Wie UJAM den kostenlosen Plug-in-Bau erleichtern will
UJAM entwickelt Musik-Software, die Kreativität nicht ausbremst, sondern Ideen schnell hörbar machen soll. Im Interview erzählt uns der COO Wolfram Knelangen, warum ihn echte Produktleidenschaft mehr antreibt als reine Zahlen und warum UJAM bis heute bewusst unabhängig geblieben ist. Besonders spannend wird es bei der UJAM Gorilla Engine, denn sie ist keine klassische Sampler-Engine, sondern eine komplette Entwicklungsumgebung für Plug-ins und Standalone-Produkte. Ein Gespräch über Musik, Unternehmertum, Teamkultur und den Mut, bewusst neue Wege zu gehen.
Worum geht es?
- Wolfram Knelangen: Der UJAM-COO spricht über seinen Weg von Tonstudios über Pro Tools bis zu UJAM.
- UJAM: Im Fokus steht eine Firmenkultur, die Kreativität, Produktleidenschaft und Unabhängigkeit betont.
- Gorilla Engine: Die Plattform ist eine umfassende Entwicklungsumgebung für Plug-ins, Desktop-Produkte und Hardware.
- Community: UJAM will Entwicklern einen einfachen und risikoarmen Einstieg in eigene Produkte ermöglichen.
- Ausblick: Mit der neuen Plattform „Ocean“ arbeitet UJAM an einem frischen Zugang zu virtuellen Instrumenten.
Inhaltsverzeichnis
Gereon:
Hallo Wolfram, vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast. Ganz zu Beginn direkt die erste Frage: Kannst du unseren Lesern kurz erzählen, wer du eigentlich bist?
Wolfram Knelangen:
Hallo, mein Name ist Wolfram Knelangen. Ich bin Chief Operating Officer von UJAM. Das ist vor allem ein Hersteller von Plug-ins, also Instrumenten, ein bisschen auch von Effekten, aber hauptsächlich geht es um musikalische Instrumente. Ich bin schon seit langer Zeit in dieser Industrie. Ich war mal bei Pro Tools, davor bei Steinberg, bei Yamaha und bin jetzt seit fast zehn Jahren bei UJAM. Ich habe von dieser Industrie also schon viel gesehen und habe viel erlebt.
Musikalischer Hintergrund und Werdegang
Gereon:
Wie bist du denn ursprünglich in diese Industrie reingekommen? Machst du selber Musik oder kam der Zugang eher über diese technische Seite?
Wolfram Knelangen:
Wenn man jetzt 40 Jahre zurückspulen würde, dann würde man mich an dem Röhrenradio meiner Oma sehen. Ich weiß nicht, ob du das noch kennst, so alte Röhrenradios. [Ich sehe mich], wie ich das versuche, umzulöten, um eine Gitarre dran anzuschließen. Das ging dann irgendwann weiter mit dem Umbauen von Kassettenrekordern und Plattenspielern und Beats machen und so weiter. Also das war schon früh angelegt.
Und dann wollte ich eigentlich zum Film, lustigerweise. Ich hab nach der Schule eine Zeit lang beim Film gearbeitet, fand die Filmindustrie aber irgendwie gar nicht so interessant und gar nicht so meins. Und ich bin dann tatsächlich über einen Zufall in einem Tonstudio gelandet und habe dann erst ganz klassisch als Assistent in einem Tonstudio [gearbeitet] und habe dann bei Johannes Wenel Sounddesign für jemanden [gemacht], der damals bei Yamaha die Samples für die großen Workstations gemacht hat.
Ich habe dann 20 Stunden lang Pro-Tools-Sessions geschnippelt und so weiter. Ich habe in der Zeit also auch wirklich gelernt, professionell zu hören. Und daraus hat sich das dann mehr oder weniger ergeben. Dann ging das Ganze mehr in die Richtung von Software und [in dem Bereich habe ich] auch eine ganze Menge Rollen [übernommen], also von Handbücher schreiben über Qualitätssicherung – also QA nennt man das, so Testing, Software testen, Produktmanagement, Produktdesign – und dann auch ganze Teams führen.
Gereon:
Und was würdest du sagen, hat dich auf diesem Weg am meisten geprägt?
