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Legendäre Keyboarder: Ray Manzarek, The Doors

Der Magier, der The Doors zum Leuchten brachte

23. Mai 2026
Legendäre Keyboarder: Ray Manzarek, The Doors. (Quelle: Gijsbert Hanekroot via Alamy, T8DFD2)

Legendäre Keyboarder: Ray Manzarek, The Doors. (Quelle: Gijsbert Hanekroot via Alamy, T8DFD2)

Ray Manzarek ist einer der großartigsten Keyboarder aller Zeiten. Zu den absoluten Highlights gehören die an J. S. Bach erinnernde Einleitung zu Light My Fire und das geheimnisvolle Intro zu Riders on the Storm mit dem jazzigen Improvisationsteil. Dabei spielt er keine Note zu viel und keine zu wenig. Den Sound von The Doors hat Ray Manzarek maßgeblich geprägt.

Eine Band, „deren Bedeutung für die Jugend und ihre Musik nur von den Beatles übertroffen“ wurde, wie „Das neue Rocklexikon“ 1973 schreibt. Manzareks unverwechselbares Markenzeichen: Die linke Hand spielte auf einem Fender Rhodes Piano Bass die hypnotische Bassbegleitung, die rechte Hand lieferte dazu schneidende Orgelriffs und betörende psychedelische Melodien. Ohne Ray Manzareks magisches Keyboardspiel hätten The Doors trotz ihres ikonischen Sängers Jim Morrison vermutlich wie eine x-beliebige Bluesrockband geklungen.

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Kurz & knapp

Worum geht es? Ray Manzarek: Keyboarder von The Doors, der mit eigenem Stil den Bandsound entscheidend prägte.

  • Sound: Kombination aus Vox Continental, Fender Rhodes Bass und klassischem Einfluss formte den typischen Doors-Klang.
  • Songwriting: Prägende Rolle bei Klassikern wie „Light My Fire“ und „Riders on the Storm“.
  • Minimalismus: Wenige Mittel, große Wirkung. Sein Spiel hielt die Band musikalisch zusammen.
  • Vermächtnis: Einflussreicher Keyboarder, dessen Stil bis heute Musiker inspiriert.

Light My Fire: Die Geburt eines Klassikers

Die ersten neun Sekunden von Light My Fire gehören zu den „unglaublichsten Liedanfängen der gesamten 60er Jahre“, schreibt Die Zeit. „Jubelnder Barock, grelles, fließendes Licht durch die Glasfenster einer sehr eigenartigen Kirche.“

The Doors trafen sich im Frühjahr 1966 im Apartmenthaus von Ray Manzarek und seiner Frau Dorothy in Venice Beach. Die Band brauchte neue Stücke, um ihr Repertoire zu erweitern. Allerdings hatte lediglich Gitarrist Robby Krieger einen neuen Song mitgebracht: Light My Fire. Robby begann zu spielen, Drummer John Densmore stieg mit einem Latin Beat ein und wechselte im Chorus zu einem strafferen Rock-Groove. „Wir haben zwei Chorusse, zwei Strophen“, analysierte Ray Manzarek. „Jetzt brauchen wir ein Solo. Lasst uns die Sache etwas ausweiten.“

Als Vorbild diente My Favorite Things von John Coltrane. Auf ein sich wiederholendes Pattern spielte erst Ray, dann Robby Krieger ein Solo. Es lief richtig rund. „Wir brauchen noch ein Intro“, warf Ray ein. „Wie soll der Song denn losgehen? Jetzt lasst mich einfach mal 15 Minuten alleine etwas ausprobieren.“ Die Band verkrümelte sich zum Strand, der direkt vor der Haustür lag. Als die Musiker zurückkamen, spielte ihnen Ray das Intro vor. „Und jeder sagte, genau das ist es!“ (Modern Keyboard) „Das war einfach ein Riesen-Hook“, bestätigt Drummer John Densmore. „Rays Keyboard-Licks werden als die unvergesslichsten Hooks in die Geschichte eingehen.“ (National Public Radio)

Ray Manzareks Geburtsstadt Chicago (Foto: Philipp Uhlig)

Ray Manzareks Geburtsstadt Chicago (Foto: Philipp Uhlig)

