Wie ein Jazz-Pianist den Hollywood-Sound prägte
Heute wird der Komponist John Williams 94 Jahre alt. Wer Filme liebt, kennt seine Musik, auch wenn einem sein Name nicht immer sofort einfällt. Zu seinem Geburtstag wollen wir einen Blick auf ihn und sein Wirken werfen. Ein längeres Portrait inklusive Kurzanalysen seiner berühmtesten Themen aus dem Jahr 2020 findest du hier. Wie wurde ein junger Jazz-Pianist zu einem weltweit gefragten Komponisten, der den Sound des modernen Kinos geprägt hat?
Inhaltsverzeichnis
John Williams’ frühe Jahre
John Towner Williams wurde 1932 in Queens, New York, geboren, Musik war in seiner Familie definitiv kein Nebenschauplatz: Sein Vater arbeitete als Jazz-Schlagzeuger, daher gehörten Proben, Auftritte und musikalische Routine schon als Kind fest zu seinem Umfeld. Recht früh erhielt er Klavierunterricht, was wohl den Grundstein für seine spätere Karriere legte. Als seine Familie 1948 nach Los Angeles zog, änderte sich nicht nur der Wohnort. Auch der Horizont des 16-Jährigen erweiterte sich, denn Los Angeles war schon damals ein wichtiger Ort für Studioarbeit, Orchesteraufnahmen und die Welt des Fernsehens.
Ausbildung von John Williams
Nach dem Schulabschluss studierte John Williams in Los Angeles Musik und Komposition und erhielt privaten Kompositionsunterricht bei Mario Castelnuovo-Tedesco. Der Fokus lag hierbei besonders auf klassischer Komposition und Orchestrierung. Eine wichtige Erfahrung außerhalb der akademischen Welt kam mit dem Militärdienst: John Williams war bei der US Air Force aktiv, arrangierte dort Musik für Ensembles und sammelte erste Erfahrungen als Dirigent. Später zog er nach New York, studierte dort weiter und nahm außerdem Klavierunterricht bei der Klavierpädagogin Rosina Lhévinne. Parallel dazu arbeitete er als Jazz-Pianist in Clubs und für Studioaufnahmen. Dank der klassischen Ausbildung auf der einen und seiner Jazz-Praxis auf der anderen Seite stellte sich John Williams recht früh musikalisch breit auf und entwickelte eine gewisse Flexibilität.
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John Williams und seine Studiojahre
In den späten 1950er- und frühen 1960er-Jahren etablierte sich John Williams in vielen professionellen Studios in Los Angeles: Er arbeitete als Pianist, schrieb Arrangements und begann, eigene Musik für kleinere Film- und Fernsehprojekte zu komponieren. In dieser Zeit entstand wohl auch die berühmte Zuverlässigkeit, die später viele Regisseure und Produzenten an ihm schätzten. Serienproduktionen verlangen vor allem Tempo und die Fähigkeit, in kurzer Zeit viel Musik zu liefern, ohne dabei an Qualität zu verlieren.
John Williams’ Durchbruch
In den 1970er-Jahren kam es zu einem wichtigen Moment in der Karriere des Musikers: Es begann die Zusammenarbeit mit Steven Spielberg, die sich über Jahrzehnte fortsetzte. Ihr erster gemeinsamer Kinofilm war „The Sugarland Express“ von 1974, kurz darauf folgte „Der weiße Hai“ und damit eine Filmmusik, die Geschichte geschrieben hat. Das berühmteste Element aus „Der weiße Hai“ ist ein sehr reduziertes musikalisches Motiv, das im Prinzip nur von Wiederholungen, Dynamik und der richtigen Platzierung im Film lebt, aber dennoch eine enorme Wirkung entfaltet. Für die Filmmusik war das ein wichtiger Meilenstein. Denn zuvor entstand Spannung häufig vor allem durch musikalische Komplexität.
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Spätestens mit der Musik zu Star Wars prägte John Williams ab 1977 eine neue Phase der großen sinfonischen Filmmusik im Kino, denn er setzte konsequent auf Themen, die Figuren und Orte identifizierbar machen. Besonders war hierbei, dass ein musikalisches Motiv häufig als Erzählhilfe genutzt wurde: Es kann beispielsweise eine Vorahnung erzeugen oder eine Figur emotional kommentieren, auch wenn sie aktuell nicht im Bild zu sehen ist.
