Der erste Hammond-Klon
Wir schreiben das Jahr 1979, die Firma Hammond hat vor vier Jahren die Produktion ihrer Tonewheel-Organs eingestellt. So nebenbei steckt sie auch noch in der Krise. Der klassische Hammond-Sound ist nach wie vor sehr gefragt, genauso wie Mechaniker, die sie warten können, Roadies oder Bandkollegen, die sie tragen wollen. Und ohnehin ist der Platz auf der Bühne zwischen den immer mehr werdenden Synthesizern recht knapp. Da hat die 1962 gegründete und in Japan ansässige Firma Korg eine geniale Idee: Eine einmanualige Hammond mit knapp 23 kg – die Korg CX-3!
Korg CX-3 Combo Organ
Hersteller: Korg Inc.
Baujahr: 1979 – ca. 1984
Tastatur: 5 Oktaven, keine Waterfall
Klangerzeugung: Transistor, Master-Oszillator mit Frequenzteilerschaltung
Overdrive, 2-Band-EQ, Rotary-Effekt (Mono), 3 Presets
Fazit: Kann mit heutigen Hammond-Klonen nicht mehr mithalten.
Inhaltsverzeichnis
Korg CX-3 (1979)
Die Korg CX-3 erblickte 1979 das Licht der Welt und wurde ca. bis 1984 hergestellt. Sie verfügt über eine analoge Klangerzeugung mit einem Master-Oszillator, der eine stabile Grundfrequenz erzeugt. Alle anderen Töne werden über eine Frequenzteilerschaltung abgeleitet. Dadurch ist die Korg CX-3 vollpolyphon.
Die Korg CX-3 ist die erste tragbare Transistororgel, die von der Klangstruktur her gleich wie eine Hammondorgel (B3, C3, A100) aufgebaut ist. Sie verfügt über neun Zugriegel mit den gleichen Fußlagen wie eine große Hammond (Anmerkung: Es gab auch sogenannte Spinettmodelle von Hammond, diese hatten mitunter nur sieben Zugriegel und einen geringeren Tonumfang). Auch die farbliche Abstimmung der Zugriegel hat man von Hammond übernommen, nur wurde statt Schwarz bzw. Braun die Farbe Grau gewählt. Die Korg CX-3 gilt somit als der erste Hammond-Klon aka Clonewheel.
Abseits der Zugriegel gibt es auch 3 Presets. Eines mit der Jimmy Smith Registrierung, eines auf „Schönklang“ mit nur den weißen Drawbars und eines mit „All Drawbars out“.
Percussion
Genauso wie die großen Vorbilder hat auch die CX-3 eine 4’ und eine 2⅔’ Percussion. Diese reagiert gleich wie bei einer echten Hammond und fällt beim Legatospiel weg. Viele der aufkommenden Synthesizer und Sampler, die mitunter als Hammond-Soundersatz genommen wurden, konnten das lange Zeit nicht! Sicher ein Grund mehr, warum viele Organisten dann doch lieber zur CX-3 griffen.
Die beiden Percussions ließen sich auch zur gleichen Zeit anwählen und waren bezüglich Lautstärke und Decay stufenlos regelbar. Das erlaubte mitunter eine sehr aggressive und rockige Einstellung.
Chorus und Vibrato
Warum auch immer, aber man hat diesen so wichtigen Hammond-Effekt einfach weggelassen. Die 2-manualige Schwester der CX-3, die Korg BX-3, hatte einen Chorus und Vibrato Effekt (C1, C2, C3 und Vibrato 1 – 3) für jedes Manual extra wählbar, jedoch hatte dieser Effekt mit dem Klang der Scanner-Vibrato-Chorus-Einheit einer echten Hammond nicht einmal ansatzweise etwas zu tun. Vielleicht hatte man ihn weggelassen, weil er sehr schwer nachzubilden war. Auch heute ist für mich bei vielen Klons gerade der Scanner-Chorus ein großer Schwachpunkt.
Leslie und Overdrive
Gut, die Korg CX-3 hat einen Rotary- bzw. Leslie-Effekt und kurz gesagt: Ich finde ihn unbrauchbar. Vielleicht hatte man ihn in Ermangelung tragbarer Alternativen einfach hingenommen. Im Web habe ich Videos gefunden, auf denen eine CX-3 eingesetzt wird, jedoch niemals das eingebaute Leslie verwendet wird. Ich finde, er macht aus dem Sound der CX-3 einen wabbeligen Jahrmarkt-Sound. Also, Hände weg davon!
Den Overdrive finde ich hingegen gar nicht so schlecht. Ich habe ihn oft als zusätzlichen Overdrive zur Verzerrung meines Leslies verwendet.
Keyclick und Foldback
Den für die Hammond so typischen Keyclick, dieses kurze Kratzen im Sound, wenn eine Taste gedrückt wird, hat Korg sehr gut hinbekommen. Es lässt sich stufenlos hinzuregeln. Hammond selbst hat im Übrigen immer versucht, dieses laut ihrer Firmendefinition „unerwünschte Nebengeräusch“ wegzubekommen. Wenn die gewusst hätten, wie wichtig das für den Sound sein wird!