Ray Manzarek – Der Musiker hinter dem Mythos

Ray wird als Raymond Daniel Manczarek Jr. am 12. Februar 1939 in Chicago geboren, wo er mit seinen beiden Brüdern Rick und Jim recht behütet aufwächst. Die Großeltern waren aus Polen emigriert und seine Eltern Raymond Sr. und Helena halten das europäische Erbe in Ehren. Sie schicken Ray schon mit sieben Jahren zum Klavierunterricht: „Es hat mir nie wirklich gefallen“, erinnert sich Ray im Interview mit Modern Keyboard. „Aber ich habe gelernt, Noten zu lesen und meine Technik zu verbessern. Im Grunde genommen war die russische Klassik dabei der größte Einfluss. Dimitri Kabalewski war sehr wichtig. Strawinsky und Tschaikowski ebenfalls … das Gefühl von Moll, Wehmut, modaler Musik.“

Mit diesem klassischen Hintergrund kam Ray eigentlich aus einer ganz anderen Welt als der Rockmusik der 60er. Die lernte er durch die TV-Shows von Elvis Presley kennen, die die Eltern gemeinsam mit ihren Kindern schauten. Und wann immer er das Radio aufdrehte, war da die Musik von Muddy Waters, John Lee Hooker, aber auch Chuck Berry, Little Richard und Jerry Lee Lewis. „Little Richard hat mich völlig umgeworfen“, verrät Ray im November 2011 dem Magazin Music & Musicians. „Da war ich 12 und ich wusste, dass ich es toll finden würde, Musik zu spielen.“ Genau dieser Mix aus Klassik und Rock sollte später seinen Stil ausmachen.

Eine Zeit lang verfolgte Ray den Traum, professioneller Basketballspieler zu werden. Als das nicht klappte, versuchte er sich als Jurastudent. Aber in einem Anwaltsbüro wollte er auch nicht enden. Nach einem kurzen Militärdienst studierte er Film an der UCLA in Los Angeles und schloss 1965 mit einem Master of Fine Arts ab.

Damals spielte er mit seinen beiden Brüdern schon in einer Band: „Rick & The Ravens“. In diese Zeit fallen zwei bedeutsame Begegnungen. Er lernt seine spätere Frau Dorothy Fujikawa kennen, mit der er bis zu seinem Lebensende verheiratet war und mit der er einen Sohn hatte. Er trifft zufällig einen früheren Kommilitonen wieder: Jim Morrison.

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Venice Beach: Hier beginnt die Story von The Doors. Hier lag auch Ray Manzareks Strandhaus, in dem die Band den Hit Light my fire komponierte. (Foto von <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Venice_Beach_from_above.jpg">mscaprikell, Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic</a>)

Venice Beach: Hier beginnt die Story von The Doors. Hier lag auch Ray Manzareks Strandhaus, in dem die Band den Hit Light my fire komponierte. (Foto von mscaprikell, Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

Stoned am Venice Beach: Die Anfänge von The Doors

Diese Szene ist spätestens seit Oliver Stones Doors-Film aus dem Jahr 1991 weltberühmt geworden. Ray Manzarek und Jim Morrison sitzen bekifft am Strand von Venice Beach. Morrison hatte ein paar Songs geschrieben und fängt an, sein Stück Moonlight Drive zu singen: „Das hat mich schlicht umgehauen“, erzählt Ray Manzarek später in einem Interview mit Modern Keyboard. „Die Lyrics waren so eindringlich. Unheimlich. In seiner Stimme war Blues, etwas Russisches, dieses ganze Elvis-Presley-Mystery Train-Ding. Alles, mit dem ich aufgewachsen war. Jim fing diese ganze Atmosphäre ein. Meine Finger begannen, sich zu bewegen. Ich hörte innerlich, was ich mit meinen Keyboards um seine Vocals herum gestalten konnte.“

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Hal Leonard Jazz Play-Along The Doors
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Aber noch fehlte eine Band. Ray lernte den Schlagzeuger John Densmore und den Gitarristen Robby Krieger bei einem Meditationsworkshop des indischen Gurus Maharishi kennen. Der Name The Doors verweist auf einen Satz des englischen Dichters William Blake: „There are things that are known and there are things that are unknown; in between there are doors.“

Eine andere Inspiration war das Buch von Aldous Huxley: „The Doors of Perception“, in dem es um die bewusstseinserweiternde Wirkung von Drogen geht. Die Band begann, die Clubszene in Los Angeles aufzumischen. Sie spielten im legendären Whiskey a Go-Go und in einem kleinen Club, der London Fog hieß, wo sie bis zu fünf Sets am Abend spielten. „Wir spielten und spielten und spielten und entwickelten diese Songs, indem wir sie wieder und wieder einstudierten. Wir gingen ins Whiskey und heizten den Leuten richtig ein.“ (soundandvision)

Report: Ray Manzarek; Das geniale Debütalbum der Doors.