Wolfram Knelangen:
Ich glaube, es gibt bestimmt viele prägende Punkte. Erstmal ist mir jetzt relativ klar, dass meine Karriere auch so ausgesehen hat, wie sie bisher ausgesehen hat, weil sie einfach mit der technologischen Entwicklung koinzidiert. Ich habe damals bei einer Firma namens Wizoo gearbeitet. Wizoo ist Hersteller von Sachen wie Hypersonic und The Grand, falls das Leute noch von damals kennen.
Das war auch teilweise von Steinberg gesponsert. Und das waren die ersten gesamplten Instrumente im Computer. Das kann man sich heute kaum noch vorstellen, aber das war vorher einfach nicht möglich, weil die Rechenleistung und das RAM und so weiter nicht da war. Und auch die Technologie war nicht da. Da konnte sich nicht jeder wie heute ein Focusrite – wie heißen die Dinger, die kleinen roten Interfaces?
Gereon:
Focusrite Scarlett.
Wolfram Knelangen:
Genau, das konnte man sich nicht mal eben hinstellen, sondern es war noch sehr viel aufwendiger. Das heißt, ich bin da auch einfach noch ein Kind meiner Zeit. Und die technologische Entwicklung hat sich so ergeben. Ich glaube, am meisten beeinflusst hat mich vor allem die Zeit, in der ich bei Pro Tools war. Und zwar auf der Ebene, wie ich darüber nachdenke, wie sich Firmen und Teams organisieren.
Also das, was mich wirklich interessiert oder wo ich immer sehr darauf achte, ist: Wie wird ein Team geführt und was sind die Prioritäten? Ich habe das nämlich sehr stark erlebt, dass es da eine Veränderung gab. Bei Pro Tools war damals David Lebolt der General Manager, der war zum Beispiel Keyboarder bei [David] Bowie gewesen.
Gereon:
Ach krass!
„Geld darf nie eine zu große Rolle spielen.“
Wolfram Knelangen:
Ja, das war ganz abgefahren für mich. Ich war irgendwie 25 Jahre alt und das erste Mal in der Bay Area in San Francisco. Ich sitze zufällig im Taxi mit unserem Chef, der irgendwie vier Hierarchiestufen über mir war und unterhalte mich mit ihm. Und a) sagt er mir, dass er bei Bowie Keyboard gespielt hat und b) sagt er mir, dass er es auch schwierig findet, dass die Firma am Stock Market ist und dass er Entscheidungen auf Quartalsebene treffen musste.
Und da habe ich ganz viel verstanden und fand das auch super, dass so jemand überhaupt mit mir spricht. Das war sehr prägend. Und das war eine Kultur von: Er mochte das Produkt. Die Leute waren begeistert dafür, da war Passion. Und dann hat sich aber irgendwann bei der Firma das Management gewechselt und auf einmal ging es eigentlich nur noch um Excel-Tabellen und Zahlen und Profitabilität.
Und auf einmal hat sich ganz viel verändert. Auf einmal waren ganz viele tolle Leute, die mit viel Elan und Intelligenz und Liebe und Passion an Sachen gearbeitet haben, nicht mehr da. Dafür waren andere da, die andere Prioritäten hatten. Und auf einmal war das ein anderer Ort. Und die Produkte, auch das, was hinterher entstanden ist, war etwas anderes.
Und ich habe für mich gelernt: Ich mag es, da zu sein, wo eine echte Passion für das Produkt da ist. Und dass das Geld nie eine zu große Rolle spielen darf.
Gereon:
Also nicht die einzige.
Wolfram Knelangen:
Genau, also Geld ist ein Mittel zum Zweck, Geld ist auch super. Wir wollen auch mit UJAM gerne Geld verdienen und profitabel sein. Aber letztendlich kann das nicht das letzte Wort immer haben, beziehungsweise der größte Faktor sein. Es gibt sozusagen viele Stakeholder. Die einen sind die Kunden, die anderen sind die Inhaber der Firma. Und alle haben ihre Berechtigung, bedient zu werden. Das muss ins Gleichgewicht gebracht werden.
Rolle bei UJAM
Gereon:
Heute bist du ja COO, also Chief Operating Officer bei UJAM. Wie würdest du deine Rolle dort beschreiben? Was macht man als COO?
Wolfram Knelangen:
Also erstmal muss ich sagen: Das ist ganz interessant. Das knüpft gleich an die Organisationsform an, was ich gerade gesagt habe. Wir haben bei UJAM zum Beispiel ein ganz ungewöhnliches Organisationssystem. Wir haben keine klassische Hierarchie-Pyramide […]. Wir agieren mit dem, was wir Rollen und Kreise nennen. Jeder von uns hat verschiedene Rollen und hält sich in verschiedenen Kreisen auf. Das ist eine relativ moderne Organisationsform.
