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Know How: Homerecording mit Sehbehinderung


Know How: Homerecording mit Sehbehinderung

Menschen, die blind oder stark sehbehindert sind, haben spezielle Probleme bei der Nutzung elektronischer Musikinstrumente, die ich in diesem Artikel veranschaulichen möchte. Als jemand, der selbst fast blind ist, suche ich seit vielen Jahren für mich die kreativitätsfördernde, optimale und vor allem bezahlbare Lösung. Denn wenn man kein professionelles Tonstudio betreibt und trotzdem Freude am Musizieren hat, muss man sich mit Grenzen arrangieren, die nicht immer zu überwinden sind.

Betrachtet man die Diskussionen zu Hard- und Software-Instrumenten, ist eines klar: Software ist günstiger, digitaler, flexibler. Hardware ist nachhaltiger, organischer und man hat was in der Hand. Virtuelle Musikinstrumente und Controller bieten zwar für den mausaffinen Anwender viel Spielraum, ein oder mehrere Monitore stellen alles übersichtlich dar. Doch was ist, wenn man eben nichts oder kaum etwas sieht, vielleicht auch nicht beruflich mit Musik zu tun hat und eine Lösung sucht, seine Kreativität akustisch umzusetzen? Da ist die Hardware auch nicht immer die optimale Lösung, denn Menübedienung, Touchscreen und Soft-Encoder erschweren oft die Handhabung.

Bei mir im Studio

So zählt für mich bei der Auswahl eines Synthesizers oder einer digitalen Workstation weniger die Qualität, dafür aber die spezielle Mensch-Maschine-Interaktion. Zu allem Überfluss kann man die Eignung eines Instruments erst nach einigen Monaten intensiver Nutzung feststellen, das erhöht leider auch das Risiko von Fehlkäufen und verhindert oft auch kreatives Arbeiten. Man stelle sich vor, ein Autofahrer würde sich bei jeder Fahrt ständig überlegen müssen, welche Funktion an welcher Stelle sitzt und ob er diese überhaupt erreichen kann.

Das Thema ist sehr komplex und macht es erforderlich, der Reihe nach einige Aspekte zu betrachten. Ich werde daher zunächst verschiedene Seheinschränkungen beschreiben und technische Lösungen zur Kompensation vorstellen. Im weiteren Verlauf gehe ich auf Vor- und Nachteile von Bedienelementen und Software ein und beschreibe am Schluss anhand ausgewählter Produkte, warum diese mehr oder weniger barrierefrei sind. Dass man sich bei der Anschaffung eines Instruments natürlich als Erstes überlegen sollte, was man eigentlich machen will, ist klar und hierfür gibt es wunderbare Workshops auf amazona.de. Daher wundern Sie sich bitte nicht, dass ich Instrumente miteinander vergleiche, die unterschiedliche Zielgruppen ansprechen und ich mich nur auf die reine Bedienbarkeit beschränke. Im Prinzip könnten Hersteller und Entwickler auf Grundlage dieses Artikels Instrumente und Tools für blinde und sehbehinderte Menschen entwickeln oder vorhandene Produkte diesbezüglich optimieren. Da ich seit Jahren mit Blindenhilfsmitteln vertraut bin und auch an konkreten Entwicklungen beteiligt war, habe ich einen professionellen Blick dafür. Hersteller oder Entwickler, die ein Produkt entsprechend anpassen möchten, kann ich daher bei Bedarf sachkundig unterstützen. An dieser Stelle danke ich Peter Grandl dafür, dass ich einen Artikel zu diesem Thema schreiben darf und quasi aus eigener Erfahrung berichten kann.

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    dflt •••

    vielen dank! ich bin ja (zum glück) nicht betroffen, aber es ist sehr interessant, mal so einen einblick zu bekommen.

