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Interview: Toshio Iwai & Yu Nishibori (zum Tenori-On)

amazona.de
Hat Yamaha nach einer neuen Idee aktiv gesucht? Yamaha ist ja eher ein konventioneller Hersteller, der den Massenmarkt bedient. Das Tenori-On hingegen zielt doch auf eine sehr spezielle Klientel ab.

Yu Nishibori
Ich habe nach einer Idee gesucht, und ich arbeite bei Yamaha, so kann man es vielleicht sagen. Aber natürlich ist Yamaha immer an neuen Ideen interessiert. Und wir glauben an das Potential des Instrumentes. Die bisherigen begeisterten Reaktionen geben uns offenbar recht.

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Hattet ihr freie Hand bei der Entwicklung, oder gab es von Yamaha bestimmte Vorgaben, an die ihr euch halten musstet?

Toshio Iwai
Oh natürlich hatten wir Vorgaben! (Originalton: limitations) Und nicht zu knapp!
(Yu Nishibori zeigt währenddessen ein japanisches Lächeln und schweigt höflich)
Man muss selbstverständlich bedenken, dass wir an einem kommerziellen Produkt gearbeitet haben. Es sollte ja am Ende ein verkaufbares Instrument dabei herauskommen. Da ist es ganz natürlich, dass die Firma bestimmte Vorgaben macht. Ich fand es aber sehr spannend, als individueller Künstler mit dem großen Konzern zusammen zu arbeiten.

Toshio Iwai auf der Promotour*

Toshio Iwai auf der Promotour*

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Wie sah denn die Arbeitsteilung bei euch aus?

Yu Nishibori
Eigentlich haben wir in allen Punkten eng zusammengearbeitet. Konzept, Funktionen, Design, alles zusammen gemacht. Es gab kaum etwas, das nur einer allein gemacht hat.

Toshio Iwai
Ich bin kein Techniker, kein Produktentwickler, solche Arbeiten fielen also dem Ingenieur zu. Ich habe mich auf Konzept und die Programmierung konzentriert. Aber in allen Punkten haben wir uns permanent ausgetauscht.

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War die Form des Instrumentes von Anfang an klar?

Yu Nishibori
Nach den ersten Skizzen gab es drei oder vier Stadien der Entwicklung. Zuerst war es ein Versuchsaufbau, bei dem Elektronik und Stromversorgung in großen, externen Kästen untergebracht waren. Das Bedienfeld waren ein paar zusammengesteckte Schalter. Daran haben wir nach und nach die Funktionen ausprobiert und verbessert. Toshio hatte damit dann die Software entwickelt.

Toshio Iwai
Diese Version hatte sogar noch eine Kurbel! Die alte Musicbox hatte auch hier noch meine Vorstellung beherrscht.

Yu Nishibori
Das war natürlich nicht sehr praktisch für ein elektronisches Instrument. Wir haben dann diesen Versuchsaufbau schrittweise in einen Prototyp umgesetzt, der schon fast wie das fertige Tenori-On aussah.

Besagter Prototyp, der dem finalen Gerät schon sehr ähnlich war

Besagter Prototyp, der dem finalen Gerät schon sehr ähnlich war

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Gab es besondere Schwierigkeiten dabei?

Toshio Iwai
Wo wir sehr lange dran rumprobieren mussten, das war der Rahmen. Zuerst hatten wir Rohre verwendet, was aber an den Ecken sehr schwierig wurde. Außen sind sie ja schön rund gebogen, aber innen brauchten wir eine 90° Ecke. Und zunächst wollten wir die gesamte Elektronik im Rahmen unterbringen, was sich aber leider als undurchführbar erwies. So sind es dann zwei Metallhälften geworden, die zwar in der Produktion von einem Roboter bearbeitet werden, aber wegen der komplizierten Form alle von Hand nachgearbeitet werden müssen.

Yu Nishibori
Dass wir die Elektronik nicht im Rahmen unterbringen konnten, hatte zur Folge, auch die Rückseite mit LEDs zu bestücken. Ursprünglich sollte der mittlere Teil durchsichtig werden, so dass das Publikum die Hände des Musikers beim Spielen sehen könnte. Aber dann kam es zu der Idee der zweiten LED-Anzeige.

Toshio Iwai
Die Wahl der richtigen LEDs bzw. Tasten war auch langwieriger als man denkt, nicht nur wegen der Leuchteigenschaften der unterschiedlichen LEDs. Zu Beginn hatten wir noch an verschiedenfarbige LEDs gedacht, uns dann aber für einen monochromen Look entschieden.

Pole live: das Tenori-On im Setup integriert*

Pole live: das Tenori-On im Setup integriert*

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In einigen Punkten ist das Tenori-On sehr einfach gehalten, z.B. bei der Tonerzeugung.

Toshio Iwai
Ja, das Instrument sollte möglichst einfach bleiben. Es ist eben zum Improvisieren und Live-Spielen gedacht. Mehr Funktion bedeuten mehr Parameter, die man irgendwie bedienen muss. Ab einem bestimmten Punkt haben wir eine Grenze gezogen. Das heißt aber nicht, dass wir nicht über weitere Möglichkeiten nachdenken. Zur Zeit arbeite ich an der Software und will sie verbessern. Es gibt auch Ideen für weitere Funktionen, aber dazu will ich noch nichts Genaueres sagen. Erst einmal müssen wir die Markteinführung abwarten. Dann sehen wir, wie es weiter geht.

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Vielen Dank für das Gespräch und viel Glück für die Zukunft des Tenori-Ons.

* Die Fotos wurden uns freundlicherweise von Gerald Voss von Yamaha Deutschland zur Verfügung gestellt.

 

 

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Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Sehr interesantes interview, bleibt zu hoffen das sie wirklich die software noch ein wenig verbessern. Und vielleicht den preis ein wenig senken…

  2. Avatar
    AMAZONA Archiv

    …die youtube-videos und die produktvideos machen ja spaß. dabei ist mir das "monome" aufgefallen … kennt das einer? gab es das schon vor dem Tenori-On oder ist das ein nachbau und was hab ich davon zu halten?

  3. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Pete: Die Monomes gibt es in der Tat schon „etwas“ länger als das Tenori-On und sie haben zumindest technisch auch wenig gemeinsam, denn die Monome-Hardware ist ein reiner Controller, der über USB am Rechner hängt und dort verschiedenste Software (die zugehörige von Monome, aber auch DAW’s) steuern kann. Infos findest Du auf http://www.monome.org

  4. Avatar
    AMAZONA Archiv

    …auf jeden fall gefällt mir diese visualisierung von musik sehr.
    ich würde sogar behaupten, dass manche zuhörer so eine unterschwellige erklärung für z.B. schwierige rhythmische zusammenhänge bekommen, die ihnen ohne pulsierende grafiken vorher verschlossen blieb… bin mal gespannt, was noch so kommen wird…

  5. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Ja ich denke, die Visualisierung und Handhabung beim Musizieren wird in Zukunft eine immer größere Rolle spielen. Das Tenori-On ist Klasse. Leider kann man nur wenig eigenes Material reinladen. Und ´€ 890,- ist auch ziemlich hoch. Fraglich ist, wie schnell sich der Aha-Faktor abnutzt. Kennt Ihr den Octopus oder Nemo von Genoqs? (www.genoqs.de).

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