Das geniale Debütalbum der Doors

Das revolutionäre Debütalbum: The Doors

Ihre Demobänder mussten sie allerdings zunächst wie saure Gurken anbieten, weil kein Studio in Los Angeles sie unter Vertrag nehmen wollte. Erst der New Yorker Jac (Jacob) Holzman, Gründer von Elektra Records, erkannte den ungeschliffenen Diamanten. Interessanterweise überzeugte Holzman am Ende der Alabama Song, eine Brecht/Weill-Adaption. „Mein Gott, das ist ein Lied aus einer deutschen Oper der späten 20er Jahre. Okay, ich dachte, sie wären nur billiger Rock ’n’ Roll, aber ich sehe, dass sie intelligent sind. Also werde ich sie unter Vertrag nehmen.“ (Modern Keyboard)

Das schlicht „The Doors“ betitelte Debütalbum wurde ein Riesenerfolg, der sich insgesamt 121 Wochen in den US-Albumcharts hielt. Die Single-Auskopplung Light My Fire wurde zur Hymne des „Summer of Love“. Bis heute gilt The Doors als eines der einflussreichsten Alben der Rockgeschichte. Eigentlich hört sich das ganze Album wie ein „Best of“ an: Der enorme Drive des Eröffnungstitels Break On Through (To the Other Side), das sanfte Crystal Ship und das ödipale The End („Father I want to kill you, Mother I want to fuck you“), das durch die Ventilatorszene aus Coppolas Vietnam-Epos „Apocalypse Now“ unsterblich geworden ist.

Report: Ray Manzarek; Strange Days konnte dank Achtspurtechnik luxuriöser produziert werden als das Debütalbum

Strange Days konnte dank Achtspurtechnik luxuriöser produziert werden als das Debütalbum

Marimba und Synthesizereffekte auf „Strange Days“

Das Erstlingswerk „The Doors“ wurde auf einem Vierspurtonband praktisch wie live eingespielt. Für das zweite Album „Strange Days“ stand den Doors schon eine Achtspurmaschine zur Verfügung und die Band konnte Overdubs machen. Ray spielte Marimba und nahm auf einer Spur ein Piano komplett rückwärts auf. Für diverse Synthesizer-Effekte wurde ein Moog-Modularsystem genutzt.

Produzent Paul A. Rothchild und die Band glaubten, einen genialen Nachfolger des epochalen Debütalbums produziert zu haben: „Wir waren davon überzeugt, dass es größer sein würde als alles, was die Beatles gemacht hatten. Aber es gab keine Single. Die Platte ist uns krepiert.“ Trotzdem mochte Ray Manzarek das Album sehr: „Damals haben wir gelernt, wie man das Studio bedient. Einfach unglaublich. Es ist mein Lieblingsalbum.“ (soundandvision)

Das dritte Album "Waiting for the sun" festigte den Erfolg von The Doors.

Das dritte Album „Waiting for the sun“ festigte den Erfolg von The Doors

1968 erschien das dritte The-Doors-Opus „Waiting for the Sun“, das in den USA auf Platz 1 kletterte und mit Hello, I Love You auch eine Nummer-1-Single abwarf. Bei Fans sehr beliebt ist auch Spanish Caravan. Auf diesem Song zeigt The-Doors-Gitarrist Robby Krieger, dass er auch eine formidable Flamenco-Gitarre spielen kann.

Der Nachfolger „The Soft Parade“ von 1969 hingegen vermochte die Kritiker überhaupt nicht zu überzeugen. Sie spotteten über die gefälligen Streicher- und Bläsersätze. Dem Publikum schien es gefallen zu haben, denn ausgerechnet das mit reichlich Strings und Brass gewürzte Touch Me kletterte auf Platz 3 der Billboard Charts: „Ich habe mich schon immer für brasilianische Musik interessiert, deshalb habe ich sie gebeten, ein kleines brasilianisches Lick einzubauen“, verriet Ray im Interview mit Modern Keyboard.

Jim Morrison: Der charismatische aber schwierige Frontmann

Live waren The Doors noch einmal eine ganz andere Hausnummer. Der unbestrittene Star war Frontmann Jim Morrison, ein Sexsymbol mit Löwenmähne und enger Lederhose. Jim sang mit seiner charismatischen Stimme düstere Texte „voller Todesträume, Schreckensvisionen und Zaubersymbole“. (Neues Rocklexikon, S. 240). Allerdings kämpfte Morrison auch mit Alkoholproblemen und war auf der Bühne zuweilen unberechenbar. Die Bühnenshow war oft aggressiv, Morrison wurde sogar in Miami wegen „Entblößung in der Öffentlichkeit“ und „vulgärer Sprache“ bei einem Konzert verhaftet.