Es gibt überall auf der Welt Firmen – große und kleine –, die das machen, aber es gibt nicht viele. Es ist immer noch ein bisschen eine Nische. Aber das heißt, intern habe ich diesen Titel gar nicht. Also ich bin de facto nicht der Chef von irgendjemandem. Aber wir haben uns diese Titel trotzdem gegeben, damit Menschen von außen verstehen, mit wem sie es da zu tun haben. Also: „Was kann ich mir ungefähr darunter vorstellen, wenn ich jetzt mit denen spreche?“
Das ist die eine Ebene. Das heißt, es ist ganz wichtig zu verstehen: Nach innen heißt das erstmal nicht viel, nach außen heißt es wahrscheinlich, dass, wenn man mit mir spricht, man davon ausgehen kann, dass das Gewicht hat, was wir besprechen, dass ich in dem Sinne etwas bewegen kann und dass ich Einfluss habe.
Und de facto ist es einfach so, dass ich mir mit meinem lieben Kollegen Axel, den du eben auch gesehen hast, die Arbeit aufteile. Er trägt den Titel CEO, er ist auch Mitgründer von UJAM und er ist letztendlich Geschäftsführer, trägt also die juristische Verantwortung für das Geschäft.
Das heißt, er unterschreibt die Verträge und trägt die Letztverantwortung. Er hat seine Fachgebiete wie Finanzen, Recht, aber auch Technologie. Er ist auch eigentlich ein Computerwissenschaftler, das bin ich nicht. Er hat so seine Bereiche und ich habe andere Bereiche. Dazu gehört zum Beispiel die Organisationsform, dazu gehört aber auch Marketing, Sales, Produktentwicklung, Produktdesign, Geschäftsentwicklung.
Und ich bin gerade so ein bisschen der Außenminister von UJAM. Ich gehe auf Konferenzen, Messen und reise rum zu unseren Partnern und stelle sicher, dass die happy sind und dass wir auch neue Geschäftskontakte bekommen, Verträge verhandeln etc. Das heißt, man kann sich das so vorstellen, dass wir uns das einfach alles aufteilen. Ich glaube, so ist es die beste Art, das zu beschreiben.
Gereon:
Du sprichst an einigen Stellen davon, dass Tools die Kreativität unterstützen sollen. Aber woran erkennt man deiner Meinung nach ein gutes Musiktool?
Wolfram Knelangen:
Ich glaube, wenn man es wirklich herunterkochen möchte, dann ist es nicht in der Weise: Dein Flow soll nicht unterbrochen werden. Also es ist nicht in der Weise von deinem Flow. Ich glaube, dass alle Menschen inhärent kreativ sind. Die einen haben mehr Zugang dazu als die anderen und die einen suchen vielleicht auch mehr als die anderen.
Aber ich glaube, dass, wenn diese Kreativität da ist und fließen möchte, es eigentlich darum geht, möglichst irgendetwas anzubieten, das dafür sorgt, dass sich das ausdrücken kann. Und das ist bei UJAM auch wirklich unser Spirit. Das Beste, das uns passieren kann, ist, wenn Leute uns schreiben, dass sie auf einmal etwas machen konnten, was sie vorher nicht dachten, was sie machen können.
Also bei uns hängt – oder hing – lange eine Mail von einem Australier an der Wand, der in seinen 60ern war und der geschrieben hat: „Ich habe Rheuma in den Händen, ich war früher Gitarrist, ich konnte jahrelang nicht richtig Musik machen und jetzt haben mir UJAM-Plug-ins die Freude wiedergebracht. Ich kann mit UJAM-Plug-ins Gitarrenmusik machen. Danke dafür!“ Und er hat uns einen Brief geschrieben und er hing lange an der Wand, weil das war wirklich so: Da geht allen das Herz auf bei uns.
Gorilla Engine
Oder mit Gorilla Engine. Wir haben hier jemanden von Experimental Sounds getroffen, den Erik Söderberg. Das ist ein Reason-Plug-in-Entwickler – also von früher Propeller Head, jetzt Reason Studios Reason. Und der hat uns gesagt: „Since I found Gorilla Engine, I’m on fire, I’ve developed 60 Plug-ins.“ Also der hat 60 richtig geil klingende, super aussehende Plug-ins entwickelt, hat sich eine kleine Existenz aufgebaut und kann davon leben.
