein aktuelles Album ROADS Vol. 3 entstand in Namibia. Welche Eindrücke aus dem Land haben deine Songs am meisten geprägt?
Thylacine:
Es gibt viele Einflussfaktoren, aber am beeindruckendsten war vielleicht die Erfahrung, dass Musik in Namibia eine lebendige, gemeinschaftliche Darbietung ist. Die Menschen dort betrachten Musik als etwas sehr Präsenzvolles und Gemeinsames, was mich dazu inspiriert hat, dieses Lebensgefühl und diese Energie in meiner eigenen Arbeit einzufangen.
Gereon:
Und war es schwierig, spontan vor Ort zu entscheiden, welche Stimmen oder Klänge du festhalten möchtest?
Thylacine:
Nicht wirklich. Ich folge immer meinem Instinkt und der Prozess fühlt sich sehr natürlich an. Natürlich schaffen es einige Ideen oder Aufnahmen nicht auf das endgültige Album, aber ich versuche, die Dinge nicht zu sehr zu überdenken. Ich lasse mich einfach treiben und vertraue dem Moment.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Thylacines Studio im Caravan
Gereon:
Dein Airstream-Wohnwagen ist ein vollwertiges Studio auf Rädern. Aber welche technischen Anpassungen waren nötig, damit du darin wirklich professionell arbeiten kannst?
Thylacine:
Ich habe mit einem Freund zusammengearbeitet, der Akustikdesigner ist, um sicherzustellen, dass es so gut klingt wie ein normales professionelles Studio. Außerdem habe ich zahlreiche Solarzellen und 90 kg Lithium-Batterien installiert, damit ich komplett unabhängig vom Stromnetz bin. Das war eine Menge Arbeit, aber jetzt ist es ein Raum, in dem ich überall arbeiten kann und dabei die volle Studioqualität beibehalte.
Gereon:
Hast du während deiner Namibia-Reise neues Equipment ausprobiert und falls ja: Hat es deine Arbeitsweise verändert?
Thylacine:
Ja! Ich habe das binaurale Kunstkopfmikrofon KU 100 von Neumann verwendet, um Gesangsgruppen aufzunehmen. Es war fantastisch, weil es den Klang so einfängt, wie Menschen ihn natürlich hören, also in 360 Grad. Das hat auch das Aufnahmeerlebnis verändert: Da es wie ein Kopf mit Ohren aussieht, behandeln die Leute es fast so, als würde ihnen eine Person zuhören. Ich habe es sogar scherzhaft „Bob“ getauft und das hat den Sängern wirklich geholfen, sich wohlzufühlen.
Gereon:
Gibt es Geräte oder Instrumente, die du auf keinen Fall zu Hause lassen würdest, egal wohin du reist?
Thylacine:
Nicht wirklich. Ich mag es, wenn jede Reise ein neues Abenteuer ist und ich mich an den Ort anpassen kann, an dem ich mich gerade befinde. Allerdings nehme ich fast immer mein Altsaxophon mit – es kommt sehr selten vor, dass ich ohne es reise.
Gereon:
Welches Instrument oder Tool wurde für dein aktuelles Album am häufigsten benutzt?
Thylacine:
Wenn wir den Computer aus der Gleichung herausnehmen, würde ich sagen, mein klassischer Keyboard-Controller. Die meisten meiner Ideen entstehen dort und er ist wirklich das Rückgrat meines Arbeitsablaufs.
Gereon:
Welche Rolle spielen analoge Elemente in deinen Produktionen, vor allem im Gegensatz zu den digitalen Tools, die du nutzt?
Thylacine:
Analoge Tools helfen mir dabei, Spaß zu haben und zu spielen. Es hat eine Weile gedauert, bis ich analoge Synthesizer voll und ganz zu schätzen gelernt habe – hauptsächlich wegen der Kosten und des Platzbedarfs –, aber jetzt benutze ich sie ständig. Sie ermöglichen es mir, ein wenig Kontrolle abzugeben und Klänge auf eine taktilere, unvorhersehbarere Weise zu erkunden.
