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Ultra analog durch Physical Modeling

Als ich vor einigen Jahren auf der Suche nach einem ergänzenden Plug-In für Synthesizer-Sounds war, gab es für mich zwei Kriterien: (a) ein möglichst analoger Klang, (b) ein möglichst geringer Ressoucenverbrauch. Da ich keinen analogen Liebling hatte noch habe, dessen Portierung, Abbild und Nachklang mir wichtig gewesen wäre, musste es kein Imitat analoger Klassiker sein. Ich war gespannt!

UltraAnalog

Mit dem Ultra Analog VA-2 von AAS wurde mir nach langer Suche mein Wunsch erfüllt. Es gehört zu einer Produktlinie von Software-Instrumenten, die alle durch ‘physical modeling’, also mathematische Modelle erstellt wurden. Klang und Ressoucenverbrauch überzeugten mich. Seit einiger Zeit gibt es die zweite Version, auf die ich gerne upgedated habe.

Die Synthese-Features des Ultra Analog VA-2sind vergleichsweise unspektakulär, dennoch reichhaltig: Subtraktive Synthese mit zwei VCO, je einem Filter, zwei VCA, wobei der zweite zusätzlich über Noise verfügt. Beide VCO können oktaviert fein- und detuned werden, verfügen über Einstellungen der Pulsebreite als auch Sub. Zusätzlich sind Ramp und Hardsync einstellbar. Als Wellenformen liegen Sine, Saw, Square und Noise vor. In der Filtersektion gibt es Mischfunktion für die VCOs, Envelopes sind einrichtbar, 12db als auch 24db Filtervarianten (LP, BP, Notch, HP, For1, For2) wählbar, Einstellungen der Frequenz, Resonanz zu treffen und je ein LFO.

Ein Modulationsmonster, dies sei betont, ist der Ultra Analog VA-2 nicht, auch wenn mit den angeführten Parametern bereits viel zu leisten ist. Die enthaltenen Presets werden relativ oft durch den Arpeggiator und das Delay lebendig gehalten. Um editieren zu könne, stehen drei Seiten zur Verfügung, inklusive der Hauptansicht ‘Play’. Gewechselt werden kann zu ‘Edit’ der Synthesefunktionen und zu ‘FX’ der Effektesektion. Die Seite ‘Play’ enthält Anpassungsmöglichkeiten für Vibrato (Lfo), die Effekte, wozu auch ein Vintage Chorus zählen kann, und den Arpeggiator. Die verschiedenen Seiten können während des Spiels gewechselt, Einstellungen nachjustiert werden. Zusätzlich ‘Modulation’, das wärs, z.B. wie bei der Cordstruktur von E-mu (E-IV-Sampler).

Leider sind, wie in der Branche üblich, die vielen mitgelieferten Presets des Ultra Analog VA-2 nicht selten durch Effekte überladen, besonders durch Delay und/oder Reverb. Auch klingt der Reverb, tritt er in den Vordergrund, bisweilen scheußlich digital, plastikhaft – nicht die beste Werbung! Die Presets lassen sich aber leicht anpassen und vor Ort abspeichen. Zusätzlich gibt es eine User-Bank als Speicherort, die bei der Auslieferung freilich leer ist. Die mitgelieferten Soundprogramme sind überwiegend modisch angehaucht; für das Audio habe ich mit Absicht auf solche Kreationen verzichtet.

Der Grundklang des Ultra Analog VA-2 ist vergleichsweise warm und voll, auch wenn man metallische Geräusche erzeugt. Die Klangästhetik, die ja auch mittels physical modeling digital erzeugt wird, geht nach meinem Ermessen in Richtung dessen, was ich an Rolands Digital-Synthesizern stets geschätzt habe. Ich bin von dem Produkt angetan.

Nicht erwarten darf man jedoch eine analoge Direktheit und Wucht, die das Knochenmark gefieren lässt. Spätestens innerhalb von Produktionen würde diese ohnehin verlorengehen müssen, um nicht als unintegrierbarer Entwurf auf einer Festplatte zu enden. Wer aber die Schockempfindung braucht, aus welchen Gründen auch immer, sollte sich vielleicht nach einem betagten Jupiter 4 umsehen. Die drei von mir vergebenen Sterne für den Ultra Analog beziehen sich auf die eingangs erwähnten Kriterien.

Fazit

Für mich ist der Ultra Analog eine Bereicherung. Die Software klingt nach meinem Ermessen richtig gut und lässt sich auf einfache Weise gemeinsam mit anderen Plug-Ins nutzen, auch mit solchen, die weitaus stärker die CPU belasten. Macht man sich die Mühe oder hat man Freude daran, Presets anzupassen oder selber zu erstellen, ist der Ultra Analog durchaus empfehlenswert, auch wenn einige Wünsche (Modulation) offen bleiben.

Produktseite des Ultra Analog VA-2: https://www.applied-acoustics.com/ultra-analog-va-2/

Klangbeispiele

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    tompisa

    Gerade weil Du FX rausgenommen hast aus den Klangbeispielen kann man mit halbwegs normalen Equipment (keine Built in speaker also ) sehr gut hören ,was der „ultra“ gut kann: Einfach korrekte subtraktive mit old school Charakter, ohne versteckte Overhype EQs wie bei vielen anderen PlugIns, die alles anfetten was nicht niet- und nagelfest ist. Der ES1 von Logic ist auch so ein alter Kandidat , der einfach gut ist. Hatte AAS ganz aus den Augen verloren , hatte mal den Modular von denen. Danke für Deinen Bericht und die Klangbeispiele.