Und das ist auch so etwas, bei dem uns das Herz aufgeht. Da haben wir ein Tool angeboten, das jemandem ermöglicht, das, was an Kreativität in ihm wohnt, auszudrücken und auf die Straße zu bringen. Und das bewegt uns.
Gereon:
Sehr schön, das ist ein guter Antrieb.
Wolfram Knelangen:
Ja, genau, das ist ein ganz tiefer innerer Antrieb, das herzustellen.
Gereon:
Du hast jetzt schon Gorilla Engine angesprochen. Das ist eine Plattform, die ihr auf den Markt gebracht habt, die auch eine Art Konkurrenz zu Kontakt von Native Instruments ist. Kannst du uns einmal kurz erklären, was Gorilla Engine ist?
Wolfram Knelangen:
Da würde ich das mit der Konkurrenz gleich fast in Frage stellen. Natürlich wenden wir uns an ein ähnliches Publikum und sind irgendwie Marktmitbetreiber oder Marktbegleiter, glaube ich, heißt das Wort.
Aber gleichzeitig sehen wir Gorilla Engine eigentlich als etwas, was sehr viel weitergeht als zum Beispiel Kontakt oder andere Engines, weil es hat auch einmal als eine Sampler-Engine angefangen. Es hat übrigens zusammen mit Propeller Head angefangen […]. Aber heute ist es eigentlich eine komplette Authoring-Umgebung, um verschiedenste Produkte zu bauen. Und zwar auch Hardware-Produkte, auch Standalone-Desktop-Produkte, aber auch Plug-ins jeder Couleur.
Also für uns ist das eher wie eine Game Engine – für diejenigen, die mit dem Konzept der Game-Engine vertraut sind. Unity zum Beispiel. Da ist es so, dass es eine technologische Lösung ist, die den Game Studios erlaubt, sich auf das, was sie wirklich gut können, zu konzentrieren, nämlich Storytelling, Charakterentwicklung, Artwork und so weiter. Das ist das bei Games. [Bei uns] sind es halt eher Samples, Samplerprogrammierung, auch Interface, Grafiken, Bedienkonzepte etc.
Und sie müssen sich aber um nichts anderes kümmern. Das heißt, wir kümmern uns auch um eine Lösung für die Distribution, für die Lizenzierung, für die Copy Protection, fürs Rapid Prototyping. Es ist also eigentlich mehr als nur ein Sampler, es ist eigentlich eine komplette Entwicklungsumgebung.
Gereon:
Es ist also definitiv ein Tool für Entwickler?
Wolfram Knelangen:
Genau, es kann sich jeder herunterladen und es nutzen. Solange damit kein Geld verdient wird, wollen wir dafür auch kein Geld sehen. Wenn man anfängt, sein Produkt zu verkaufen, dann sind 25.000 Euro umsatzfrei. Das ist unser Antrieb, Menschen bei ihrem Unternehmertum oder ihren unternehmerischen Ideen zu unterstützen.
Da ist es sozusagen sehr risiko- und kostengünstig, mal etwas auszuprobieren. Und wenn es dann funktioniert: Toll, dann freuen wir uns auch. Und dann wird auch immer eine Lizenz fällig. Und wenn nicht, dann nicht.
Und da entwickelt sich gerade ein schönes Netzwerk an Leuten mit Ideen, wie der eben genannte Erik und auch andere, die sich gegenseitig unterstützen und wo wir uns auch freuen, dass da langsam eine Community wächst. Das ist sehr angenehm.
Gereon:
Was würdest du sagen, war auf dem Weg der Entwicklung von Gorilla Engine für dich persönlich die größte Herausforderung?
Wolfram Knelangen:
Für mich persönlich ist die größte Herausforderung, dass ich nicht technisch bin und dass es ein sehr technisches Produkt ist. Also wenn ich jetzt zum Beispiel ein Interview gebe, gibt es zwar den Moment, in dem ich auch denke: „Ah, ich würde gerne mehr technische Details erklären oder erzählen können, das kann ich aber gar nicht.“ Ich habe ja eben schon gesagt: Bei uns kümmere ich mich auch unter anderem um Branding, Marketing und Produktdesign.
