Kaufberatung: PA-Lautsprecher Systeme

31. August 2013

PA Lautsprecher Neuanschaffung - eine Hilfestellung

Ein kurzes Wort zur Kaufberatung PA-Lautsprecher Systeme:

Nachdem ich hier für Amazona nun doch schon so einiges an Boxen im Test hatte, möchte ich in diesem Special mal die Vorzüge und Nachteile verschiedener Systeme herausarbeiten und damit dem Leser eine Hilfestellung bei etwaigen Neuanschaffungen geben. Dies soll kein Vergleichstest der von mir getesteten Produkte sein, wenngleich diese natürlich zur Illustrierung auftauchen.

Speaker

Eine Neuanschaffung der Bandanlage steht an, der Markt ist riesengroß, auf was ist zu achten?

Diese Fragestellung lässt sich natürlich nicht pauschal beantworten, ich werde aber einige Lösungsansätze vorstellen und erläutern.

Fullrange-Box vs. Satelliten-Anlage

Für viele Anwender ist ein gut konstruierte Fullrange-Box genau das Richtige. In der Regel sind das Zweiweg-Systeme mit einem Woofer und einem Hochton-Horn. Am gebräuchlichsten sind 12″ und 15″ Boxen mit 1″ und 1,4″ Hörnern. Auch 2″ Hochtöner werden verbaut, sind aber normalerweise teurer und daher eher in Profi-Equipment anzutreffen. Abzuraten ist von Hochtönern kleiner als 1″ oder gar von Piezo-Tröten. Das ist dann eher etwas für den Partykeller.

Ob 12″ oder 15″ hängt von der Anwendung ab, der 15″-Lautsprecher kann tiefe Frequenzen besser abbilden, die Box wird dadurch aber auch gleich größer, schwerer und unhandlicher. Wenn beim Gig etwas Kickdrum und Bass mit auf die PA soll, ist das aber die bessere Lösung.

Grössenvergleich 15" vs. 12"

Größenvergleich 15″ vs. 12″

Der 12″er lässt sich in eine deutlich kleinere Kiste sperren, der Frequenzgang geht aber nicht so tief runter. Dafür klappt die Anbindung zum Hochtonbereich besser, da der 12″ höher spielen kann. Hier entsteht bei einer 15″-Box oft ein Pegelabfall um die Trennfrequenz herum, da sich der Woofer schon arg mühen muss, so hoch zu kommen, bzw. der Tweeter muss weiter runter. Dass das, auch bei preiswertem Material, nicht zwangsläufig schief gehen muss, zeigt mein Test der The Box Pro Achat 115M.

Bei der Satelliten-Anlage ist der Bass vom Topteil abgetrennt. Dadurch kann das Top natürlich recht klein gebaut werden. Eine beliebte Kombi ist z.B. ein 10″/1″-Topteil mit einem 15″ Sub. Durch die Auftrennung des Frequenzspektrums auf drei Lautsprecher-Komponenten ist ein höherwertiger Klang zu erwarten, da die einzelnen Speaker idealer abgestimmt werden können. So muss ein 15″er in einer Bassbox bis maximal 250 Hz hoch spielen, in einer 15″ Fullrange-Box muss er bis ca. 1000 Hz hoch kommen.

Weitere Vorteile der Satelliten-Kombi sind der geringere Platzbedarf auf der Bühne, die Satelliten nehmen gerade auf kleineren Bühnen weniger Sicht auf die Band weg. Variabler ist die Geschichte auch, je nach Bedarf kann man ein oder zwei Bässe mitnehmen (dafür bitte beim Kauf darauf achten, dass die einzelnen Bässe stereo angefahren werden können). Falls der Gitarrist mal eine Solo-Show nur mit Gitarre und Gesang hat, reicht es für ihn auch, die kleinen Topteile mitzunehmen, die sperrigen Subs bleiben zu Hause.

Erkauft werden diese Vorzüge durch einen höheren Preis, mehr Verkabelung und ggf. etwas mehr Gesamtvolumen der Anlage.

Satellitenanlage, hier die KS SAT3

Satellitenanlage, hier die KS SAT3

Forum
  1. Profilbild
    Markus Galla  RED

    Hallo Armin,

    ich möchte noch einige Dinge anfügen:

    Ein Vorteil der aktiven Systeme ist die geringere Gefahr der Fehlbedienung bei erheblich besserem Klang. Ein passives System klingt erst dann richtig gut, wenn es aktiv getrennt wird. In der Regel ist nur Bi-Amping möglich, d. h. eine Endstufe für die Tops und eine für die Bässe. Zwar haben die meisten Bässe eine integrierte passive Frequenzweiche, doch diese wird auf die Dauer nicht glücklich machen. Also zwei Endstufen plus Controller. Fast alle am Markt befindlichen Controller sind aber viel zu umfangreich für den Einsteiger. Hat man ein aktives System mit integriertem Systemcontroller, so ist dieser vom Hersteller in der Regel perfekt auf das System abgestimmt. Manchmal bekommt man einfache Mittel zur Anpassung an den Raum, z. B. eine einfache Klangregelung. Das reicht für den Einsteiger auch. Nimmt man nämlich mal alle Komponenten eines aktiv getrennten Passiv-Systems zusammen, fällt schon viel an Gewicht und Verkabelung an. Klar, man macht das einmal, schraubt alles ins Rack und gut. Aber dennoch muss sich der User erst einmal intensiv damit beschäftigen.