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Wichtig ist dabei auch der Aufbau, mit dem John Williams arbeitet. Die Themen sind sehr logisch gegliedert, harmonisch nachvollziehbar und besitzen trotzdem viele Details. Genau deshalb bleiben seine Melodien im Gedächtnis: Man kann sie pfeifen und sofort wiedererkennen. Auch wenn die Musik zur Star-Wars-Reihe oft als das wichtigste Werk von John Williams angesehen wird, ist seine Filmografie um einiges breiter: Er schrieb beispielsweise die Musik zu Superman, zur Indiana-Jones-Reihe, zu E.T., zu Schindlers Liste und später zu den ersten drei Teilen der Harry-Potter-Reihe.
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John Williams als Dirigent
1980 wurde er zum Dirigenten der Boston Pops ernannt und besetzte diese Position bis 1993. Diese Aufgabe war neben seiner Filmkarriere mehr als ein Ehrenamt. Spätestens dadurch wurde deutlich, dass John Williams nicht nur als Komponist denkt, sondern auch als praktischer Musiker arbeitet und Proben leitet. Gerade seine Position bei den Boston Pops machte ihn einem breiten Publikum auch als Dirigenten bekannt. Parallel dazu schrieb John Williams mehrere Konzerte – unter anderem für Flöte, Violine, Klarinette, Horn und Oboe sowie weitere Orchesterstücke, die weltweit aufgeführt wurden.
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Auszeichnungen und heutiges Leben
John Williams gehört zu den am häufigsten ausgezeichneten Komponisten der Filmgeschichte: Er gewann fünf Oscars, wurde insgesamt 54 Mal für einen Oscar nominiert und hält damit den Rekord für die meisten Oscar-Nominierungen einer lebenden Person. Diese Zahlen zeigen vor allem, dass John Williams über viele Jahrzehnte hinweg als Komponist gefragt blieb. Genau deshalb lohnt es sich, zu seinem Geburtstag einen Blick auf diesen besonderen Musiker zu werfen.
























Dieser Mann lies mich 1979 spüren, was gute Musik im Film für eine verstärkende Wirkung zu Bildern haben kann, wenn man das musikalische Wissen wirklich verstanden hat.
Danke für diesen Artikel!
ich liebe seine Soundtracks!
als es noch tolle Melodien in Soundtracks gab!
es ist einfach unglaublich, welche Soundtracks er gemacht hat.
zb. gilligan’s Island (noch als johnny Williams) und (gefühlt) fast alles in den 80s und 90s.
Meiner Meinung nach nebs Alan Silvestri „der“ Komponist in Sachen Filmmusik. Melodien die die Welt bewegen. Zumindest diejenigen, die ihre Augen von der Glotze nicht lassen können, so wie ich! 😂
@Filterpad der ist auch fein und leider etwas underrated imho!
Danke für den Artikel.
Was liebe ich seine Meisterwerke seit Kindheitstagen. So einprägsam, so wirkungsvoll und so emotional. Speziell Star Wars, das ist musikalisch gesehen schon irre, dass man schon weiß, dass Darth Vader gleich erscheint, bevor er es tut, nur nach 4-8 Takten funktionieren die verschiedenen Themen sofort. Das muss man auch erstmal so hinbekommen.
Ihr habt ja sicher Recht – guter Komponist mit einigen Gänsehautgefühlen.
Aber irgendwie war das meist instrumentalisch gleich.
Da war die Musik von Tron und Uhrwerk Orange von Walter Carlos, oder die Popol Vuh Musik für Werner Herzog Filme für mich wirklich spannender. Außerdem war CAN in vielen Filmen auch sehr markant. Da gibt es sicher noch tausend andere Beispiele.
Viele Regisseure und Produzenten haben bei Williams auf Bekanntheit und Sicherheit gesetzt, was aber musikalischer Innovation im Film entgegenstrebt…
Eins ist sicher – mit besonderer Musik kann ein Film komplett anders wirken.
Die Musik von John Williams setzt auf klassische Opulenz, die sich über Belanglosigkeit im Film hinwegsetzt oder diese vertuschen will.