Ich bin sehr visuell orientiert und nach außen und es ist gar nicht so einfach, ein B2B-Produkt, das so abstrakt ist und so komplex ist, wirklich gut zu erklären oder zu zeigen, ohne zu sagen: „Hey, Mensch, lass es uns mal ausprobieren oder schau es dir mal genauer an.“ Ansonsten ist, glaube ich, unsere generelle Herausforderung – und das war auch die größte Herausforderung bei Gorilla Engine – dass wir klein und unabhängig sind.
Und dass wir zum Beispiel nicht einen riesigen Haufen Kapital aufnehmen. Zum Beispiel Native Instruments; die waren bis zu dem Verkauf, der jetzt gerade – also heute, wo wir sprechen, vor einer Stunde – bekannt gegeben worden ist, von Private Equity finanziert. Und wir haben halt dieses Ethos, dass wir sagen: Wir machen eigentlich alles, was wir machen, aus dem eigenen Portemonnaie mit dem Geld, das wir verdienen. Und das kann manchmal sehr hart sein.
Also zum Beispiel dieser Prozess, Gorilla Engine auch einem größeren Publikum vorzustellen, hat bestimmt drei Jahre länger gedauert, als wir es eigentlich gerne gehabt hätten, weil wir die Entwicklungsgeschwindigkeit nicht beliebig erhöhen konnten, sondern immer erst gucken mussten, wie viele Leute wir uns erlauben können, dass die gerade daran arbeiten und es ist schon ein relativ komplexes Produkt. Deswegen sind wir auch super stolz, dass es jetzt endlich draußen ist.
Gereon:
Sehr schön. Die Arbeit hat sich also gelohnt?
Wolfram Knelangen:
Ja, genau. [Alleine schon,] dass man überhaupt angekommen ist. Also als kleine, unabhängige Firma kann das ja auch mal sein, dass einem die Puste ausgeht. Von daher sind wir super stolz und auch sehr happy über das positive Feedback, das uns hier entgegenkommt.
Wolfram Knelangens Blick in die Zukunft
Gereon:
Das ist schön zu hören. Zum Abschluss noch eine letzte Frage: Worauf freust du dich in der nächsten Zeit am meisten?
Wolfram Knelangen:
Worauf freue ich mich am meisten? Privat darauf, irgendwann mal wieder surfen gehen zu können. Ich bin nämlich das letzte halbe Jahr so busy gewesen, dass ich nicht dazu gekommen bin, das zu machen. Und beruflich arbeiten wir gerade an unserem nächsten großen Ding, nämlich unserer nächsten Produktplattform, Codename Ocean. Und das wird eine ganz neue Art, mit Musikinstrumenten umzugehen.
Es geht ein bisschen um die Frage: Wie schwer ist es heutzutage, Musik mit einem Plug-in zu machen? Wenn du mal überlegst, gibt es da so mehrere Schwellen. Ich muss erstmal einen Hersteller finden und eine Website, dann browse ich dort, dann lese ich etwas, dann höre ich mir Audio-Examples an, dann lade ich mir einen Installer herunter, dann installiere ich.
Dann muss ich die DAW aufmachen, dann instanziere ich etwas in der DAW, dann muss ich noch das MIDI anschließen und dann irgendwann merke ich vielleicht, dass das gar nicht das war, was ich wollte.
Das ist eine Herausforderung, die wir uns vorgenommen haben, dass wir uns fragen: Wie kann man das lösen und wie kann man vielleicht auch sogar Leuten einen Zugang zu sowas geben, die gar keine DAW haben? Und da arbeiten wir gerade an unserer nächsten Generation, next Generation Product Platform, die das so ein bisschen öffnet, auch im Browser zum Beispiel, auch auf dem Desktop. Und das ist super spannend.
Das ist seit Langem mal wieder etwas ganz Neues und das ist eigentlich immer das Beste an unserem Job: Komplett neue Dinge zu erfinden, von denen man auch noch nicht so ganz genau weiß, wie es ausgeht und wie das Publikum darauf reagiert. Da werden wir wahrscheinlich dieses Jahr irgendwann mit rauskommen und beruflich bin ich da heiß drauf. Ja, ich freue mich da richtig drauf. Das wird noch ein kleines Abenteuer dieses Jahr.
Gereon:
Sehr schön, das klingt auf jeden Fall sehr spannend. Dann drücke ich euch die Daumen und freue mich auf das Produkt, das ihr dann vorstellen werdet.
Wolfram Knelangen:
Ja, danke, Gereon. Dankeschön.



