Daraufhin beteiligten sich 30.000 besorgte Bürger in Miami an einer Anti-Doors-Demonstration, die von einer „Liga für den Anstand“ organisiert worden war. Was den Zulauf zu den Konzerten und die Plattenverkaufszahlen natürlich nur zusätzlich befeuerte. Der Keyboarder hatte eine eigene Sicht auf das Spannungsverhältnis zwischen Sänger, ihm selbst und dem Rest der Band: „Jim sollte natürlich die ganze Aufmerksamkeit bekommen. So sollte es auch sein. Aber ich will verdammt sein, wenn all diese Aufmerksamkeit ihn am Ende nicht umgebracht hat.“ (TheTapesArchive)

Report: Ray Manzarek

L.A.Woman Das letzte gemeinsame Album von The Doors

Mit dem vierten Studioalbum „Morrison Hotel“ kehrte die Band zu ihren Wurzeln zurück. Mehr Rock, mehr Blues. Sogar ein Mundharmonikaspieler wurde verpflichtet. Noch stärker Richtung Blues ging das letzte gemeinsame Album der Doors: „L.A. Woman“. Der Titelsong, L’America und Riders on the Storm ragen heraus. Letzterer Song unterstrich noch einmal Ray Manzareks einzigartige Fähigkeiten als Keyboarder, dieses Mal auf einem Fender Rhodes Mk1 73.

Psychedelischer Rock mischt sich mit dunklem Jazz und Naturgeräuschen von Donner und Regen. Morrison ließ sich bei den Lyrics von dem Anhaltermörder Billy „Cockeyed“ Cook inspirieren. Er verband seine typische mystische Poesie mit einer Geschichte über Einsamkeit und, in Anlehnung an Martin Heideggers Existenzphilosophie, die „Geworfenheit“ des Menschen in die Welt.

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Into this house we’re bornInto this world we’re thrownLike a dog without a boneAn actor out on loan

Es war das einzige Album, auf das keine Tournee folgen sollte. Denn Jim Morrison verließ die Band und ging nach Paris, wo er am 3. Juli 1971 mit nur 27 Jahren an Herzversagen starb. So wurde Riders on the Storm zu seinem musikalischen Vermächtnis. Hier das offizielle Musikvideo:

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Ray Manzareks Equipment – Es muss nicht immer eine Hammond sein

Dass er eine Vox Continental braucht, wusste Ray Manzarek, als er die Band The Dave Clark Five im Fernsehen sieht. Der Keyboarder spielte eine schlanke, kleine Orgel mit schwarz-weißen, vertauschten Tasten und einem chromglänzenden Z-Ständer. „Ich habe die Vox Continental an einen Fender Twin Reverb gehängt und sie war genauso laut wie eine Gitarre.“ (Music & Musicians) So konnte er gemeinsam mit Gitarrist Robby Krieger richtig in die Vollen gehen.

„Das wurde zu einem wesentlichen Bestandteil unseres Sounds, zusammen mit dem Fender-Rhodes-Keyboard-Bass. Es funktioniert großartig, weil die Vox-Orgel flach klang. Ich konnte den Keyboard-Bass genau darüber legen.“ Die Vox Continental ist überall auf dem Debütalbum der Doors zu hören, aber auch auf späteren Hits wie People Are Strange, When the Music’s Over, Peace Frog oder Love Her Madly.

Ray Manzareks Vox Continental (Play it loud: Instruments of Rock &amp; Roll, Metropolitan Musem of Art. <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ray_Manzarek_%28The_Doors%29%27s_ca.1962-65_Vox_Continental_-_%28Collection_of_the_Rock_%26_Roll_Hall_of_Fame%29_-_Play_It_Loud._MET_%282019-05-13_19.03.24_by_Eden,_Janine_and_Jim%29.jpg">Foto von Eden, Janine and Jim (Creative Commons Attribution 2.0 Generic</a>)

Ray Manzareks Vox Continental (Play it loud: Instruments of Rock & Roll, Metropolitan Musem of Art. Foto von Eden, Janine and Jim (Creative Commons Attribution 2.0 Generic)

