Software-Synthesizer vom Feinsten
Wer sich mit Software-Synthesizern beschäftigt, kommt an u-he kaum vorbei. Seit mehr als zwei Jahrzehnten steht das Berliner Unternehmen für Instrumente und Effekte, die gleichermaßen für ihren charakterstarken Klang, ihre technische Raffinesse und ihre musikalische Tiefe geschätzt werden. Ob im Heimstudio, auf großen Filmproduktionen oder in den Setups renommierter Sounddesigner – Synthesizer wie Diva, Zebra oder Hive haben sich längst einen festen Platz in der modernen Musikproduktion erarbeitet.
Worum geht es? Interview mit u-he-Gründer Urs Heckmann über die Entstehung des Unternehmens und deren Produkte.
- u-he: Urs Heckmann spricht über die Entwicklung eines der bekanntesten Audio-Software-Unternehmen.
- Analogmodellierung: Der Klang entsteht durch aufwendige DSP-Verfahren und nichtlineare Gleichungssysteme.
- Bedienkonzept: u-he setzt bewusst auf Tiefe statt auf radikale Vereinfachung.
- KI: Urs Heckmann sieht weniger Vereinheitlichung als vielmehr den Verlust musikalischen Fachwissens als Gefahr.
- Entwicklung: Neue Produkte entstehen bei u-he vor allem aus den Ideen und Interessen der Entwickler.
Inhaltsverzeichnis
- Vom Atari ST zur Plug-in-Programmierung
- Warum „Dumbing Down“ nicht glücklich macht
- Authentischer Analog-Sound oder Bug?
- „Ich wünschte, dass ich diese Instrumente entwickelt hätte“
- Geräte für die einsame Insel
- Hive war ein „Wochenendprojekt“
- „Unsere Produkte entstehen aus dem, was die Entwickler machen wollen.“
- Die größten Fehltritte
- Von Hans Zimmer, Boris Blank und anderen großen Momenten
- Verwechslungsgefahr: Urs oder Hainbach?
- „Ich sehe weniger die Gefahr der Vereinheitlichung als die Gefahr der Verblödung“
- Presets
- Hobbymusiker oder Profi: Die Wünsche sind meist ähnlich
- Blick in die Zukunft
Hinter diesem Erfolg steht Urs Heckmann, der den Weg vom musikbegeisterten Hobbyprogrammierer zum Gründer eines der angesehensten Audio-Software-Unternehmen der Branche gegangen ist. Seine Produkte folgen dabei einer Philosophie, die sich bewusst gegen übermäßige Vereinfachung stellt: Statt Nutzer auf schnelle Ergebnisse zu reduzieren, sollen Instrumente inspirieren, herausfordern und Raum für kreative Entdeckungen bieten.
Im AMAZONA-Interview auf der Superbooth spricht Urs Heckmann über die Anfänge von u-he, die Kunst authentischer Analogmodellierung, die Bedeutung von Sounddesign und kreativer Freiheit sowie über aktuelle Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz in der Musikproduktion. Ein Interview über Technologie, Kreativität und die Frage, warum gute Werkzeuge oft dann entstehen, wenn Entwickler ihren eigenen Ideen folgen.
Sonja:
Hallo Urs, schön, dich zu treffen. Ich hoffe, es geht dir gut.
Urs:
Danke, ja, gleichfalls!
Vom Atari ST zur Plug-in-Programmierung
Sonja:
Du hast ursprünglich als Musiker und Sounddesigner gearbeitet, bevor du u-he gegründet hast. Welche technischen oder klanglichen Defizite bestehender Synthesizer haben dich damals am meisten frustriert und wie haben diese Erfahrungen die Architektur deiner frühen Plug-ins geprägt?
Urs:
Also, das war eigentlich ganz anders. Ich hatte schon immer Musik gemacht, mehr so als Hobby, und hatte einen Atari ST und ein paar Hardware-Teile. Plötzlich ging das alles im Rechner, für mich in etwa ab dem Jahr 2000. Aber die Instrumente waren damals recht teuer, und ich hatte gerade für ein Design-Projekt etwas Programmierung in C lernen müssen. Also wollte ich ausprobieren, ob ich diese Plug-ins nicht einfach selber schreiben könnte. Und nach ein paar Jahren hat das auch geklappt.
Sonja:
u-he-Software wie Zebra2 oder Diva gelten als Referenz für „analogen Klang“ im Softwarebereich. Welche DSP-Ansätze waren entscheidend, um diese organische Klangqualität zu erreichen, ohne die CPU-Anforderungen völlig eskalieren zu lassen?
