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Legendäre Gitarren, Teil 2

Frankenstrat, Jag-Stang, die erste Les Paul und mehr ...

5. Oktober 2025

Legendäre GitarrenLegendäre Gitarren wie die „Greeny“, „Jessica“ oder die Brian May „Red Special“ waren die Stars des ersten Teils dieser Serie.

Im zweiten Teil der legendären Gitarren möchte ich ein paar Instrumente vorstellen, die selbstgebaute oder regelmäßige Gäste in den Reparaturwerkstätten dieser Welt waren. Hier kommt also eine kleine Reise durch die Zeit: von dem Gedanken hinter der ersten E-Gitarre über die Entwicklung der Superstrat bis zum absoluten Workhorse.

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Die Geschichte zeigt, dass oft die Überlegungen und Bedürfnisse von tourenden Musikern Innovationen und überraschend gute Ergebnisse lieferten.

Les Paul – „The Log“

Der Ursprung aller selbstgebauten E-Gitarren ist natürlich die erste E-Gitarre von Les Paul. Die sogenannte „The Log“-Gitarre gilt als Ausgangspunkt der modernen E-Gitarre. Les Paul war selbst erfolgreicher Musiker und er wollte seine akustische Gitarre verstärken. Als Tonabnehmer diente ihm bei seinen ersten Versuchen hierbei eine Grammophonnadel, die er in die Gitarrendecke bohrte. Diese Vorgehensweise führte allerdings zu unerwünschten Rückkopplungen, sobald man die Gitarre mittels eines Pickups verstärkte. Auch das Ausstopfen des Korpus mit Socken, um die Rückkopplung zu minimieren, brachte nicht das gewünschte Ergebnis.

Legendäre Gitarren The Log

Kaum ein Gitarrist, der sein Design nicht schon einmal gespielt hat: Les Paul und Mary Ford, 1954 (TV Guide, Public domain, via Wikimedia Commons)

Doch der Traum von Les Paul war es, eine laute Gitarre zu spielen, die mehr Sustain hatte als eine akustische. Also wählte er eine schmale Eisenbahnschwelle als Korpus, schraubte einen Hals mit Winkel daran und bestückte die Konstruktion mit einem Tonabnehmer. Diese Version war allerdings aufgrund des Holzes sehr schwer. Eine zweite Ausführung aus Pinienholz lieferte dagegen nicht den gewünschten Klang. Der Pickup bestand nun aus Resten eines Telefonhörers und auch die Brücke war selbst gefertigt.

Als er dieses Design den Gitarrenbauern vorstellte, wurde er belächelt. Daraufhin verkleidete er das Holzstück mit den Seitenteilen einer zersägten Epiphone Jazzgitarre, damit es mehr wie eine Gitarre aussah. Im Gegensatz zu den Gitarrenbauern war das Publikum auf Anhieb von dem lauten Sound begeistert.

Erst als Leo Fender kurz davor war, eine Solidbody-E-Gitarre auf den Markt zu bringen, kontaktierte Gibson Les Paul und bat ihn, bei der Entwicklung mitzuwirken. Er willigte ein und entwarf das bis heute nahezu unveränderte Les Paul Modell. Mit dem Stoptailpiece war er allerdings nicht einverstanden und eigentlich wünschte er zudem eine flache Decke. Gibson entschied sich jedoch für eine gewölbte – vor allem, um sich von Fender abzuheben, da Leo Fender nicht über die nötigen Maschinen für eine gewölbte Decke verfügte.

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Heute muss man nicht mehr zum Bastler werden, um eine Les Paul zu spielen und so hat man mehr Zeit, an seinem Sound zu basteln.

Eddie van Halen – Frankenstrat

So geschehen bei der „Frankenstein-Strat“ von Eddie van Halen. Van Halen hatte eine ganz bestimmte Vorstellung von seiner Gitarre. Sie sollte die Form einer Stratocaster und den druckvollen Sound einer Gibson Gitarre in sich vereinen. Aber einerseits hatte Eddie noch nicht die finanziellen Möglichkeiten, die ihm sein späterer Ruhm eröffnete und andererseits gab es diese Traumgitarre damals einfach auch nicht im Laden. Kurzerhand wurde er also selbst aktiv und baute sich aus fertigen Einzelteilen eine eigene Gitarre.