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    Ralle373

    Hallo Stephan, Danke für Deinen ausführlichen Bericht. Mich betrifft dieses Thema zu 100 Prozent, da ich selbst blind bin. Musikalisch bin ich bei EBM unterwegs und kann sagen, dass ich in meinem Studio alles alleine machen kann. Ich arbeite mit Mac und Logic Pro X und VoiceOver.
    An dieser Stelle noch ein paar weitere Tipps für Hard- und Software:
    1. Sequencer: MFB Step 64; gut taktil zu bedienen und alle Funktionen blind erreichbar; Arturia Beatstep Pro – ebenfalls sehr gut zu bedienen und umfangreich ausgestattet; beide Geräte lassen sich mit Logic Pro X syncronisieren. Beatstep Pro bietet den Vorteil das man ein Drum-Sequencer hat mit dem man andere Drumcomputer und Groeboxen ansteuern kann und der Fokus auf die Bedienung des Beatstep Pro bleibt

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    Ralle373

    2. Synthesizer: Ich nutze als VA Synth den Waldorf Blofeld Keyboard (auch als Midi Controller). Das Handbuch ist sehr gut geschrieben und die Bedienmatrix ist gut händelbar. Das Handbuch glänzt sogar mit Informationen wie oft ich die jeweiligen Menütasten drücken muss um an bestimmte Dinge im Menü zu kommen.
    Clavia Nord Lead 4 – das Gerät ist voll auf Live Performance getrimmt und fast alle Regler und Bedienelemente kommen ohne Doppelbelegung aus. Das Handbuch ist ebenfalls sehr gut geschrieben.
    Access Virus TI – klanglich der Hammer aber ohne Display geht hier so gut wie nichts. Und hier kommt dann die Total Integration zum tragen. Das Plugin ist voll durch VoiceOver unterstützt und ermöglicht dann die Programmierung von Sounds.
    Novation Ultranova bietet ebenfalls ein Plugin, so das auch hier die Programmierung möglich ist. Zusätzlich bietet dieser Synth die Automap Funktion an, die sehr hilfreich ist.

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    Stephan M. RED

    Danke für Deine Ergänzungen. Ich habe mich jetzt natürlich nur auf die Produkte bezogen, die ich wirklich gut kenne. Mit Logic Pro X hast Du ja auch, wie im Artikel beschrieben, optimale Voraussetzungen. Aber die hat eben nicht jeder und wer klein anfangen will, wird nicht mehrere tausend Euro in die Hand nehmen wollen. Das war eigentlich meine Motivation, denn schlussendlich könnte man mit kleinen Veränderungen oder speziell erstellten Anleitungen manche Produkte in der Zugänglichkeit optimieren. Auch gibt es ja nicht nur Studiomusiker, im Live-Betrieb wird man mit den meisten aktuellen Instrumenten nicht ohne sehende Hilfe oder alternativ mit dem Verzicht auf Funktionen klar kommen müssen. Es ist ja auch immer die Frage, was man im ‚Ergebnis machen will. Wenn für Dich die genannten Geräte geeignet und zugänglich sind, passen sie vielleicht aber nicht zum Musikstil eines Anderen, der kein Mac hat und vielleicht autark musizieren möchte. Mit Clavia und Waldorf habe ich zu wenig Erfahrung, aber auch hier scheint man sich sehr intensiv in ein Gerät hinein arbeiten zu müssen. Das kann aber blinde Menschen ohne räumliches Verständnis auch mitunter überfordern.

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    Ralle373

    Hallo Stephan, ich wollte Deine Liste und Erfahrungen einfach nur ergänzen. Natürlich muss jeder sein Gerät finden, und das unter den Gesichtspunkten der individuellen Zugänglichkeit und Bedienung. Was hier nicht vergessen werden darf sind die guten alten analogen Synthesizer. Moderne Geräte wie der Arturia Mini- und Microbrute sind eine gute Emphehlung. Zur Zeit probiere ich mich am Matrixbrute rum (sehr steile Lernkurve). Aber auch alte Klassiker wie von Dir schon erwähnte KORG MS-20, Sequential Circuits Pro One, Roland SH-101 sind voll zugänglich. Und darüber hinaus gibt es noch das Eurorack System. Individueller geht Synthesizer wohl nicht! Klar muss man vieles auswendig lernen, aber Notizen z.B. in MS EXcel können helfen.
    Und das Musik machen Geld kostet sollte jedem klar sein…