Von der Vox Continental zur Gibson Kalamazoo G-101

Die Vox fiel bei Ray in Ungnade, als die Fertigung von der britischen Firma Jennings Musical Industries nach Italien zu GEM ausgelagert wurde. Die Qualität ließ rapide nach, die laut Ray Manzarek zuvor schon nicht berauschend war: „Ich hatte meine Orgel ohnehin schon alle sechs Monate austauschen müssen. Sie gingen kaputt, weil mein Spiel sehr hart war. Die Tasten blieben hängen. Alle halbe Jahre eine neue Orgel habe ich mir ja noch gefallen lassen, aber jetzt brauchte ich monatlich, ach was wöchentlich, ein neues Instrument.“ (Modern Keyboard)

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Eine Alternative musste her. Die Wahl verengte sich auf Farfisa und die Gibson Kalamazoo G-101. Die Farfisa hatte ein abgerundetes Top, auf dem der Fender Rhodes Piano-Bass keinen sicheren Stand fand. Die Kalamazoo G-101 dagegen war flach. Damit war die Sache entschieden. Die Kalamazoo hatte sogar einen Pitchbend-Effekt. Mit einem Pedal konnte die Stimmung um einen Halbton nach unten transponiert werden. Ray setzte das Pitchbending auf Not to Touch the Earth und The Unknown Soldier ein.

Report: Ray Manzarek; Fender Rhodes Piano Bass im Museum of Making Music (Foto by <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fender_Rhodes_Piano_Bass_(1965),_Ecco_Fonic_tape_echo,_Museum_of_Making_Music.jpg">Clusternote, Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic)</a>

Fender Rhodes Piano Bass im Museum of Making Music (Foto by Clusternote, Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

Ray Manzareks Fender Rhodes-Bass

Es ist ja nicht so, dass The Doors es nicht auch mal versucht hätten, mit einem richtigen Bassisten zusammenzuspielen. Für die Doors-Alben wurden regelmäßig auch Bassisten dazugeholt. Aber eben nicht für Live-Auftritte. Immerhin zwei Meister der vier Saiten wurden sogar zum Vorspiel eingeladen. Aber es funktionierte einfach nicht: „Mit dem einen klangen wir wie die Stones und mit dem anderen wie die Animals“, erinnerte sich Ray Manzarek im Interview mit Music & Musicians.

Die Bassisten spielten einfach zu viele Noten. Und dann wehte da noch so etwas Metaphysisches mit rein: „Wir wollten eigentlich nur zu viert sein, wie die Himmelsrichtungen.“ Als Ray dann bei einem anderen Keyboarder den Fender Rhodes Piano-Bass in Aktion sah, machte es Klick bei ihm. Das war die Lösung, nach der sie gesucht hatten. „Ich nahm mir vor, meine Boogie-Woogie-Lines zu spielen … So entstanden diese Light My Fire-artigen Basslinien, die sich immer wiederholten und hypnotisch wirkten.“ Aber Ray Manzarek sah auch ein: „Für einen echten Bassisten wäre diese Art zu spielen einfach nur schrecklich gewesen.“

Ray Manzareks Experimente mit Synthesizern und präpariertem Klavier

Auf dem zweiten Album Strange Days ist auch ein Moog-Modularsystem zu hören, das u. a. Möwenstimmen auf dem Titelstück imitiert. Auf Spanish Caravan wurde ein elektronisches Windgeräusch mit dem Moog erzeugt. Ray Manzareks Pioniergeist zeigte sich auch bei den akustischen Klavierklängen, die kräftig manipuliert wurden. So wurde Wachspapier auf die Saiten gelegt und Ray spielte ein ganzes Stück rückwärts ein. John Cage stand Pate.

Ray setzte auch mal ein Wurlitzer ein, etwa auf Queen of the Highway und spielte Cembalo auf Love Me Two Times und dem Intro von The Soft Parade. Und er freute sich immer, wenn eine Celesta im Studio stand. „Du findest immer einen Platz, um ein bisschen ‚bing bing‘ unterzubringen.“

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Dann doch: Eine echte Hammond und ein amtliches Fender Rhodes

Für das letzte gemeinsame Album der Doors L.A. Woman wurde dann sogar eine Hammondorgel angeschafft. Eine C-3, die allerdings komplett auseinander genommen wurde: „Da kam diese Riesenkirchenorgel rein und wir mussten sie irgendwie zerkleinern. Wir haben alle Innereien rausgerupft, sogar die Röhren. Und dann wurde sie transistoriert. Also für ein halbes Jahr oder so spielte ich eine Cut-down-Hammondorgel.“ (Modern Keyboard)