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    nicogrubert

    Ich hatte damals den Ultra Analog v1 sehr oft im Einsatz.
    Der Nachfolger fällt bei mir leider durch, weil das GUI teilweise kaum lesbar – weil extrem kleine Bedienelemente – ist. Für mich völlig unverständlich, wie man so ein GUI designen kann.

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      MidiDino AHU

      Danke für den Kommentar. Die GUIs wechselten, ich habe beide Versionen installiert, doch es änderte sich die Auflösung nicht. Das GUI des V1 ist auf eine Seite beschränkt, dadurch unübersichtlicher, und die Bedienelemente sind ebenso ‚unscheinbar‘, wie auf V2 ;-) V2 hat 3 Seiten (play, edit, fx), diese sind nun allerdings kleiner geraten.

    • Profilbild
      MidiDino AHU

      Mit dem neuesten Update des UltraAnalog ist das GUI des V2 größer geworden. Nun gibt es nicht nur verschiedene ‚Seiten‘ (play, edit, fx) zur Bedienung, sondern auf diesen auch Bedienelemente, die leichter – z.B. mit einer Maus -, zu fassen sind.

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Über den Autor

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MidiDino AHU

Mitglied seit: 07.09.2009
Von Kindheit an lernte ich das Spielen von Flöten, klassischer Gitarre und Piano. Als Komponist interessieren mich primär strukturelle Verläufe und eine Neuentdeckung der Variation. Ich arbeitete bislang multitonal, 12-tönig, generierte spezielle Skalen und nutze verschiedene auch gemeinsam.

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Bewertung: 5 Sterne Die Produktbewertung von MidiDino .

Aktuelle Kommentare

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Tyrell RED
am 19.01.2018 07:53 Uhr
Sorry, du hast natürlich recht .-)

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herw
am 19.01.2018 07:17 Uhr
Lange Leitung du hast. ;)

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Mick ••••
am 19.01.2018 07:12 Uhr
Ihr könntet Euch doch auf ein Bierchen treffen, und hier dann a bissl Platz lassen;-)

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Mick ••••
am 19.01.2018 07:07 Uhr
Man kann über die neuen Arturia PlugIns auch direkt neue Sounds im Netz kaufen und direkt spielen - man kann mit dem SonicCharge µTonic ins Planetarium gehen und Sounds vorhören und reinladen - man mit Presonus Studio One über Exchange, Sounds kaufen, UserSounds kostenlos laden, und sogar Templates, Pattern und…

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8-VOICE AHU
am 19.01.2018 00:58 Uhr
Wieder ein Abo Modell... :-(

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8-VOICE AHU
am 19.01.2018 00:49 Uhr
Um Cloud Dinge mache ich auch einen grossen Bogen. Ich will kaufen und besitzen wenn ich Geld und Lust habe. Ich will mich nicht verpflichten monatlich zu zahlen. Ich liebe grösstmögliche Freiheit ohne zuviele Verpflichtungen.... :-)

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amazonaman AHU
am 19.01.2018 00:30 Uhr
NI erinnert mich an selbstfahrende Autos und an die Roland Cloud. Das ist Mist der keine Akzeptanz finden kann. Wer es besser wissen möchte soll sich daran beteiligen. Jede Art von Cloud ist für mich ein Tabu, und im Tonstudio sowieso.

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Wellenstrom AHU
am 18.01.2018 22:46 Uhr
Yep, sehe ich ähnlich. Auf den ersten Verdacht hin geht m.E. der Preis vollkommen in Ordnung. Aber leisten kann und will ich mir den auch nicht.

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Wellenstrom AHU
am 18.01.2018 22:43 Uhr
Also, wenn Du Dir die Teile 1 - 3 wirklich schön reden willst, dann hilft dabei sehr gut, wenn du dir das B-Movie Plagiat von Star Wars "Star Crash" anguckst. Trash vom Feinsten. Unfreiwilig komisch. Neben "Plan 9 from Outer Space" einer DER Highlights im Gurken Sci-Fi überhaupt. Daneben wirkt…

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lightman AHU
am 18.01.2018 22:37 Uhr
Ich habe kein Problem mit dem angepeilten Preis des Prologue, kann ihn mir aber nicht leisten. Für mich ist es einfach nicht drin, 1500 oder gar 2000 Euro für einen Synth auszugeben, ich möchte aber Musik machen, daher konzentriere ich mich auf das, was mir mein Budget erlaubt, und freue…

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h.laubreiter
am 18.01.2018 22:24 Uhr
Vor etlichen Jahren hatte mich der sound des JX-8P in seinen Bann gezogen, der war (nach dem Juno-60) mein zweiter Analoger und ich hatte intensive Programmiersessions damit. Der JX-10 lockte mit seinen 12 Stimmen und nach einiger Zeit stand er dann da - nach umständlicher sound-Portierung waren meine besten sounds…

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Viertelnote AHU
am 18.01.2018 22:02 Uhr
der DM12 bietet derzeit das beste Preis/Leistungsverhältnis. Ich denke niemand wird einen attraktiven Preis verachten, wobei der natürlich nicht alles entschuldigen kann. Ich würde die beiden nicht als Konkurrenten sehen, vielleicht ergänzen sie sich gut. Schade das dem Prologue offenbar der Stepsequenzer fehlt. Sind die Tasten normalgroß oder geschrumpft wie…