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Das ist eben das Tolle an den Fender-Modellen: Man muss kein Gitarrenbauer sein, um sein Trauminstrument zu designen. Und so wurde die sogenannte Superstrat der 80er geboren.

Den gewählten Esche-Korpus kaufte er in den späten 70ern von Wayne Charvel. Die genaue Marke des Korpus ist umstritten und es könnte sich sowohl um einen Charvel-, einen Schecter- oder auch einen Boogie-Body handeln. Zweckdienliche Hinweise werden hier sehr gerne entgegengenommen.

Der Hals stammte ursprünglich von einer 1961er Fender Stratocaster, die Eddie Van Halen schon seit einiger Zeit besaß. Später tauschte er diesen Hals gegen einen Boogie-Bodies-Hals mit Jumbo-Frets, einem Messingsattel und einer großen Kopfplatte, den er ebenfalls 1977 kaufte. Sowohl der Korpus als auch der Hals waren damals nicht teuer.

Für das Tremolo musste ebenfalls seine 61er Strat herhalten. Etwas später ersetzte er dieses jedoch durch ein Floyd Rose Tremolo-System. Und noch ein wenig später klemmte er ein Geldstück unter das Tremolo.

Der Humbucker in der Stegposition ist ein echter PAF-Humbucker, der aus einer Gibson ES-335 stammt. Um Feedbacks zu reduzieren, hat Van Halen diesen Humbucker nachträglich gewachst. Um die unterschiedlichen Saitenabstände zwischen Gibson und Fender Gitarren beim Pickup auszugleichen, schraubte er den Pickup einfach schräg in den Korpus. Dieser Humbucker wurde später durch Seymour Duncan  und Mighty Mite Humbucker ersetzt.

Der Korpus war eine B-Ware mit einem Astloch und Eddie van Halen hat ihn selbst lackiert. Die erste Version der Lackierung weiß mit schwarzen Streifen. Dies erreichte er durch eine schwarze Lackierung, das anschließende Abkleben mit Klebestreifen und eine weitere weiße Lackierung.

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Evh Frankie Striped MN Relic R/W/B
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In dieser Version spielte er sie auf dem Debütalbum Van Halen samt anschließender Tour.

Dann lackierte er sie in der bis heute legendären rot-weiß-schwarzen Version um. In diesem Zug wurde auch das Pickguard entfernt. Um Nachahmer seiner Gitarrenkonstruktion zu verwirren, baute er noch einen Single-Coil-Pickup in der Neck-Position sowie den Pickup-Wahlschalter ein. Beide waren allerdings nur Dekoration.

Diese Eddie-van-Halen-Frankenstrat gab es später auch als Signature-Modell. Aber es bietet sich doch an, sich so eine Gitarre komplett selbst zu bauen und nach den eigenen Vorstellungen anzupassen.

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Dadurch baut man eine ganz andere Beziehung zum Instrument auf. Ein wirklich klasse Instrument mit einer spannenden Geschichte.

Stevie Ray Vaughan – „Number One“

Eine etwas ähnliche Geschichte hat die Number One von Stevie Ray Vaughan hinter sich. Allerdings wurden hier nur – wie bei einem Formel 1 Rennwagen – einzelne Teile ausgetauscht, wenn sie verschlissen waren. Und das war aufgrund seines kraftvollen Spiels öfter notwendig.

Seine Strat war immer abgerockt und bestand aus unterschiedlichen Bauteilen. Dazu gehörte ein Lefthand-Vibrato-System. Dieses wurde gewählt, um dem Spielstil von Hendrix näherzukommen und mit brachialer Gewalt, einem Hammer und einem Stechbeitel selbst montiert. Um das unschöne Resultat zu vertuschen, wurde kurzerhand ein Aufkleber über das Missgeschick geklebt.

Stevie Ray Vaughan Number One

Stevie Ray Vaughans „Number One“ sieht man an, dass sie eine Gitarre ist, die wirklich gespielt und geliebt wurde (Quelle: LBJ Library from Austin, Public domain, via Wikimedia Commons)

Der Korpus stammte aus dem Jahr 1964 und der Hals aus dem Jahr 1963. Die Pickups wurden im 1959 gefertigt. Mit einer Saitenstärke von .012 oder .013 hatte diese Gitarre einiges auszuhalten – auch wenn sie einen Halbton tiefer gestimmt wurde.