    Gruß Ralf

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      Stephan M. RED

      Sorry, aber natürlich sind für Profis Lösungen denkbar, die zum Einen über genügend Geld, zum Anderen auch über ausreichend Zeit verfügen, sich damit auseinanderzusetzen. Aber der Markt besteht eben nicht nur aus dem Profi-Segment, es gibt auch noch einen Bereich da drunter. Auch nützt sicher nicht jedem Keyboarder ein Modularsystem etwas, eine Gitarre wäre für den Trompeter auch recht sinnfrei. Der Sinn meines Artikels war nicht, Gerätschaften aufzulisten, die barrierefrei nutzbar sind. Ich habe an Beispielen offenbar auch nachvollziehbar versucht, Vor- und Nachteile bei der Bedienung zu erläutern. Mein Ziel war es daher, sehende Musiker und vielleicht auch Entwickler für dieses Thema ein Bisschen zu sensibilisieren und nicht, konkrete Produkte vorzustellen und sie als generell bedienbar auszuzeichnen. Was Deine Erfahrungen angeht in allen Ehren, aber ich bin in der Hilfsmittelbranche schon über 25 Jahre unterwegs und was manche mir so alles erzählten, was sie so angeblich alles ohne sehende Hilfe geleistet hätten, entpuppte sich nicht selten als Windei. Mit dem Mac bist Du ja gut beraten, aber wenn Dir kein Sehender die Funktionsweise erklärt, welches Kabel bei einem Modularsystem wo hinein gehört, bist auch Du, genau wie ich, aufgeschmissen. Ich kann wenigstens mit der Lupe noch die Beschriftungen ablesen.

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    Franz Walsch AHU

    Interessanter Artikel, danke dafür. Die zunehmenden Sehprobleme im allgemeinen basieren auf zwei zentralen Punkten, zum einen sieht man bei Monitoren immer in eine Lampe und zu anderen haben die neusten Geräte eine immer höhere Auflösung und/oder spiegelnde Displays. Das hat zu Folge das es zunehmend anstrengender wird mit diesen Geräten zu arbeiten. Mein Hausarzt hat seinen Bildschirm auf 600X800 eingestellt und braucht immer noch keine Brille. Die Auflösung ändern funktioniert je nach Gerät unterschiedlich und es gibt auch Programme die eine Auflösungsänderung nicht verkraften. Auch musste ich feststellen, das die Menuleiste von Mac OS 10.6 kontrastreicher als bei neueren Systemen ist. Zum Organisieren von Dateien benutzte ich Icons. So finde ich mich schneller zurecht, als mit den nichtssagenden Ordnern in der Systemfarbe. Auch gibt es Programme die Farbblindheit simulieren. Das ist wichtig bei der Gestaltung von beleuchteten Tastern. Auch finde ich Reader (z. Bsp. bei Webbrowsern) sehr angenehm. Besser die Ergonomie verbessern, als eine Sehhilfe tragen.

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      Stephan M. RED

      Ich habe das mit der Reduktion der Bildschirmauflösung sehr häufig bei sehbehinderten Kunden erlebt, die sich übergangsweise helfen wollten. Früher sogar mit der Reduktion auf 16 oder 256 Farben, das ist aber nicht ganz unproblematisch. Wer HTML-Mails mit umgekehrten Windows-Farben schreibt, schickt schwarzen Text auf schwarzen Hintergrund. Da bin ich mit dem Screenreader der König, weil der mir den Text vorliest. Aber generell würde ich immer dazu raten, die integrierten Bildschirmlupen wenigstens auf kleiner Vergrößerung einzusetzen, damit verzerrt man nichts an den Apps oder der Grafikleistung. Unter Windows können niedrige Auflösungen auch den Grafiktreiber bremsen, das geht auf die Liestung bei grafischen Anwendungen. Die integrierten Lupen von Windows und MacOS sind gleichermaßen gut und zu empfehlen, können auf Wunsch auch Kontraste und Farbdarstellung anpassen. Apple bietet hier etwas mehr Funktionen, wie das Zentrieren der Maus bei Vollflächenvergrößerung.