@StereJo 94 Jahre, mehr muss man dazu nicht sagen. Sehr geil!
@StereJo leider war er anscheinend gegen Synthesizer.
Ennio Morricone, Jerry goldsmith und andere haben später synthies verwendet.
OK, er hatte schon sowas wie seinen Stil.
ja, einiges klingt ähnlich, da hast du Recht.
@Numitron Ich habe Weihnachten tatsächlich das erste Mal „Kevin allein zu Haus“ gesehen. Da gab es doch einige Themen, die er später ziemlich ähnlich bei „Harry Potter“ wieder verwendet hat.
Aber das haben andere große Künstler wie Mozart, Iron Maiden oder Dieter Bohlen ja auch so gemacht 🙂.
Meine Hochachtung vor seinem Werk!
@Archivicious haha
stimmt, das habe ich mir auch gedacht
.diese Glockenspiel Dinge oder?😎
Bohlen hat tatsächlich 1992 für den österreichischen Sänger Tony wegas „zusammen gehen“ geschrieben.
10 Jahre später kam „we have a Dream“
mit der gleichen Melodie!
Stefan Raab hat das Mal gezeigt.
ja, viele der Leute die extrem viel Material komponieren müssen, recyceln immer wieder.
die Frage ist, wie frech ist der Komponist?
Bohlen war wohl ziemlich frech 😄
@Numitron ja, stimmt 😃
eben diese Leitmotiv Sachen, die auch ein anderer Poster mit Star wars erwähnt hat.
das funktioniert sehr gut denke ich.
finde aber viele der modernen Soundtrack ebenfalls sehr 08/15 mässig aber mit weniger Melodien.
@StereJo Aus musikalischer sicht ist meines erachtens Wendy’s score von Clockwork Orange nun auch wieder nicht so interessant (mit ausnahme einiger der wenigen eigenkompositionen), Tron hingegen (und auch ihr album Digital Moonscapes aus der zeit) zeigt eine interessante entwicklung die die e-musik im zuge der moderne haette einschlagen koennen.
Als John Williams in den 90ern minimalismus in seinen stil eingebaut hat waren einige seiner scores meines erachtens schon etwas innovativer.
Catch Me If You Can ist eine sehr interessante mischung aus seinem 60er Jazz stil und John Adams‘ form des minimalismus.
A.I. schuldet auch wieder John Adams und Minority Report ist eine faszinierende mischung von seiner liebe der spaetromantik und Steve Reich.
Rey’s theme aus den Star Wars sequels ist auch wieder ein beispiel wie nuetzlich minimalismus in der Filmmusik sein kann; so eine kleine Zelle musik laesst sich in jede richtung biegen wenn irgendwie noch niemand weiss was aus dem Charakter werden soll.
Gut, Philip Glass hat ja schon vorher stark minimalistische scores geschrieben, aber ich glaub kein anderer hat minimalismus so in die populaere film musik gepackt.
@nativeVS Ja, Philip Glas ist sehr beeindruckend – Koyaanisquatsi…
Tangerine Dream – Sorcerer…
@nativeVS Tron finde ich auch deutlich besser als clockwork orange. dieses nachspielen der klassischen Lieder mit synths, finde ich selten gut.
ja, Catch me If you can war sehr untypisch für seine Soundtracks!
@Numitron Best Soundtrack ever
Beverly Hills Cop – Harold Faltermeyer
@masterBlasterFX stimmt! 😃
gar nicht daran gedacht!
Spiele auch gern eine kurze Stelle davon manchmal (von Axel f )
genial finde ich auch total Recall (nicht der bei den Mischpulten :-) von Jerry goldsmith
Robocop, predator,….
@Numitron Ja alle geil.
Total Recall – Noldi und die Marsfrau mit den drei Brüsten.
Vor ein paar Tagen wiedermal im TV gesehen.
Hat auch geile Syntheffekte, dieser Streifen.
Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag einfach mal an dieser Stelle.
Unfassbar viele Filme kann man sich einfach ohne die Musik von John Williams nicht vorstellen. Das sind legendäre Melodien die man sofort mit den Filmen verbindet.
Vielleicht haben andere Filmmusiker innovativere Musik gemacht aber John Williams hat einfach einen Großteil der bekanntesten orchestralen Themen in Filmen geschaffen.