Urs:
Also, man muss dazu sagen, dass Diva anfangs schon extrem viel CPU gezogen hat. Inzwischen sind die Rechner aber eben schneller geworden. Der Hauptgrund für die hohe CPU-Last ist die iterative Berechnung von nichtlinearen Gleichungssystemen.
Einen analogen Schaltkreis kann man halt nicht als Liste von Operationen abarbeiten (jetzt passiert das, dann das und nun passiert jenes), man muss ihn in seiner Gesamtheit sehen: Alles passiert gleichzeitig und ist voneinander abhängig. Um so etwas zu berechnen, gibt es mathematische Methoden wie beispielsweise das Newton-Verfahren, mit dem man sich schrittweise herantastet, bis das Ergebnis mathematisch korrekt ist: Alle Ergebnisse sind gleichzeitig richtig, aber eben erst nachdem alles vier, fünf oder gar zehnmal durchgerechnet wurde.
Bis dahin waren vor allem digitale Filter entweder abstrakt und linear, oder es wurden klanglich unvorteilhafte Workarounds verwendet, um das Problem der nichtlinearen Gleichungssysteme zu umgehen. Wir haben das für uns geändert, und das hört man eben auch.
Sonja:
Viele Entwickler setzen heute auf möglichst einfache Bedienoberflächen. u-he geht oft den gegenteiligen Weg und bietet enorme Eingriffstiefe. Wie balancierst du technische Komplexität und musikalische Zugänglichkeit beim Design neuer Instrumente?
Warum „Dumbing Down“ nicht glücklich macht
Urs:
Ich bin ja eigentlich diplomierter Industrie-Designer. Schon während meines Studiums hat mich der Hang zu “Über-Ergonomisierung” genervt. Nicht alles im Leben muss so einfach wie möglich sein. Menschen wollen auch in etwas gut sein können, sonst müsste man keine Violinen oder Fußbälle mehr herstellen. Beides ist nicht einfach zu beherrschen, man muss es üben, sonst wäre es witzlos.
Dazu gibt es ja auch tolle Literatur wie beispielsweise das Flow-Prinzip, das besagt, dass Glück auch daraus bestehen kann, sich Herausforderungen zu stellen, die ein Stück weit über den eigenen Fähigkeiten liegen, und diese dann zu meistern. Das Gegenteil davon wäre Routine.
Ich finde, dass “Dumbing Down”, wo alles am besten auf einen Knopf reduziert wird, eben nicht glücklich macht, weil es absolut langweilig ist. Weil es den Menschen unterschätzt, und alles zur Routine degradiert. Dabei kann so ein menschliches Gehirn das doch alles, wenn es will.
Ich hoffe, wir unterschätzen den Menschen nicht. Aber die Kehrseite ist eben auch, dass viele unserer Angebote sich eher an erfahrene Musiker richten, und Anfänger bei dem einen oder anderen Produkt gegebenenfalls überfordert wären. Mit etwas Motivation sind sie dann hoffentlich bald keine Anfänger mehr.

Urs Heckmann im Interview: „Ich finde, dass ‚Dumbing Down‘, wo alles am besten auf einen Knopf reduziert wird, eben nicht glücklich macht, weil es absolut langweilig ist.“
Wobei wir natürlich außerdem Plug-Ins anbieten, die sich auch an Synthese-Neugierige wenden, die noch nicht so viel Erfahrung haben. Manches davon ist sogar Freeware.
Authentischer Analog-Sound oder Bug?
Sonja:
u-he ist bekannt für sehr detailreiche Emulationen analoger Schaltungen. Wie tief geht ihr dabei tatsächlich in die Modellierung einzelner Komponenten hinein und wo zieht ihr bewusst die Grenze zwischen technischer Genauigkeit und musikalischer Praxis?
Urs:
Die Mathematik hinter analoger Modellierung ist eigentlich gar nicht so kompliziert. Ein Spannungsteiler aus zwei Widerständen ist eine einfache Addition und eine Division. Kompliziert wird es eigentlich nur bei den besagten nichtlinearen Gleichungssystemen, aber ausgerechnet die kann man schlecht weglassen.
Die Frage, wie tief man jeweils einsteigt, ist immer die Frage danach, was man noch hören kann. Wenn ein Effekt, der 90 dB unter dem Signalpegel liegt, die CPU-Last verdoppelt, würde ich ihn wahrscheinlich nicht modellieren.
