Deutschlands Gitarrenbauer, Part 2

10. Februar 2019

Gitarren Made In Germany.

Deutsche Gitarrenbauer

Deutsche Gitarrenbauer

Als wir uns im Rahmen unseres Features Top 10 der deutschen Gitarrenbauer ansahen, was in der deutsche Gitarrenbauer-Szene Rang und Namen hat, stellten wir recht zeitig fest, dass es sich um einen riesigen Pool gewiefter Handwerker, cleverer Tüftler und eigensinniger Ästheten handelt. Schnell wurde klar, dass man der deutschen Gitarrenbauerszene mit einer 10 Namen umfassenden Liste nicht gerecht wird – dazu passiert einfach zu viel, gibt es zu viel qualitativ Hochwertiges. Viele Leser machten uns entsprechend aufmerksam auf Lücken in der Liste, fehlende Namen – also entschlossen wir uns kurzerhand, ein Addendum zu verfassen, eine weiterführende Liste, für die auch wie beim Vorgänger gilt: Keine hierarchische Auflistung, sondern eine Aufzählung von besonderen Namen der deutschen Gitarrenbauer! Also, unumwunden: Kommen wir zum zweiten Teil unserer Spurensuche in der deutschen Gitarrenbauer-Szene.

Framus

Den Anfang unserer Liste macht Framus aus Markneukirchen. Der Name Framus ist unweigerlich mit dem Namen Warwick verschmolzen. Zwischen 1946 und den späten 70ern besaßen Framus die vielleicht wichtigste Manufaktur für Gitarrenbau. Die „Franconian Music Production Fred Wilfer Investment Trust“ wurde im Januar 1946 in Erlangen gegründet. Inzwischen ist die Firma unter dem Warwick Banner hundertprozentig im 21. Jahrhundert angekommen. Hochwertige Fertigungshallen, automatisierte IFT-Systeme und Hightech pur: Per Software und maschineller Installation mithilfe der Plek-Technology wird absolute Bundreinheit und höchster bautechnischer Standard erreicht. Zahlreiche weitere Trademarks wie fluoreszierende Halspunkte oder die Verwendung des extrem hochwertigen Brazilian Rosewoods runden den Namen Framus ab. Ebenfalls bezeichnend: die einzigartigen, eleganten und kratzresistenten Finishes der Firma.

Und das Sortiment ist riesig: Ob Masterbuilt, Teambuilt oder StandardFramus haben sich in den letzten Jahrzehnten einen riesigen Katalog aufgebaut. Bescheiden bleibt man trotzdem: Hier versucht der deutsche Gitarrenbauer nicht, das Rad neu zu erfinden, sondern bei vielen Modellen ganz bewusst hervorragende Seymour Duncan-Pickups verbaut, beispielsweise in den Diablo oder Panthera Modellen oder den Single Coil Idolmaker. Und auch für eine Reihe von Signature-Modellen sind die Jungs verantwortlich: Devin Townsends Stormbender Signature ist im Hause Framus genauso entstanden wie William DuVall. Reiche Geschichte, reiches Sortiment und reichlich viel zeitgemäße Technik. Framus ist zweifellos ganz vorne mit dabei, wenn es um deutsche Gitarrenbauer geht. Wer sich die Zeit nehmen kann, dem sei eine Factory-Tour ans Herz gelegt. Für wen das nicht infrage kommt, dem sei die megacoole, digitale Production Tour ans Herz gelegt!

Standort: Markneukirchen
Kontakt: info@warwick.de
Website: www.warwick.de

Cyan Guitars

Thomas Harm von Cyan Guitars hat sich über die letzten Jahre hinweg einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Woran das wohl liegen mag? Vielleicht mitunter daran, dass der werte Herr sich seinen ersten Bass mit 14 aus den Brettern eines Holzregals zurechtzimmerte. Und dass die erste geschmiedete, voll funktionstüchtige Gitarre die Hände des Schöpfers verließ, da war er gerade mal volljährig. Manchen ist das Handwerk also mehr oder minder in die Wiege gelegt. Dabei hat Thomas selbst seine Wurzeln im Punk und ist ein echtes Hamburger Original und Urgestein der deutschen Gitarrenbauerszene.