Fender Rhodes Stage Mark 1

Fender Rhodes Stage Mark 1

Tja, und jeder, der den Doors-Klassiker Riders on the Storm kennt, weiß, dass dafür der Tastaturumfang des Fender Rhodes Piano-Bass beileibe nicht ausreichend ist. Das ist ein ausgewachsenes Fender Rhodes Mk I 73, dessen weicher, glockiger Sound sich perlend vor die düstere Gewitterkulisse des Songs schiebt. Für Ray Manzarek eine Offenbarung: „Das Fender Rhodes gab mir damals wirklich das Gefühl von ‚Oh mein Gott, jetzt wird es interessant‘.“ (Modern Keyboard)

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Das Keyboard im Zentrum des Sounds

Das ist Ray Manzareks Instrumentarium der klassischen Jahre mit The Doors. Später ließ Ray ein Alesis-Keyboard mit diversen Sounds und Samples in ein Gehäuse einer Vox Continental einbauen. Die Orgel konnte dann neben dem schneidenden Vox-Sound auch Klavier-, Cembalo- und Hammondklänge erzeugen. Ray war da ganz pragmatisch: „Die heutigen Keyboards sind phantastisch, man hat ein ganzes Symphonieorchester zur Hand.“ (Music & Musicians)

Ray Manzareks Setup war immer minimalistisch, aber funktional. An die Stelle von Effektschlachten und technischen Spielereien setzte er Präzision, Timing und ein ausgeprägtes Gespür für Räume in der Musik. Deshalb klingt die Musik der Doors gleichzeitig dicht und transparent.

The Doors ohne Morrison und Ray Manzareks Solokarriere

Nach dem Ausstieg und dem baldigen Tod von Jim Morrison machte Ray Manzarek mit Robby Krieger und John Densmore zunächst als Trio weiter. Die Band veröffentlichte zwei Studioalben, Other Voices (1971) und Full Circle (1972), bei denen Manzarek und Krieger den Gesang übernahmen. 1978 erschien An American Prayer: Die Band vertonte postum Aufnahmen von Morrisons Gedichtsrezitationen.

Die Arbeit als Trio brachte ihnen einen Achtungserfolg ein. An die Erfolge der Morrison-Ära konnten sie allerdings nicht anknüpfen. 1973 löste sich die Band auf und Ray Manzarek verfolgte nun eine Solo-Karriere. 1974 probte er mit Iggy Pop und trat auch live mit ihm auf.

Ray Manzareks Soloalben bekamen teilweise Kritikerlob, aber erzielten keine großen Verkaufszahlen.

Ray Manzareks Soloalben bekamen teilweise Kritikerlob, aber erzielten keine großen Verkaufszahlen

Manzarek veröffentlichte 1974 die Soloalben The Golden Scarab und The Whole Thing Started with Rock & Roll Now It’s Out of Control, an dem Patti Smith mitwirkte. AllMusic-Kritiker Joe Viglione war vom „Goldenen Skarabäus“ sehr angetan: „Hätte Jim Morrison noch gelebt, wäre dies der Weg gewesen, den die Musik der Doors hätte einschlagen sollen. Ein Album, das sich sanft anhört und zum wiederholten Hören einlädt.“

Ray Manzarek: Produzent und Buchautor

1977 gründete Ray Manzarek die Rockgruppe Nite City, deren beide Alben keinen großen Widerhall fanden und produzierte Echo & The Bunnymen und die Punk-Band X. Spannend war seine Zusammenarbeit mit Philip Glass, mit dem er 1983 eine moderne Version von Carl Orffs „Carmina Burana“ vorlegte. Ray Manzarek spielte Piano und Keyboards und Glass fungierte als Produzent. Der Minimalismus von Glass in Verbindung mit Manzareks Rock-Background ist hörenswert. Ein monumentales klassisches Werk, neu gedacht durch die Linse eines Rockmusikers.

.Report: Ray Manzarek

Ray Manzarek schrieb auch mehrere Bücher, darunter seine Autobiografie Light My Fire: My Life with The Doors (1998) und Romane wie The Poet in Exile. Zum Schluss gab es noch einmal Zoff unter den ehemaligen Doors-Musikern. Als Ray zusammen mit Robby Krieger 2002 auf Tour ging, unter dem Namen „The Doors of the 21st Century“, kam es zu Rechtsstreitigkeiten mit dem Drummer John Densmore.