Einfach weggelassen haben die Ingenieure bei Korg das Foldback. In der Tiefe gibt es diesen Effekt gar nicht und in der höchsten Lage ist er nur in homöopathischen Dosen wahrnehmbar. Was bedeutet, dass man beim 16’ Zugriegel die tiefen Töne zwischen C und E fast gar nicht mehr hört. Dasselbe gilt für den 1’ Zugriegel in der obersten Oktave der Tastatur. Die echte Hammond transponiert hier die Zugriegel entweder nach oben oder nach unten, je nach Tonbereich.
Gestört hat mich jedoch das Fehlen dieses Effektes eigentlich nie.
Mitbewerber – „Wir hatten ja nix damals!“
Es gab neben der Korg CX-3 als einmanualigen Hammond-Ersatz nur die 1980 auf den Markt gekommene Roland VK1. Auch diese arbeitet mit Master-Oszillator und Frequenzteilerschaltung.
Erst die 1990 erschienene digitale Hammond XB1 und das wesentlich erfolgreichere Modell XB2 (1991) läuteten die Ära der Clonewheels ein, die bis heute sehr erfolgreich sind.
Meine Korg CX-3
Selbst bin ich als 15-Jähriger zur CX-3 gekommen. Die Musikschule wollte sie loswerden, ich wollte sie haben, meine Mutter hat sie mir gekauft. Sofort habe ich mich auf die Suche nach einem passenden Leslie-Ersatz begeben, den ich in einem Dynacord CLS22 Leslie-Simulator gefunden habe. Um kein 19″-Gerät mitschleppen zu müssen, habe ich ihn direkt in die CX-3 eingebaut und vorerst noch über einen Hughes & Kettner Tubeman der ersten Generation gespielt. Der Sound konnte sich sehen, respektive hören lassen, wie ich finde.
Auf meinem YouTube-Kanal ist ein Video über die verschiedenen Modifikationen meiner CX3. Bei einigen Studioaufnahmen habe ich in den Neunzigern meine CX-3 eingesetzt, allerdings immer über ein Leslie 147.
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Die Nachfolger
Wie schon erwähnt, war neben der einmanualigen CX-3 auch die zweimanualige BX3 auf dem Markt. Erst 2001 brachte Korg wieder eine CX-3 auf den Markt. Diese nutzt Modeling-Technologie (Korg REMS) und war auch wieder als zweimanualige BX-3 erhältlich. Natürlich war sie dem Sound einer Hammond viel näher als die alte CX-3. Auf den Bühnen dieser Welt sehe ich die New CX-3 allerdings nicht mehr. Hier haben sich andere Hersteller durchgesetzt. CX-3-Engines gibt es heute noch, zum Beispiel im Korg Kronos.
Die CX-3 heute
Die Frage, die sich hier stellt: Wer braucht heutzutage noch eine Korg CX-3? Niemand, der einen originalgetreuen Hammond-Sound haben will! Der ist mit einer Software oder mit einem aktuellen Clonewheel besser bedient. Wer jedoch einen eigenständigen Orgelsound sucht, der noch mit den verschiedensten Effekten verarbeitet werden will, ist bei einer CX-3 gut aufgehoben. Der international tätige Jazzorganist Larry Goldings spielt in einer der Studiosessions mit seinem Side-Projekt „Scary Goldings“, eine funkige Jazz-Fusion-Band mit den Scary-Pocket-Gründern Ryan Lehmann und Jack Conte, eine CX-3.
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Wer sich dieses Video angesehen hat, wird merken, dass die CX-3 noch immer genügend Power hat. Zwar klingt sie in den höheren Lagen etwas cheesy, doch der Percussion-Sound in der Mitte hat Dampf ohne Ende. Natürlich spielt Goldings die Orgel entweder über ein echtes Leslie oder über eine ausgezeichnete Simulation.
Ein weiterer Tipp zum Anhören: Robben Ford in einem Konzert in Paris aus dem Jahr 2001. Der Keyboarder Lou Pardini spielt hier eine Korg BX-3 (ebenfalls die alte Version) über ein Leslie 122 oder 147. Der Sound ist ausgezeichnet. Vor allem mit etwas Overdrive rockt die Korg Orgel ziemlich.
Pimp up my CX-3
Aktuelle Clonewheels simulieren ja quasi alles, was in einer Hammond passiert. Vom Generatoren-Nebengeräusch (Leakage) bis zum Röhren-Preamp und dem Leslie mit wiederum einem Röhren-Amp.
Die Korg CX-3 kann das nicht. Wenn man keinen Overdrive aufdreht, kommt ein gerades, trockenes Signal heraus. Mit dem direkten, unbearbeiteten Signal der CX-3 wird man heutzutage keine Freude mehr haben. Das ist vermutlich auch beim Yamaha DX7 so.
