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Keys-Legenden: Isao Tomita


Elektronik-Pionier von Debussy bis Space Music

Kaum ein Jahr ist es her, als die Meldung verbreitet wurde: Isao Tomita ist von uns gegangen. Als Erbe hinterlassen hat er ein musikalisches Lebenswerk der Kategorie Meisterklasse. Auch wenn er mit Filmmusik begann, vor allem sein zweites Album Snowflakes are Dancing im Jahr 1974 war es, das weltweit Aufmerksamkeit erregte und ihm obendrein Grammy Award Nominierungen einbrachte. Eine vor allem für die damalige Zeit ungewöhnliche Interpretation von Debussy Kompositionen mit Synthesizern, für viele Leute eine Bewusstseinserweiterung, denn: Man kann also doch Klassik mit Elektronik verbinden! Während die konventionell orientierte Musiklehre seinerzeit nämlich klare Abgrenzungen vornahm, zeigte Tomita vergleichsweise leichtfüßig, dass sowas überhaupt nicht sein muss. Klare Ansage für Crossover. Er beließ es nicht dabei und es folgten noch viele weitere.

Dabei hat der gute Mann mit ganz anderen Sachen angefangen und zwar zu einer Zeit, als es noch gar keine Synthesizer gab. In den frühen 30er Jahren in Tokio geboren zog es seine Familie zunächst nach China. Es ging jedoch bald wieder zurück ins Heimatland und nach seiner Schulzeit studierte er in den 50ern Ästhetik und Kunstgeschichte. Parallel dazu befasste er sich privat mit Komposition, was ihm recht flott Erfolge und Preisverleihungen bei einschlägigen Wettbewerben in Japan einbrachte. Musik als Beruf, das war also bereits während seiner Studienzeit klare Zielsetzung. Immerhin bekam er außerdem Unterricht in Orchestrierung und arbeitete ab 1955 erstmal als Komponist für Fernsehen, Film und Theater. Ein Erstlingswerk war die Musik für das japanische Turner-Team bei den Olympischen Spielen 1956 in Melbourne. So ganz nebenbei war Tomita, man ließ später oft seinen Vornamen weg, in dieser Phase Gründungsmitglied der Group TAC, einem Studio in Tokio, das sich in den 60ern schon mit Computeranimation und entsprechenden Soundtracks befasste. Aus seiner Feder stammt die Titelmusik der Serie Jungle Emperor (japanisch: Jangaru Taitei).

Überhaupt sollten einzelne Tracks seiner späteren Alben ebenfalls für TV-Filme Verwendung finden. Das war auch die Zeit, als er mit Synthesizern vertraut wurde. Die Impulse dafür kamen von Bob Moog und Wendy Carlos, damals noch bekannt als Walter. Switched on Bach und Clockwork Orange waren es, die ihn aufhorchen ließen. Also kaufte er sich ein Moog III System, was damit gleichzeitig der Startschuss für sein Home Studio war. Es war insbesondere die Option, mit diesem Synthesizer traditionelle akustische Instrumente imitieren zu können, was ihn faszinierte. Nicht viel später, nämlich 1972, veröffentlichte er bereits das erste Album damit: Electric Samurai, Switched on Rock. Zu hören sind Coverversionen mehrerer Pop- und Rock-Titel. Schon zu diesem Zeitpunkt benutzte er Sprachsynthese und solchen Ambitionen sollten später noch weitere folgen.

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    amazonaman AHU

    Wer die klassik covern will mit elektronischen Instrumenten der muss auch wirklich spielen können was ich wiederum sehr gut finde. Diese herumtrickserei mit den neuesten Spielhilfen lassen hilfen alla Sequenzer, apeggiator und wie sie alle heißen dudeln seelenlos vor sich her während dessen der Operator wild an den Reglern dreht und hier und da noch eine Taste um dem musikalisch technischen Apperatur etwas lebhaftes zu entlocken. Kein jahrelanges Studium und nächtelanges üben von Skalen Etüden und Sonaten ist von nöten um trotzdem Nationen auf die Tanzbretter zu bewegen. Allerdings ist die Klassik auch nicht zum tanzen gedacht, sondern eher etwas zum lauschen und genießen. Tanzmusik dagegen ist eher dazu geeignet eine Art restless leg Syndrom zu initiieren und den Menschen dazu zu bringen sich unmittelbar bewegen zu wollen, und das möglichst im Takt der Musik. Dabei gibt es sehr viele Gattungen von Tanzmusik wie Techno, Schlager etc. Übrigens Jazz verhält sich eher wie die Klassik, nein man möchte nicht tanzen, eher sitzen und aufmerksam lauschen und genießen, manche verlassen auch das Konzert wenn sie eben für diese Musik nicht empfänglich sind – so geht es mir bei der Typischen Oper, wobei mir nur der irre Gesang oft auch als gegilfze bezeichnet nicht passt, die Musik ohne die Sänger wäre für mich okay gewesen.

