Interview: Yamaha Japan

Amazona:
Yamaha hat in der Vergangenheit großartige Synthesizer gebaut. Warum habt ihr euch davon zurückgezogen und ganz auf Workstations ausgerichtet?

Kaz:
Unsere Motif-Serie war und ist so unglaublich erfolgreich, dass entschieden wurde, sich darauf zu konzentrieren.

Shogo:
Du kennst doch z.B. unsere älteren Modelle wie VL-1 und VP-1 oder EX5? Das war technologisch zwar fortschrittlich, wurde letztendlich aber nicht gut angenommen.

vl-1

Amazona:
Da wollte ich sowieso noch drauf kommen. Physical Modeling wurde seinerzeit als neue Syntheseform regelrecht gefeiert, doch wurde dann von euch kaum weiterverfolgt. Du sagst, die Verkäufe waren nicht dementsprechend?

Shogo:
Genau. Die Stückzahlen lagen deutlich unter den Erwartungen.

Amazona:
Habt ihr analysiert, warum das so war?

Kaz:
Es ist natürlich schwierig zu sagen, warum jemand ein Instrument nicht kauft. Und das war auch noch vor meiner Zeit bei Yamaha. Ich denke, vielleicht fanden es die Keyboarder zu schwierig damit umzugehen. Man musste ja neue Spieltechniken dafür lernen. Außerdem wurden dann bald die VA-Synthesizer populär. Zwar wurde noch versucht, per Update die VL-Geräte anzupassen, aber das half auch nicht.

Amazona:
Yamaha hat sich ja dann mit AN1X, Sampler und Grooveboxen in diesem Sektor versucht.

Shogo:
Leider waren die alle auch kein richtiger Erfolg, speziell die Grooveboxen.

Amazona:
Und das heißt dann automatisch, dass dieser Bereich dann nicht weiter verfolgt wird?

Shogo:
Im Grunde ja, auch wenn Teile der Technologien beibehalten und weiterentwickelt wurden. Zum Beispiel das Sampling System wurde in die Motifs übernommen. Doch die Groovebox-Modelle an sich muss man leider als Misserfolg bezeichnen. Und Misserfolge kann man sich nicht leisten, und bei der Größe von Yamaha haben Misserfolge große Auswirkungen. Hier arbeiten schließlich viele Menschen, die davon betroffen werden könnten. (Anm.: Yamaha Music hat weltweit ca. 20.000 Beschäftigte)
Selbst der EX5 blieb hinter den Erwartungen zurück. Vielleicht waren fünf verschiedene Syntheseformen zu viel in einem Gerät. Am besten wurden noch die normalen Keyboardsounds, also die auf Sample-Basis, angenommen. Das war dann der Anstoß zu Motif.

Forum
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    greekotronic  

    Wie wär’s denn mit einem 8-stimmigen VL-Synth mit FM & Formant Shaping und viele Knöppen? Träumen darf man doch noch….

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    TobyB  RED

    Sehr schön der Jim… Kebu ist schon ein cooler Player. der SY1 klingt schon cool.

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    AMAZONA Archiv

    Nettes Interview, auch wenn der Informationsgehalt letztendlich nicht sehr weit über Smalltalk hinauskommt. Aber ihr scheint Spaß gehabt zu haben, und das ist ja auch schon was.
    Und jetzt ist es an der Zeit, mich mal so richtig unbeliebt zu machen:
    Kebu war mir bisher noch kein Begriff, aber dank YT konnte ich mir einiges anschauen, wovon mir aber wirklich nix gefiel. Ich steh halt nicht auf dieses Oldschool-Synthie-Gebimmel.
    Aber der Track mit dem SY+1 ist (so nett das Video auch gemacht ist) wirklich schlimm. Als proof-of-concept (dass man abzüglich Drums einen ganzen Track mit dem Ding machen kann) vielleicht noch tauglich; musikalisch aber wirklich schmerzhaft.
    Ich kennd as Gerät selbst nicht, aber es scheint ähnlich wie Rolands SH1000/2000 u.ä. über die damaligen „Natursounds“ zu verfügen. Nette Sache, aber wirklich nur in der historischen Retrospektive.

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      TobyB  RED

      Hallo Andreas,

      Sicher, Kebu polarisiert. Das ist auch gut so, ich finde den schon ganz gut, er ist sicher nicht der Weltbeste Keyboarder, hat aber ein gutes Spiel. Die Coverversionen sind sicher nicht Jedemanns Sache. Seine eigenen Tracks find ich dagegen recht gut. Unbeliebt geht anders. Ich fand, trotz Gurkenmaske,Jims Interview kurzweilig, auch wenn der Informationsgehalt sehr dürftig war. Wenigstens ist mir jetzt klar warum es von Yamaha kaum/keine neuen Synths gibt.

      Grüsse ToB

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    Betancourt  

    Was mich interessieren würde: galten denn Synthesizer auch zu DX7-Zeiten schon eher als Nischenprodukte (bei Roland scheint das ja ebenso gesehen zu werden) oder ist das der Entwicklung der letzten 10-15 Jahre in Form der „Computerisierung“ der Studios geschuldet?
    Wenn man die Antworten so liest, kann man sich ja fast schon Sorgen darüber machen, daß Yamaha sich irgendwann ganz aus diesem Bereich zurückzieht. Es wäre ja nicht das erste Mal, daß etablierte und kompetente Unternehmen den Bereich der (elektronischen) Musikproduktion aufgeben wie das Sony, Kawai, Casio oder auch Panasonic mit Technics schon früher getan haben. Und das, obwohl alle diese Unternehmen sehr gute bis spitzenmäßige Produkte entwickelt hatten (z.B. die Sony Oxford Konsole).
    Es bleibt dann wohl auch abzuwarten, ob es nochmal einen neuen Motif geben wird, wenn man bei Yamaha das Zeitalter der großen Workstations abgelaufen sieht. Nun gut, wir werden es ja sehen, aber ich hoffe doch sehr, daß Yamaha sich auch in Zukunft weiterhin in der Nische herumtreibt.

  5. Profilbild
    der jim  RED

    Natürlich werden von Yamaha keine konkreten Auskünften zu ungelegeten Eiern gemacht, wie bei anderen Firmen auch nicht. Ich denke aber, das (neben der Ankündigung zum 17. Juli) da doch noch was demnächst kommen könnte.
    Aber der Blick in der Ginza-Zentrale, das war schon ein Reality-Check, zu sehen wo Prioritäten sitzen.
    Ganz den Synth-Sektor aufgeben wird Yamaha sicherlich nicht. Selbst Casio hat ja letztes Jahr wieder die Fühler ausgestreckt, zwar zaghaft/halbherzig aber immerhin.

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