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    Wellenstrom AHU

    Viel gelernt!
    Was zumindest mal großflächig angelegt werden sollte von den Herstellern von PlugIns, wäre eine (freie) Skalierbarkeit ihrer Produkte. Würde ja schon wenigstens etwas helfen in einigen Fällen.

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    Son of MooG AHU

    Sehr informativer Artikel, gut geschrieben. Das positive Abschneiden des MicroKorg hat mich jedoch überrascht; mir ist er etwas zu unübersichtlich (Brillenträger). Ein Juno-6 mit seinen dezidierten Schiebereglern ist wahrscheinlich besser zugänglich als ein Behringer DeepMind 12 mit seiner teilweise Menu-gesteuerten Bedienung..?

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      Stephan M. RED

      Ja, das kann ich sogar nachvollziehen, wobei der microKORG ein schönes Beispiel dafür ist, wie man reduzierte Bedienelemente doch effizient nutzen kann. Denn jeder der rastenden Knebelschalter hat eine eindeutige Stellung. Das geht nicht ohne Auswendig lernen oder Notieren der Matrix, aber es gibt eine Logik der Parameteranordnung und das ist das Entscheidende. Wenn Du Dir jetzt vorstellst, dass man anstatt dieser zwei Menüregler Up-/Down-Tasten verwendet hätte, würde ich ihn sicher anders bewerten müssen. So aber erleichtert die Auftrennung die Bedienung, weil DU abzählen kannst und innerhalb der Sektionen stets weißt, wo Du bist. Klar sind einzelne Bedienelemente prinzipiell ein Vorteil, weil Funktionen dediziert erreichbar sind, können aber auch, wenn es zu viele sind, die Übersicht erheblich erschweren. Beachte dabei, dass jeder sehbehinderte bzw. blinde Mensch andere Voraussetzungen mitbringt, manche haben ein gutes Ortsverständnis und können im Kopf Regler und ihre Stellung quasi abspeichern, andere wiederum müssen immer hinfassen bzw. hinhören, haben es also mit weniger Bedienelementen einfacher. Ich bin so jemand, der ein Mittelmaß braucht, nicht zu viel aber auch nicht zu wenig. Der JD-Xi hat mir viel zu wenig, die Ultranova fast zu viel.

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    lugosi

    Spannender und gut geschriebener Beitrag!

    Mit meiner leichten Rot/Grün-Sehschwäche hab ich teilweise auch schon Schwierigkeiten bei entsprechend gewählten LED Farben auf der ein oder anderen Maschine. Das ist vergleichsweise harmlos aber betrifft hierzulande wohl ca. 8% der männlichen Bevölkerung. Modellvarianten wie beim Dark Time mit blau/weißen LEDs gibt eher selten.

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      Stephan M. RED

      Mal eine vielleicht gar nicht so blöde Frage dazu: Rot und Grün oder auch andere Farbspektren haben ja eine unterschiedliche Wellenlänge. Ich hätte jetzt gedacht, dass man in solch einem Fall zumindest Helligkeitsunterschiede wahrnehmen kann, das ist dann vermutlich bei Dir nicht so?

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      Stephan M. RED

      Danke, den Artikel kannte ich noch gar nicht, wohl aber den Oliver. An dieser Stelle ein Hinweis, im Artikel stellt er es so dar, als habe er Lesemaschinen erfunden, das entspricht nur leider nicht ganz der Wahrheit, mehr schreibe ich dazu öffentlich besser nicht, dafür aber eine Anekdote: Er hat mehrere Jahre auch in Marburg auf der Hilfsmittelausstellung seine Produkte gezeigt und das nicht wirklich leise. Bei den Mitausstellern hinterließ er somit einen bleibenden Eindruck, da er quasi physikalisch unzählige Kundengespräche zu unterbrechen wusste.

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    fritz808 ••

    wenn man sich überlegt, wie einst mr. kurzweil für stevie wonder ein keyboard auf seine bedürfnisse gebaut hat – und heute scheint es da offensichtlich auch lösungen zu geben, die sich nicht nur ein superstar leisten kann. toll.