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    smile

    „Pictures at an Exhibition“ ist mein persönlicher Tomita-Favorit auch wenn nach den Jahren einige Sounds nicht mehr so frisch klingen.
    Danke für den Beitrag!

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    costello RED

    Der Klangraum am Anfang von Holst „Planets“ führt schon auf Vangelis „Bladerunner“-Soundtrack hin, der ja einige Jahre später entstanden ist. Ich hege Bewunderung für die Tüftelarbeit mit der Mehrspurmaschine, auch wenn manche Sounds heute etwas „dated“ klingen. Vielen Dank für das interessante Porträt :-)

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      TobyB RED

      Hallo Costello,

      mich führte Tomita, ich hatte bis zum 18ten Lebensjahr nur die Amiga Version von „Bilder einer Ausstellung“, zu den dunklen Pfaden der elektronischen Musik, John Carpenter(The Fog) und Ennio Morricone (The Thing), Vangelis kam erst in den 90ern, nach dem sich die Trancekids am Bladerunner versucht haben. Wobei die Ergebnisse auch eher outdated sind ;-) Tomita hat diverse Umzüge überstanden.

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    0gravity

    Danke für die ausführliche Würdigung eines Ausnahmemusikers.
    Das was Tomita über weite Strecken gemacht hat ist auch aus heutiger Sicht noch einmalig.

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    iggy_pop AHU

    „Jungle Emperor“ wird vielen wahrscheinlich bekannter sein unter dem Titel „Kimba, der weiße Löwe“.

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    moogist

    Danke, Klaus, für den tollen Bericht über Isao Tomita! Sein „Pictures at an Exhibition“-Album hat – als mich ein Mitschüler damit bekant machte – meine Faszination für Synthesizer erst (mit-) erweckt! Da er ein klassisch geschulter Musiker war, haben mir besonders die synthetischen Chor- und Streichersätze auf seinen Platten gefallen. Neben Vangelis einer der ganz Großen!

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    Synthfreak AHU

    Ich habe Tomita auch mit „Pictures“ durch „Den Turm“ von Uwe Tellkamp kennengelernt. Vielen Dank für die Story.

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    Quaesitio ••

    Isao Tomita hörte ich das erste Mal in der 5. Klasse; da nahm unser Musiklehrer mit uns den Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung – Erinnerungen an Viktor Hartmann“ von Modest Mussorgski als Lehrstoff durch. In einer der Unterrichtsstunden spielte er uns zunächst einmal die orchestrale Version des I. Satzes „Gnomus“ vor; es handelte sich hierbei um die bekannte Orchester-Bearbeitung von Maurice Ravel. Und zum Vergleich kam danach Tomitas Synthesizer-Version von „Pictures at an Exhibition“. Das war dann für uns kleine Fünftklässler natürlich reichlich amüsant. ;-)

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      qwertzvsqwerty

      Mir ging das fast genau so. In der 4. oder 5. Klasse behandelten wir Baba Yaga (ist ja auch aus Bilder einer Ausstellung). Ziemlich zum Ende dieser Unterrichtseinheit spielte uns unsere Musiklehrerin verschiedene Arrangements dieses Stückes vor. Darunter waren die originale Instrumentierung, eine Version auf Marimbaphonen und eine spacig klingende Version. Zu dieser aus den anderen Versionen herausstechenden Version fiel das erste Mal in meinem Leben das Wort „Synthesizer“.

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        Quaesitio ••

        Zu deinem letzten Satz: Soweit ich mich erinnern kann, ging’s mir ganz genauso. Vorher kannte man zwar schon synthetische Klänge aus dem Radio, wusste aber als Kind noch nicht, woher sie kommen bzw. wie sie entstehen. Ja, und wie du schon sagtest: Vom Höreindruck war es zu Ravels orchestraler Version tatsächlich ein starker Kontrast.

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          Dirk Matten RED

          Als 19-Jähriger 1968 „Switched on Bach“ im Autoradio. Hat mich aber nicht sonderlich tangiert, erst 1970 beim Isle of Wight Festival der Auftritt von Keith Emerson, der hat mit seinem Moog Studiosynthesizer ziemlich viel Radau gemacht.
          Die Klangexperimente diverser Bands 1967, die Beatles und Pink Floyd mit den ersten zwei Singles und „Piper“ eingeschlossen, haben mir in dem Jahr das Ohr geöffnet, wobei für mich nicht ersichtlich war, wie die das gemacht hatten. War eine „andere“ Musik.
          Tomita fand ich immer doof. Irgendwie. Wie auch Jean Michel Jarre der Andre Rieu des Synthesizers.

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