Massenproduktion darf man also hier nicht erwarten. Die Einmannwerkstatt stellt im Jahr nur eine Handvoll Gitarren her und geht dann auf Nummer sicher, dass diese auch mit viel Liebe, Achtsamkeit und Sorgfalt zustande kommen …and the word travels far. Mastodon-Freak Brent Hinds bekam Wind von den Qualitäten des Hamburger und ließ sich für seine Oblivion Tour 2010 eine Signature Hellcaster bauen. Serienmäßig ausgerüstet mit DiMarzio Pickups bewegt sich Thomas entweder im Normal-Scale oder Baritone-Bereich – und wir wollen euch so ein Schmuckstück wie die semisolide Baritone „The Raven“ nicht vorenthalten.

Grundlegend ist die Philosophie diese, dass man hier versucht, die Gitarren mit so viel Identität und Liebe auszustatten, dass der Erbauer sie am liebsten selbst behalten würde. „Eigentlich der beste Ansatz“, so Thomas in seinen eigenen Worten. Der Erfolg gibt ihm Recht – Farin Urlaub von den Ärzten spielt seit Jahrzehnten ausschließlich Cyan live.

Standort: Hamburg
Kontakt: info@cyanguitars.de
Website: http://www.cyanguitars.com/

Auerswald Instruments

In Konstanz, Baden-Württemberg, sitzt ein kleines Mysterium. Jerry Auerswald hat hier in seiner Werkstatt eine besonders eigensinnige Handschrift entwickelt, mit der er seinen Gitarren seinen unverwechselbaren Stempel verpasst. Oder verpasste? Fakt ist: Auch nach tieferer Recherche will das Internet nicht so recht preisgeben, ob und wie aktiv der deutsche Gitarrenbauer Auerswald noch ist. Außer ein paar ominösen Links findet sich auf seiner Website nichts Handfestes, außer dem Hinweis zum Amp-Hersteller RedStuff – man darf davon ausgehen, dass hier ein freundschaftliches, vielleicht auch kollaboratives Verhältnis vorherrscht?  Ein kleines 80er Jahre Video ist noch das eheste, was sich hier rauskramen lässt:

Sein völlig abgedrehtes Design und die hochwertige Verarbeitung haben jedoch dafür gesorgt, dass er bis vor ein paar Jahren zum Teil noch fünfstellige Beträge für seine Gitarren verlangen konnte. Mit dem Resonance-Chamber-Prinzip gewährleistete er auch stets absolut erstklassigen Sound – bestes Beispiel hierfür dürfte die weltberühmte Symbol Guitar sein, deren martialischer, goldener Korpus so gar nicht von dieser Welt zu stammen scheint.

Deutsche Gitarrenbauer

Deutsche Gitarrenbauer

Auch seine Kreationen an Bässen war spektakulär, wie zum Beispiel der Auerswald Cleo, den Jerry aus einem einzigen Stück Wenge herstellte und wie seine Gitarren den charakteristischen Sustain Bow aufweist. Tatsache ist aber auch: Die Wartezeit beträgt bis zu 2 Jahre und die Preisklasse ist nichts für Normalsterbliche. Seit ein paar Jahren scheint die Website ebenfalls ordentlich abgespeckt zu haben und die Social Media Präsenz ist ebenfalls karg. Dabei hat es seine Symbol Guitar bis in die Hände des verstorbenen Pop-Prinzen Prince geschafft und damit Jerry gewissermaßen zu Weltruhm verholfen. Also hier herrscht ein für viele deutsche Gitarrenbauer legendärer Status. Ob und wie Jerry noch Kundenwünsche entgegennimmt, ist nicht hinreichend geklärt.

Standort: Konstanz
Kontakt: jerryauerswald@auerswald-instruments.com
Website: http://www.auerswald-instruments.com/

Nik Huber

Ganz so ominös geht es bei Nik Huber nicht zu. Gegründet vom Namensgeber im Jahre 1996 hat hier eine saubere Expansion stattgefunden, die dazu geführt hat, dass inzwischen ein Team von 9 Spezialisten bis zu 240 Instrumente pro Jahr anfertigt. Kurz vor der Jahrtausendwende verschlug es das damals noch recht kleine Team nach Rodgau, 20 Kilometer südlich von Frankfurt am Main. Das Handwerk als solches ist tief im Unterbewusstsein des Nik Hubers verwurzelt – seit Ende des 19. Jahrhunderts steht der Name Huber für Holzkunst und -handwerk. Und inzwischen hat Nik eben ein sympathisches, kleines Team um sich geschart, mit dem er seine Vision einer soliden, hochwertigen deutschen Gitarrenmarke weiter ausbaut.