This is the end, beautiful friend

Im Frühjahr 2013 wird bei Ray Manzarek Krebs festgestellt. Für die Behandlung fährt er nach Deutschland. Am 20. Mai 2013 stirbt Ray Manzarek im Alter von 74 Jahren in einer Rosenheimer Klinik. Seine alten Bandmitglieder reagierten betroffen: „Ray war ein wichtiger Teil meines Lebens und ich werde ihn immer vermissen“, sagte Robby Krieger. (Reuters) Und John Densmore würdigte den Künstler: „Es gab keinen Keyboarder auf der Welt, der Jim Morrisons Texte besser hätte unterstützen können. Musikalisch lag ich mit Ray völlig auf einer Linie. Wir waren eine Einheit und haben gemeinsam das Fundament geschaffen, auf dem Robby und Jim schweben konnten.“

Robby Krieger und John Densmore söhnten sich aus. 2016 traten sie zu Ehren Ray Manzareks gemeinsam beim Benefizkonzert „Stand Up to Cancer“ auf. Mit dabei u. a. X, die Foo Fighters, Jane’s Addiction und die Stone Temple Pilots.

Oral history: Auf Myth and Reality gibt Ray Manzarek Einblicke in sein Leben und die Arbeit von The Doors.

Oral history: Auf Myth and Reality gibt Ray Manzarek Einblicke in sein Leben und die Arbeit von The Doors

Was machte Ray Manzarek so besonders?

Ray Manzarek besaß eine einzigartige Fähigkeit, verschiedene musikalische Welten zu verbinden. Er verschmolz Klassik, Blues, Jazz und Rock in seinem Spiel zu etwas völlig Eigenständigem. Während Sänger Jim Morrison das Publikum mit seinem Charisma in den Bann zog, hielt Manzarek die Band zusammen, ruhig, konzentriert, fast stoisch.

Damit verkörperte er eine Rolle, die im Rock oft unterschätzt wird. Die des Strukturgebers. Er war eben nicht nur Keyboarder, sondern auch Bassist, Arrangeur und musikalischer Architekt. Ohne ihn hätten die Doors-Songs oft schlicht nicht funktioniert.

Report_Ray Manzarek

Ray Manzarek (Grafik: Resi Förster)

Ray Manzarek rammte keine Dolche in seine Orgel wie Keith Emerson (das hätte Rays Vox Continental auch nicht gut vertragen), er hüllte sich nicht einem Hohepriester gleich in lange Gewänder wie Rick Wakeman. Er verbarrikadierte sich auch nicht in einer Keyboardburg wie später Tony Banks. Aber sein Spiel besaß eine subtile Raffinesse, die die Virtuosität der Vorgenannten aufwog.

Sein minimalistischer, aber effektiver Ansatz zeigt bis heute, dass weniger oft mehr sein kann. „Er war ein wahrhaft kreativer Musiker, nicht im Stil der selbstverliebten ‚Keyboard-Zauberer‘ der 70er-Jahre, sondern im Dienste der Songs.“ (The Guardian)

Am Ende war er der Mann, der The Doors wie The Doors klingen ließ.

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Über den Autor
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costello RED

Costello (Christian Uhlig) schreibt seit 2016 für amazona.de Stories über Vintage-Equipment und Peoplegeschichten. Synthesizer faszinieren mich, seit ich als 12-Jähriger am EMS-Synthi A meines Bruders rumschrauben durfte. Ab 1979 selbst in verschiedenen Bands gespielt. Das Foto ist Anfang der 80er in einem der bekanntesten Berliner Clubs - dem SO36 - aufgenommen worden, wo die Bierflaschen tief flogen, wenn's den Leuten nicht gefallen hat. Zuletzt aktiv als Keyboarder einer Cover-Band in ...

Forum
  1. Profilbild
    Flowwater AHU

    Wer die Geschichte von »The Doors« direkt aus der Sicht von Manzarek erleben möchte, sollte sich unbedingt das Buch »Die Doors, Jim Morrison und ich« vornehmen. Ich hab’s gelesen und bin begeistert (und dabei bin ich gar nicht sooooo ein Riesenfan von The Doors). Vor allem dieses »an sich glauben und losmachen« kommt genial in dem Buch rüber.

    Anders als Manzarek in seinem Buch schildert, mag ich auch den Film »The Doors« mit Val Kilmer in der Rolle als Jim Morrison (und, so ganz nebenbei, auch Kyle »Agent Cooper« MacLachlan in der Rolle als Manzarek).

