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Rauschentfernung mit ReaFIR in klassischer Musik?

ReaFIR-MidiDino1

Arbeitet man nicht als Toningenieur in einer Studioumgebung, die mit einer erlesenen Audio-Master-Sektion ausgestattet ist, kann ein sehr leises Aufnahmerauschen zu einer nervtötenden Angelegenheit werden. Um zu erläutern, auf was für ein Rauschen ich mich beziehe, seien zunächst die Gerätschaften und Bedingungen angeführt, die in meinem Fall zu einer Beschäftigung mit dem Thema führten.

Ich bin Komponist (zeitgen. Jazz / zeitgen. Klassik), dem Studio- und Audiotechnik ziemlich fremd ist. Auch falls man mir erlesene Gerätschaften zur Verfügung stellen würde, bliebe ungewiss, ob ich damit etwas anfangen könnte. Dieses Eingeständnis ist nicht unwichtig, denn obgleich im Rahmen der Digitalisierung von Musikproduktionen und der Entstehung und Ausweitung von Social Media es jedem möglich geworden ist, sich als Studio-Experte aufzuspielen, möchte ich gerne auf meinem Teppich bleiben. Ich habe freilich immer noch die durchaus trügerische Hoffnung, dass der eventuell fliegen könnte.

Das für mich relevante Rauschen entstand bei der Demo-Produktion von zeitgenössischen Kunstliedern für Soundcloud, die ausschließlich klassische Solostimmen bzw. Solostimmen und Chor enthalten, die äußerst filigran sind. Zudem enthalten die Stücke sehr, sehr leise Passagen. Die pragmatische Möglichkeit, einfach die Anfänge der Audios zu stillen und das leise Rauschen in der Musik einfach untergehen zu lassen, entfiel.
Als Instrument kam mein E-mu E4 Sampler zum Einsatz, mit ausgewählten Stimmen der Symphony of Voices (Spectrasonics). Als Mixer diente mir mein Spirit M8 (Soundcraft). Durch ein E-mu 0404 Interface gelangten die Klänge in Reaper. Mir persönlich reicht das schmale aber gut klingende Interface aus, weil ich generell Spuren separat aufnehme. Die von mir präferierte Verbindung des M8 mit dem 004 ist digital.
Die angeführten Gerätschaften sind zwar etwas älter, aber durchaus nicht von minderer Qualität. Das hinterlegte Audiobeispiel verdeutlicht die Relevanz einer Rauschreduktion sogar unter für mich als Komponist und Musiker relativ optimalen Bedingungen.

In Reaper steht zur Abhilfe ReaFIR als PlugIn bereit. Die mit der DAW gelieferten PlugIns sind aber auch frei im Netz zu finden. In Gebrauch hatte ich von diesen bislang allerdings keines. Nach einigen Testläufen (EQ, Compressoren) musste ich festellen, dass sie nicht zu der relativ komplexen Musik passen, die ich produziere. ReaFIR hatte ich bislang jedoch nicht ausprobiert.
Praktisch ist innerhalb des PlugIns unter Mode zunächst ‚Subtract‘ zu wählen, unter Edit Mode ‚Precise‘. Im Hinblick auf einen FFT Size (Fast Fourier Transform) beließ ich es schließlich auf den automatisch angezeigten 4096, um ein Rauschprofil ermitteln zu lassen. Hat man noch das Feld angeklickt, das den Wunsch nach einem Profil aufnimmt, kann es losgehen. Weil es schwierig sein kann, innerhalb eines Musikstücks eine musikfreie Passage zu finden, die zur Bildung eines Rauschprofils taugt, markierte ich den freien ersten Takt, den ich bei midi-unterstützen Recordings relevanten Startdaten vorbehalte, und ließ den Rauschtakt eine kurze Zeit repeaten bzw. loopen, bis das Frequenzbild angezeigt wurde. Das Resultat speicherte ich als Preset ab. Eine Positionierung des PlugIns in der Summe / dem Master beantwortete mir Reaper jedoch mit einem betäubenden Pfeifen und Tröten!
Erst als ich jede Spur / jedes Stem separat mit einer Instanz belegte, ergab sich eine ersehnte Rauschenfernung. Doch für klanglich besonders komplexe Gesangspassagen waren die 4096 FFT noch zu gering. Das PlugIn reagierte nicht fein genug, schluckte, geriet ins Stolpern. Also erhöhte ich den Wert beim Preset auf der jeweils relevanten Spur, pro Lied war ein Stem betroffen, auf 16384 bzw. auf den höchst möglichen von 32768 FFT. Dieser höchste Wert markiert offenbar eine Grenze des PlugIns – aber ich muss gestehen, dass ich von FFT zu wenig Ahnung habe, um mich weiter dazu äußern zu können. Ich freue mich aber, ReaFIR zur Rauschreduzierung einsetzen zu können, auch unter schwierigen Bedingungen.