Eine andere Frage ist die, was die Nutzer als authentisch ansehen oder schon als Bug empfinden. Die Grenze ist da fließend. Modelliert man das 50/60 Hz Brummen des Netzteils? Da haben wir entschieden, das nicht zu machen, weil es eher stören würde. Aber die Saturierung des Noise-Generators? Ja klar, das schon. Auch wenn es ein weiteres Prozent CPU frisst.
Sonja:
Auf welche Entwicklung aus eurem Sortiment bist du besonders stolz und warum?
Urs:
Ich finde immer noch, dass ACE das rundeste und schönste Instrument ist, das ich je gestaltet habe. Da sind die Sektionen schön gleichberechtigt und konsistent nebeneinander und das Feature-Set ist sehr ausgewogen. Irgendwann würde ich gerne ein paar Funktionen hinzufügen und die Algorithmen modernisieren. Doch dafür ist wenig Zeit.
„Ich wünschte, dass ich diese Instrumente entwickelt hätte“
Sonja:
Gibt es ein Instrument eines anderen Herstellers, von dem du dir wünschst, dass ihr es erfunden hättet?
Urs:
Rings, Elements, Clouds und eigentlich alles von Mutable Instruments. Ich glaube, niemand hat modulare Klangsynthese so beeindruckend originell neu gedacht wie Émilie Gillet von Mutable Instruments und dabei gleichzeitig zugänglich und vielseitig. Tiefe Bewunderung, auch wenn es gerade bei Hardware-Modular viele gute Beispiele gibt, die ich picken könnte.
Geräte für die einsame Insel
Sonja:
Welche drei Geräte würdest du auf eine einsame Insel (mit Stromversorgung) mitnehmen?
Urs:
Wenn es speziell um Synthies geht: Ein Eurorack-Case mit ziemlich viel Mutable drin, einen Vintage-Minimoog und einen Juno-60. Sonst: Ein Eurorack-Case mit ziemlich viel Mutable drin, mein MacBook und eine Kaffeemaschine.
Hive war ein „Wochenendprojekt“
Sonja:
Hive und Repro verfolgen sehr unterschiedliche Philosophien: Maximale Effizienz versus maximale Authentizität. Welche internen Diskussionen entstehen bei euch, wenn ihr entscheidet, in welche Richtung sich ein neues Produkt entwickeln soll?
Urs:
Tatsächlich entstehen solche Sachen irgendwie organisch. Irgendwer sagt zum hundertsten Mal: “Hey, wir sollten mal was Einfaches machen.” und dann kommen ein paar Sachen zusammen. Hive war so ein “Wochenendprojekt” von mir, wo ich Supersaws untersucht hatte. Und irgendwann kam die Idee: “Hmmm, vielleicht machen wir was daraus, wie würde das aussehen?”
Bei Repro war es der Zufall, dass ich einen alten Pro-One aufgegriffen hatte und nach etlichen Monaten Service und Recherche klar war, dass ich den gerne digital umsetzen würde.
Diskussionen kommen dann zu einzelnen Features auf, aber nicht so sehr um Fragen wie: “Machen wir jetzt dieses Produkt oder jenes?”. Es ist in der Regel immer schon etwas da, was den Anlass zu einem neuen Produkt bringt.
„Unsere Produkte entstehen aus dem, was die Entwickler machen wollen.“
Sonja:
Die Geschichte von u-he verlief weitgehend unabhängig von klassischen Investoren- oder Konzernstrukturen. Welche Vor- und Nachteile hat diese Unabhängigkeit für ein hochspezialisiertes Audio-Softwareunternehmen im heutigen Markt?
Urs:
Zu den Vor- und Nachteilen von klassischen Investor-Strukturen kann ich gar nichts sagen, ich habe das ja nie selber erlebt. Ich vermute aber, dass Geldgeber sehr resultatorientiert sein dürften und ich vermute, dass marketingorientiertes Denken zu anderen Produkten führt als die, die wir machen.
Ich bezeichne unsere Methode oft als “Development-Driven”. Gemeint ist, dass unsere Ziele aus dem entstehen, was die Entwickler machen wollen. Ich denke, man sieht es unseren Produkten an, dass sie mit viel Motivation und Ehrgeiz entstanden sind.