Jetzt frage ich noch ganz frech nach einer Linuxversion, dann trauere ich den anderen UJAM-Plugins auch nicht mehr nach.
Ich weiss nicht, aber die Vorstellung, mir würde für meine Position in der Firma jemand einen Titel mit Offizier drin anhängen, ich würde mich mit Händen und Füssen dagegen wehren. OT, ich weiss, aber musdte mal sein
@Tai Im wirtschaftlichen Kontext würde man das aber eher mit “Direktor” oder “leitender Angestellter “ übersetzen. “Officer” ist nicht unbedingt mit “Offizier” zu übersetzen, das ist nicht die ursprüngliche Bedeutung.
@janschneider Wenn das so ist, dann ok.
@Tai „Officer“ wird allgemeingültig gerne mit „Beamter“ übersetzt (so zumindest in jeder von mir verwendeten Übersetzungssoftware).
Im militärischen Kontext – und eben ausschließlich dort – mit „Offizier“
Immer wieder interessant wie Leute durch Zufälle oder bestimmte Gegebenheiten zu ihren Job kommen. Aber ich denke solche Zufälle gibt es immer weniger weil man solche Chancen gar nicht mehr bekommt. Also sprich sich einzuarbeiten und um sich zu beweisen. Aber so wie bei Wolfram finde ich es super und so sollte es auch sein. Gefällt mir und danke für den Einblick.
UJAM gehört zu den Firmen, um die ich schon seit Jahren einen großen Bogen mache. Die Gründe muss ich wohl nicht nochmal aufzählen.
@ukm Und warum nicht? Fühlst du dich so prominent, dass du denkst, jeder kennt dich und deine Argumentation zu dem Thema?
@ukm Mir waren die bis jetzt unbekannt und habe den Artikel neugierig gelesen. Um herauszufinden, die „Engine“ ist nichts weiter als ein Kontakt-Wrapper, um Plugins abseits vom NI-Marketplace zu monetarisieren, sehe ich das richtig? Geschäftsmodell „Producer ohne Aufmerksamkeitsspanne mit dem tausendsten 1-Knopf Sample-Plugin abschöpfen“? Oder ist mir da was wichtiges entgangen?
@ukm Hello! Würde mich ernsthaft interessieren. Sind die böse? Ich arbeite ziemlich gern mit dem ganzen UJAM-Zeug, während die Musik entsteht. Mir gefällt die Handhabung außerordentlich gut und manche Sounds schaffen es auch in die fertigen Songs. Sind halt Presetschleudern, aber wenn man sowas sucht, sind die Sachen prima, finde ich.
@ukm Doch, schreib mal warum. ich wüsste nichts, was gegen den Laden spricht. Im Gegenteil, die haben eine wirklich faire Preispolitik, grade auch bei Upgrades und Bundles.
Musikalisch gibt es da auch nichts zu meckern. Klar, einige Tools bieten sich an, nur als Preset-Schleuder genutzt zu werden aber grade die FX sind extrem vielseitig.
@ollo Meine Kritik richtet sich nicht an UJAM oder die Qualität ihrer Produkte.
Es geht vielmehr prinzipiell um den Umgang mit zahlenden Kunden bezüglich Zuverlässigkeit, Nachhaltigkeit und Datensicherheit.
Je größer ein Unternehmen (oder ein von anderen übernommenes) wird, umso mehr verschieben sich die Prioritäten von der Produktentwicklung in Richtung absolute Kontrolle der Nutzer und Monetarisierung. Abo-Fallen kann man noch vermeiden, indem man einfach dort nichts mehr kauft. Home-Phoning-Fallen erkennt man möglicherweise erst dann, wenn es passiert. Meist wird dann mir „perpetual license“ geworben und die Falle taucht dann erst (wenn überhaupt) ganz hinten in den FAQ auf.
Das möchte man nicht auf seinen Live-Rechnern haben (und auch nicht im Studio).
Einige Entwickler haben da eine andere Herangehensweise, und das sind meistens solche, die nicht von Finanz-Jongleuren geführt werden.
Im Übrigen: Ich habe die Entwicklung von Anfang an mit Interesse verfolgt. Eines meiner ersten Plugins war „Model E“ von Steinberg. Das ist schon einge Jahre her.