Ein Blick in Thylacines Zukunft
Gereon:
Gibt es ein technisches Tool oder ein Instrument, das du unbedingt noch ausprobieren möchtest?
Thylacine:
Ehrlich gesagt möchte ich jedes Instrument auf der Welt ausprobieren – das ist mein Problem! Aber eines, das mich besonders interessiert, ist das Geomungo, ein traditionelles koreanisches Saiteninstrument. Sein Klang ist so einzigartig, dass ich gerne damit experimentieren würde.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Gereon:
Wenn du in die Zukunft schaust: Was wäre für dich ein Schritt, der deine Art zu produzieren noch einmal neu herausfordern würde?
Thylacine:
Ohne Computer? Das wäre eine riesige Herausforderung! Vielleicht ist das im Moment noch zu viel, aber eines Tages möchte ich versuchen, ganz ohne digitale Hilfsmittel zu produzieren, nur um zu sehen, wohin mich das führt.
Gereon:
Aktuell bist du auf Tour, aber hast du schon eine Idee, wie es danach weitergeht? Gibt es schon einen Ort, der für dich für ein nächstes Projekt infrage kommt?
Thylacine:
Nicht wirklich. Ich habe gerade ein weiteres Projekt namens Swiss Sounds veröffentlicht, bei dem ich Musik aus Hunderten von Klängen komponiert habe, die ich in der Schweiz aufgenommen habe. Das war ein sehr spannendes und unterhaltsames Projekt und ich würde diesen Prozess gerne auf ähnliche Weise weiterverfolgen. Der nächste Ort wird sich wahrscheinlich ganz natürlich ergeben – ich lasse mich bei meiner Arbeit gerne von der Umgebung leiten.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Vielen Dank für das angenehme Interview. Weitere Infos zu Thylacine, seiner Musik und der aktuell laufenden Tour gibt es auf der Website des Musikers.




































9k für einen KU-100-Kopf? Okay, das muss es wert sein, sonst hätte Thylacine ihn wohl kaum erworben. Namibia ist natürlich nicht gerade um die Ecke, und mir gefällt sehr, dass er sich von seiner Umgebung treiben lässt: (Süd-) Afrika nicht nur als Inspiration aus TV und Netz, sondern persönlich vor Ort. Menschen, Land, Musik, Kultur.
Musikalisch wäre sicherlich auch Kuba interessant, falls er ein Ziel sucht, das garantiert musikalischen Einfluss bietet. Ein klein wenig nervig fand ich allerdings, dass alles etwas ungeplant wirkt. Das ist bei Reisen bzw. einem mobilen Studio zwar verständlich, dennoch hätten mich ein paar Fakten interessiert: zum Beispiel zu den verwendeten Instrumenten, wo er gezielt nach neuen Klängen sucht oder wie ein typischer Tagesablauf aussieht.
Wir Normalos nutzen World-Instrumente meist als Software-Sampler, Thylacine geht vor Ort und nimmt selbst auf. Eine klasse, erfrischende Idee, auch wenn es für mich persönlich eher nichts wäre, unabhängig von dem Wunsch, noch das eine oder andere Land zu bereisen. Weiter so!
Ich kann jedem nur die kleine französische Serie OVNI(s) dt. UFOs von Antony Cordier empfehlen.
Kommt ab und zu in ARD, oder auf Blu-Ray. Extrem witziges 70s Retro mit einem Mega-Soundtrack von Thylacine! (Jarre und Tangerine Dream durften laut Wiki auch was beisteuern).
Und danke für das Interview!
@Markus Schroeder Super Serie. Danke für den Tip.
Zum Reinhören in den Soundtrack:
https://www.filmstarts.de/serien/25457/soundtrack/