Ich glaube nicht, dass man solche Produkte bekommt, wenn die Herangehensweise ist: „Unsere Marktanalyse hat dies oder jenes ergeben, also müssen wir jetzt so und so ein Produkt herstellen”. Es ist aber sicher ein Vorteil dieser Unabhängigkeit, dass wir ein kleines und flexibles Team bleiben können. Ich glaube, dass es weniger Marktrisiken gibt, wenn man nicht fortwährend nach Wachstum hecheln muss. Gerade in einem Nischen-Bereich wie Audio-Software kann man sich mit 20 Leuten sehr wohlfühlen.
Die größten Fehltritte
Sonja:
Erzählst du uns von dem größten Fehltritt bisher?
Urs:
Meinst du sowas, wie als wir mal vergessen hatten, ein Beta-Expirations-Datum aus Diva rauszunehmen und plötzlich alle Diva-Lizenzen aufhörten, zu funktionieren, während ich im Urlaub war?
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Ansonsten war sicher der größte Fehltritt, bereits 2012 auf Gerüchte zu Zebra 3 zu reagieren, als wir noch überhaupt nicht angefangen hatten. Ich wollte eigentlich sagen: “Hey, es wird nicht bald kommen, aber irgendwann wollen wir das schon machen.”, so ein Balanceakt zwischen Hoffnung und nicht-ganz-Absage, aber heraus kam für die Leute: “Ey, wir sind dran, bald gibt es was zu sehen”. Und dann hatten wir wegen Diva überhaupt keine Zeit, uns damit auseinanderzusetzen.
Von Hans Zimmer, Boris Blank und anderen großen Momenten
Sonja:
Was war der bewegendste Moment in der Firmengeschichte?
Urs:
Oh ha… es gab so viele… Beispielsweise als Hans Zimmer mir seinen Minimoog anvertraut hat. Oder die vielen tollen Begegnungen mit großartigen Künstlern wie Harald Grosskopf, Boris Blank oder Reinhold Heil, die mir dann erzählten, wie häufig und wofür sie unsere Synthies einsetzen.
Vor ein paar Tagen erzählte mir Rainer Oleak, dass er bei seinen Piano-Konzerten unser CVilization-Modul als dynamischen Mixer einsetzt. Das sind immer die Momente, wo mir klar wird, wie relevant unsere Arbeit ist. Das ist mir wichtiger und bewegt mich mehr als Umsatzziele oder reine Nutzerzahlen.
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Mir scheint, bewegende Momente haben immer was mit Personen zu tun. Besonders bewegend waren da auch meine Begegnungen mit Dave Smith, der mir über die Jahre immer wieder über den Weg lief und der einfach unfassbar offen und nett aus dem Nähkästchen geplaudert hat.
Verwechslungsgefahr: Urs oder Hainbach?
Sonja:
Was ist das lustigste oder skurrilste, was dir bisher im Zusammenhang mit dem Musikbusiness passiert ist?
Urs:
Was immer wieder lustig ist, wenn es so Verwechslungen gibt. Leute, die uns Bewerbungsunterlagen mit einem an Arturia adressierten Anschreiben schicken, oder Supportanfragen für Produkte anderer Hersteller. Oder auch einfach Leute, die mich auf dem Superbooth ansprechen, weil sie denken, ich sei Hainbach. Da hatte ich noch lange Haare.
Aber überhaupt, die eine oder andere Supportanfrage ist immer mal sehr lustig. Aber wir nehmen Privacy sehr ernst, deshalb möchte ich nichts Spezifisches teilen.
„Ich sehe weniger die Gefahr der Vereinheitlichung als die Gefahr der Verblödung“
Sonja:
KI verändert aktuell nahezu alle Bereiche der Musikproduktion – von automatischer Komposition bis hin zu intelligentem Mixing und Sounddesign. Welche Anwendungen von KI hältst du für musikalisch wirklich sinnvoll, und wo siehst du eher die Gefahr einer kreativen Vereinheitlichung?
Urs:
KI als Tool ist ja erstmal nicht ganz unsinnig. Wenn ich aber höre, dass Berufsmusiker es einsetzen, um sich Songs am laufenden Band komponieren zu lassen, weil es schneller geht und weil sie keine Lust mehr haben, selber kreativ zu sein, dann erfüllt mich das irgendwie mit Schmerzen.
Ich glaube aber übrigens nicht, dass Ergebnisse kreativer Anwendungen von KI ausschließlich “Wiedergekäutes” sind oder sein müssen. Tatsächlich habe ich vor fast 30 Jahren in meiner Diplomarbeit über kreative KI-Prozesse geschrieben.