Um Leben in die Bude zu bringen, muss man zumindest einen Preamp, am besten einen Röhren-Preamp, an die CX-3 hängen. Damit entstehen schon mal kleine Artefakte, vor allem in Verbindung mit der Percussion.
Ein guter Hall ist sinnvoll, den bringen aktuelle Modelle in der Regel mit. Auch Hammonds wurden oft mit einem Spring-Reverb nachgerüstet. Die Orgel klingt anders, wenn der Hall schon vom Leslie beziehungsweise der Leslie-Simulation verteilt wird. Ich mag es sehr, wenn der Hall schon mit dem Sound mitkommt.
Das Um und Auf ist aber das Leslie. Ich glaube, man kann fast alles, was einen Sinus produzieren kann, an ein Leslie hängen und es geht dann irgendwie als Orgel durch. Ein echtes Leslie zaubert im Vergleich zur Simulation einen unglaublichen Sound auf die Bühne und gibt dem Live-Musiker noch einen extra Kick.
Die Simulation tut sich hier natürlich schwer. Kann man auf ein gutes Monitorsystem in Stereo zurückgreifen, lässt sich schon sehr viel kompensieren. Vom Sound her klingen viele Simulationen heute ausgezeichnet.
Beim Kauf einer Korg CX-3 sollte man auf jeden Fall darauf achten, dass alle Taster noch gehen. Diese verabschieden sich gerne. Wenn die LED nicht mehr leuchtet, kann der Taster aber trotzdem noch funktionieren. Auch sollte man die Tastenkontakte prüfen.


































eieiei —
deine Vorträge lassen Wohnzimmeratmosphäre aufkommen und ich könnte stundenlang deinem witzigen Vortragsstil folgen, ohne dass du die Sachlichkeit einschränkst.
– … und mich zum Mitjammen animieren lassen – alles groovt!
Leider habe ich schon das Ende des Artikels erreicht. Danke
Super Beitrag über diesen Klassiker mit vielen Details, die mir nicht bekannt waren 👍 Dank dafür.
Die einzige Kritik, die ich anbringen muss: Das Wurlitzer auf den Foto „Meine Korg CX-3“ tut mir leid. Ich meine die zwei Augen im Bedienfeld schauen sehr traurig aus unter der Last der 23kG (zumal die Last auch noch hässlich zerkratzt ist) 😉
Beim Lesen gefällt mir besonders, dass die jeweils genutzte Technik beschrieben wird. 🤩
Die Bennenung der unterschiedlichen Geräte zueinander ist interessant! Dabei freut es mich, dass es anscheinend kein Hiengespinnst ist, dass die Software zwar fortgeschritten emuliert, jedoch das letzte µ zur Authenzität noch nicht erreicht ist. Danke dafür! 😎
Bin schon gespannt, welche Schmankerl noch folgen! Cheers!🥃
Mit 15 eine gebrauchte »CX-3« gekauft? Respekt! Bei mir hat es in dem Alter (oder war’s 14?) nur zu einem »SK10« von Yamaha gelangt. Quasie die kleinste Variante aus der damaligen SK-Reihe, damals mein ganzer Stolz und auch schon DM 1.000 gelatzt, die ich mir hart zusammen gespart habe. Kein MIDI, keine Anschlagdynamik, Keyboard mit nur 4 Oktaven … aber – für meine damaligen Ohren – ein wundervoller Streicher-Sound. Hat Spaß gebracht.
Geile Soundbeispiele übrigens!
Super witziges Video von Dir … und ich finde, selbst trocken hört sich das Teil noch echt gut an …
Bei den schönen Klangbeispielen mit Leslie hätte ich wetten mögen ’ne echte Hammond-Orgel zu hören…
…und die Wette prompt verloren 😀
Ich möchte fast behaupten, dass der Crumar Organizer noch ein oder zwei Jahre früher da war. Betreffend Authentizität sicher nicht so toll wie die Korgel, aber für damals auch beeindruckend.
@ConEx Der Organizer T1 war 1978. Also prinzipiell zur gleichen Zeit. Der war aber meines Erachtens nicht wirklich erfolgreich, auch nicht kompakt und hat sich als Klon nicht wirklich durchgesetzt. Aber stimmt – war etwas früher als die CX-3
Die alte CX3 ist heute sicherlich nicht mehr konkurrenzfähig. Sie hat sich aber prima im Bandsound gemischt, speziell im Hardrockbereich. Das macht sie auch heute noch sehr gut. Habe sie kürzlich über Leslie wieder einmal spielen können. War ein Mördersound, sehr druckvoll und angenehm zusammen mit Hardrockgitarren. M.E. nach besser als Workstationorgel und so mancher Klone. Live würde ich sie nicht mehr verwenden, da zu alt und anfällig. So weit ich weiss verwendet der Keyboarder von Riverside live immer noch die CX3.