Links:

ReaPlugs (Reaper): http://www.reaper.fm/reaplugs/
E-mu E4: https://www.amazona.de/report-emu-der-ultimative-eiv-sampler-ueberblick/
E-mu 0404: https://www.amazona.de/test-emu-0404-usb-0202-usb/
M-Serie (Soundcraft): http://www.soundcraft.com/products/M-Series
Symphony of Voices (Spectrasonics): https://www.spectrasonics.net/products/legacy/symphonyofvoices.php

Fazit

Im Netz gibt es zahlreiche Videos über den Einsatz von ReaFIR, die natürlich alle von Experten gemacht wurden. Mein spezielles Anliegen wurde nirgends auch nur erwähnt. Ich freue mich, dass ReaFIR tatsächlich nutzbar ist, auch unter den von mir beschriebenen Bedingungen. Ich wünschte allerdings, dass sich im Bereich Rauschentfernung auf dem Markt mehr tut, nicht nur für Ingenieure einer Master-Sektion, sondern besonders für Musiker.

Klangbeispiele

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Über den Autor

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MidiDino AHU

Mitglied seit: 07.09.2009
Von Kindheit an lernte ich das Spielen von Flöten, klassischer Gitarre und Piano. Als Komponist interessieren mich primär strukturelle Verläufe und eine Neuentdeckung der Variation. Ich arbeitete bislang multitonal, 12-tönig, generierte spezielle Skalen und nutze verschiedene auch gemeinsam.

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Aktuelle Kommentare

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Teufelskerl
am 16.01.2018 12:30 Uhr
Hmm... Ich hatte kein Problem mit der Stimmstabilität beim MicroBrute.

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Teufelskerl
am 16.01.2018 12:27 Uhr
Vmtl. eher nicht Ableton Link... Der hat diese Buchsen auf beiden Seiten. Evtl. kann man da ne Daisy-Chain bauen oder man kann die zu nem polyphonen System zusammenschließen. Würde mit der Positionierung der Buchsen mehr Sinn machen, als Ableton Link.

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Kyotonic AHU
am 16.01.2018 12:27 Uhr
Das ist wohl so. Eine Mother muss! :) Im Rack neben Atlantis und 0-Coast kann man damit verdammt viel Mist bauen. Da gucken der D und der SE-02 in die Soundröhre. :D

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dr noetigenfallz
am 16.01.2018 12:07 Uhr
Hier wird ja gesagt, die Verstärker würden nicht immer ans Original rankommen. Dem könnte man ja durch das Nachkaufen von Impulsantworten beikommen. In verschiedenen Foren wird dann immer wieder gesagt, dass z.B. der Kemper viel dynamischer zu spielen wäre und auch besser klingen würde. Jetzt die Frage: Wenn ich dieselben…

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Florian Anwander RED
am 16.01.2018 12:04 Uhr
Hallo Linus, Es freut mich, dass Dir das Sniplet gefällt. Die Tracks gibts auch bei Soundcloud: https://soundcloud.com/fanwander dort kannst sie herunterladen. Und ja, tatsächlich gibt es exakt diese Sequenz (allerdings mit Formant, statt Moog) in einer Veröffentlichung. Ich fürchte nur, Du wirst Dir schwer tun sie zu finden: Die habe…

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L. Lammfromm
am 16.01.2018 12:03 Uhr
@WOK Für den Netzteil-Overhead (so nenne ich das mal) gibt es im Wesentlichen zwei Gründe: a) Klang b) Langlebigkeit des Netzteils . Man kann mitunter tatsächlich bei einem gut dimensionierten Netzteil (das ist hier der Fall) gewisse positive Veränderungen der Klangeigenschaften feststellen. Gerade die bei diesem Synth so geliebten Overdrivesounds…

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amazonaman AHU
am 16.01.2018 12:01 Uhr
In Verbindung mit dem Behringer Modell D sicher ein Fettes Zugpferd!Da kann man sich ein super Modular System basteln aus 2 Herstellern! Das wird ein sehr schönes 2018.

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Dacci Pucci
am 16.01.2018 11:45 Uhr
Also ich hab in den Soundbeispielen nichts gehört, was mir Lust auf mehr macht. Klingt alles relativ dünn und brav in meinen Ohren. Ich teste ihn nochmal in real an, aber so richtig mein Fall ist die Kiste nicht.

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8-VOICE AHU
am 16.01.2018 11:37 Uhr
Heute 14:00 Uhr wissen wir was von Arturia als nächstes kommt....

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citric acid RED
am 16.01.2018 11:18 Uhr
Ja die Poti und Schalter sind sehr eng beieinander und das ist auch nicht jedermann Sache. Ich habe meinen SE02 etwas gemoddet . Ich habe bei den Drehschaltern Unterlegscheiben von Audiobuchsen unter der Potikappe gesteckt. Diese bewirken das die Schalter richtig stramm sitzen. Beim Behringer ist da die Fingerfreiheit wesentlich…

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citric acid RED
am 16.01.2018 11:13 Uhr
Kein Problem, das beantworte ich gerne. Ich habe von einem Mackie 32-8-2 Pult direkt in einen Tascam CD Record aufgenommen. Hier war kein Interface in der schleife. Habe auch nichts an den Pegeln gemacht, lediglich dann mit Wavelab in MP3 gewandelt. Hoffe das Hilft Dir. Lg

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llIIl
am 16.01.2018 11:01 Uhr
Hallo Florian, ich habe so einen schlimmen Ohrwurm von Audiobeispiel 4, irgendwie so eine Synth-Porn-Ohr-Sache, kennt man ja. ;) Kann man sich das irgendwo runterladen? Oder hast Du vielleicht den Moog mit genau dieser Sequenz und ähnlichen Klangeinstellungen (0:00 - 0:45) in einer verfügbaren Produktion verwendet? Grüße aus Frankfurt.