Es beginnt mit dem Holz – hochwertiges, „Curled Mahogany“ am Korpus und hochwertiges brasilianisches Rosewood am Hals – so zum Beispiel bei der Blue Whale. Die Pickups werden nicht im Ausland eingekauft, sondern ganz stilsicher von Häussel reingeholt. Der namensgebende Wal, der sich über die Inlays und Bünde der Blue Whale erstreckt, ist einfach ein toller Anblick, ebenso die Pearl-Inlays in Delfin-Form bei der Dolphin II. Gleiches gilt für die semiakustische Rietbergen, eine Baritongitarre aus Mahagoni, ausgestattet mit Häussel-Pickups und charakteristischer Form, die von Hans Magnus Ryan von Motorpsycho gespielt wird.

Überhaupt konnten sich namhafte Musiker bereits für die Nik Huber Bauweise begeistern – Peter Baumann von den Beatsteaks oder Kuddel von den Toten Hosen sind nur ein paar Namen. Und auch wenn inzwischen ein fester Katalog steht, aus dem sich die Gitarristen das gewünschte Stück aussuchen können, ist der Custom Spirit nicht tot: https://nikhuber-guitars.com/custom.html.

Deutsche Gitarrenbauer

Standort: Rodgau
Kontakt: info@nikhuber-guitars.com
Website: https://nikhuber-guitars.com

Tausch Electric Guitars

Auch in Illertisen gibt es einen wichtigen Vertreter der deutschen Gitarrenbauerszene. Hier ist Rainer Tausch zu Hause, der sich vor allem mit zwei Serien in den letzten Jahren hervorgetan hat: Der Telecaster-Abwandlungen der 665er Reihe aus Birnenholz und die Single-Cut Biester der 659er Reihe. Namensgebend hier sind jeweils die Mensuren – sprich, ein bisschen länger als im Durchschnitt geht es hier zu. Auf bis zu 30 Gitarren jährlich bringt es Rainer, der Anfang der 90er auf den Geschmack des Gitarrenbauens kam und 1995 seine Firma ins Leben rief.

Die 665er sind mit Häussel-Pickups im Singlecoil-Format ausgestattet, namentlich der Klinge-Hot und der Klinge-Classic, warm und stark zugleich. Das Birnenholz verwendet nicht jeder und besitzt charakteristisch starke Obertöne, ist laut und bissig, Qualitäten, die eine Telecaster Abwandlung gerne mit sich bringen darf. 22 Wagner-Bünde und ein hochwertiger Knochensattel runden das Ganze ab.

Auch die 659er Reihe kommt äußerst charakteristisch daher, besitzt eine längere Mensur als die meisten Single-Cuts und sind trotzdem leichter als viele Paulas – 3,5 bis 3,8 kg werden hier auf die Waage gebracht. Mahagoni-Body, Birnen-Top und, ganz untypisch, Zwetschgenholz-Griffbrett. Rainer wagt es eben, neue Wege zu beschreiten, was Holz angeht. Coil-Splitter ist beim 659er ebenfalls serienmäßig dabei und kann über das Push/Pull-Tone-Poti aktiviert werden. Längere Mensuren bedeuten auch, dass tiefere Stimmungen absolut bundrein und stimmstabil verwendet werden können – also insgesamt ein echtes Brett und eine echte Alternative zur Paula!

Standort: Illertisen
Kontakt: info@tausch-guitars.de
Website: https://www.tausch-guitars.de/

Jens Ritter Instruments

Ganz so bodenständig wie bei Rainer Tausch geht es hier nicht zu – hier wird stattdessen wieder eher im Fährwasser der Exzentrik gebaut – keine Seltenheit unter deutsche Gitarrenbauer. Auch Jens Ritter durfte für Prince Gitarren herstellen und auf den ersten Blick wecken die Modelle auch Assoziationen mit der Auerswald-Baukunst. Und auch Jens hat das Handwerk quasi in die Wiege gelegt bekommen und anstatt die Gitarre als Mittel zum Zweck zu degradieren, wird das Instrument hier zelebriert und in endlos schöner Ausführung auf die Spitze getrieben – als kulturelles Statement, als Hommage an die Baukunst als solche. Wie bereits erwähnt – Größen wie Prince dankten Jens Ritter seine Vision. Und Jens dankte es ihm mit der Widmung seiner edlen „Purple Rain„, die er im Verlauf der drei Jahre nach Prince‘ Tod fertigstellte.

Selbstbewusst gibt sich der Gute auf seinem Blog, wo er Fans und Käufer über Auktionen und Projekte auf dem Laufenden hält – eine Kollaboration mit der Firma BASF hinsichtlich 3D-gedruckten Gitarren ist nur eine der vielen Süppchen, die Jens Ritter kocht!