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    Stephan M. RED

    Ray Kurzweil hat Anfang der 90er auch das Blindenvorlesesystem Kurzweil Reader mit Xerox Imaging Systems gebaut, der auf dem Personal Reader basierte, auch ein Projekt von Stevie Wonder. Ich konnte auf der diesjährigen SightCity in Frankfurt Chris Park kennenlernen, der für Stevie Wonder handgemachte Blindenstöcke produziert, wie Stevie ihn nennt, den „WonderStick“. Was mich aber bei einem Teil der vorgestellten Produkte begeistert ist, dass diese überhaupt nicht mit der Intention entwickelt wurden, dass sie von blinden oder sehbehinderten Menschen überhaupt bedient werden können. Es ist eher Zufall und im Umkehrschluss könnte man mit etwas Überlegung manche Geräte durch kleine Veränderungen an Hard- und Software zugänglich machen. Orientierungstöne, wie sie beispielsweise der Kronos bietet, sind hier schon mal ein guter Ansatz. Aber auch unterschiedliche Displaydarstellungen, vergrößert und invertiert, wären schon mal für viele Anwender hilfreich. Und schlussendlich kann auch eine alternative Steuerung via App schon eine gute Lösung bedeuten.

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    matlo

    Hallo.

    Das Thema Linux und Musik-Machen ist ja eh ein sehr eigenes.

    Was unter Linux gut geht ist die Kommandozeile (Braillezeile). Und ja es gibt unter Linux viel Audiosoftware die sich komplett per Kommandozeile steuern lässt. In „Echtzeit“ und natürlich scriptbar.

    In einer Linux-Audio-Maillinglist weiß ich das dort ein Blinder Musiker schreibt und ließt. Er hat so ein paar Kniffe erklärt.

    Bei Interesse such ich gerne die (englischen) Artikel.

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      Stephan M. RED

      Ganz ehrlich, das wäre für mich heute keine Option mehr. Vor 30 Jahren klar, aber man wird nicht jünger und heute werde ich mir sicher keine zig Parameter mehr behalten wollen. Ich glaube zwar auch, dass man das sicher leisten kann. Allerdings habe ich schon von vielen blinden Menschen gehört, die von sich behaupteten, alles bedienen zu können, klangliche Ergebnisse blieb sie mir aber schuldig. Man darf in diesem Zusammenhang auch nie vergessen, dass jeder anders ist. Hoch theoretisch denkende Menschen können sich in die Tiefen der Zahlen und Befehle reinarbeiten, aber praktische ebe nicht. Ich muss Geräte anfassen können, dann kann ich sie begreifen, auf verschiedene Weise. Programmieren ist aber genau das, was ich nicht will, viele nicht können und selbst wenn man sich Entwicklungsumgebungen anschaut, ist man vom Codeschreiben in vielen Bereichen inzwischen weit entfernt. Wäre man das nicht, würde es sicher Millionen Apps weniger geben, weil sich deutlich weniger Menschen überhaupt mit Software-Entwicklung auseinandersetzen würden. War ja nicht ohne Grund so, warum man die Informatik den Fachbereichen Mathematik angegliedert hat, heute sind sie ja Gott sei Dank eigenständig.

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          Stephan M. RED

          Danke für den Link. Nur weil es mich nicht interessiert, kann es womöglich jemandem weiterhelfen. Ich habe mir das angeschaut und stelle fest, dass derjenige gute Englisch- und Computerkenntnisse haben muss und viel Zeit, sich in eine Befehlssyntax einzulesen. Die habe ich nicht, daher warte ich auf meinen iMac. Linux hatte bei mir in den letzten 25 Jahren genügend Chancen, diese wurden alle verspielt, nicht zuletzt auch wegen den unzureichenden Screenreadern im KDE. Ich hatte auch mit Orca mal einen Podcast gemacht, das war alles nicht ergiebig und hatte die Hörer auch nicht überzeugt. Diejenigen, die ich kenne und mit Linux arbeiten, sind zumeist Informatiker, die tief in der Materie stecken und das als Hobby betreiben. Für reine Anwender, die einfach nur Musik machen wollen, ist das aus meiner Sicht wenig produktiv, als wollte sich ein Gitarrist eine eigene Gitarre mit Verstärker bauen. Daher habe ich mich auch im Fokus auf Hardware bezogen. Es geht ja um produktive Lösungen, nicht um Alternativen über einen Umweg. Als das hat sich Linux bei mir leider nur gezeigt.