@ukm Es ist interessant, dass die Kontaktaufnahme zu einem Server zur Überprüfung der Lizenz immer noch als negativ aufgefasst wird. Jeder Computer, jedes Smartphone und jedes Tablet ist Tag und Nacht mit dem Internet verbunden und telefoniert nach Hause, sei es für Updates, sei es zur Überprüfung der Lizenz des Betriebssystems oder zum Checken von Mails.
Welchen Unterschied macht da das Plug-in? Die Alternativen sind doch viel schlimmer, nämlich USB-Sticks, Hardware als Dongle, zentrale Lizenz-Server oder an die Computer Hardware gekoppelte Lizenzen, die man dann bei einem Verkauf oder schlimmer Defekt der Hardware abschreiben kann.
Wie viele Bettelbriefe ich schon an Ableton schreiben musste, weil ich einen neuen Computer gekauft habe. Zwar bekommt man die Lizenz bei denen, aber kundenfreundlich ist das nicht. Und nach Hause telefoniert die Software trotzdem.
Wer das absolut nicht möchte, sollte/muss Little Snitch installieren, um Zugriffe von Software auf Server zu unterbinden. Funktioniert super, kostet aber Geld und Konfigurationsaufwand bei jeder neuen Software. Auto Updates gibt es dann auch nicht mehr.
Wir bekommen heute Software zum Taschengeldpreis und irgendeinen Schutz vor Raubkopien benötigt man nun einmal als Entwickler. Und um Support-Aufwand und Updates richtig einschätzen zu können, sind auch einige Systemdaten notwendig. Das kommt am Ende dem Anwender zugute.
@Markus Galla „und irgendeinen Schutz vor Raubkopien benötigt man nun einmal als Entwickler“
Benötigte Linus Thorvalds den, um ein Einkommen von ca. 10M p.a. zu erzielen?
Benotigte pichenettes das, um irgendwann MI in ein family office umzufirmieren?
Der Prior „das einzig mögliche Geschäftsmodell ist der Verkauf von Lizenzen und alle potentiellen Kunden sind Gelegenheitsdiebe“ ist einfach alter Aberglaube.
(Man könnte auch mal über das Framing der „Raubkopie“ nachdenken. Eins der zentralen Tatmerkmale (Gewalt oder Anwendung von Drohungen) seh ich da irgendwie so garnicht).
@moinho „Der Prior „das einzig mögliche Geschäftsmodell ist der Verkauf von Lizenzen und alle potentiellen Kunden sind Gelegenheitsdiebe“ ist einfach alter Aberglaube.“
Ist das so?
@Markus Galla Ja, siehe oben. Spontan fällt mir noch Redhat (IBM) ein. Oder, um im musikalischen Bereich zu bleiben, der vor kurzem hier interviewte Tom Whitwell.
(NB: in der Formulierung hab ichs mir einfach gemacht, weil mit „das einzige“ die Widerlegung mit nur einem Beispiel machen kann. Die Formulierung schien mir legitim als direkte Konsequenz von „irgendeinen Schutz vor Raubkopien benötigt man nun einmal als Entwickler“. Das kann man freilich spitzfindisch debattieren).
@ukm Trotzdem bleibt es jetzt immer noch total unkonkret, was UJAM jetzt damit zu tun hat.
@ollo Habe ich weiter oben schon klargestellt.
@ukm Nein, hast du nicht. Du hast nur allgemein über Abofallen, Zuverlässigkeit, Datensicherheit und Serverabfragen geschrieben aber nicht, was das Ganze jetzt konkrekt mit UJAM zu tun hat.
@ollo Genauer: Ich hatte vor einiger Zeit eine Anfrage bezüglich Kopierschutz, Anzahl der Aktivierungen, Online/Offline gestellt. Die meisten Hersteller antworten da schnell und detailliert. Hier erhielt ich gar keine Antwort. Das war für mich Grund genug, mich nicht weiter mit UJAM zu beschäftigen.
Zitat:“Es ist interessant, dass die Kontaktaufnahme zu einem Server zur Überprüfung der Lizenz immer noch als negativ aufgefasst wird.“
Mir ist es schon einmal passiert, dass während der Probe ein Popup-Fenster aufging mit der Aufforderung, mich einzuloggen. Kann sich jeder vorstellen, was ich mit der Software dieses Herstellers gemacht habe.
Ich bin auch bereit, mehr zu zahlen, wenn es sich um zuverlässige, überwachungsfreie Software handelt und kundenoriente Kommunikation mit dem Unternehmen möglich ist.