In den folgenden Jahren musste die Gitarre so oft neue Bundstäbchen bekommen, dass schließlich ein Nachschleifen des Griffbretts erforderlich war. Und nach einem Kopfplattenbruch musste der Hals komplett ersetzt werden.

Aufgrund der Saitenstärke war es notwendig, zusätzliche Federn für das Tremolo einzubauen, was dazu führte, dass die Tremolohebel bei Benutzung regelmäßig abbrachen.

Hier wurde die Gitarre wahrlich nicht geschont. Vaughan hatte einen kraftvollen Spielstil und das sah man seiner Gitarre auch an. Aber eigentlich ist es ja schön, wenn alte Instrumente nicht in einem Schaukasten verstauben, sondern auf der Bühne gespielt werden.

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Fender Stevie Ray Vaughan
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Für ihn war es ein Arbeitsgerät und das merkte man dieser Gitarre, die aus den unterschiedlichsten Ersatzteilen bestand, deutlich an. Trotzdem behielt Stevie Ray Vaughan immer seinen markanten Sound.

Nach seinem Tod bekam die Gitarre einen alten Hals und wurde seinem Bruder übergeben. Die „Number One“ gab es später auch als Signature-Modell, das inzwischen selbst ein gesuchtes Instrument ist.

Kurt Cobain – Fender Jag-Stang

Traurig ist die Geschichte der Fender Jag-Stang von Kurt Cobain. Während seiner kurzen Karriere spielte er bevorzugt Fender Offset-Gitarren aus Second-Hand-Läden. Es galt die Devise: Hauptsache günstig – wobei er sicherlich auch auf die Optik achtete.

Kurt Cobain Jag-Stang Gitarre

Die Jag-Stang ist eine Mischung aus der Fender Jaguar und der Fender Mustang und wurde nach einer händischen Skizze von Kurz Cobain gebaut (Quelle: Fender_Jag-Stang God’s own guitars, CC BY-SA 4.0 httpscreativecommons.orglicensesby-sa4.0, via Wikimedia Commons)

Als ihm schließlich angeboten wurde, eine eigene Signature-Gitarre herauszubringen, ruhte er sich nicht auf den bestehenden Designs von Jazzmaster, Jaguar oder Mustang aus. Stattdessen ließ er sich von diesen Instrumenten inspirieren und zeichnete sein eigenes Modell. So entstand die Jag-Stang, die eine Jaguar mit einer Mustang kombiniert.

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Die Gitarre hat einen Mustang-Hals, einen Single-Coil-Pickup in der Halsposition sowie einen DiMarzio-Humbucker an der Bridge. Beide Pickups sind leicht schräg montiert. Die Jag-Stang wurde in Blau und Rot hergestellt.

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Leider konnte Kurt Cobain die blaue Version nur wenige Male während der In Utero-Tour spielen, bevor er verstarb. Die rote Jag-Stang hat er nie erhalten. Trotzdem ist dieses Signature-Modell bei seinen Fans sehr beliebt. Der blaue Prototyp wurde später an den R.E.M.-Gitarristen verschenkt, während die rote Prototyp-Version für schlappe 93.750,- US-Dollar versteigert wurde. Das ist allerdings nichts im Vergleich zu den 1.587.500,- US-Dollar, die für Cobains Fender Mustang bei einer Auktion bezahlt wurden.

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Über den Autor
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DelayDude RED

Zur Musik kam ich über meinen Dad und seine alte Klampfe, die sich nicht vor meinen dreckigen kleinen Kinderhänden verstecken konnte.
Es war Liebe auf den ersten Ton (auch wenn davon sicher viele ziemlich schief waren).
Über Cover-Versionen von Guns N’Roses und Aerosmith ging es zu Pantera, Sepultura und Metallica.
Nach einem kurzen Intermezzo in der obligatorischen Grunge-Phase und einem Besuch beim Frisör in den 90ern landete ich zielsicher beim Nu Metal (Korn, Deftones ...

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