Wenn man nämlich sagt “das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile”, dann dürfte selbst ein LLM (Large Language Model, wozu zum Beispiel ChatGPT und Claude gehören) dazu in der Lage sein, durch Rekombination bekannter Begriffe eine neue Qualität zu erschaffen. Ob es das von selbst merkt, sei mal dahingestellt.
Aber in modernen KI-Anwendungen spielt das LLM eben auch nur eine bestimmte Rolle, es kann in seinem Kontext über Schnittstellen ja beliebige andere Prozesse organisieren. Und die können durchaus kreativ im Sinne dessen sein, was vor 30 Jahren schon ging und tatsächlich schöpferische Qualität hatte. Beispielsweise genetische Algorithmen mit künstlicher Selektion.

Hans Zimmer, Reinhold Heil und Boris Blank sind nur einige wenige große Namen, mit denen u-he schon zusammengearbeitet haben.
Ich sehe hier weniger die Gefahr einer Vereinheitlichung als die Gefahr der Verblödung. Man weiß, dass Fachwissen verloren geht, wenn man es nicht anwendet. Wenn also Musiker das Musizieren auslagern, dann werden sie über die Zeit vielleicht auch schlechtere Musiker.
Und wenn man immer sagt: “KI ist gut, aber es braucht Fachwissen, um angeleitet zu werden für gute Ergebnisse”, aber wenn das Fachwissen eben dadurch schwindet… Muss halt jeder selber wissen.
Presets
Sonja:
Viele Produzenten wünschen sich heute schnelle Ergebnisse und „Preset-first“-Workflows. Gleichzeitig lebt die Synthesizer-Kultur vom Experimentieren. Beobachtest du einen Wandel im Nutzerverhalten und beeinflusst das die Entwicklung zukünftiger u-he-Produkte?
Urs:
Ich habe jetzt nicht das Gefühl, dass das etwas gänzlich Neues wäre. Seitdem es Presets gibt, haben die Leute sie intensiv genutzt. Vollständige Platten, ja ganze Musikrichtungen sind in den 80er-Jahren aus Presets entstanden, man denke nur an klassische Sounds wie das DX-Piano, den Lately Bass, das M1 Piano oder das Fairlight Arr1.
Wir haben ja schon seit vielen Jahren fest angestellte Sound-Designer und eine ganze Reihe von Sound-Designern, mit denen wir sehr eng zusammenarbeiten. Weil wir eben sehr viel Wert auf qualitativ großartige Factory-Libraries legen. Und ab und an veröffentlichen wir Preset-Bänke, in die wir ebenfalls richtig viel Arbeit stecken.
Für uns gehört das zu einem ganzheitlichen Produkt dazu: Tolle Features, die die Sound-Designer inspirieren, und die dann durch die Presets toll in Szene gesetzt werden.
Hobbymusiker oder Profi: Die Wünsche sind meist ähnlich
Sonja:
u-he-Instrumente sind sowohl bei Bedroom-Producern als auch in großen Film- und Game-Scoring-Produktionen etabliert. Gibt es bestimmte technische Anforderungen aus diesen professionellen Bereichen, die eure Entwicklungsentscheidungen besonders stark beeinflussen?
Urs:
Nein, nicht wirklich. Es muss halt gut klingen, nehme ich an.
Natürlich gibt es manchmal recht spezifische Feature-Wünsche, beispielsweise im Zusammenhang damit, wie man ein Plug-in in ein Orchester integrieren kann – das kann etwas mit Intonation, MIDI-Controllern oder Kompatibilität zu tun haben, solche Sachen. Aber generell unterscheiden sich die Feature-Wünsche und Anforderungen zwischen den Bereichen High-End und Hobby fast gar nicht.
Blick in die Zukunft
Sonja:
Wenn du auf die nächsten zehn Jahre blickst: Welche technologischen Entwicklungen werden die Musiksoftware-Branche deiner Meinung nach am stärksten verändern: Neue Interfaces, KI, Spatial Audio, Cloud-Produktion oder vielleicht etwas völlig anderes?
Urs:
Ich denke, ich sehe KI eher näher am Zenit als viele meiner Freunde und Kollegen. Vielleicht hat es seinen Zenit schon längst überschritten, nur hat es noch keiner gemerkt. Spatial Audio finde ich spannend, aber ich habe noch nicht viele Anknüpfungspunkte für meine eigene Arbeit gefunden. Das ist mehr eine Frage der DAW-Entwicklung, finde ich.