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            matlo

            Ich vermute mal das auch unter Mac und Windows die Möglichkeiten bei bei vollkommener Blindheit sehr eingeschränkt sind. Oder ist Protools und Co. mit Tastatur und Brail bedienbar?

            So gesehen ist das die letzte Möglichkeit gewesen Mutitrack-Recording zu machen.

            Ps: Kann man Mac und Windows überhaupt bei kompletter Blindheit nutzen?

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              Stephan M. RED

              Sorry, aber genau darauf hatte ich mich im Artikel doch bezogen, dass die Unterschiede zwischen Windows und Mac gravierend sind. Gerade ProTools ist ein gutes Beispiel, unter Windows nicht bedienbar, am Mac hingegen schon. Tastenkombinationen sind natürlich wichtig, aber auch Controller. Weiterhin gibt es aber auch die der Screenreader zum Erfassen des Bildschirms. Schau mal auf meine Seite https://merkst.de, klicke oben auf Hilfsmittel. Ich hatte zu diesem Thema anschauliche Artikel und Videos erstellt. In einem Punkt hast Du aber Recht, ich kenne niemanden, der absolut vollblind ist und vollständig ohne Anleitung oder wenigstens gelegentliche sehende Hilfe zurecht kommt. Wenn aber die Kniffe erlernt sind, das System und die Hardware aufeinander abgestimmt wurden und Routine da ist, dann aber sicher schon. Das gilt jetzt nicht nur bezogen auf die Musik, sondern die generelle PC-Arbeit.

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                matlo

                Danke. Ich habe den Artikel gelesen und auch noch mal durch ihre Seite gesehen (aber nicht alles gelesen).
                Von dem was ich mitgenommen habe ist das doch ein Rest Sehvermögen für vieles notwendig ist. Der Mensch von meinem Link bedient seine PC ausschließlich mit Baillezeile (und wahrscheinlich Sprachausgabe).

                Ich bin nicht Blind und als Informatiker kenne ich mich mit Rechentechnik durchaus gut aus. (Außer Mac)

                Von Linux weiß ich wie man fast alles auf der Kommandozeile machen kann. Bei Windows ist das schon schwieriger. (Mac ??? könnte dank Unix-Unterbau auch gut gehen habe ich aber keinerlei Erfahrung)

                Danke.

                PS: Ich muss echt mal probieren wie der Screenreader funktioniert.

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                  Stephan M. RED

                  Aus meiner Erfahrung haben es vollblinde Menschen, die nie zuvor einen Computer bedient haben, mit Commandozeilen deutlich schwerer. Wer in der Materie drin steckt hat es einfach, aber die Adaption grafischer Benutzeroberflächen und das Erlernen von Tastenkombinationen ist intuitiver, als einen Befehlssatz auswendig zu lernen. Daher ist Klaus Knopper mit seinem textbasierten ADRIANE-System sagen wir mal eher vor die Wand gelaufen, weil das in der heutigen Zeit keiner annimmt bzw. haben will. Man möchte mithalten und die Zeiten von Speziallösungen sind spätestens seit iPhone und Android vorbei. Der Anspruch geht dahin, dass ja sogar die Softwarehäuser selbst eine Menge für die Barrierefreiheit tun, besser als es die linux-Gemeinde je getan hat. Kann jeder selbst ausprobieren, unter Windows 10 aktiviert Strg+Windows+Eingabe den Narrator oder einfach aufrufen, Monitor aus und los geht’s. Alternativ http://www.nvda-project.org, runterladen, installieren und loslegen. Am Mac Cmd+F5, das aktiviert VoiceOver und schon spricht der Kasten. Geht unter Linux mit Ausnahme von Knoppix bei Weitem nicht so einfach und Orca ist so rückständig, da verliert man nach fünf Minuten echt die Lust.

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