Beispiele des inspirierten Designs sind zweifelsohne die Jupiter oder die mit Häussel-Pickups ausgestattete Porsch. In Sachen Holz verlässt sich Jens Ritter gut und gerne auf das altbewährte Mahagoni, auch wenn das Monroe Modell beispielsweise aus Erle geschlagen wurde. Ein hochwertiger Knochensattel ist bei allen Modellen eine Selbstverständlichkeit. Ein weiteres, recht genial anmutendes Stück Design ist zweifelsohne die Ritter PJS, ein minimalistisches, kirschrotes Understatement.

Standort: Deidesheim
Kontakt: info@ritter-instruments.com
Website: https://ritter-instruments.com

Akustische deutsche Gitarrenbauer – Lakewood Guitars

Schwenken wir nun rüber zu der akustischen Sparte. Auch in der Hinsicht bieten deutsche Gitarrenbauer einiges, wie wir im vorhergehenden Special bei Andreas Cuntz gesehen haben. Doch mit dem Namen Cuntz hört es in Sachen Bau von akustischen Gitarren bei weitem nicht auf. Lakewood Guitars ist eine Firma, die mit Mahagoni, Ovangkol, Eiche, Zypresse, Zirikote, Myrthe und Cocobolo arbeitet und dabei nichts unversucht lässt, ihren akustischen Gitarren ein angemessenes Gesicht zu geben.

Martin Seeliger, der Kopf hinter dem Ganzen, der 1986 Lakewood Guitars ins Leben rief, ist ein klassisch ausgebildeter Fachmann für Konzertgitarren. Darin liegen die Wurzeln des Gitarrenbauers, entsprechend steht in Sachen Bauform der Gitarre eine breite Palette zur Auswahl, sei es die Grand Concert Korpusform oder die Auditorium Korpusform. 20.000 Gitarren hat Lakewood produziert, deren Team inzwischen zwölf Köpfe zählt. Der besondere Nimbus, den Lakewood Guitars an sich hat, entsteht eben, wenn ein Traditionsunternehmen mit bescheidenen Anfängen globale Erfolge verzeichnet und sich dabei selbst treu bleibt.

Wer sich eine Customshop-Anfertigung bauen lassen will, kann die ersten Schritte über den Online-Gitarren-Designer einleiten, bei dem man Korpusform, Saitenanzahl und Holzart wählen darf – ein tolles Feature, das abermals aufzeigt, in welchen Gefilden sich Lakewood Guitars bewegen. Ansonsten lohnt es sich selbstredend, in den Katalogen der Natural-, Deluxe– oder Premium Serie zu stöbern.

Hanika Guitars

Die Liste schließt ein weiterer Bauer von akustischen Gitarren ab, der sich ebenfalls dem Bau von Konzertgitarren verschrieben hat und dabei keine Mühen scheut. Dabei geht Hanika einen pragmatischen Weg, unterteilt das Sortiment in vier Bereiche: Basisklasse, wo man in erster Linie den Einstieg in das Gitarrenspiel unterstützen will. Mittelklasse, die bereits gehobeneren Ansprüchen gerecht wird, die aufwendigere Oberklasse sowie anspruchsvolle Meisterklasse.

Der Name Hanika steht wie kaum ein anderer für Gitarrenbaukunst. Ausgehend von Helmut Hanika, der von seinem Großvater den Bau von Zupf- und Geigeninstrumenten gelernt hat, 1953 seine Firma „SOLI“ ins Leben rief und bis Mitte der 60er seine Marke und seinen Namen ausbaute. Seit Anfang der 90er hat Armin Hanika das Familienunternehmen übernommen und seitdem zielsicher ins Fahrwasser der Gegenwart überführt.

Und das Know-how ist enorm – hier werden in der Meisterklasse mitunter Flamenco-Meistergitarren hergestellt und mit edelsten Tonhölzern verfeinert – europäische Kirche, Grenadill, Makassar, Palo Escrito oder Ziricote. Und selbstredend stehen für die Mensuren eine Menge Optionen bereit, ebenso für das Halsprofil und die Griffbrettwölbung. Im Hanika Custom Shop kann man sich dann anhand persönlicher Vorstellungen auch Unikate anfertigen lassen. Ein Traditionshaus unter deutsche Gitarrenbauer also, das wie kaum ein anderer Name in Deutschland eine immense Bandbreite von akustischer Klangkunst abdeckt.

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