Urs Heckmann zum Thema KI in der Musik: „Ich sehe hier weniger die Gefahr einer Vereinheitlichung als die Gefahr der Verblödung.“
Jedenfalls gefallen mir ein paar binaurale und “super-spatiale” Produktionen, die ich dann nur mit Air Pods Pro auf Apple Music hören kann. Wenn das mal alles irgendwie universell funktionieren könnte, dass das aus der Soundbar oder Boombox genauso rauskäme. Vielleicht ist das in 10 Jahren so, wäre schön.
Cloud Produktion; da habe ich noch weniger Anknüpfungspunkte, da kenne ich mich gar nicht aus. Wie ein guter Freund einst so schön sagte: “Erstens, es kommt anders, und zweitens, als man denkt.”
Sonja:
Gibt es noch etwas, was du gerne einmal loswerden würdest?
Urs:
Nein.
Vielen lieben Dank an Urs und das ganze Team von u-he für dieses extrem spannende Interview.






































Wenn man sich mit Softwaresynthesizer beschäftigt, kommt man tatsächlich kaum an die Produkte von Urs vorbei. Aber die Mitbewerber schlafen nicht und so muss ich jetzt ein schweres „coming out“ machen: Ich besitze kein einziges Produkt von Urs! Das hat keinen speziellen Grund, es hat sich einfach so ergeben. Dies ändert natürlich nichts an dem tollen Interview und der Zusammenarbeit zwischen Urs und Amazona, wie es zum Beispiel beim TyrellN6 der Fall war. Auf weitere tolle Softwareprodukte made in G. und vielleicht wird eines Tages bei mir auch ein Urs-Produkt Einzug halten. Vielleicht ein völlig neuer Softwaresynthesizer? Man darf gespannt sein!
Entspannter Profi mit tollen Produkten, so weit meine Erfahrung. Danke fürs Interview!
Als ich Reinhold Heil zu seinem Album Freiheit, Geilheit, Männlichkeit interviewt habe, erzählte er, dass er bei der Produktion ganz viel Zebra, Bazille und Hive benutzt hat. Hive habe ich mir inzwischen selbst zugelegt und bin damit sehr happy. Ist auch zu Hardware Synths eine schöne Ergänzung. Danke für das interessante Interview!
Am besten finde ich ja:
Sonja:
Gibt es noch etwas, was du gerne einmal loswerden würdest?
Urs:
Nein.
😁
@UKoPo Ja, hat irgendwie was 😁
Vielen Dank für das Interview.
Urs kommt immer sehr sachlich und sympathisch ‚rüber. Ein einfaches „nein“ am Ende des Interviews reicht. Da muss nicht über zukünftige Entwicklungen spekuliert werden. Das hat schon ca. 2015 bei Ray Kurzweil nicht geklappt.
Als u-he-Nutzer der ersten Stunde hoffe ich dennoch, dass die Entwicklung in eine Richtung geht, bei der samplebasierte Instrumente irgendwann ersetzt werden können. Mit den Strings und dem Combfilter-Oszillator hat das schon bei Zebra2 recht gut geklappt.
ich hoffe auch ki ist bald am Ende.
aber wahrscheinlich nicht.
kommt nur müll Raus.
von Urs gibt’s übrigens sidtunes vom c64 im Netz.
Ich oute mich gerne als Fanboy von Urs und u-he… als Typ immer offen und ehrlich, aber respektvoll dabei, die Firma ein Musterbeispiel an Kundenfreundlichkeit. Die Produkte sind zwar initial vielleicht etwas teurer als der letzte Sale aus der Ramschkiste, werden dafür aber über Jahre, gar Jahrzehnte supported. Hab Zebra2 glaube ich 2009 gekauft, diverse kostenlose Feature-updates bekommen, dann vor ein paar Jahren kostenlos die Zebra Legacy Edition dazu, und das update auf Z3 für 30€ erhalten. Und das ganze mit vorbildlich unaufdringlicher Copy protection, kein phone-home, keine Rechnerabhängige Aktivierung, einfach nur Lizenzkey (oder jetzt Lizenzkarte) und fertig. Und wenn dann doch mal Support notwendig war, hat der bisher auch immer flott und hilfreich geantwortet.
Immer überzeugende Plugins und für mich ganz wichtig: auch für Linux.