    Ich empfinde das als nicht schlecht, wenn die Elektronik im Subwoofer verbaut ist. Gerade dann, wenn das Wetter schlecht ist, kann ich diesen zur Not sogar unter die Bühne schieben. In diesem Fall fällt auch nur ein Kabel pro Satellit an. Also nicht komplizierter als ein rein passives System und doch klanglich in der Regel besser als ein nur mit einer Endstufe betriebenes System.

    Komplett außen vor hast Du die kleinen Line Arrays in Säulenform gelassen, die immer beliebter werden und gerade für Einsteiger viele Vorteile bieten: handlich, schnell aufgebaut, aktiv getrennt, leicht und kaum Feedback bei sehr gutem Klang. Unkritisch in der Aufstellung, da weiter Abstrahlwinkel (hier gibt es bei konventionellen Systemen schon mehr zu beachten). Auch größere Räume sind gleichmäßig zu beschallen, ohne Delay Lines bauen zu müssen oder die Lautstärke vor der Bühne unerträglich hoch zu machen. Selbst die kleinen Maui Systeme machen für Einsteiger-Bands Sinn, weil sie günstig sind und besser klingen als viele andere konventionelle Systeme, in die man sich erst einarbeiten muss. Auch können sie später noch als unauffälliger Monitor genutzt werden oder für kleinere Akustik-Gigs, selbst dann, wenn bereits eine größere PA zur Verfügung steht.

    Vielleicht gibt es ja noch einen Teil 2?

    • Profilbild
      Armin Bauer  RED 11

      Hallo Markus,

      natürlich hast du in den meisten Punkten recht.
      Dass Aktiv-Systeme besser auf die Komponenten abgestimmt sind und auch mit Presets an die Anwendung angepasst werden können, hatte ich erwähnt.
      Es ist aber leider nicht immer so, dass das die optimalen Ergebnisse bringt, ich erinnere z.B. an meinen Test der Peavey Impulse, die meiner Meinung nach in den Presets deutlich über´s Ziel hinaus schiesst.
      Punkt Passivanlage: Sie ist meist umfangreicher, da hast du Recht, für Viele ist es aber immer noch eine Lösung. Ich habe hier gerade eine Band, die arbeitet mit Powermischer und passiven Tops, da bei Bedarf Bässe mit eingebauter Weiche drunter zu stellen, die günstig zugemietet werden, reicht da locker aus und ist natürlich die bessere Alternative als den ganzen Krempel inkl. Pult neu zu beschaffen.
      Auch muss es bei aktiver Trennung nicht immer gleich ein Controller sein, eine gute aktive Weiche mit den nötigen Zugriffsmöglichkeiten ist einfach zu bedienen und immer noch ein adäquate und günstige Lösung.
      Auch mit der von dir (wie auch in meinem Artikel) erwähnten Anlagen mit Systemelektronik im Bass habe ich schon durchaus gerne gearbeitet, war halt eine KS-Anlage, da kann ich mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass Ausfälle recht selten sind.
      Absichtlich aussen vor gelassen habe ich die Stäbchen-PA´s, im Budget-Bereich habe ich da noch keine guten Erfahrungen gemacht und die teureren sind meiner Meinung nach vom Kosten/Nutzen-Faktor her nicht optimal. Manche User schwören darauf, für die sind sie dann auch richtig, eine universelle Lösung sieht für mich anders aus.

      Gruss

      • Profilbild
        Markus Galla  RED

        Hallo,

        das ist richtig. Du hast z. B. Anlagen erwähnt, die die komplette Elektronik im Sub haben, aber es wird eher als negativ dargestellt. Vorteile werden eigentlich nicht herausgestellt.

        Der Artikel soll als Zielgruppe ja sicherlich Einsteiger ansprechen, nur genau da sehe ich halt die Kritikpunkte. M. E. sind gerade die erwähnten Aktiv-Systeme oder Systeme mit Elektronik im Bass besonders für diese Zielgruppe geeignet. Man kann kaum etwas falsch machen (außer bei der Positionierung).

        Was Line Arrays angeht, habe ich hauptsächlich positive Erfahrungen gemacht. Solange es sich nicht um Heavy Metal handelt, sind die schmalen Säulen klar im Vorteil und gerade die vielen Entertainer, Tanz & Show Bands und Cover Bands dürften sich freuen, wenn der Aufbau schneller und die Einstellung unkritischer von der Hand geht. Der Transport sowieso, denn selbst die Sängerin kann so eine Anlage tragen und zusammenstecken.

        Ich habe selbst eine hochwertige Seeburg Acoustic Line PA und nutze seit kurzer Zeit dennoch für z. B. Trauungen eine LD Systems Maui 11, weil es nicht nur Zeit spart beim Aufbau, sondern auch besser klingt. Denn bei geringen geforderten Lautstärken ist die Maui mit der gleichmäßigen Abstrahlung der Seeburg weit überlegen, kostet nur einen Bruchteil und sieht noch besser aus. Die Seeburg PA könnte ihre Stärken hier gar nicht ausspielen und muss zwangsläufig schlechter klingen. Und genau aus diesem Grund würde ich die Säulen dem Artikel noch hinzu fügen. Außerdem wäre eine Tabelle am Ende mit einer Übersicht der Möglichkeiten und einer Gegenüberstellung mit Pro & Contra und ungefähre Preis-Range für Einstiegs- bis Mittelklasse-Systeme inkl. der Möglichkeit der Erweiterungsfähigkeit gut. Das würde den Artikel noch einmal erheblich aufwerten.

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