    Kleine Anekdote nebenbei: Ray Manzarek war wegen seiner Erkrankung hier im Krankenhaus in Rosenheim. Dabei hat er die Buchhandlung in dem Ort besucht, in dem ich seit über 30 Lebe (geile Buchhandlung übrigens). Die haben dort wiederum immer einen Flügel aufgebaut. Manzarek hat sich da hingesetzt und einfach mal drauf losgespielt. Ja, etwas von der Manzarek-DNA klebt vermutlich immer noch an den Tasten.

    • Profilbild
      costello RED

      @Flowwater Ich fand Stones Film damals auch sehr gut und speziell Val Kilmers Verkörperung von Jim Morrison ziemlich glaubwürdig. Aber Ray mochte den Film nicht, er hatte wohl seine Probleme damit, wenn Morrisons dionysische Seite zu sehr in den Vordergrund gestellt wurde. Toll deine Anekdote mit der Buchhandlung und dem Manzarek-Flügel! 😀

      • Profilbild
        Flowwater AHU

        @costello Ich musste erst mal »dionysisch« nachschlagen … jetzt weiß ich, was das heißt (wieder what learned) und ja: Genau dieses kommt in dem Film sehr gut rüber.

        Ich oute mich mal, dass ich für einen Künstler generell (man beachte und respektiere bitte die Betonung!) so einen ganz kleinen zarten winzigen Rauschzustand als durchaus förderlich ansehe. Also bitte weitab von »Ich hab‘ einen sitzen«, man lallt nur noch oder gar »hackedicht«. Aber so einen ganz hauchzarten Rauschzustand, der ein klitzekleines Bischen enthemmt und mal so alle Probleme ein wenig in den Hintergrund drückt … das hat schon was in der kreativen Phase. Bei mir setzt das bei einem Glas Wein (200 ml) oder einem Whisky (4 cl) ein. Diese Menge gehört dann auch genossen und nicht einfach nur in den Hals geschüttet … und mehr darf es dann auch echt nicht sein. Und sonderlich oft sollte man das natürlich auch nicht machen. 🙂

  2. Profilbild
    herw RED

    Christian !
    eine wunderbare Story – ich lese immer wieder gerne dein e Recherchenund bin von der Spannung deiner Texte angezogen, um gleichzeitig im Hintergrund die erwähnten Songs abzuspielen. –
    eine sehr schöne intensive Sonntagslektüre :) DANKE!

    • Profilbild
      costello RED

      @herw Danke lieber herw! Ab 1. Juni bin ich im „Ruhestand“ und vielleicht komme ich dann sogar etwas regelmäßiger dazu, etwas für amazona zu schreiben. 😎

  3. Profilbild
    Fredi

    Hallo costello,

    besten Dank für die sehr schöne Würdigung dieses Künstlers bzw. der Band!

    Ich war mit 20 großer Doors-Fan (da war J.M. allerdings schon knapp 10 Jahre tot) und habe alles verschlungen, was ich zu dieser Band ausfindig machen konnte.

    Dass Morrison manchmal einem eher geradlinigen Typen wie Manzarek auf den Geist gegangen ist, kann ich mir sehr lebhaft vorstellen. J.M. war halt die Kombination eines narzistischen Spinners und oft auch Volldeppen mit einem grandiosen und charismatischen Künstler. Diese Janusköpfigkeit hätte mich in einer Band wahrscheinlich auch auf die Dauer fertiggemacht.

    Sehenswert ist dazu auch die Dokumentation von 2009 „When you are strange“, die anhand von anekdotischen Filmschnipseln diese Banddynamik recht gut einfängt.

    Auf jeden Fall nochmals besten Dank für Deine Mühe!

    Gruß
    Fredi

  4. Profilbild
    Marco Korda AHU

    Ich bin ein glühender Anhänger von The Doors. Ich bin überzeugt: wenn die heute noch Musik machen würden, wären sie eine elektronische Band (zumindest in gewissen Teilen). Tolle Texte, tolle Persönlichkeiten, tolle Musik, Jim’s Stimme, Rays unfassbares Keyboard-Spiel, die Hypnotische Wirkung und durchdringende Melancholie. Ich liebe einfach alles an ihnen und mag (fast) jedes Album.

  5. Profilbild
    TobyB RED

    Sehr geil! Ray Manzarek ist schon ein Tastengott. Da gibts mal nichts. Was ich neben seiner Arbeit für die Doors auch schätze, sein Spätwerk zB mit Roy Rogers, allerfeinster Blues, Country, Soul.

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